Releasetermin: 06.09.2017

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: First-Person-Shooter/MMO
Entwickler: Bungie
Herausgeber: Activision

 

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Mit Destiny 2 ist nun bereits seit fast einem Monat eines der vermeintlichen Highlights des Jahres auf dem Markt. Ich durfte den Titel vorab auf der Gamescom auf PC anspielen und genoss den Vorgeschmack. Mit dem ersten Destiny hatte ich jede Menge Spaß, doch konnte mich der Titel nur für einige Wochen fesseln. Seit Release von Destiny 2 spiele ich nun fast täglich einige Stunden in der Rolle eines Warlocks. Schafft es der neue Titel von Bungie diesmal, mich auch langfristig zu binden? Nach dutzenden Stunden mit dem Shooter traue ich mich, eine Einschätzung abzugeben.

Epische Inszenierung

Während der Aspekt der Story im ersten Teil noch unter den Erwartungen blieb, wurde die Geschichte in Destiny 2 deutlich besser eingebunden. Die Handlung setzt rund ein Jahr nach den Ereignissen des ersten Spiels an. Brachial inszeniert wird in den ersten Minuten gezeigt, wie der Turm, die Heimat der Hüter, von den Kabalen angegriffen wird. Die Helden verlieren in diesem Zuge ihr Licht und stehen fortan vor der großen Aufgabe, nicht nur ihr Licht zurückzuerlangen, sondern Kabal-Anführer Dominus Ghaul zur Strecke zu bringen und wieder für Ordnung zu sorgen. In erster Linie hat mich begeistert, wie toll die Geschehnisse in Szene gesetzt sind. Die Story-Schnipsel wirken sehr hochwertig produziert, weshalb ich mich über jede neue Zwischensequenz gefreut habe. Auch hat es mir gefallen, dass man viele Charaktere aus dem ersten Spiel besser kennenlernt. Auch wenn beispielsweise nicht jeder Witz von Cayde-6 bei mir fruchtete, kann das Figurenaufgebot grundsätzlich überzeugen. Hervorheben möchte ich auch noch das Ende der Geschichte, das spannende neue Fragen aufwirft und mich heiß auf die Zukunft der Serie macht. Mit einer reinen Spielzeit von rund 10 Stunden für die Story-Missionen samt Filmsequenzen geht auch der Umfang völlig klar.

Dennoch haben mich einige Kleinigkeiten an der Geschichte gestört. Da wäre zum einen der kitschige “Wir denken uns eine Handlung aus, bei der Spieler zu Beginn ihrer Kräfte beraubt werden”-Einstieg. Es hat unterm Strich ganz gut funktioniert, Spielern erst schrittweise wieder alle Funktionen zur Verfügung zu stellen. Dennoch wirkte die Geschichte für mich in dieser Hinsicht etwas zu konstruiert. Zum anderen hat mich Ghaul als grundlegender Feind nur bedingt überzeugt. Er wird recht eindimensional präsentiert, was heutzutage kaum noch ein gutes Feindbild zur Folge hat. Auch hat mich irritiert, dass der gespielte Hüter in der Story stumm ist – obwohl im ersten Teil das Gegenteil der Fall war. Immerhin kann der Geist, unser kleiner, schwebender Begleiter, mit seinen pfiffigen Sprüchen gut unterhalten. Allen voran im englischen Original liefert Nathan Drake-Sprecher Nolan North einen tollen Job ab, doch auch die deutsche Stimme ist gut gewählt. Die Story-Komponente hinterlässt insgesamt einen guten Eindruck. Destiny-Fans werden sich jedoch darüber freuen, dass auch fernab der Hauptmissionen jede Menge Lore-Informationen warten. Egal ob durch Nebenaufgaben oder Sammelobjekte – in der Spielwelt lassen sich zahlreiche Details zum Destiny-Universum finden.

Willkommen zurück, Hüter

Schnell finden sich Spieler auf der Farm wieder, die als vorübergehende Basis dient, um die weiteren Schritte durchzuplanen. Hier werden sich Fans des alten Spiels wieder bestens zurechtfinden, denn bietet Destiny 2 genau das, was im ersten Teil bereits so gut funktioniert hat. Im Laufe der Geschichte erhalten wir Zugang zu vier verschiedenen Planeten, die jeweils mit einer quasi offenen Welt daherkommen. Hier gibt es ebenso weitläufige Areale wie lineare Abschnitte und verdammt viel zu entdecken. Allein so mancher Anblick, der sich den Spielern bietet, ist der Ausflug auf die Erde, Io, Nessus und Titan allemal wert.

