Releasetermin: 25.08.2017

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Sport-Simulation
Entwickler: EA Tiburon
Herausgeber: Electronic Arts

 

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Madden eröffnet wie jedes Jahr die Sportsaison auf Konsolen. Während FIFA in Europa jährlich Rekordverkaufszahlen feiert, ist Madden in Amerika das große Steckenpferd. Doch in Zeiten, in denen nicht nur der Superbowl, sondern auch viele Playoff-Spiele im deutschen Free-TV übertragen werden, könnte Madden auch hierzulande mehr Popularität genießen. Ist Madden NFL 18 ein guter Einstieg für Football-Neulinge? Was hat sich im Vergleich zum Vorjahr getan? Wir haben das Spiel getestet.

Schicksalsschläge und packende Entscheidungen… in einem Football-Spiel?

Nach FIFA kommt nun auch Madden mit einem aufwendigen Story-Modus daher. Was EA für das Fußballspiel im letzten Jahr groß als “The Journey” beworben hat, ist hier die Spielvariante “Longshot”. In der Rolle des vielversprechenden Football-Talents Devin Wade wollen wir als Quarterback zu einem NFL-Team dazustoßen. Durch Rückblenden lernen wir seinen Werdegang kennen und nehmen an kürzeren Segmenten seiner High School- und College-Zeit teil. Statt einen langweiligen Karriere-Modus anzubieten, zeichnet sich Longshot mit vielen narrativen Stärken aus. Wir erfahren eine Menge über die amerikanische Football-Kultur und lernen die Grundlagen und vielen Feinheiten des Sports kennen. Auch wenn einige Handlungen etwas kitschig herübergebracht werden, haben mich die emotionalen Momente der Geschichte überrascht. Die Beziehungen der Figuren sind wirklich gut in Szene gesetzt.

Dem Spieler wird in vielen Situationen eine Entscheidungsfreiheit überlassen, die einen großen Reiz von Longshot ausmachen. Einige schwerwiegenden und verzwickten Entscheidungen sorgten dafür, dass ich die Handlung von Longshot noch für einige Zeit im Kopf behalten werde. Größtenteils wird zwar leichte Kost präsentiert, doch gibt es auch den einen oder anderen Moment, der mich länger beschäftigt hat. Das habe ich von einem Madden-Spiel wahrlich nicht erwartet! Unter anderem verantwortlich für die tolle Wirkung sind die Schauspieler, die die Figuren mit Motion Capture und der Synchronisation zum Leben erwecken. Da eine Reihe von namhaften Schauspielern wie Oscar-Preisträger Mahershala Ali vertreten sind, fällt Longshot erstaunlich hochwertig aus.

Mit einer Laufzeit von rund 5 Stunden ist es keinesfalls ein umfangreicher Karriere-Modus, mit dem sich Spieler monatelang beschäftigen können. Vielmehr fühlt sich Longshot an wie ein langer Film mit spielbaren Mini-Abschnitten, den man aufgrund drei verschiedener Enden aber durchaus mehrfach spielen kann. Ich habe mich von der Umsetzung richtig gut unterhalten gefühlt. Obwohl NBA 2K und FIFA bereits ähnliche Konzepte ausprobiert haben, hat mir Longshot als Story-Modus in einem Sportspiel bisher mit Abstand am besten gefallen.

Aktuelleres Geschehen denn je

Während Madden NFL 18 viele Modi des letzten Jahres auf Lager hat, bringt das Spiel neben Longshot auch weitere Neuerungen ein. Da wäre zum einen Play Now LIVE. Hier schwingen sich Spieler in aktuelle Begegnungen auf realer Basis. Wir können die Partien nachspielen, die in der NFL in der vergangenen Woche abgehalten wurden. Ebenso stehen die gegenwärtigen Spiele zur Verfügung. Mit den realen Aufstellungen und Original-Statistiken schlüpfen wir in die Position unserer Lieblingsteams und können mit wenigen Klicks tagesaktuelle Partien bestreiten.

Dieser Aspekt wurde auch in den beliebten Franchise-Modus integriert. In dieser Spielvariante sind Spieler für die Leitung eines NFL-Teams verantwortlich, coachen die Mannschaft und spielen nach Wahl auch die Partien selbst. In NFL 18 hat man erstmals die Möglichkeit, den Franchise-Modus zu einem bestimmten Zeitpunkt der Saison zu starten und alle relevanten Statistiken und Ergebnisse des Teams zu übernehmen. Das führte nach meiner Erfahrung dazu, dass die Kommentatoren in den Spielen mit dynamischen Sprüchen überzeugen. Mit cleveren Bezügen auf vergangene Partien ergibt sich gleich ein viel stimmiger Eindruck der Kommentatoren. Was mir in Franchise ebenfalls als Neuheit aufgefallen ist, sind Verletzungen, die auch außerhalb von Spielen auftreten können. Damit geht man einen Schritt weiter Richtung Realismus, auch wenn die Verletzungen für meinen Geschmack etwas zu aggressiv aufgetreten sind und mich vor ernsthafte Probleme gestellt haben.

