Releasetermin: 28.04.2017

Medientyp: Blu-ray Disc (PS4), Modul + Download (Nintendo Switch)
Genre: Puzzle
Entwickler: Sonic Team
Herausgeber: Sega

PS4-Version: Bestellen bei Amazon.de Switch-Version: Bestellen bei Amazon.de

 

 

Tetris kennt wohl jeder – dafür muss man nicht einmal in der Videospielwelt aktiv sein. Denn das simple Konzept hat in den letzten Jahrzehnten so einige Umsetzungen spendiert bekommen, sodass nicht nur die aktuelle Generation an Zockern das Prinzip kennt. Anders aber verhält es sich mit Puyo Puyo. Das Konzept mit dem witzigen Namen ähnelt Tetris in vieler Weise, doch wurde der Idee bisher nicht viel Aufmerksamkeit im Westen geschenkt. Eine neue Veröffentlichung von Sega soll dies nun ändern, denn werden die beiden Puzzlespiele nun gebündelt angeboten. Puyo Puyo Tetris ist ab sofort für PS4 und Nintendo Switch erhältlich und hat mich vollends in seinen Bann gezogen.

Ich muss wohl wirklich den wenigsten unter euch die Regeln von Tetris erklären. Eine Reihe von Blöcken fällt nacheinander auf ein Spielfeld und es gilt, die Steine möglichst logisch aufeinander zu stapeln. Ist eine Reihe komplett bebaut, werden die involvierten “Tetriminos” aufgelöst und mit Punkten belohnt. Die herunterfallenden Blöcke lassen sich drehen, zudem kann stets ein Tetriminos aufbewahrt werden, um ihn schlicht nicht im aktuellen Moment benutzen zu müssen, oder um ihn aus strategischen Gründen erst später auszuspielen. Das Ziel des Spielers sollte stets der titelgebende “Tetris“ sein: Vier Zeilen an gestapelten Tetriminos werden auf einmal zerstört, wodurch es jede Menge Punkte hagelt. Spieler müssen die Steine taktisch raffiniert verbauen, um aus der Blockkonstruktion stets das Maximum herauszuholen. Wer die Tetriminos wiederholt an falsche Stellen setzt und die Steine über das Spielfeld hinaus stapelt, verliert und endet seinen Versuch. Das simple, aber geniale Konzept kommt in unterschiedlicher Ausführung daher und entfaltet mit abgewandelten Regeln gar noch ganz andere Facetten.

Puyo Puyo hat ein ähnliches Konzept, das sich aber doch in einigen Elementen von Tetris unterscheidet. Das Spielfeld und die herunterfallenden Elemente sind ebenso identisch wie die Tatsache, dass bei Überstapeln der Game Over Screen winkt. Doch zum Einen fallen hier keine unterschiedlich geformten Steine herab, sondern farbige Blobs. Je zwei aneinander gesteckte “Puyos” fallen bei jedem Zug herunter und lassen sich ebenfalls drehen. Zum Anderen gilt es nicht, Reihen aufzubauen und zu vervollständigen, sondern vier gleichfarbige Blobs aneinander zu bauen. Dabei spielt keine Rolle, ob die Blöcke nebeneinander oder aufeinander stehen – solange vier Puyos sich berühren, werden sie aufgelöst und es gibt Punkte. Noch größere Belohnung wartet auf die Spieler, wenn das Aufeinandertreffen der Blobs verkettet wird und eine regelrechte Kettenreaktion durch die sich auflösenden Puyos entsteht.

Ich bin zwar persönlich etwas mehr von Tetris angetan, doch habe ich beide Varianten gerne gespielt. Mich hat dabei besonders überrascht, wie tiefgehend das Geschehen sein kann, wenn man sich ausführlich mit dem Prinzip beschäftigt. Es war für mich das erste Mal, dass ich Tetris ernsthaft strategisch angegangen bin und nach und nach versucht habe, meine Taktik zu verbessern. Es hat regelrecht süchtig gemacht, an meiner Strategie zu feilen, was nur unterstreicht, wie genial das Konzept ist.