Als Hüter stellt man sich diversen Feinden, die auf den vier Planeten in Vielzahl ausgeschwärmt sind. Zu Spielbeginn stehen die Klassen Jäger, Warlock und Titan bereit. Richtig gelesen, es handelt sich um dieselben Klassen wie in Destiny 1. Während ich mich durchaus über die ein oder andere neue Klasse gefreut hätte, war ich auch froh darüber, mich sofort wieder in der Rolle des Warlocks wohl zu fühlen. Da die drei Klassen eine Reihe von grundlegend unterschiedlichen Fähigkeiten haben, spielen sie sich auch entsprechend abwechslungsreich. Außerdem können alle Klassen jeweils drei Unterklassen freischalten: Leere, Solar und Arkus. Diese verändern die Fähigkeiten des gespielten Hüters weiter und kommen mit jeweils anderen “Super”-Spezialmanövern daher. Spieler starten mit einer Unterklasse und können die anderen beiden im Laufe der Story freischalten. Mit jeweils einem seichten Skillbaum wählen Spieler ihre liebsten Fertigkeiten selbst aus. Mir hat gefallen, dass die genutzte Unterklasse im Ausrüstungsmenü in Windeseile gewechselt werden kann, wodurch wir je nach Situation unsere Fähigkeiten taktisch ändern können.

Futuristische Waffen der Extraklasse

Der Nahkampf, eine regenerierende Granate und diverse Klassenspezifische Manöver stehen allerdings im Hintergrund: In Destiny 2 dreht sich einmal wieder alles um wuchtige Schusswaffen. Schon im letzten Spiel von Entwickler Bungie gehörte das fantastische Waffengefühl zu den größten Stärken des Shooters. Das ist in Destiny 2 nicht anders – es macht einfach verdammt viel Spaß, mit den Wummen um sich zu ballern! Mit einer gehörigen Portion Aim-Hilfe ist das Spiel dabei auch für Neulinge zugänglich. Wer bereits mehrere Shooter auf Konsole gespielt hat, kann diese Hilfe allerdings auch reduzieren oder ganz ausschalten. Die Waffen in Destiny 2 sind in drei Kategorien aufgeteilt. Es gibt Kinetic-Waffen, Elementar-Varianten und Power-Exemplare. Damit wird die “Primär/Sekundär/Schwer”-Struktur des ersten Teils abgelöst. Das ändert insgesamt nicht viel am Konzept, doch eine erhebliche Änderung gibt es durchaus. Schrotflinten und Scharfschützengewehre fallen nun unter die “Power”-Kategorie, die sich mit extremer Munitionsknappheit auszeichnet. Diese Waffen sind dementsprechend natürlich besonders mächtig und eignen sich hervorragend für Boss-Kämpfe. Doch wer diese Arten von Waffen bisher als Hauptwaffen genutzt hat, wird in Destiny 2 sein Spielverhalten leider ändern müssen.

Mit dutzenden spaßigen Automatik-, Scout- und Impuls-Gewehren sowie Maschinenpistolen und Revolvern in den Kinetic- und Elementar-Sparten ist aber sichergestellt, dass jeder Spieler regelmäßig neue Waffen für sich entdeckt. In Kombination mit dem Doppelsprung und den Gleitmöglichkeiten der Hüter ergibt sich ein vorzügliches Waffengeschehen mit vertikaler Komponente. Ich persönlich habe allerdings auch viel Spaß mit den Schwertern unter den Power-Waffen gehabt, die ein spaßiges Hack’n’Slay-Vorgehen ermöglichen. Für einen Shooter ist Destiny 2 sehr vielfältig im Geschehen und stellt in puncto Waffen-Handhabung einen der besten Titel überhaupt dar.

Looten und Leveln – darf natürlich nicht fehlen!

