Driveclub VR im Test

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Releasetermin: 13.10.2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Rennspiel
Entwickler: Evolution Studios
Herausgeber: Sony Interactive Entertainment

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Driveclub hatte zu Release leider einen fatalen Start. Denn waren wochenlang, wenn nicht sogar über Monate, die Online-Server von Problemen behaftet. Das führte dazu, dass viele umworbenen Features erst sehr verspätet zum Spiel dazu kamen und auch die angekündigte Playstation Plus Version des Ziels sehr lange auf sich warten ließ. Diese Missgeschicke führten dazu, dass viele Spieler das Interesse an Driveclub verloren haben. Im Endeffekt bedeuteten die Entwicklungsschwierigkeiten gar das Ende von den Evolution Studios, denn hat Sony das Team letztendlich aufgelöst.

Wirklich schade! Denn ist Driveclub mittlerweile ein fantastischer Racer, der obendrein noch phänomenal aussieht. Ein kleines Team bei Sony hat den Racer mit einstigen Evolution Entwicklern nun auf Playstation VR gebracht. Man sollte meinen, dass dies zu einem tollen Erlebnis in der virtuellen Realität führt, jetzt wo die Fehler vom regulären Spiel alle ausgebügelt wurden. Dass es aber gar nicht so leicht ist, vorhandene Spiele als VR-Erfahrung zu gestalten, zeigt Driveclub VR leider.

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Das erste, was mir beim Spielen von Driveclub VR aufgefallen ist, war die deutlich heruntergeschraubte Grafik. Mir ist natürlich bewusst, welch vermehrte Rechenleistung in VR im Vergleich zu regulärer Bildausgabe anfällt. Schließlich werden stets zwei Darstellungen für unsere zwei Augen berechnet, die jeweils mit mindestens 60 Frames pro Sekunde laufen sollten. Dass Driveclub VR aber vergleichsweise so schlecht aussieht, habe ich schlicht nicht erwartet. Ich habe wohl den Fehler gemacht, im Voraus Driveclub auf dem TV zu spielen.

Denn habe ich dadurch wieder einmal bemerkt, wie fantastisch das Spiel auf einem regulären Monitor stellenweise aussieht. Allen voran die Wettereffekte sind atemberaubend inszeniert und so wird beispielsweise ein regnerischer Ausflug zum visuellen Höhepunkt. Mich fasziniert nach wie vor, wie realistisch Regentropfen auf der Scheibe verlaufen und wie lebensecht der Scheibenwischer die Sicht freimacht. Vor dem Starten von Driveclub VR erfuhr ich bereits vom ersten Dämpfer. Jene Wettereffekte, die mich so beeindruckt haben, fallen in VR gänzlich weg.

Auch ohne seine Wettereffekte sähe Driveclub noch gut aus. Doch geht die VR-Version weitere Kompromisse ein. Zum einen macht sich eine recht geringe Auflösung zu bemerken. Verschleiern manche VR-Spiele diese Tatsache gut, ist es bei Driveclub leider leicht zu erkennen. Das Geschehen wirkt recht verschwommen, weshalb viele Details verloren gehen. Auch Aliasing mindert die Bildqualität und zeigt Kanten schimmernd und verpixelt. Auch manche Schatten sind unglaublich niedrig aufgelöst. Umgebungen wirken karger als gewohnt und so geht insgesamt ein ganz schönes Stück der Magie verloren, die Driveclub für mich durch die Optik vermittelte.

Erst einmal von dem Scheck erholt, konnte ich der VR-Umsetzung auch einiges abgewinnen. So ist es ein faszinierendes Gefühl, sich im Innenraum eines teuren Boliden umsehen zu können. Es ist ebenso beeindruckend, aus dem Fenster heraus während der Fahrt annähernde Gegner-Fahrzeuge beobachten zu können. Wir haben in VR ein viel besseres Verständnis der Umgebung und der Streckenbreite. Daher können wir die Fahrerpositionierung viel besser einschätzen und in Kurven schauen. Besonders das Überholen meiner Opponenten ist mir leichter gefallen, da ich durch die verbesserte Wahrnehmung den richtigen Zeitpunkt viel besser einschätzen konnte. VR bringt also durchaus seine Vorzüge mit – nur haben diese nun einmal einen Preis.

Ich habe es in vielen VR-Reviews bereits erwähnt und muss leider einmal mehr betonen, dass ich die Komfortstufe einer VR-Erfahrung schlecht bewerten kann. Ich habe in VR schlicht mit keinen Problemen zu kämpfen. Das trifft leider auf nur wenige Spieler zu und so ist Driveclub VR scheinbar einer der Titel, die am ehesten zu Unwohlsein führen können. Gibt man bei Google beispielsweise “Driveclub VR sick” ein, erhalten wir tatsächlich viele Suchergebnisse.

Ich kann mir vorstellen, dass dies am ständigen Auf und Ab liegen kann, das die Strecken bieten. Auch sind Zusammenstöße mit anderen Autos und Wänden bei entsprechender Geschwindigkeit ungeheuer intensiv. Das kann einmal mehr Kopfschmerzen oder Übelkeit verursachen. Zudem könnte es sein, dass Spieler mit gewöhnlichem Controller mehr Probleme als jene mit Lenkrad haben. Denn schafft die Benutzung eines Lenkrades für die PS4 eine stärkere Illusion der Immersion. Gleichzeitig könnte die Nutzung des Dualshock 4 zu einem Diskrepanz-Gefühl führen – die virtuellen Hände bedienen ein Lenkrad, während wir lediglich ein Pad in der Hand haben und per Stick steuern.

