Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 und Road to Boruto im Test

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Releasetermin: 05.02.2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Beat’m Up, Adventure
Entwickler: CyberConnect2
Herausgeber: Bandai Namco

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Spiele mit Anime-Vorlage genießen nicht immer den besten Ruf. Wurden allen voran in der Vergangenheit durchwachsene Umsetzungen veröffentlicht, sieht es heutzutage besonders durch Bandai Namco besser aus. Was der Publisher anpackt, hat stets Hand und Fuß und stellt für Fans des Anime-Ursprungs eine Freude dar. Die Naruto Ultimate Ninja Storm-Reihe ist dafür ein perfektes Beispiel. Die Entwickler von CyberConnect2 haben sich eine gelungene Formel erarbeitet, die jeden Titel zum soliden bis sehr guten Ableger macht. Die Ultimate Ninja Storm-Serie geht nun schon in die vierte Runde. Doch bewährte Formel hin oder her, die Entwickler versuchten den Vorgänger mit einigen feinen Verbesserungen zu übertrumpfen und UNS4 zum besten Spiel der Reihe zu machen. Ist dies dem ersten PS4-Ausflug von Naruto gelungen? Wir finden es heraus!

 

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Eine Serie kommt zum Abschluss

Durch die Anime-Vorlage und die drei Vorgänger sollte verständlich sein, dass es als Neuling durchaus schwer sein kann, sich in die Handlung von UNS4 einzuklinken. Zwar frischt das Spiel hin und wieder unsere Erinnerungen über vergangene Ereignisse auf und auch die offensichtliche Thematik von Freundschaft und Zusammenhalt ist Neueinsteigern schnell geläufig. Der Titel stürzt sich jedoch tief in den Verlauf von Naruto Shippuden, wodurch Spieler besser also mit dem Manga oder Anime vertraut sein und noch besser die vorherigen Teile gespielt haben sollten. UNS4 greift das Vorhaben des bösartigen Madara auf, die Welt zu beherrschen. Im Story-Modus übernehmen Spieler im Versuch, Madara zu stoppen, nicht nur die Kontrolle über Naruto. Mit wechselnden Figuren bleibt stets Abwechslung gegeben. So werden sich Naruto-Fans natürlich darüber freuen, dass UNS4 mit über 100 spielbaren Figuren das bisher vielfältigste Charakteraufgebot hat, wovon letztendlich auch die Geschichte profitiert. Der Titel bietet ein interessantes Story-Konzept, denn gelegentlich finden mehrere Ereignisse parallel statt. Dem Spieler bleibt überlassen, welchem Handlungszweig er nachgehen will. Auch wenn die Geschichte weitestgehend linear präsentiert wird, helfen die parallelen Ereignisse, das Geschehen auf zu mischen. Mit einer Spielzeit von etwa 7-9 Stunden ist der Modus nicht übermäßig lang ausgefallen, doch bieten die vielen Figuren aus dem vierten Ninjaweltkrieg gehörig Abwechslung, was die Handlung dennoch zum spaßigen Modus macht. Die Spielvariante „Abenteuer“ hat ebenfalls eine eigene Geschichte, die allerdings seicht von Ereignissen nach der Hauptstory erzählt. Dieser Epilog wird jedoch nicht nur durch Standbilder, Zwischensequenzen, Quick-Time-Events und Kämpfen gebildet, sondern bietet eine offenere Struktur mit freien Arealen und diversen Tätigkeiten. Neben Turnieren und Nebenquests stehen hier auch Sammelobjekte im Fokus. Im Laufe dieses Modus können Spieler zudem Kämpfe aus der Vergangenheit neu erleben, was ihn quasi zur Empfehlung für Neueinsteiger macht – obwohl dieser nach der richtigen Handlung spielt.  Abseits von Story und Abenteuer ist die Möglichkeit zum freien Kampf gegen CPU-Gegner nach beliebiger Schwierigkeitsstufe gegeben. Der Modus „Überleben“ ist eine Art Arcade-Variante, bei der wir mit nur einem Gesundheitsbalken einen Gegner nach dem anderen besiegen müssen. Ebenfalls sind lokale Wettstreite sowie Online-Partien möglich, wo der Titel seine Stärken ausspielt und spannende Begegnungen auf dem Tagesplan stehen. Neben freien VS-Kämpfen sind sogar Optionen für Ligen, Turniere und Training gegeben, jeweils mit diversen Einstellungsmöglichkeiten. Es gibt zu wenige Spiele mit lokalem Multiplayer, die solche Ligen oder Turniere erlauben, weshalb der Inhalt von Ultimate Ninja Storm 4 wirklich zu loben ist. Mit einigen Kumpels, bestenfalls Naruto- oder Fighting-Fans, können mit dem Titel viele spaßige Stunden verbracht werden! Ich habe lediglich anzukreiden, dass in Online-Turnieren kein Spectator-Modus vorliegt. Während andere Spieler ihren Kampf austragen, werden wir in der Lobby nur mit einem Hinweis auf die Aktivität der Gegenspieler vertröstet und müssen warten, anstatt zuschauen zu können.

