Virtual Reality ist zwar noch nicht wirklich am Massenmarkt angekommen, doch erfreuen sich mittlerweile schon so einige Spieler an den immersiven Erlebnissen. Die HTC Vive ist dabei eine der besten Plattformen, auf denen man heutzutage die VR-Welt erleben kann. Ich nutze die VR-Brille von HTC und Valve am liebsten – doch gibt es einen Punkt, der mir den Spaß an der virtuellen Welt zumindest ein wenig hemmt. Aktuelle VR-Headsets haben beispielsweise dank der niedrigen Auflösung noch so einige Baustellen für die Zukunft, doch ist der mangelnde Komfort der HTC Vive mein größtes Problem. Bisher konnte ich die Brille kaum länger tragen als eine Stunde – dabei fängt das Drücken im Gesicht meist schon wesentlich früher an. Ich lasse mir den Spaß an VR davon nicht nehmen, doch werden meine Erlebnisse dadurch leider schon ein Stück weit beeinträchtigt.

HTC hat diese Problemzone scheinbar auch bemerkt und nun für eine alternative Lösung gesorgt. Das HTC Vive Deluxe Audio Strap soll in einen besseren Komfort beim Tragen resultieren. Oben drauf gibt es integrierte Kopfhörer, die ebenfalls die Nutzung des Headsets weiter vereinfachen sollen. Das klingt in der Theorie gut, doch macht das neue Headstrap wirklich solch einen großen Unterschied? Lohnt sich der Kauf zum Preis von knapp 120 Euro? Ich mache für euch den Test.

HTC Vive Deluxe Audio Strap

Das alte Kopfstück arbeitete hauptsächlich mit einem elastischen Band, welches das Headset quasi stets mit Gewalt an den Kopf schnallt. Ganz so schlimm wie es klingt war das Erlebnis nie – doch verspürte ich nach einer Weile immer diverse Druckstellen am Kopf, egal wie ich die VR-Brille aufgezogen habe. Das Konzept des neuen Headstraps verlässt sich nicht mehr auf ein elastisches Band, sondern kommt mit einem etwas komplexeren Mechanismus daher, der mich grob an das System von Playstation VR erinnert.

Ein Plastikgestell, das mit Schaumstoff gepolstert ist, umspannt sich um den Kopf. Es ist mit Schnallen am VR-Headset befestigt. Mit einer Drehscheibe auf dem Plastik am Hinterkopf lassen sich die Bügel zuziehen, sobald das Gestell auf dem Kopf platziert ist. Durch dieses Konzept lastet das Gewicht der eigentlichen Vive nicht mehr hauptsächlich im Gesicht, sondern wird auf den Hinterkopf ausgelagert. Zudem ist an den Seiten jeweils ein Kopfhörer befestigt, dessen Position verändert werden kann.

Die Anbringung an das Vive-System

Zunächst muss das neue Kopfstück angebracht werden. Der Umbau ist im Grunde sehr einfach und geht in etwa 10 Minuten über die Bühne. Erst muss das alte Band inklusive aller eingestöpselter Kabel entfernt werden. Der wohl kniffligste Schritt ist das Befestigen des Deluxe Audioriemens an der Vive. Hierfür werden die Schnallen des neuen Produktes an die vorgesehenen Konnektoren der Vive angebracht. Da die Anleitung an diesem Punkt verschweigt, dass man mit leichtem Druck nicht weit kommt, tat ich mich zunächst schwer. Im Endeffekt ist nämlich recht viel Gewalt nötig, damit das Plastikteil einrastet. Da ich weder die Verbindungsstücke der Vive noch die Schnallen des Headstraps beschädigen wollte, hielt ich mich unnötig lange an diesem Schritt auf.