Einen großen Reiz machen erneut wieder das Level-System und Loot aus. Mit nahezu jeder Aktion lässt sich Erfahrung verdienen, die den Hüter im Level aufsteigen lässt. Bei Level 20 ist jedoch zunächst Schluss. Erfahrung sammelt sich zwar weiterhin an, doch wird bei Levelaufstieg fortan nicht mehr im Rang aufgestiegen, sondern erhalten Spieler ein “Glanz-Engramm” – später mehr dazu. Stattdessen rückt ab Level 20 verstärkt das “Lichtlevel” in den Fokus. Getragene Rüstung und ausgerüstete Waffen beeinflussen dieses Level. Jede Waffe und jedes Rüstungsstück präsentieren einen Wert, der Durchschnitt der angelegten Teile macht unser Lichtlevel aus. Während dieses Konzept im Vorgänger beispielsweise noch durch Raid-spezifische Rüstung verkompliziert wurde, ist es in Destiny 2 sehr einfach verständlich gestaltet, was mir sehr gefallen hat und den Einstieg leicht macht. Ich brauchte zwar ein wenig, um zu verstehen, dass ausgerüstete Waffen auch durch stärkere Exemplare verbessert werden können. Erst einmal dahintergekommen, hab ich diese Option aber sehr zu schätzen gelernt, da ich so nicht auf meine Lieblingswaffen verzichten musste, um im Lichtlevel aufzusteigen, sondern jene einfach verstärken und weiter benutzen konnte.

Anfangs noch schießt das Level durch zufällig gefundenes Loot recht schnell in die Höhe, doch später finden wir immer seltener Teile, die über unseren eigenen Level liegen. Dadurch werden Spieler ermutigt, Aktivitäten abzuschließen, die mit seltener oder gar mächtiger Belohnung aufwarten. Doch allen voran in den ersten 30 Stunden dreht sich alles um Loot – egal ob aus Kisten, von Gegnern fallen gelassen oder durch entschlüsselte Engramme erlangt. Es ist schlicht ein fantastisches Gefühl, nach einer kniffliger Quest mit einem lilanen, legendärem Engramm belohnt zu werden! Was da wohl drin ist? Noch größer ist die Freude über das erste gelbe, exotische Stück, das wir uns verdienen. Nicht umsonst ist ein Spiel wie Diablo so berühmt geworden, das sich auch fast ausschließlich um Loot dreht. Das Konzept um die Waffenfunde und erlangten Rüstungsteile wird einfach nicht langweilig! Ich hatte zwar vor einigen Wochen ein wenig Frust verspürt, weil ich aus mehreren legendären Engrammen dieselbe Pistole gezogen habe, für die ich schlichtweg kein Nutzen hatte. Dafür möchte ich aber weniger die Vielfalt an Loot von Destiny 2 verantwortlich machen, sondern vielmehr mein eigenes Pech. Denn ich hatte zum Ausgleich mindestens genauso glückliche Momente, in denen ich in wenigen Minuten diverse gelbe und lilane Objekte und tatsächlich brauchbare Teile erlangen konnte. Pech und Glück gehören bei solch einer Loot-Betonung nun einmal dazu!

Loot wird zufällig auf dem Schlachtfeld verteilt, gerade stärkere Gegner lassen gerne Sachen fallen. Neben den angesprochenen Kisten und Engrammen gibt es weitere Methoden, an geliebtes Loot zu kommen. In der Basis vergeben viele NPCs neue Rüstungsteile und Waffen als Belohnung für das Abschließen von Missionen. Soweit von Teil 1 bereits bekannt, doch bringt Destiny 2 noch eine weitere Möglichkeit ein. Auf jedem Planeten ist ein Händler vorzufinden, der aber nicht nur diverse Teile zum Verkauf anbietet, sondern auf der Suche nach speziellen Tokens ist. Diese lassen sich auf der entsprechenden Welt in Schatztruhen finden und im Kampf gegen besondere Feinde ebenso wie Loot verdienen. Gegen eine Handvoll Tokens erhalten wir von besagten Händlern anschließend wertvolle Belohnungen. Da jeder Händler anderes Loot zur Belohnung auf Lager hat, lohnt es sich durchaus, alle vier Planeten regelmäßig zu besuchen, um dort Aufgaben zu erledigen und alle Winkel abzusuchen. Die Idee um die vier Händler ist wahrlich gelungen und liefert den Spielern einen weiteren Weg, um an neue Teile zur Erhöhung des Lichtlevels zu kommen.