Das Spielgeschehen der UNS-Spiele hat sich mit Ausnahme des ersten Teils stets voll und ganz um die Kämpfe gedreht, die in UNS4 einmal mehr Dreh- und Angelpunkt des Gameplays sind. Auch wenn die Kampfmechaniken ihre Kniffe haben, ist das Kampfsystem grundsätzlich eher zugänglich. Neben gewöhnlichen Nahkampfattacken und Distanzangriffen sowie diversen Spezialmanövern spielt die Möglichkeit zum Blocken, Ausweichen und Kontern eine große Rolle. Interaktive Umgebungen, die beispielsweise Wandläufe im Kampf möglich machen, erweitern das Geschehen ebenso wie diverse Objekte. In dieser Sparte finden sich weitere Angriffsoptionen aus der Ferne und beispielsweise die Möglichkeit, Minen auf dem Spielfeld zu verteilen. Während Kämpfe gegen menschliche Gegenspieler durchaus spannend ausfallen können, sind die Gegner in der Story nicht sonderlich gefährlich. Denn: Bei einer Niederlage besteht die Möglichkeit, den Kampf mit dem bereits geschwächten neu zu starten, während wir unsere Energie wieder aufgeladen und zudem noch eine Angriffs- oder Verteidigungsstärkung bekommen. Dies nahm mir im Geschichtsmodus ein wenig die Spannung raus, denn Fehler und unüberlegte Manöver werden quasi nicht bestraft. Wer hingegen versucht, jeden Kampf mit dem „S“-Rang abzuschließen, muss sich ein dickes Polster anlegen und die Kämpfe nahezu fehlerfrei und weitestgehend ohne Schaden bestehen.

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Vorlage gut umgesetzt

Im Kern also bleiben die Mechaniken im Vergleich zum Vorgänger gleich, doch macht sich die eine oder andere Veränderung breit. Waren zuvor weitere Figuren im Kampf noch als temporäre, durch K.I. gesteuerte Hilfe herbeizurufen, ändert UNS4 das Konzept. Vor Kampfbeginn wird ein Team aus bis zu drei Charakteren erstellt, das auf dem Schlachtfeld stets die kämpfende Figur wechseln kann. Zwar teilen sich alle Kämpfer eine Lebensleiste, doch macht diese Funktion Raum für taktische Spielereien. Die Figuren kommen mit verschiedenen Stärken und Schwächen daher, sodass ein strategischer Wechsel im Kampf je nach Lage durchaus sinnvoll sein kann. Ein anderer neuer Aspekt erweitert zudem das strategische Element. Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 legt verstärkten Wert auf elementaren Schaden und anhaltende Effekte. Verheerende Feuerattacken haben die Chance, diverse Kleidungsstücke zu verbrennen und für den restlichen Kampf zu zerstören, was den Brandempfänger vor einen großen Nachteil stellt. Die verschiedenen Areale haben zudem elementare Eigenschaften, die die Fähigkeiten der Figuren entweder stärken oder schwächen können. Findet unser Kampf in einem knöchelhohen See statt, machen Wasser-Attacken erhöhten Schaden. Feuer-Angriffe hingegen machen weniger Sinn. Fängt ein Kleidungsstück nämlich Feuer, lässt es sich durch die Nähe zum Wasser leicht löschen. Diverse Elementarangriffe, so beispielsweise besondere Beschwörungen und Transformationen, sind nur in bestimmten Arealen durch begünstigen Elementartyp möglich. Hier kommt einmal mehr die Wechselfunktion der Charaktere zum Tragen. Schlägt sich eine Figur durch die elementaren Umstände schwer, ist ein Wechsel zu einem anderen Charakter ratsam, der im besten Fall sogar Vorteile aus der vorliegenden Elementarart im Areal zieht. Durch die strategische Komponente sollten Spieler also durchgehend über eine gute Teamkonstellation nachdenken, um für möglichst viele Fälle gewappnet zu sein. Mit diesem Aspekt spielt sich Naruto Shippuden so gut wie nie zuvor und schafft es, dem recht simplen Kampfsystem etwas mehr Tiefgang zu verpassen.