Hat man endlich das befriedigende Einrasten gehört, werden anschließend die Kabel durchgeführt und wieder eingestöpselt. Auch das neue Kopfhörer-Kabel wird eingesteckt. Der Kabelstrang, der zum PC und zum Strom verläuft, wird zudem in eine kleine Halterung gesteckt und mit Hilfe eines Velcrostreifens nach unten Richtung Boden geführt. Der Umbau ist im Endeffekt wirklich sehr leicht gestaltet, was mich gefreut hat. Wäre ich nicht so zimperlich vorgegangen, wäre ich gar wesentlich schneller mit dem Umbau fertig gewesen. Im nachfolgenden Video könnt ihr euch noch einmal ansehen, wie HTC die Anbringung vorgesehen hat:

Verbesserter Komfort und leichtere Handhabung

Mit der Drehscheibe auf der Hinterseite des Audioriemens werden die Bügel des Kopfstücks ausgefahren. Drehen wir die Schraube komplett durch, bietet das Gestell auch Platz für recht große Köpfe. Zudem führt auf der Oberseite ein weiteres elastisches Band entlang, das mit einem Klettverschluss befestigt wird. Dieses lässt sich auf verschiedener Höhe festziehen, wodurch einmal mehr unterschiedliche Kopfformen unterstützt werden. Ich habe das Band einmalig auf mich angepasst und danach mehrere Leute mit dem neuen Deluxe Audio Strap spielen lassen. Niemand musste das Band umstellen, sodass ich vermute, dass es nur in den wenigsten Fällen von Person zu Person einer Umstellung bedarf. Das Modell um das schraubbare, sich zuziehende Kopfstück reichte in der Praxis bei mir aus, um mehreren Leuten einen ähnlich guten Sitz auf dem Kopf zu gewähren.

Headset aufgesetzt und mit der Drehscheibe wieder festgeschraubt – schon kann es losgehen. Der Vorgang des Aufsetzens ist wirklich sehr simpel gestaltet. Sowohl mit als auch ohne Brille als Sehhilfe geht der Prozess in Windeseile über die Bühne. Das Aufsetzen dauert nun zwar einige Sekunden länger als zuvor, doch es lohnt sich: Der Komfort ist durchaus besser! Das liegt vor allem an der Gewichtsverteilung des neuen Mechanismus. Lastet beim Standard-Strap das Headset quasi vollständig auf dem Gesicht, wird das hauptsächliche Gewicht nun auf den Hinterkopf gelegt.

Der neue Mechanismus sorgt dafür, dass die Vive stets gut sitzt und auch hektische Erlebnisse kein Problem darstellen: Das Headset rührt sich auch bei starkem Kopfschütteln nicht vom Fleck. Ebenso hat mich positiv überrascht, dass es mit dem Audioriemen leichter fällt, nach unten zu schauen. Die alte Variante hatte ihre Schwächen, wenn man beispielsweise zum Minigolf-Spielen auf den Boden geschaut hat. Das Deluxe Audio Strap kommt auch in diesen Situationen nicht ins Schwitzen und behält seine Position auf dem Kopf bei.

Ist dieses Deluxe Strap also die perfekte Lösung, um angenehmen Komfort bei VR-Erlebnissen zu bieten? Ganz so leicht lässt sich diese Frage leider nicht beantworten. Während nicht von der Hand zu weisen ist, dass das Headset bequemer sitzt, ist ein einwandfreier Komfort nach wie vor nicht gegeben. Nach einer Weile entstehen auch mit dem neuen Modell einige Druckpunkte im Gesicht und auf dem Kopf. Der Riemen ist recht eng umgeschnallt, damit er beim Spielen eben nicht vom Schopf fällt. Das hat aber auch zum Resultat, dass es nach längeren Sessions dann doch einmal drückt.

Ich muss an dieser Stelle anmerken, dass ich die “alte” Vive besitze. Das Exemplar, das mittlerweile ausgeliefert wird, verfügt zwar über die gleiche Hardware, ist aber rund 15% leichter. Beim aktuellen Modell mag die Sache also noch einmal anders aussehen. Doch bei meiner Launch-Vive spürte ich besonders auf meiner Nase, meiner Stirn und meinen Wangenknochen hin und wieder Druckstellen. Auch habe ich unterschiedliche Gesichtspolster (die beiden Original-Polster und diverse Exemplare von VR Cover) ausprobiert, doch konnte ich die entstehenden Druckpunkte im Gesicht nicht vermeiden. Diese treten in meinem Fall zwar später und dezenter auf als noch mit dem Standard-Strap. Vollständiger Komfort ist aber nach wie vor nicht gegeben – dafür muss das VR-System in Zukunft schlicht noch weniger Gewicht vorweisen.