Beim Inhalt viel zu bieten

Belohnungen warten hinter so ziemlich jeder Tätigkeit, die Destiny 2 zu bieten hat. Und da hat das Spiel echt einiges auf Lager. Da wären zum einen die Abenteuer, die in sich geschlossene Ereignisse in spaßigen Missionen präsentieren und abermals Hintergrundinformationen zum Universum liefern. Die Patrouillen hingegen konnten mich weniger überzeugen, denn stellen sie äußerst seichte Aufgaben dar. Von A nach B gehen, auf einen Turm stellen, rund eine Minute während eines Umgebungsscans warten, dabei einige Feinde eliminieren – diese Missionen habe ich zumeist links liegen gelassen. Mehr Spaß hatte ich da schon mit den Verlassenen Sektoren. Diese lassen sich zumeist in Höhlen in der Spielwelt finden und stellen den Spieler vor dutzende Feinde samt mehreren Mini-Bossen. Eine weitere spaßige Tätigkeit habe ich in den Waffen-Quests gefunden. Hin und wieder lassen sich Waffen-Pläne finden, die eine Art Rätsel aufweisen. Dieses müssen Spieler entschlüsseln und beispielsweise bestimmte Gegnerarten besiegen, um den nächsten Rätsel-Schritt freizuschalten, bis letzten Endes die mächtige Waffe als Belohnung zur Verfügung steht. Aufgaben gibt es also wahrlich genug, zumal nach Abschluss der Story viele Charaktere der Handlung einmal mehr neue Quests für uns auf Lager haben.

Kooperative PvE-Aktivitäten in seichter und knallharter Form

Sämtliche Missionen lassen sich gemeinsam mit anderen Spielern angehen. Mit Ausnahme von wenigen Story-Missionen etabliert Destiny 2 vollends sein “Player vs Environment”-Konzept. Spieler können mit bis zu drei Freunden in die Schlachten ziehen. In den offenen Welten sind zudem auch fremde Spieler unterwegs, die ihr eigenes Ding machen. Alle paar Minuten finden in der Spielwelt öffentliche Events statt, die Spieler vereint gegen knifflige Feinde kämpfen lassen. Diese Aufgaben werden leider recht schnell repetitiv, da sie sich auch planetenübergreifend wiederholen. Dennoch nehme ich auch nach vier Wochen noch gerne an den öffentlichen Events teil, was nicht nur daran liegt, dass die Lootausbeute hier vergleichsweise gut ausfällt. Mir macht es immer wieder Spaß zu sehen, wie mehrere Fremde ihre aktuellen Tätigkeiten stehen und liegen lassen und gemeinsam mit mir in den Kampf gegen übergroße Feinde ziehen. Zwar ist bei der Bewältigung der gestellten Aufgabe kaum Koordination oder Absprache nötig, da es zumeist auf stumpfes Ballern hinausläuft. Trotzdem überzeugt das Gemeinschaftsgefühl, wenn mich ein fremder Mitspieler ohne Aufforderung wiederbelebt und man gemeinsam in Richtung der großen Lootkiste voller Aufregung über den Inhalt läuft.

Wo Kommunikation hingegen nicht fehlen sollte, sind die Strikes, die einmal mehr bereitstehen. Diese präsentieren sich zumeist als rund 15 bis 30 minütige, lineare Missionen, die es je nach Strike durchaus mal in sich haben können. Ich würde Destiny 2 über weite Strecken nicht gerade als schweres Spiel bezeichnen, allen voran wenn man gemeinsam mit Freunden unterwegs ist. Und während auch die meisten Strikes mit etwas Vorsicht und Strategie kein Problem darstellen sollten, ist der wöchentlich wechselnde Dämmerungs-Strike schon von anderem Kaliber. Dabei handelt es sich um schwerere Versionen der Strikes. Da es nicht nur eine Zeitbegrenzung zum Abschluss der Mission gibt, sondern da auch die Lebensregeneration beschränkt ist, muss man hier als Team wirklich gut koordiniert vorgehen. Es dürfte daher auch niemanden wundern, dass sowohl die Strikes als auch die Dämmerungs-Variante erst ab einem bestimmten Lichtlevel bestritten werden können. Noch höher ist diese Vorgabe beim Leviathan-Raid. Dieses kooperative Erlebnis stellt bisher die ultimative Herausforderung von Destiny 2 dar. Als sechsköpfiges Team können Spieler sich an diese Aufgabe herantrauen, die mit diversen Rätseln und knallharten Gefechten mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Besonders hochrangige Ausrüstung ist selbstverständlich erfordert, doch noch lange keine Garantie, dass man den Raid überhaupt schafft. Wenn man ohne Vorwissen an den Raid herangeht, hat man eine wahrlich schwere Aufgabe vor sich.