Die volle Dröhnung Puzzle-Spaß

Doch 30€ (PS4-Retail sowie digital auf Nintendo Switch) bzw. 40€ (Switch-Retail) für ein Spiel ausgeben, dessen Idee schon dutzende Male umgesetzt wurde? Neben dem Zusatz von Puyo Puyo bietet das Gesamtpaket noch weitere Argumente, die für das Knobelspiel sprechen. So hat die Veröffentlichung dutzende Spielvarianten auf Lager. Ich zeige euch Screenshots, die einige der verfügbaren Modi zeigen:

Falls ihr euch von all diesen Menüpunkten erschlagen fühlt, geht es euch genau wie mir anfangs. Ich brauchte eine Weile, bis ich alle Unterpunkte erkundet hatte. Auch wenn Puyo Puyo Tetris mich also anfangs etwas mit seiner Menüführung überwältigt hat, spricht der tolle Umfang für sich.

Gelungene Moduaufgebot

Grundsätzlich wird gegen einen Wettstreiter gespielt – menschlich oder KI. Bei erfolgreicher Bauweise verdienen Spieler nicht nur Punkte, sondern erschweren dem Gegner zudem das Stapeln und Kombinieren. Denn mit jeder vollständigen Tetriminos-Zeile bzw. vollendeter Puyo-Konstruktion erhält der Gegenüber ein störendes Equivalent in sein Spielfeld platziert. Bei einem Tetris also erhält der Gegner vier Reihen an Tetriminos als Störfaktor, was schnell im Game Over enden kann. Zwar kommen die Steine und Blobs immer mit Lücken daher, damit man sich von den störenden Blöcken befreien kann. Doch in der Hitze des Gefechts erschweren die Störblöcke das Bauen deutlich.

In den meisten Modi gilt es daher, seinen Feind mit einer cleveren und zunehmend schnelleren Spielweise zu überlisten. Hierfür stehen klassische Tetris- und klassische Puyo Puyo-Matches bereit. Doch bietet der Titel in „Fusion“ auch eine Mischung aus beiden Puzzle-Spielen. Tetriminos und Puyos fallen auf ein und das selbe Spielfeld, was den Schwierigkeitsgrad erhöht. Dazu kommt die Variante „Swap“, in der Spieler zwischen einem Puyo Puyo-Feld und einem Tetris-Feld nach kurzen Zeiträumen immer wieder hin und her wechseln, was ebenfalls mehr Übersicht erfordert. Party erweitert das Puzzle-Geschehen um Items, die aufs Feld fallen und für eigene Vorteile oder Nachteile des Gegners sorgen können. In Big Bang bekommen Spieler eine Reihe von vorgefertigten Felder vorgesetzt, die es so schnell wie möglich zu bewältigen gilt. Nachdem die Zeit abgelaufen ist, wird ausgewertet, welcher Spieler am meisten „Abfall“ übrig gelassen hat – und der fliegt ihm mit einem „großen Knall“ um die Ohren.

Weiterhin enthalten ist ein Challenge-Modus, in dem diverse Herausforderung darauf warten, geknackt zu werden. Durch kreative Zielsetzungen und Zeitlimits ist diese Spielvariante kurzweilig, aber durchaus spaßig.

Tutorials und Optionen

Mehrere Zusatzeinstellungen wie beispielsweise Handicaps und die Möglichkeit zu Endlos-Matches runden die gelungene Auswahl an Modi und Spielvarianten ab. Es stehen außerdem diverse Figuren zum Spielen bereit, die nicht nur als animiertes Bild beim Stapeln zu sehen sind, sondern auch mit unterschiedlichen Präferenzen daherkommen. Dadurch ergeben sich kleine, aber feine Unterschiede in der Spielweise der Charaktere. Auch wenn hier also ein so simples und allseits bekanntes Konzept präsentiert wird, stellt der umfangreiche Inhalt sicher, dass für Spieler nicht so schnell Langeweile aufkommt.