Das soll aber nicht die Tatsache schmälern, dass das Deluxe Audio Strap insgesamt für ein merklich komfortableres Erlebnis sorgt. Bisher war Playstation VR das bequemste Virtual Reality Headset, das ich getragen habe. Das ändert sich mit dem Deluxe Audioriemen der HTC Vive aber, den ich hinsichtlich des Komforts auf eine Stufe mit der PSVR-Variante stellen würde. Die Kombination aus einem nützlichen Schraubmechanismus und einer bequemen Polsterung erfüllt durchaus ihren Zweck. Weiterhin möchte ich erwähnen, dass der Kabelstrang vom Headset ausgehend clever Richtung Boden geleitet wird. Die Kabel werden an einer kleinen Halterung entlang und durch ein Velcroband auf der Rückseite hindurch nach unten geführt. Durch diese Lösung macht sich der Kabelstrang weniger beim Spielen bemerkbar. Zuvor noch spürte ich das Gewicht der Kabel hin und wieder auf dem Kopf lasten, doch reduziert die neue Konzeption dieses Störgefühl.

Wie schneidet das „Audio“ im Deluxe Audio Strap ab?

Primär zielt das neue Produkt auf die Verbesserung des Komforts ab, doch auch eine weitere Erleichterung der Nutzung wurde erreicht. Das Deluxe Audio Strap verfügt über Kopfhörer, die am Produkt angebracht sind. Sie sind in das Gestell integriert und so resultiert ein besonders kurzes und schlau platziertes Ringelkabel darin, dass vermehrter Kabelsalat durch das Audiokabel der Vergangenheit angehört. Die Kopfhörer sind per Bügel an dem Gestell befestigt, bleiben aber flexibel in ihrer Position. Durch eine Schiene lassen sie sich hoch und runter schieben.

Sobald das Headset aufgesetzt wird, kann die Höhe der Kopfhörer verändert werden, wodurch die unterschiedlichsten Kopf- und Ohrformen unterstützt werden. Besonders nützlich ist die Funktion, die Ohrmuscheln hochklappen zu können. Das hilft nicht nur beim Auf- und Absetzen der VR-Brille, sondern macht auch die Kommunikation mit Mitmenschen in der Nähe leichter möglich. Während man zuvor stets seine Kopfhörer herunter nehmen und wieder aufsetzen musste, um kurz einmal mit einem Kollegen oder Familienmitglied zu sprechen, ist das simple Hoch- und Herunterklappen sicherlich bequemer zu nutzen.

Doch wie klingen die Kopfhörer? Mich hat der Klang der Ohrstücke sehr überzeugt. Die Muscheln wirken unscheinbar, doch sie haben erstaunlich viel Wucht in ihren Treibern. Actionlastige Spiele wie beispielsweise Pavlov kommen mächtig herüber und können mit wuchtigen Schussgeräuschen punkten. Auch die Ortung von Schritten erfolgt dank 3D-Soundausgabe der Vive sehr gut. Audioshield stellt ebenfalls einen guten Härtetest dar. In diesem Spiel treffen wir mit unseren Händen Musiknoten zu voreingestellten und eigenen Songs im Takt. Auch hier geben die Kopfhörer eine tolle Figur ab. Natürlich müssen Abstriche in den Höhen gemacht werden und auch die Bässe haben im Vergleich zu High-End-Produkten das Nachsehen. Ich stelle aber die These auf, dass die meisten Ottonormalverbraucher mit diesen Kopfhörern akustisch gar eine Verbesserung zu ihren vorherigen Modellen erleben werden.

Das Klangbild ist wirklich ausgewogen und trägt zu einem gelungenen VR-Erlebnis bei. Wer sich als audiophil bezeichnen würde und derzeit mehrere Hundert Euro teure Kopfhörer benutzt, wird sich mit diesem Paar Ohrmuscheln wohl nicht zufrieden geben. Da man die Kopfhörer abmontieren kann, können Fans von Premium-Modellen auch weiterhin ihre eigenen Exemplare nutzen. Für alle anderen gibt es hier klanglich grundsolide Kopfhörer, die oben drauf mit vereinfachter Nutzung daherkommen.

Verarbeitung: Probleme mit abbröckelndem Schaumstoff?

