Moto Racer 4 (mit optionalem PSVR-Support) im Test

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Releasetermin: 03.11.2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Arcade-Racer
Entwickler: Microïds
Herausgeber: Astragon

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Ich habe die alte Teile zwar nicht gespielt, doch habe ich mich gefreut, dass mit Moto Racer 4 ein Arcade-Rennspiel auf die PS4 kommt. Doch so viel schon vorweg: Der Titel hat bei mir äußerst gemischte Gefühle ausgelöst…

Fangen wir erst einmal mit dem Positiven an. Das Spiel bietet einen Karriere-Modus und verschiedene Spielvarianten. Neben Zeitrennen und gewöhnlichen Rennen bieten sich uns unter Anderem auch Eliminierungs-Wettstreite oder gar Slalom-Events an. Die Modi sind zwar relativ klassisch ausgefallen und bieten kaum Innovation, doch muss ja nicht jedes Spiel das Rad neu erfinden. Der Umfang an verschiedener Spielvarianten geht jedenfalls in Ordnung. Auch hat mir gefallen, dass der Titel seine Rennen in “Dirt” und “Asphalt” aufteilt. Ersteres schickt uns in schlammige Areale, in denen wir verstärkt mit unserer Traktion kämpfen. Asphalt hingegen findet auf fester Strecke statt, sodass mit unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten auch für Abwechslung im Arcade-Racing-Geschehen gesorgt ist.

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Die Arcade-Action konnte mich teilweise ebenso überzeugen. Das Geschwindigkeitsgefühl beim Fahren ist gelungen und auch wenn die Strecken größtenteils nicht sonderlich schön aussehen, sind sie passabel gestaltet. Hin und wieder gibt es alternative Routen zu entdecken, mit denen wir einige Sekunden sparen oder gutmachen können. Auf den Asphalt-Strecken gibt es zudem Verkehr, dem wir ausweichen müssen. In Kombination mit dem vorhandenen „T.U.R.B.O.“ ergeben sich dadurch durchaus spaßige Momente. Per Wheelie werden wir für kurze Zeit schneller, außerdem kommen wir auf einem Rad besser durch die Kurve.

Auf den Dirt-Strecken gesellt sich mit der Möglichkeit zum Driften im Schlamm ein weiterer Aspekt dazu, der mir nach einigen Minuten Gewöhnungszeit gefallen hat. Abgerundet wird das System bei Dirt-Events durch ein Trick-System. Gehen wir durch Rampen in die Luft, lassen sich eine Handvoll Trick-Manöver abwickeln. Eine gute Fahrweise, der Einsatz von T.U.R.B.O., Drifts oder Tricks wird mit Skill-Punkten belohnt, die nach dem Rennen Upgrade-Medaillen freischalten. Außerhalb der Rennen können wir diese für Upgrades ausgegeben und unser Bike verbessern. Wir haben während der Arcade-Action also nicht nur das Ziel vor Augen, das Zeitlimit oder alle Gegner hinter uns zu lassen. Die unterschiedlichen Varianten, Skill-Punkte anzusammeln und per Kombo-Kette in die Höhe schießen zu lassen, machen allesamt Spaß.

Moto Racer 4 bietet diverse Fahrer und Bikes an, die mit variierenden Stärken und Schwächen daherkommen. Über die erwähnte Upgrade-Mechanik lassen sich die Vehikel zudem wie erwähnt verbessern, was sich als oberflächliches, aber dennoch gelungenes Element herausstellt. Weiterhin lassen sich die Bikes und Charaktere optisch konfigurieren, was sicherlich auch für den einen oder anderen Spieler zur Wohltat wird.

Macht Moto Racer 4 in seinen Grundzügen vieles richtig, hat der Titel leider aber mit vielen Defiziten zu kämpfen.

