Releasetermin: 28.04.2017

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Horror
Entwickler: Tarsier Studios
Herausgeber: Bandai Namco Entertainment Europe

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Während Horrorspiele aktuell ganz im Zeichen von Titeln wie Resident Evil 7 oder Outlast 2 stehen, wird das Genre still und heimlich aus einer ganz anderen Ecke bereichert. Little Nightmares ist der Name des neuen Spiels der Tarsier Studios, die zuvor anderem an Tearaway Unfolded oder LittleBigPlanet mitgewirkt haben. Statt Action und Splatter steht hier jedoch ein atmosphärisches Grusel-Adventure mit Puzzle-Einlagen auf dem Programm. Beim Gedanken an Limbo wird klar, dass so etwas durchaus funktionieren kann – doch gelingt es auch dem schwedischen Studio?

Zwischen Ungewissheit und Angst

Wo genau man sich am Anfang in der Haut des kleinen Mädchens Six befindet, ist unklar. Unlängst aufgewacht und von beängstigender Stille umgeben macht der Spieler sich auf die Suche nach einem Sinn hinter dem zunächst undefinierbaren Gebäudekomplex, in dem man sich aufhält. Die Suche nach einer Storyeinleitung, erklärenden Texten oder Dialogen bleibt dabei vergebens – Little Nightmares erzählt sich eigens durch seine Umgebungen und die Figuren im Spiel. Da Six von kleiner Größe ist und als Ausrüstung lediglich ein lichtspendendes Feuerzeug im Gepäck hat, wirkt alles im Umfeld automatisch bedrohlich – der oftmals sehr geringe Lichtpegel der Zimmer macht die Stimmung sogar noch düsterer. Auf der Suche nach Antworten werden schon früh Raumeinrichtungen gedeutet oder Interaktionsmöglichkeiten ausprobiert. Die Entdeckung merkwürdiger Puppen und stummer ängstlicher Kreaturen weckt das Interesse, mehr über die Spielwelt zu erfahren. Zudem warten am nahen Horizont schon erste Gefahren: ekelerregende Schleimkreaturen sorgen bei Kontakt für ein schnelles Ableben des Mädchens.

Viel spannender wird es aber kurze Zeit später bei den Begegnungen mit den mutmaßlichen Hausbewohnern, die euch einsperren oder sogar lebendig verspeisen wollen – doch wieso? Little Nightmares ist in seinem Setting konsequent geheimnisvoll und gruselig, während der niedrige USK-12-Stempel trotzdem gerechtfertigt ist. Es ist beeindruckend auf welch simple Art ein Spiel, das im Grafikstil an LittleBigPlanet erinnert, über eine solch bedrückende Atmosphäre verfügen kann. Auch ohne viel Blutvergießen, Brutalität oder Jumpscares gelingt es den Schweden, mich im Spiel Angst, Verfolgungswahn, Ekel sowie furchterregende Ungewissheit spüren zu lassen. Das liegt neben der teilweise großartigen, beklemmenden Lichtsetzung auch am grandiosen Sounddesign des Titels. Einige Stücke des Soundtracks untermalen die Handlung hervorragend und lassen den Puls in die Höhe schnellen. Zusätzlich quietschen die Dielen, heruntergefallenes Porzellan hinterlässt ein lautes Klirren und die stöhnenden Geräusche der feindlichen Figuren untermalen ihr furchteinflößendes Aussehen – alles Soundeffekte, die teilweise zusätzlich spielerisch genutzt werden. Auch in der Kamera-Regie hat man stellenweise wirklich tolle Arbeit geleistet: Charaktere tauchen stark präsentiert auf, im Hintergrund lassen sich geheimnisvolle Vorgänge erahnen und teilweise lässt die Kameraperspektive sogar kleine Gameplay-Finessen zu.

Im Kern ein Puzzler

Apropos Gameplay: Was für eine Art Spiel steckt hinter Little Nightmares? Im Endeffekt ist das Werk der Tarsier Studios nicht mehr als ein simpler Puzzler, der in seinen Rätseln auch weitestgehend sehr unspektakulär bleibt. Was aber zu Gefallen weiß ist die stimmige Einbindung der Aufgaben in die Umgebungen des Horror-Spiels. Die Größe der Protagonistin wird zum zentralen Faktor für das erschwerte Vorankommen im Spiel, schließlich kann sie normale Raumtüren ohne Hilfe nicht öffnen, dafür jedoch Schutz unter niedrigen Regalen finden. Folglich wird viel Herumgeschoben, es werden Schlüssel gesucht und vor allem den Hausbewohnern ausgewichen. Dabei werdet ihr nicht selten auch mit den unerklärlichen Gegebenheiten der Räume arbeiten: den Käfig eines eingesperrten Kindes könnt ihr nutzen um an höher gelegene Orte zu kommen und wenn ihr beim Durchqueren der Küche nicht vom Koch entdeckt werden wollt, könnt ihr euch auch am von der Decke hängenden Fleisch entlang hangeln.

Die Sache mit der Spielzeit

Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt an Little Nightmares ist die geringe Spielzeit des Horrorspiels. Nach gerade einmal drei Stunden hatte ich das Abenteuer bereits beendet und ein hoher Wiederspielwert ist trotz einiger Sammelgegenstände nicht wirklich gegeben. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Dauer von Little Nightmares genau richtig angesetzt ist. Das Spiel wird durch keinerlei künstliche Streckung in die Länge gezogen und wirkt nach der Spielzeit auch erzählerisch sehr rund – die drei Stunden schaffen es trotzdem genügend erinnerungswürdige Momente zu schaffen. Problematischer finde ich da schon eher die Aussage des Narrative Designers Dave Mervik zur Spielzeit: seine Behauptung, Little Nightmares würde je nach Spielweise sechs bis acht Stunden dauern, ist leider sehr irreführend. Auch die Frage mit dem Preis von 20€ muss jeder Spieler für sich selbst beantworten, in meinen Augen sind sie in Little Nightmares aber gut angelegt.

Wertung im Einzelnen
Grafik
8
Sound
10
Story/Setting
9
Preis/Leistung
7
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