Auch als Solo-Spieler in den Raid? Diesmal kein Problem!

Da die Absprache hier nun einmal von immenser Bedeutung ist, ist der Beitritt auch wirklich nur mit einem eingespielten, vollen Sechs-Mann-Squad angedacht. Bungie weiß allerdings auch, dass sich manch ein Spieler weitestgehend solo an Destiny 2 heranwagt. Für all diese Spieler hat der Entwickler die “Guide-Spiele” implementiert, die derzeit noch als Beta-Funktion beworben werden. Hier wird ein Solo-Spieler einer Truppe zugewiesen, der noch ein Spieler zum Bestreiten des Raids (oder auch des Dämmerungsstrikes) fehlt. Der Solo-Spieler muss daraufhin “schwören”, mit seinen Mitspielern zu kooperieren und zu kommunizieren, denn anders schafft man diesen Raid wirklich nicht. In meiner Erfahrung waren die Gruppen, zu denen ich gestoßen bin, immer sehr offen und haben mich schnell als Team-Kameraden akzeptiert. Aus diesem Grund find ich die Implementierung dieses Beta-Matchmakings für Solo-Spieler sehr gut!

Ein Problem gibt es allerdings: Wer aus dem laufenden Raid aussteigt, oder warum auch immer kurzzeitig die Verbindung zu den Servern verliert, erhält einen Abzug an “Hüterschwur-Punkten” und darf eine kurze Zeit lang nicht mehr an Guided-Spielen teilnehmen. Das ist auf der einen Seite verständlich, da die Zusammenarbeit das A und O ist und man auf diese Weise die Kooperation quasi erzwingt. Auf der anderen Seite können selbst kleinste Server-Probleme dafür sorgen, dass man zu unrecht als Schwurbrecher gekennzeichnet wird. Dennoch bin ich froh darüber, dass Bungie solch eine Möglichkeit derzeit überhaupt erprobt. Im ersten Destiny hatte ich noch das Gefühl, dass Solo-Spieler kaum auf ihre Kosten kommen. Nicht jeder hat mehrere Freunde, die das Spiel auf derselben Platform besitzen und ein gemeinsames Spielen möglich machen. Während solche Spieler im ersten Teil noch außen vor gelassen wurden, gibt es in Destiny 2 nicht nur die öffentlichen Events, sondern auch die Gelegenheit für Solo-Spieler, an den wirklich besonderen Missionen teilzunehmen.

Endgame-Inhalt verbessert, aber nach wie vor nicht perfekt

Umrahmt wird das gesamte Geschehen von einer Handvoll Meilensteine, die in der Kartenübersicht jederzeit einsehbar sind. Diese wechseln teilweise täglich, teilweise wöchentlich und erfordern bestimmte Ziele. So müssen beispielsweise X Strikes abgeschlossen oder X Feinde von Typ Y erledigt werden. Einmal mehr warten wertvolle Belohnungen auf den Spieler, wenn die Herausforderungen vollendet werden. Nach einer Spielzeit von knapp 70 Stunden kann ich sagen, dass Destiny 2 einen wirklich gelungenen Inhalt zum Release bietet. Missionen gibt es zu genüge, auch wenn ich mir von den Strikes etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte. Der Leviathan-Raid ist wirklich klasse und ich freue mich bereits auf den nächsten Raid, der wohl spätestens mit dem ersten DLC eintreffen wird.