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Auch wenn mir das Geschwindigkeitsgefühl recht gut gefallen hat, ist das Fahren dennoch nicht frei von Fehlern. Denn ist die Steuerung recht schwammig und macht es hin und wieder schwer, sein Gefährt anständig kontrollieren zu können. Selbst nach einigen Stunden Gewöhnungszeit fühlte sich die Lenkung der Motorräder teils zu ungenau an. Dazu kommt, dass die Fahrphysik anfällig für Glitches ist. So geschehen gelegentlich Dinge, die ganz und gar nicht realistisch sind. Plötzlich schießen wir beim Fahren beispielsweise grundlos in die Höhe oder stürzen unerklärlich nach einer vermeintlich einwandfreien Landung. Diese Situationen mögen hin und wieder sogar amüsant sein, weil es teils schlicht urkomisch aussieht, was mit unserem Fahrer passiert. Sind wir aber davor, einen neuen Rekord aufzustellen, gibt es kaum etwas frustrierenderes als Glitches, die den Versuch zunichte machen.

Die mit Abstand größte Schwäche stellte für mich die unfassbar hohe, unfaire Schwierigkeit dar. In der Karriere hat jedes Event einen, zwei oder drei Sterne. Anders als in ähnlichen Spielen fordert der Titel von uns eine Vorauswahl vor dem Rennen. Treten wir für einen, für zwei oder gar für drei Sterne an? Soweit so gut. Doch kann ich mir beim besten Willen folgende Design-Entscheidung nicht erklären: Schaffen wir die Anforderungen nicht, werden die Sterne von unserem Sternenkonto abgezogen. Man spielt also mit hohem Risiko, was gelegentlich recht spannend ist. Weitestgehend erwies sich diese Tatsache aber lediglich als frustrierend. Wir können jedes Event mit negativen Sternen zwar mit einem Sieg in einer der drei Kategorien zurücksetzen und verbessern. Das kann in so manchen Events aber zum schweren Unterfangen werden.

Ich tat mich bei den meisten 1-Stern-Veranstaltungen noch recht gut. Doch sowohl die Gegner-KI als auch die Zeitrennen-Ziele sind ab zwei Sternen schlichtweg unfair schwer gestaltet. Die Gegner kleben durch extremes Rubberbanding permanent an uns und gehen sie einmal in Führung, machen sie quasi keine Fehler mehr und fahren ungeheuerlich schnell durch die Strecken.

Neben der erhöhten Geschwindigkeit der Gegner haben wir auch mit erschwerten Bedingungen im Rennen zu kämpfen und müssen, in den Sternen aufsteigend, immer besser abschneiden, was einen Sieg weiter erschwert. Da sich neue Events und Meisterschafftsturniere erst freischalten, wenn man ein bestimmte Sternenanzahl vorzuweisen hat, können wir das Spiel nicht auf lediglich der niedrigsten Stufe angehen – dann fehlen Sterne zum Fortschritt. Wir müssen uns hin und wieder an 2- oder gar 3-Stern-Ereignissen probieren, die mich nach etlichen Versuchen in den Wahnsinn trieben. Insgesamt ergibt sich dadurch ein unnötig frustrierendes Erlebnis, das mir nach rund zwei Stunden bereits sämtlichen Spaß an einer andernfalls potentiell unterhaltsamen Karriere nahm.

Zwischendurch auch mal wieder eine positive Anmerkung: Moto Racer 4 kommt mit einem Split-Screen-Modus daher, was ich an Spielen heutzutage sehr schätze. Die Möglichkeit, zu zweit vor einer Konsole einen Multiplayer-Modus erleben zu können, ist mittlerweile so rar gesät, dass ich mich jedes Mal aufs Neue über eine Split-Screen-Funktion freue.

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In der Theorie gibt auch der Online-Multiplayer eine gute Figur ab. Bis zu zehn Wettstreiter, dazu vier abwechslungsreiche und interessante Online-Modi zur Verfügung – was kann da schon schief gehen? Mögen die Entwickler hier alles richtig gemacht haben, ist der Multiplayer über eine Internetverbindung dennoch kaum der Rede wert. Denn finde ich leider schlicht keine Spieler, die Moto Racer 4 online spielen wollen. Ich habe in den letzten Tagen des Öfteren probiert, Mitspieler zu finden – ohne Erfolg, die Lobbies bleiben stets leer. Die Möglichkeit zum Einladen von Freunden ist gegeben. Doch wer es darauf abgesehen hat, mit fremden Spielern um die Wette zu fahren, kann wohl lediglich mit viel Glück und Geduld hin und wieder einmal ein Online-Rennen erleben.