Bombastisch inszeniert

Als erstes Naruto-Spiel auf der PS4 sollte es selbstverständlich sein, dass UNS4 das hübscheste Videospiel des Naruto-Universums ist. Die Optik reicht immer näher an den Anime heran. Insbesondere bei Effekten haben die Entwickler von CyberConnect 2 für Verbesserungen gesorgt. Chakra-Aufladungen und effektreiche Angriffe sehen besser denn je aus! Eine filmreife Inszenierung hebt die starke Optik hervor und liefert in passenden Momenten ansehnliche Kameraperspektiven. Ebenso als eine auffällige Neuerung möchte ich die überarbeiteten Gesichtsausdrücke hervorheben. Dragon Ball Xenoverse hat es vorgemacht: Die Gesichter der Figuren spiegeln toll wieder, was auf dem Schlachtfeld geschieht. Von selbstbewussten Blicken über zornige Mienen bis hin zum schmerzverzerrten Ausdruck ist alles dabei, was das Geschehen lebendiger gestaltet. Insgesamt hat die Optik einen deutlichen Sprung nach oben gemacht! Nur hat es mich gestört, dass der Titel es gelegentlich mit Partikeleffekten übertreibt, was zu Framerate-Einbrüchen führt, die sich aber in Grenzen halten. Wie gewohnt sorgen die japanischen oder optional englischen Originalsprecher des Animes für eine gelungene Synchronisation. Deutsche Sprecher gibt es hingegen nicht, doch sorgen deutsche Texte für Verständnis. Ein fulminanter Soundtrack stimmt gekonnt auf die brachialen Kämpfe ein.

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Fazit

Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 fängt einmal mehr fantastisch das Gefühl des Animes auf. Mit einer tollen Story und brachial inszenierten Kämpfen sind Fans des Animes gut bedient. Zwar ist das Kampfsystem nicht allzu tiefgehend, doch bietet es den einen oder anderen Kniff, den es zu lernen und üben gilt. Die Möglichkeit zum Charakterwechsel direkt in der Arena und die Eigenheiten rund um Elementarschaden frischen das Gameplay zudem auf. Allerdings leiden die Kämpfe im Story-Modus darunter, dass die Spieler nach einer Niederlage mit Vorteilen ausgestattet werden – so geht die Spannung gehörig in den Keller! Nichtsdestotrotz hat mich Ultimate Ninja Storm 4 als tolles Gesamtpaket für Naruto-Fans überzeugt, das allen voran mit fantastischem Inhalt für lokale Wettstreite punkten kann!

 

Releasetermin: 03.02.2017

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Beat’m Up, Adventure
Entwickler: CyberConnect2
Herausgeber: Bandai Namco

 

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Dem Anime-Release aus dem letzten Jahr folgt jetzt eine Erweiterung. Road to Boruto heißt das Add-On, das Narutos Sohn auf einem Abenteuer begleitet. Die Geschichte um Boruto basiert dabei auf dem Film Boruto: Naruto The Movie, was sich als tolle Vorlage für die Videospiel-Umsetzung entpuppt.