Kreative Koop-Möglichkeit mit den beliebten Ultimate Team-Karten

Der nächste Zuwachs für die Madden-Reihe lässt sich innerhalb des beliebten Ultimate Team-Modus mit Fokus auf Spielerkarten finden. MUT-Squads lautet ein brandneuer Online-Koop-Modus, bei dem drei Online-Spieler in einem Team gegen drei andere Online-Kontrahenten antreten. Dabei nehmen die drei Spieler unterschiedliche Rollen bei der Zusammenstellung des Teams an. Sie bringen entsprechend Karten für die Offensive, Defensive und den Coaching-Stab ein. Sowohl bei der Zusammenstellung als auch beim eigentlichen Spielen hat die Absprache dieses kooperativen Geschehens großen Einfluss darauf, wie erfolgreich man abschneidet.

Wenn die Kommunikation miteinander funktioniert, hat MUT-Squads das Potential zu einem der spaßigsten Online-Modi im Sport-Genre. Wer kein Koop-Fan ist, aber sich dennoch gerne mit Ultimate Team austobt, kann sich ebenfalls über kleinere Neuerungen freuen. Es gibt eine Vielzahl an cleveren Herausforderungen, die mit Bonus-XP und Coins belohnt werden. Auch haben Spieler die Möglichkeit, einige Karten aufstufen zu können. Es ist durchaus motivierend, mit ein wenig Aufwand seine Lieblingsspieler aufzuwerten. Weiterhin hat Longshot direkte Auswirkungen auf den Ultimate Team-Modus. So gibt es zwei Charaktere aus dem Story-Modus freizuschalten und auch die Longshot-Teams aus Texas und Oregon sind bei den Herausforderungen vertreten. Es sind Kleinigkeiten, die den ohnehin schon sehr guten Ultimate Team-Modus noch besser machen. Das Highlight ist für mich aber MUT-Squads, das kreatives Koop-Geschehen möglich macht.

Auch reguläre Online-Spiele ohne Koop und Ultimate Team-Anbindung sind natürlich möglich und funktionieren gut. Wer sich mit seinen Fähigkeiten aber noch nicht ins Online-Getümmel stürzen will, hat einmal mehr die Möglichkeit, mit einer Reihe von Übungen die Grundlagen zu erlernen und gar diverse Bereiche seines Spiels gezielt zu üben. Mit diesen Trainings-Modi, der Longshot-Story, dem Franchise-Modus, Ultimate Team samt MUT-Squads und der regulären Online-Spielvariante bietet Madden NFL 18 seinen Spielern einen vollgepackten Titel, der mit seinem Umfang glänzen kann.

Verschiedene Spielstile: Arcade, Simulation und Kompetitiv

Madden NFL 17 hat sich bereits für die Zugänglichkeit für Neulinge eingesetzt und NFL 18 macht genau da weiter. So bietet das Spiel drei verschiedene Spielstile an. “Arcade” stellt einen tollen Einstieg für Anfänger dar. Hier liegt die Betonung auf spektakulären Aktionen – vor allem lange Bälle kommen hier häufiger an. Auch die gemilderte Strafenlage kommt Neulingen sicher entgegen. Bei “Simulation” hingegen werden die NFL-Regeln realistisch ausgelegt und eingehalten. Hier kommen außerdem die Spieler-Bewertungen größer zum Tragen, die auf “Arcade” der einfachen Spielbarkeit halber zum Teil ignoriert werden. “Competitive” ist die höchste Stufe und setzt am realistischen Geschehen von “Simulation” an. Zusätzlich spielen hier die “Stick-Skills” eine größere Rolle und richten sich somit auf Profis aus und jene, die es werden wollen. Da dieser Spielstil in den Online-Ranglistenspielen zum Einsatz kommt, macht es durchaus Sinn, diesen Stil einzuüben.

Mir hat diese Umsetzung wirklich gut gefallen, da auf diese Weise Spieler unterschiedlicher Fähigkeitsstufen gleichermaßen Spaß mit dem neuen Madden-Teil haben können.