Moto Racer 4 bietet optionalen VR-Support, über den ich mich anfangs sehr gefreut habe. Ein Arcade-Motorrad-Racer mit Playstation VR? Eigentlich ein gutes Konzept. Die erste Enttäuschung ließ aber nicht lange auf sich warten. Das Spiel lässt sich nicht vollends in VR spielen, sondern hat der Titel nur wenige Events im VR-Repertoire. Die Kampagne ist beispielsweise nicht unterstützt. Bisher lassen sich lediglich Time Trials und Hot Laps in Virtual Reality erleben – also Events gegen die Zeit, ohne andere Fahrer. Doch damit nicht genug: Habe ich mich auf die unterhaltsamen Dirt-Veranstaltungen gefreut, die mit jeder Menge Sprüngen auf seine Spieler warten, sind diese zum Zeitpunkt des Reviews ebenfalls nicht in VR spielbar. Dirt-Strecken sollen in Kürze zwar von der Hardware unterstützt werden, doch bislang können wir lediglich auf einigen Asphalt-Strecken fahren.

Die VR-Erfahrung ist solide, aber unterm Strich unspektakulär. Das Geschwindigkeitsgefühl wird im Vergleich zum Spielen auf regulärem Bildschirm kaum verstärkt. Da das Geschehen jedoch um uns herum abläuft und unser Sichtfeld abdeckt, haben wir die Möglichkeit, in Kurven voraus zu schauen und so ein besseres Verständnis für die Streckenumstände. Insgesamt aber fällt die VR-Umsetzung schwach aus. Wir müssen zu viele Kompromisse eingehen: Keine Gegner auf der Strecke, nur wenige Modi sind spielbar.

Dazu kommt, dass die Grafik über das Headset absolut hässlich aussieht. Es mag tatsächlich das optisch schwächste Spiel sein, das ich in VR bisher erlebt habe. Die Texturen sind schrecklich verschwommen, dazu kommt extremes Aliasing. Das Pop-In von Objekten wie Bäumen auf mittlerer Distanz stört. Auch auf normalen Bildschirmen ist Moto Racer 4 keine Grafikpracht. Der Unterschied ist aber dennoch riesig. Durch die starke Grafikeinbuße, allen voran aber durch den abgespeckten Umfang, habe ich nicht viel Zeit mit Moto Racer 4 in VR verbracht – dafür bietet das Erlebnis schlicht einen zu geringen Mehrwert.

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Fazit

Moto Racer 4 bietet wirklich tolle Arcade-Racing-Momente! Leider sind diese viel zu rar gesät.

Das grundsätzliche Gameplay-Gerüst ist gelungen und so haben mich die Boost-, Drift- und Trick-Funktionen gut unterhalten. Allen voran mit den Dirt-Events habe ich spaßige Runden erlebt! Eine zu schwammige Steuerung und eine fehleranfällige Fahrphysik trüben das simple Geschehen aber. Der Umfang lässt sich sehen, doch hat die Karriere eine große Schwäche: Die KI ist gnadenlos schwer, die Ziele sind oftmals unfair hoch angesetzt. Über weite Strecken geht es hier tatsächlich über eine wohl angepeilte knackige Herausforderung hinaus und endet in Frustration.

Mit mehreren Fahrern und Bikes samt Anpassungsmöglichkeiten im Gepäck kann Moto Racer 4 wiederum punkten. Auch der Split-Screen-Modus ist ein tolles Feature, das ich besonders bei Racern sehr schätze. Online hingegen ist absolut nichts los, was sich in den kommenden Wochen und Monaten nur verschlimmern wird. Und auch der optionale VR-Support enttäuscht: Schreckliche Grafik und ein stark abgespeckter Umfang sind das Resultat.

Wer seine Ansprüche zurückschraubt und Lust auf ein kniffliges Arcade-Rennspiel auf Motorrädern hat, wird Moto Racer 4 unter Umständen etwas Positives abgewinnen können. Unterm Strich kann ich das Spiel aber nicht ohne Weiteres empfehlen.

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