Ich habe beim Spielen keinerlei Probleme erlebt, bin allerdings auch schon VR-Rennspiele von der HTC Vive gewöhnt. Auf dem PC habe ich bereits Project Cars, Dirt Rally und Assetto Corsa mit dem Headset mit und ohne Lenkrad gespielt und ebenfalls jedes Erlebnis ohne Schwierigkeiten überstanden. Wer in der Vergangenheit bereits Fälle von Motion Sickness erlebt hat, sollte eventuell einen Bogen um Driveclub VR machen. Die vielen Berichte im Internet kommen sicherlich nicht von ungefähr, auch wenn ich diesen Punkt nur bedingt bewerten kann.

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Im „Cruise“-Modus können wir jederzeit „aussteigen“ und das Auto von mehreren Fixpunkten aus ansehen

Wer sich an der holprigen Grafik nicht stört und einen festen Magen hat, kann einem umfangreichen und unterhaltsamen Spiel entgegen blicken. Denn fährt sich Driveclub fantastisch! Der Titel etabliert eine Mischung aus Simulation und Arcade, wobei diverse Hilfestellungen das Fahren noch weiter in die eine oder andere Richtung lenken können. Selbst mit ausgeschalteten Bremsassistenten ist Driveclub jedoch keine Hardcore-Simulation ala Gran Turismo. Dennoch gehört das Fahrsystem zu den spaßigsten, die ich in den letzten Jahren erleben durfte.

Neben dem außergewöhnlichen Fahrgefühl wartet Driveclub mit weiteren innovativen Ideen auf. So gibt es Herausforderungen auf der Strecke, die unser Geschick hinterm Lenkrad ständig mit dem anderer Online-Spieler vergleichen. Das Spiel schlägt Bestwerte vor, die es zu schlagen gilt. Heimsen wir auf einem bestimmten Streckenabteil mehr Drift-Punkte ein als unser Vergleichs-Opponent? Halten wir besser die Ideallinie? Schlagen wir die Durchschnittsgeschwindigkeit? Diese Herausforderungen sorgen auf der Strecke für Motivation und so macht es besonders viel Spaß, die Rekorde von Freunden zu schlagen!

Wer hingegen offline spielt, bekommt vom Spiel fiktive Rekordwerte vermittelt, die es zu schlagen gilt. Wer aber online spielt, kann ein weiteres Feature wahrnehmen. Driveclub bietet, wie der Titel es schon verrät, die Möglichkeit zur Club-Zusammenschließung. Schnappt euch ein paar Freunde, gründet einen Club und streift gemeinsam Punkte ein, um euer Club-Level zu erhöhen! Wir können also nicht nur im eigenen Level aufsteigen, was für zusätzlichen Langzeitspaß sorgt. Das Erreichen eines neuen Levels wird mit neuen Autos oder beispielsweise Lackierungen belohnt, so dass Spieler einen Reiz haben, einem Club beizutreten.

In Rennen mit Gegnern, Zeitrennen, Sprints, Drift-Events und Turnieren müssen wir unser Können beweisen. Driveclub VR bietet eine umfassende Kampagne, die uns mit allerlei Veranstaltungen stundenlang beschäftigen kann. Hier wird weitestgehend der gesamte Inhalt des Hauptspiels geboten. Da es aber auch noch zusätzliche Stadtstrecken gibt, ist die Tour ein wenig abgeändert, bietet aber insgesamt noch mehr Events. Es sind die meisten Autos vom Hauptspiel plus Season Pass dabei. Eine handvoll Wagen fehlen, doch ist das Aufgebot mehr als ausreichend. Besonders in den Online-Möglichkeiten bin ich gern in meinen Lieblings-Boliden um die Wette gefahren!

Zu genanntem Inhalt gesellt sich der neue “Cruise”-Modus. Hier befahren wir eine beliebige Strecke mit einem freigeschalteten Auto nach Wahl und können jederzeit anhalten und “aussteigen”. Wir befinden uns anschließend außerhalb des Wagens und können zwischen einer Auswahl an Fixpunkten hin und herwechseln, um Umgebung und Auto näher inspizieren zu können. Eine nette Idee, die in der virtuellen Realität sicherlich einige Auto-Fans begeistern wird! Schade nur, dass die abgeschwächte Grafik viel vom Potential von Cruise nimmt.

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Fazit

Rennspiel-Fan und PSVR-Besitzer? Dann sollte Driveclub VR eigentlich ein Pflichtkauf sein! Doch: Aufgrund des Motion-Sickness-Potentials solltet ihr zuerst die Demo ausprobieren. Ich muss außerdem zugeben, dass die Grafik besonders im Vergleich zur Darstellung am regulären Monitor alles andere als hübsch ist und möglicherweise Racing-Fans vergrault.

Hat man sich aber erst einmal an die verschwommene und vereinfachte Optik gewöhnt, entfaltet sich der Titel als umfangreiches Rennspiel mit vielen tollen Ideen. Der Spagat zwischen Simulation und Arcade geht auf, das Konzept um die Herausforderung und Clubs ist ebenfalls gelungen. Wer das Spiel auf der PS4 schon zuvor erlebt hat, wird allen voran wegen der abgeschwächten Grafik schwer zu begeistern sein. Doch wer den Titel zuvor nicht kannte, wird vor der Menge an Inhalt schlichtweg erschlagen werden!

Driveclub VR macht es mir nicht leicht, eine Empfehlung auszusprechen, auch wenn so viele Argumente für das Spiel von Evolution Studios sprechen. Ich würde mir wünschen, dass die Grafik mit der PS4 Pro einen deutlichen Sprung macht – dann wäre das potentielle Motion-Sickness-Problem die einzige Hürde, die gegen den adrenalingeladenen Racer spricht.

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