Releasetermin: 15.09.2017

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Sport/Simulation
Entwickler: EA Vancouver
Herausgeber: EA Sports

 

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EA führt seine Spieler wieder aufs Eis! Auf den Tag genau ein Jahr nach NHL 17 ist der diesjährige Teil von Entwickler EA Vancouver letzte Woche erschienen. Während ich bereits Madden NFL 18 testen durfte und dort den Umstieg auf die Frostbite-Engine sowie den “Longshot”-Story-Modus loben durfte, war ich auf die Neuerungen von NHL 18 gespannt. Nach einer Woche mit dem Titel erzähle ich euch, was sich verändert hat – und ob sich der Wechsel auf das neue Spiel lohnt.

Gleich vorweg: Hinter den technischen Kulissen hat sich keine allzu große Veränderung abgespielt. FIFA hatte letztes Jahr den Sprung auf die Frostbite-Engine gemacht, Madden NFL war dieses Jahr an der Reihe. Wird nächstes Jahr die NHL-Serie die Engine-Erneuerung durchmachen? Möglich wäre es. NHL 18 läuft jedenfalls weiterhin auf der Ignite-Engine, was aber nichts schlechtes heißen soll. Der Titel sieht auch auf dem aktuellen Technik-Gerüst sehr gut aus, später mehr dazu. Allerdings sollte man daher nicht erwarten, dass NHL 18 mit einem Story-Modus ala Longshot und The Journey daherkommt. Die Umsetzung solch einer Spielvariante scheint bei EA stark verknüpft mit den Möglichkeiten der Frostbite-Engine zu sein, weshalb wir womöglich in den künftigen Titeln auf solch einem Modus hoffen können. Doch genug vom Mutmaßen über die nächsten Teile, schließlich hat auch NHL 18 eine Menge zu bieten.

Ab ins Trainingslager

Bereits im letzten Jahr hat mir bei NHL 17 gefallen, dass der Titel auch Neulinge willkommen heißt. Neben ausführlichen Tutorials erinnere ich mich gerne an das Coach-Feedback, das bereits während des Spiels Hinweise auf Stärken und Schwächen gibt. Nun kommt dieses Feedback gar mit optionalen Training-Videos daher, die man bei Bedarf noch einmal anschauen kann, wenn es bei bestimmten Elementen im Spiel noch hapert. Auch der “On-Ice-Trainer” kehrt zurück: Einblendungen weisen auf dem Eis auf Grundlagen des Gameplays hin. Wer mit NHL 18 seinen ersten Eishockeytitel erlebt, wird sich im “Trainingslager” bestens aufgehoben fühlen. Auch wenn dieser Sport nicht der komplexeste sein mag, finde ich den Umfang an Einsteigerhilfe fantastisch. Es wird sichergestellt, dass bereits nach wenigen Minuten jeder neue Spieler selbstbewusst auf dem Eis unterwegs sein darf und sich konstant verbessert.

Subtile Veränderungen am ohnehin tollen Gameplay

Auf dem Eis hat sich grundsätzlich nicht viel verändert. Spielern stehen diverse Spielstile zur Verfügung, mit der das hauptsächliche Geschehen abläuft. Die Kontrolle per Sticks wurde mittlerweile zum Standard gemacht. Zudem steht eine klassische 2-Knopf-Steuerung zur Verfügung wie auch eine Hybrid-Lösung. Ich habe die Dual-Stick-Option genommen, mit der ich bereits in den Vorgängern gespielt habe. Es mag einige Runden dauern, bis man dieses Kontrollschema verinnerlicht. Erst einmal an die Kontrolle mit dem rechten Stick gewöhnt, fühlt sich das Geschehen aber sehr intuitiv an. An den verschiedenen Schlägen hat sich nichts getan und diese gehen nach wie vor sehr gut von der Hand. Auch das automatische wie manuelle Passen funktioniert weiterhin klasse. Ebenso werden Tackles unverändert ausgeführt. Da diese Mechaniken auf voller Linie überzeugen, gibt es aber auch wirklich keinen Grund, diese abzuändern.

Einige feine Adjustierungen sind im Gameplay dennoch zu bemerken. So fühlen sich die Poke-Checks zum Stören mit dem Schläger kontrollierter an. Während ich in NHL 18 beim Versuch eines Poke-Checks oftmals temporär runter vom Eis geschickt wurde, fällt mir das Timing in NHL 18 wesentlich leichter. Das sorgt dafür, dass Spieler in der Defensive die Lage einfacher mit besagten Poke-Checks oder ausgestreckten Armen kontrollieren können. Doch nicht nur in der Defensive, sondern auch beim Puckbesitz werden Spielern raffiniertere Möglichkeiten geboten. Denn NHL 18 kommt mit neuen Offensiv-Dekes daher, die allen voran durch kreative Aneinanderreihung, angepasst an die Situation, einen tollen Spielfluss möglich machen. Wer bereits in der Vergangenheit Spaß daran hatte, sich mit den Dekes auszutoben und die Verteidiger regelrecht auszutanzen, kommt hier umso mehr auf seine Kosten. Unterm Strich sind es aber feine Veränderungen, die das Spielgeschehen nur geringfügig verbessern.