Im Vorfeld habe ich häufig von Problemen mit dem Schaumstoff, der auf dem Kopf aufsitzt, gelesen. Nach besonders schweißtreibenden Sessions berichteten immer mehr Spieler davon, dass der Schaumstoff quasi abbröckelt und eine schmierige Substanz hinterlässt. Ich befürchtete bei meinem Rezensionsexemplar daher auch das schlimmste – doch konnte ich dieses Problem unter keinen Umständen replizieren. In den Berichten hieß es, dass das Abperlen einer Schicht über dem Schaumstoff bei Berührung mit Feuchtigkeit auftritt.

Dieser Schaumstoff führte bei manchen ausgelieferten Produkten wohl zu Problemen – mein getestetes Exemplar zeigte allerdings keinerlei Schwächen

Gerade in den heißen Tagen aktuell schwitzt man beim VR-Spielen sehr schnell – und dennoch gab der Stoff in meinem Fall keinerlei Material oder Farbe ab. Ich hatte wohl schlichtweg Glück mit dem Exemplar, oder aber habe ein Modell aus der zweiten Charge erhalten. HTC ist sich nämlich des Problems bewusst und bietet all denjenigen, die auf dieses Problem stoßen, eine Ersatz-Schaumstoffeinlage an. Diese lässt sich dank Velcro-Klettverschluss ganz einfach austauschen. Ich gehe zudem davon aus, dass Neukäufe ab sofort mit dem fehlerfreien Schaumstoff ausgeliefert werden.

Auch wenn dieser vermeintliche Produktionsfehler für den einen oder anderen sicherlich lästig war, wurde die Situation seitens HTC gut entschärft. Die Verarbeitungsqualität des Deluxe Audio Straps lässt ansonsten aber nichts zu wünschen übrig. Das Hartplastik wirkt robust und ist schlicht gestaltet. Sämtliche Schrauben und Federn scheinen gut in dem Gestell verankert zu sein. Lediglich die Oberfläche des Plastiks, die für Fingerabdrücke recht anfällig ist, könnte ich bemängeln – aber das ist dann schon Meckern auf hohem Niveau.

Headset aufgesetzt, zugeschraubt, Kopfhörer positioniert und heruntergeklappt – schon können wir in aufregende VR-Welten eintauchen

Fazit

Wer eine HTC Vive besitzt, kann nun auf ein alternatives Headstrap zugreifen, welches das VR-Erlebnis in vielerlei Hinsicht verbessert. Das Wort „Deluxe“ ist an dieser Stelle aber ausschlaggebend: Ich sehe das Produkt keineswegs als essentiellen Ersatz an, allerdings hält es für Käufer mehrere kleine Besserungen parat.

Ein perfekter Komfort ist nach wie vor nicht gegeben, doch lässt sich das VR-System von HTC nun bequemer aufsetzen und tragen. Der Mechanismus der veränderten Gewichtsverteilung überzeugt, kann aber auch nicht verhindern, dass nach einer Weile doch Druckstellen im Gesicht entstehen. Der Deluxe Audioriemen punktet jedoch weiter mit dem namensgebenden Kopfhörern, die erstaunlich gute Klangqualität und eine deutlich komfortablere Handhabung bieten. Auch die verbesserte Kabelführung erwähne ich gerne. Das Deluxe Audio Strap nimmt sich gleich mehrere Baustellen der Vive vor und wird somit für viele zum Kauf interessant. Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass die Verbesserungen allesamt recht gering ausfallen. In der Summe sorgen sie für ein besseres Erlebnis, aber fällt der Unterschied zum Standard-Strap auch nicht so groß aus, dass ich für wirklich alle Vive-Besitzer eine klare Kaufempfehlung aussprechen würde.

Wer mit seinem bisherigen VR-Erlebnis zufrieden ist, könnte die verlangten 120 Euro lieber in VR-Spiele investieren oder gar auf einen Nachfolger des Systems sparen, der früher oder später sicherlich auf dem Plan stehen wird. Der Preis des Deluxe Audioriemens ist absolut gerechtfertigt und der gebotenen Leistung mehr als angemessen. Dennoch tue ich mich schwer, das Deluxe Audio Strap als “must have” zu empfehlen. Wer aber schon immer mit dem Komfort der Vive gehadert hat, wird sich sehr wahrscheinlich an der Möglichkeit zur Komfort-Verbesserung durch das Deluxe Produkt erfreuen.

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