Der DLC kommt nicht nur mit brandneuen Figuren daher, sondern liefert Fans auch eine Handlung, die sich aus einer Abfolge an Kämpfen zusammensetzt. Wie im Abenteuer-Modus von Ultimate Ninja Storm 4 gibt es eine Menge Hauptkämpfe zu bestreiten, doch lassen sich zwischen den Gefechten auch Nebenquests im Dorf versteckt hinter den Blättern absolvieren. Auch wenn die Aufgaben grundsätzlich gelungen sind, ähneln sie meiner Meinung nach aber den Tätigkeiten im Hauptspiel zu sehr. Auch die Umgebungen wurden größtenteils wiederverwendet. Die starken Parallelen haben mich jedenfalls etwas enttäuscht, da sich der Geschichts-Modus in Road to Boruto lediglich wie der Aufguss eines bereits erlebten Abenteuers anfühlt. Zu allem Überfluss fällt der Umfang der Hauptaufgaben nicht allzu groß aus. Wer sich lediglich um die Handlungsrelevanten Missionen schert, ist nach wenigen Stunden durch. Immerhin haben mir die Story-Sequenzen gefallen, die mich als Naruto-Laie mit ihrer actionreichen Inszenierung überzeugen konnten.

Die Kämpfe holen ebenfalls wieder einiges heraus. Sie spielen sich rasant, sind wahnsinnig cool inszeniert und präsentieren ein Kampfsystem, das leicht zugänglich, aber schwer zu meistern ist. Mit vielen kleinen Nuancen und spaßigen Möglichkeiten aus der Serie hat CyberConnect2 über die vielen Teile hinweg ein fantastisches System geschaffen. Dieses wurde für die Erweiterung nicht verändert, doch ist das auch gut so. Denn hat mich schon im Hauptspiel dieser Aspekt besonders gut unterhalten.

Road to Boruto kommt mit einem neuen Figurenaufgebot daher. Insgesamt sind sechs komplett neue Charaktere sowie zwei neue Figurenausführungen spielbar. Fans werden wissen, dass primär die Kinder der beliebten Serienhelden Naruto, Sakura und Sasuke umgesetzt wurden – Boruto und Sarada. Auch Mitsuki sowie Naruto als 7. Hokage, Sasuke, der wandernde Shinobi und Mecha-Naruto sind enthalten. Doch bevor sich Spieler in den Kampf stürzen können, müssen sie die Figuren in der Geschichte freischalten. Einerseits ist so für Motivation gesorgt, andererseits werden sich Spieler ärgern, die auf die Schnelle einige Runden mit Mecha-Naruto und Co absolvieren wollten. Schade auch, dass Road to Boruto einige neue Feinde in der Handlung als Gegner präsentiert, diese aber nicht als spielbare Figuren enthalten sind. Die Auswahl an sechs neuen Kämpfern ist solide, doch sorgt es für einen bitteren Nachgeschmack, dass scheinbar nicht alle potentiellen Figuren umgesetzt wurden.

 

Fazit

Road to Boruto übernimmt viele Stärken des Hauptspiels. Da wären das spaßige, vielseitige Kampfsystem, die schicke Grafik und die fantastische Inszenierung. Andererseits orientiert sich die Erweiterung teilweise zu sehr am Basis-Erlebnis. Denn wird die Handlung von Boruto im fast identischen Konzept wie der Abenteuer-Modus in UNS4 präsentiert. Wer diesen optionalen Modus im Hauptspiel schon erlebt hat, wird das selbe Schema in Road to Boruto womöglich monoton finden. Dazu kommt, dass die Story-Aufgaben schnell durch sind, weiterhin nicht so viele neue Charaktere dazu stoßen, wie man es sich durch die Ereignisse in der Handlung wünschen könnte. Der Preis von 19,99€ geht in Ordnung für all diejenigen, die einfach nur weitere Tätigkeiten spielen wollen und sich über das neue Figurenaufgebot freuen. Wer hingegen auf neue Ideen und stundenlangen Umfang gehofft hat, sollte zum günstigen Preis zugreifen. Wer sich Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 jedoch erstmals zulegen möchte, hat kaum einen Grund, nicht zum Gesamtpaket Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4: Road to Boruto zu greifen, das Hauptspiel und Erweiterung gebündelt anbietet.

Wertung im Einzelnen
Story
7
Gameplay
8
Inhalt und Umfang
9
Multiplayer
9
Grafik
9
Sound
8
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