Alternativer Modus mit Arcade-Touch und erstaunlich tiefgehender Kampagne

Dafür hat sich inhaltlich schon mehr getan. Das Spiel wird mit einem brandneuen Modus ausgeliefert. “NHL Threes” lautet die Spielvariante, die ein 3-gegen-3-Arcadespiel möglich macht. Hier gibt es kein Abseits oder Icing, zudem sind härtere Checks erlaubt. Fouls und Strafzeiten werden hingegen mit einem sofortigen Penalty geahndet. Dadurch spielt sich das Geschehen schneller und ist an klassische Arcade-Modi angelehnt, während man Over-the-top-Aktionen aber vergeblich sucht. NHL Threes wahrt durchaus die Nähe zum Realismus, was dafür sorgte, dass der Modus mich fast schon ein wenig enttäuscht hat. Es spielt sich schlicht nicht so anders als ein reguläres Spiel. Schneller, ja; und durch die abgeschalteten Regeln durchaus auch einsteigerfreundlich – nur eben im Kern eine leicht abgeänderte Fassung des Geschehens und kein völlig neues Erlebnis.

Dennoch hat NHL Threes so einige Aspekte, die für sich sprechen. Mir hat gefallen, dass Tore zu bestimmten Zeiten mehr Punkte wert sind und gegebenenfalls sogar einen Punkt vom Gegnerkonto abziehen. Die Gameplay-Abwandlung kommt zudem mit eigener Singleplayer-Kampagne daher. Ein exklusiver Kommentator bringt ein wenig Humor ins Spiel. Ebenso stehen buntere und ausgefallenere Arenen zur Verfügung, die wie auch neue Trikots, Mitspieler und Logos freigeschaltet werden können. Lokal lässt sich miteinander und gegeneinander spielen, eine Online-Variante liegt ebenfalls vor. Vor Spielbeginn wird eine Münze geworfen; der Gewinner entscheidet über zusätzliche Regeln wie beispielsweise die maximale Toranzahl zum Sieg. Die Entwickler haben sich durchaus viele Gedanken gemacht und ich hatte definitiv meinen Spaß mit NHL Threes. Ich hätte mir aber schlicht eine noch chaotischere Umsetzung gewünscht.

Etablierte Modi bleiben weitestgehend unverändert

Der beliebte Franchise-Modus hat kaum Veränderungen über sich ergehen lassen müssen. Zum einen sind erstmals die Vegas Golden Knights enthalten, zum anderen können wir am NHL Expansion Draft teilnehmen und ein Team von Grund auf erstellen und hochziehen. Auch die anderen Modi wurden nur geringfügig abgeändert. In Be a Pro können wir nun beispielsweise während der Saison zu einem anderen Team wechseln und dabei spezielle Kriterien zum Trade festlegen.

Bei Hockey Ultimate Team sind die sogenannten “HUT-Herausforderungen” dazugestoßen. Spieler können sich eine Reihe von wechselnden Herausforderungen vornehmen und einzigartige Belohnungen freischalten, wie es auch bereits in Madden NFL 18 möglich ist. Und auch bei der EA Sport Hockey League hat sich nicht allzu viel getan. Hier wurden 3vs3-Online-Spiele ermöglicht, um auf dem Eis mehr Platz für spektakuläre Skill-Moves zu bieten. Abseits des Zuwachses in Form von NHL Threes gibt es inhaltlich nur über wenige Neuerungen zu berichten. Der Umfang war zwar auch schon im Vorgänger gelungen, doch erhält man durch solch subtile Veränderungen nun einmal kaum den Anreiz, auf den neuen Teil umzusteigen.

Auch grafisch nur mit kleinen Schritten – dank PS4 Pro aber in 4K!

Grafisch kann ich nicht viele Unterschiede zu NHL 17 feststellen. Dennoch sieht NHL 18 super aus! Die Präsentation im Gewand einer NBC-Übertragung ist wieder einmal fantastisch gelungen. Die Spielermodelle wirken sehr detailliert, die Trikots und die Ausrüstung sind sehr hübsch gestaltet. Das Eis ist mit leichten Reflexionen sehr realistisch ausgefallen, die Spuren der Kufen sowie der aufsprühende Schnee sind ebenso ansehnlich. NHL 18 bietet einige wirklich netten Details wie zum Beispiel die erschütternde Bande, die bei einem entsprechenden Check sehr natürlich nachgibt. Die Beleuchtung ist fantastisch und lässt das Spielgeschehen regelmäßig aussehen wie eine echte Sportübertragung. Obwohl das Spiel nach wie vor auf der Ignite-Engine läuft – NHL 18 gibt wie sein Vorjahrestitel optisch eine klasse Figur ab.

Während die Optik grundsätzlich zwar kaum Schritte nach vorne gemacht hat, unterstützt man zumindest die PS4 Pro. NHL 18 läuft augenscheinlich in nativer 4K-Auflösung, was ein extrem klares Bild zur Folge hat und die Grafik noch schöner in Szene setzt. Dazu läuft das Spielgeschehen in butterweichen 60 FPS ab – wenn man gelegentliche Ruckler beim Bully mal außen vor lässt. Bei Kamerafahrten in die Zuschauerreihen wird die Framerate auf 30 FPS reduziert, was im direkten Vergleich zum 60 FPS-Gameplay manchmal etwas holprig wirken mag. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau: Auf meinem 4K-TV sieht das Spiel wirklich toll aus!

Netter Soundtrack, stimmige Effekte und solide Kommentatoren

Die Kommentatoren Doc Emrick und Eddie Olczyk kehren zurück und sorgen gemeinsam mit einem authentischen Klangbild der Zuschauerränge, Arenenansagen und -effekten für eine tolle Sound-Umsetzung. Auch der lizenzierte Soundtrack in den Menüs hat mir gefallen, der recht vielfältig ist und für jeden etwas bieten dürfte. Anders als Madden NFL 18 bietet NHL 18 auch deutsche Texte, was für den einen oder anderen ebenfalls von Interesse sein dürfte.

Wertung im Einzelnen
Gameplay
9
Inhalt und Umfang
9
Multiplayer
8.5
Grafik und Präsentation
9
Sound
8
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