Ich muss allerdings zugeben, dass die Meilensteine meist recht schnell erledigt sind und es im “Endgame” nur wenige Möglichkeiten gibt, um an wirklich guten Loot zu kommen. Als waschechtes MMO, mit dem man täglich dutzende Stunden verbringen kann, würde ich Destiny 2 daher nicht bezeichnen. Das Spiel ist sicherlich dafür gut, um jeden Tag ein bis zwei Stunden in die Rolle seines Hüters zu schlüpfen und die Meilensteine abzuschließen, gelegentlich für knackige Strikes oder gar den Raid auch einmal länger vor der Konsole zu sitzen. Vor allem für die ersten knapp 30 Stunden hat Destiny 2 extrem viel auf Lager. Darüber hinaus könnte manch ein Spieler womöglich enttäuscht werden, dass der Titel für das Endgame quasi nicht unendlich Beschäftigung bietet, wie es vielleicht ein World of Warcraft tut. Zum Glück bietet Destiny 2 aber noch eine weitere Komponente, die die Spielzeit noch einmal in die Höhe schießen lassen kann.

Komprimierte und spaßige PvP-Schlachten

Der kompetitive Multiplayer darf natürlich nicht fehlen! Der “Player vs Player”-Aspekt liegt erneut in Form des Schmelztiegels vor. Aufgeteilt in “Schnellspiel” und “Kompetitiv” finden sich diverse PvP-Playlists vor. Während im Schnellspiel Arten der klassischen Multiplayer-Modi “Team-Deathmatch”, “Eroberung” oder “Abschuss bestätigt” vorliegen, bietet Kompetitiv die beiden Modi “Countdown” und “Überleben”. In erstgenanntem Modus müssen die Verteidiger zwei Bombenstellen beschützen, die Angreifer hingegen müssen eine Bombe legen und Feinde vom Entschärfen abhalten, bis der Sprengsatz explodiert. Dieses Geschehen läuft über mehrere Runden, die Rollen der beiden Teams werden nach jeder Runde getauscht. Überleben hingegen stellt ebenfalls eine Art Team-Deathmatch dar, allerdings gibt es nur begrenzte Wiedereinstiegstokens. Aus diesem Grund sollte man jedem vermeidbaren Tod auch wirklich aus dem Weg gehen, sonst sind die Tokens im Nu aufgebraucht und das gegnerische Team darf jubeln. Die Gefechte finden in 4vs4-Konstellation statt, was durchaus eine große Veränderung zum Vorgänger darstellt. In Destiny noch erlebten Spieler 6vs6-Kämpfe. Wie veränderte sich also das Spielgefühl?

Ich muss sagen, dass ich mich sehr schnell an die überschaubare Spieleranzahl gewöhnt habe. Auf diese Weise fühlt sich das Geschehen ein wenig komprimierter, keinesfalls aber weniger spannend an. Teamplay wird erleichtert, was allen voran in den “Kompetitiv”-Playlisten sowieso von Vorteil ist. Generell scheint der “Skill” eine größere Rolle zu spielen, was vielen Destiny-Veteranen sicherlich gefallen wird. Allerdings hat es mich gar nicht gefreut, dass in jedem Modus permanent ein Radar angezeigt wird, das die Position von nahegelegenen Feinden preis gibt. Das mag für Anfänger den Einstieg erleichtern, doch bin ich schlicht kein Fan des Permanent-Radars, was mir stellenweise ein wenig den Spaß am PvP-Element genommen hat. Ich muss allerdings auch anmerken, dass mich die Karten mit ihrer gut durchdachten Gestaltung sehr überzeugen konnten. Es hätte zwar ruhig ein wenig mehr Arenen geben können, doch werden hoffentlich in den nächsten Wochen immer wieder neue Areale hinzugefügt. Auch der ein oder andere Modus mehr hätte nicht geschadet, doch für die ersten Wochen geht der Umfang völlig klar.

Prüfungen der Neun: Die ultimative Kompetitiv-Herausforderung für jedes Team

In den letzten Wochen sind zudem die “Prüfungen der Neun” dazugekommen. Jede Woche von Freitag bis Dienstag früh haben Spieler ab Lichtlevel 260, die die Kampagne beendet haben, die Möglichkeit, an diesem Wettkampf teilzunehmen. Jede Woche ändern sich Map und Modus. Hier gibt es kein Matchmaking, sodass man tatsächlich nur mit einem vollen Vierer-Squad antreten kann. Auch haben die Prüfungen der Neun die Besonderheit, dass während der Matches das Waffenaufgebot nicht geändert werden kann. Für Siege in diesen besonders kompetitiven Multiplayer-Schlachten erhalten wir spezielle Tokens, die gegen seltene Gegenstände eingetauscht werden können.