Wer allerdings keinerlei Ahnung von Tetris und Puyo Puyo hat, kann übrigens auch ausführliche Tutorialerklärungen spielen. Hier werden die Grundlagen beigebracht und für Anfänger lohnt es sich, hier einige Zeit zu verbringen.

Kaum zu glauben: Tetris und Puyo Puyo mit Story!

Wer die beiden Konzepte hingegen verinnerlicht hat, kann sich in das Abenteuer des Spiels schwingen. Ja, Puyo Puyo Tetris hat tatsächlich eine Story! Diese gibt leider aber nicht viel her und ist recht kindisch inszeniert. Ganz so überraschend ist die Umsetzung einer Story auch nicht – schließlich hatten bereits vorherige Puyo Pop-Spiele eine Geschichte. Eine tiefgründige Handlung sollte dennoch niemand erwarten. Mir haben die gezeichneten Figuren und Umgebungen aber immerhin optisch gefallen. Und auch das Geschehen hat mich überzeugt. Hier präsentieren sich Partien gegen KI-Feinde, zudem mischen sich auch hier die Herausforderungen unter die Aufgaben. Die Abwechslung stimmt und ich hatte Spaß daran, möglichst viele Sterne einzufahren. Denn es gibt in jeder Tätigkeit bis zu drei Sterne zu verdienen, die an unterschiedliche Ziele gebunden sind. Wer sämtliche Sterne abräumen will, muss allerdings ein echter Puzzle-Profi sein. Einige Aufgaben haben es echt in sich!

Eingefahrene Punkte und schnelle Abschlusszeiten werden am Ende jeder Runde in eine virtuelle Währung umgewandelt. Mit dieser können Spieler im “Shop” diverse Extras kaufen. Egal ob neue Skins für die Puyos oder die Tetriminos, neue Arenen oder auch neue Hintergrundlieder, die übrigens teils echt fetzig sind – der Shop wird nicht jedermanns Sache sein, doch hatte ich durchaus Spaß daran, einige neue Items freizuschalten.

Durch und durch ein Multiplayer-Hit

Besonders gut gefallen haben mir die Mehrspielermöglichkeiten. Bis zu vier Personen können sich gleichzeitig am Geschehen austoben und um die Wette stapeln. Auch hier gibt es so einige Varianten und Optionen. Grundsätzlich lässt sich so ziemlich alles im Multiplayer erleben, was Solo-Spieler auch gegen KI-Gegner spielen können. Neben reinen Tetris- und reinen Puyo Puyo-Matches sind hier auch der Fusionsmodus und die Swapvariante sowie Party und Big Bang verfügbar. Der Titel lässt sich sowohl lokal als auch online mit mehreren Leuten spielen. Über das Netzwerk sind zudem weitere Funktionen wie Ranglisten verfügbar.

Ich habe Puyo Puyo Tetris auf der Nintendo Switch gespielt, auf der der lokale Mehrspielermodus besonders gut abschneidet. Denn Spieler haben durch die beiden Joy-Con bereits jederzeit mindestens zwei Controller zum Spielen parat. Zudem lässt sich das Geschehen auch im Tabletop-Modus auf dem kleinen, aber ausreichend großen Bildschirm erleben. Schade nur, dass die Analog-Sticks der Joy-Con nicht immer eine absolut präzise Spielweise möglich machen. Da beim Spielen per einzelnem Joy-Con kein Steuerkreuz zur Verfügung steht, ist es mir ab und zu passiert, dass ich mit dem Stick leicht nach unten anstatt in die richtige Richtung gedrückt habe und ich mich dadurch verbaut habe. Ein nerviges Problem, doch überwiegt meine Freude daran, stets Controller für zwei Spieler dabei zu haben.

Wertung im Einzelnen
Spielspaß
9
Inhalt und Umfang
9
Mehrspieler
10
Grafik & Sound
9
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