Freies Passen als kniffliges, aber unterhaltsames Feature – spielerisch insgesamt jedoch nur wenige Änderungen zum Vorgänger

Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit des “freien Passens”. Drücken wir nach dem Snap die L2-Taste, bleibt der Quarterback auf der Stelle stehen und überlässt dem Spieler das Zielen des Passes. Mit dem linken Stick bewegen wir ein Receiver-Symbol, mit dem rechten Stick wird die Höhe bestimmt. Per simplem Knopfdruck wird der Ball anschließend geworfen. Anfangs ist dieses Feature extrem mühselig zu nutzen, doch wer eine gute Übersicht hat, Laufwege erahnt und die Präzision ausreichend übt, kann sein Spiel letzten Endes gewaltig verbessern und wird unberechenbar für die Defensive. Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn ein gefährlicher, manuell geworfener Ball tatsächlich auch gefangen wird.

Ich habe zudem das Gefühl, dass die KI allen voran auf Seiten der Defensive verbessert wurde. Besonders im “Simulation”- und “Competitive”-Spielstil machen die KI-Spieler ihre Zone für gewöhnlich sehr gut dicht. Auch wird der Quarterback gut abgeschirmt und vor heranstürmender Opposition geschützt. Ebenso haben mir die Coaching-Möglichkeiten, die eine Änderung der Aufstellung direkt im Spiel möglich machen, gut gefallen. Unterm Strich bleiben die Gameplay-Änderungen kleiner Natur. Dennoch ist EA Tiburon mit NFL 18 einmal mehr einen weiteren, wenn auch kleinen Schritt Richtung perfektes Football-Spielgeschehen gegangen.

Neue Engine, doch optisch nur mit wenigen Verbesserungen – dafür auf PS4 Pro in 4K

Madden NFL 18 ist der erste Teil der Reihe, der auf der imposanten Frostbite Engine läuft. Einst das Aushängeschild der Battlefield-Serie, kam diese Engine nun bereits bei EAs Sportspielen FIFA 17 und Rory McIlroy PGA Tour zum Einsatz. Nun ist auch Madden an der Reihe. Der ganz große Grafiksprung bleibt allerdings aus. Auf dem Feld präsentiert sich NFL 18 in einem sehr ähnlichen Gewand wie sein Vorgänger. Das muss aber nichts schlechtes heißen, denn sah dieser bereits mehr als passabel aus. Die Spielermodelle sind recht detailliert, die Animationen machen bei Kollisionen ordentlich etwas her. Die Beleuchtung fällt nun noch realistischer aus und auch die Gestaltung der Stadien samt Seitenlinie mit Coaching-Personal kann überzeugen.

Während sich optisch auf dem Spielfeld nicht allzu viel geändert hat, spielt die Engine besonders im Longshot-Modus mit den Muskeln. Die Figuren sind sehr gelungen gestaltet und so konnte ich den einen oder anderen Schauspieler durch die realistische Abbildung gut erkennen. Wer über eine PS4 Pro verfügt, profitiert von weiteren Vorteilen im Grafik-Bereich. Das Spiel wird auf der stärkeren Konsole in 4K-Auflösung ausgegeben, was für ein durchaus schärferes und klareres Gesamtbild sorgt.

Gelungener Kommentar und solider Soundtrack

Die englischen Kommentatoren Brandin Gaudin und Charles Davis machen wie bereits erwähnt einen guten Job. Der Kommentar wirkt insbesondere im Franchise-Modus dynamischer denn je. Da im Laufe des nächsten 12 Monate immer wieder neue Zeilen an Kommentar hinzugefügt werden sollen, bin ich optimistisch, dass sich wiederholende Phrasen auf ein Minimum beschränken werden. Die Sprecher in Longshot haben mir ebenfalls gefallen, was beim tollen Aufgebot an Schauspielern aber auch kein Wunder sein dürfte. Da das gesamte Spiel in Englisch ausgegeben wird und es weder deutsche Texte noch Untertitel gibt, sollten Spieler zum Verständnis der Story der Sprache mächtig sein. Zur gelungenen akustischen Umsetzung gesellt sich ein basslastiger Soundtrack in den Menüs. Der Fokus auf Hip Hop, R&B und Trap ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch passen die Songs gut zum Sport. Mit einer Prise Pop-Songs und optional zuschaltbaren Orchestral-Klängen wird aber dennoch für Abwechslung im Soundtrack gesorgt.

Wertung im Einzelnen
Longshot-Story
8.5
Inhalt und Umfang
9.5
Gameplay
9.5
Multiplayer
10
Grafik
9
Sound
9.5
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