Das große Ziel lautet allerdings, insgesamt sieben Siege einzufahren, gleichzeitig maximal dreimal zu verlieren. Sobald die dritte Niederlage vollendet ist, wird der Zähler zurückgesetzt und man startet erneut den Versuch, auf sieben Siege zu kommen. Mit meinem eingespielten Team habe ich es bislang nicht über fünf Siege hinaus geschafft. Zwar werden auch bei Erreichen der Drei- und Fünf-Siege-Marke Belohnungen verteilt, doch sind die Augen stets auf die Siebener-Reihe gerichtet. Wer mit seinem Team gar so dominant ist und die sieben gewonnen Matches am Stück ohne Niederlage erreicht, darf sich über besonders wertvollen Loot freuen. Die Prüfungen der Neun sind ein weiterer Grund im Endgame, auch nach abermals vielen Stunden noch gebannt vor der Konsole gefesselt zu sein.

Zu guter Letzt möchte ich noch das Clan-System ansprechen. Wer einem Clan beitritt, erhält fortan Belohnungen für Clan-Erfolge. Auch ein persönliches Wochen-Ziel an beigesteuerter Clan-EP kann zum Spielen anregen. Wer primär solo unterwegs ist, wird in seinem Clan womöglich auch einige nette Teamkollegen finden, mit denen man in den Schmelztiegel ziehen, Strikes bewältigen und den Raid angehen kann. Es lohnt sich also, das Clan-System einmal unter die Lupe zu nehmen!

Auf Erkundungstour auf fremden Planeten – bei der Grafik ein tolles Erlebnis!

Mit der unterhaltsamen Erkundung der Planeten habe ich es bereits angedeutet: Destiny 2 bietet viele wirklich hübschen Momente! Die weitläufigen Areale sind toll inszeniert und so hat jeder Planet mit eigener Farbgebung und unterschiedlichem Terrain seinen ganz eigenen Charme zu bieten. Die Beleuchtung ist wahrlich gelungen und auch die Partikeleffekte bei Granatenwürfen oder Super-Angriffen lassen sich sehen. Figuren wirken ebenfalls detailliert gestaltet, dasselbe gilt für die vielen Waffenmodelle. Auf der PS4 Pro wird der Titel in höherer Auflösung gerendert, was in einer vorzüglichen Bildqualität auf meinem 4K-TV resultierte.

Lediglich enttäuscht hat mich die Gegnervielfalt. Die meisten Feinde aus dem ersten Teil kehren zurück und lassen sich viel zu oft blicken. Ich habe mich jedenfalls sehr schnell an den gebotenen Gegnerdarstellungen satt gesehen und hätte gerne eine größere Vielfalt. Auch hat mich die Framerate von 30 FPS anfangs ein wenig rausgerissen – doch wäre es in diesem Punkt wirklich nicht fair zu meckern. Die angepeilte Bildrate wird sehr konstant gehalten, fällt nur in ganz wenigen Momenten. Da ich den Titel auf der Gamescom am PC allerdings mit 60 FPS ausprobiert hatte, blicke ich doch schon ein wenig neidisch auf all diejenigen, die Ende des Monats am PC einsteigen können. Dennoch gibt Destiny 2 auch mit 30 FPS eine sehr gute Figur ab.

Bombastische Soundkulisse

In einer weiteren Kategorie staubt das Spiel sehr gut ab: Die Soundkulisse ist fantastisch umgesetzt! Die Waffeneffekte klingen so, als wären sie einem teuren Hollywood-Sci-Fi-Streifen entnommen worden. Mit einem stimmungsvollen Soundtrack und überzeugender Synchronisation, sowohl der deutschen Variante als auch der englischen, gibt es ordentlich etwas auf die Ohren.

Wertung im Einzelnen
Story
7.5
Gameplay
9
Inhalt und Umfang
8.5
PvE-Erlebnis
9
PvP-Erlebnis
8.5
Grafik
9
Sound
10
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