Robinson: The Journey (PSVR) im Test

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Releasetermin: 09.11.2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Adventure, Rätsel
Entwickler: Crytek
Herausgeber: Crytek

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Für viele von uns sind Dinosaurier seit der Kindheit eine Faszination. Für so manche Spieler geht mit Robinson daher eventuell ein Kindheitstraum in Erfüllung. Das Spiel bringt die prähistorische Ära mit Sci-Fi-Einflüssen in die virtuelle Realität und so kommen wir einer Dino-Begegnung wohl so nah wie nie zuvor. Doch steckt hinter Robinson: The Journey mehr als nur eine faszinierende Erfahrung? Punktet der Titel auch als vollwertiges Spiel? Finden wir es heraus.

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Spieler übernehmen die Rolle des titelgebenden Robin, der sich als junger Überlebender eines abgestürzten Raumschiffs auf einem fremden Planeten vorfindet. Gleich zu Beginn wird klar: Diese Welt ist von Wesen bewohnt, die auf der Erde als ausgestorben galten – Dinosaurier sind hier ebenso anzutreffen wie hochentwickelte Technik in Form von sprechenden Robotern. Begleitet von dem T-Rex-Baby Leika und der schwebenden KI-Kugel HIGS startet für Robin ein einzigartiges Abenteuer, bei dem er den Planeten Tyson III nach anderen HIGS-Einheiten erkundet und den Absturz aufzuklären versucht.

Das Spiel beginnt rund drei Monate, nachdem das Schiff abgestürzt ist. Robin lebt inmitten der Trümmer des Rettungsschiffes, das vom Raumschiff Esmeralda abgekapselt wurde. Mit Hilfe der künstlichen Intelligenz HIGS errichtete sich Robin ein Lager, das mit Generatoren ausgestattet das Nötigste zum Überleben parat hält. Robin hat Strom und Wasser, ebenso Barrieren, die wilde und gefräßige Dinos vom Lager fern halten. Der gesamte Auftakt dreht sich darum, die Geräte instand zu halten und zu reparieren, denn geht das Equipment schnell kaputt. Diese Reparaturen weisen den Spieler in die Grundzüge des Gameplays ein.

Wir spielen Robin aus First-Person-Sicht und steuern ihn per Dualshock 4 Controller. Fortbewegung ist in VR bekanntermaßen ein heikles Thema, weshalb ich mich darüber freute, dass sowohl für die Bewegung als auch fürs Drehen unterschiedliche Steuerungsoptionen bereit stehen. Die Varianten bieten verschiedene Stufen an VR-Komfort und stellen so sicher, dass Probleme mit Motion Sickness zumindest vermindert werden. Aufgrund der vollständigen Kontrolle über die Bewegung kann ich aber nicht garantieren, dass wirklich jeder VR-Neuling das Erlebnis vertragen wird.

Mich hat sofort irritiert, dass Robin permanent ein technologisches Gerät in der rechten Hand hält. Man gewöhnt sich zwar daran, dass jederzeit dieses Objekt in der rechten Bildschirmhälfte zu sehen ist. Ich habe mir aber auch durchgehend die Frage gestellt, warum das Spiel keinen Playstation Move Support bietet – der Gegenstand sieht schließlich entfernt aus wie ein Move-Controller.

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In der präsentierten Ausführung gelingt unsere Interaktion hauptsächlich durch die Blickrichtung. Wir schauen mit dem Gerät in der Hand auf einen Gegenstand und können ihn anschließend manipulieren. Robin hat mit diesem Gerät die Fähigkeit, ausgewählte Objekte schweben lassen zu können. Per Blick wählen wir ein Trümmerteil oder ähnliches an, heben es mit dem rechten Trigger per Gravitationsfeld in die Luft und können ihn nun mit dem rechten Analog-Stick rotieren. Die X-Taste hingegen lässt uns das Objekt durch die Luft schießen. Diese Manipulation stellt den zentralen Aspekt des Spielgeschehens dar. Mal legen wir eine zugebaute Höhle frei. Mal müssen wir Objekte in bestimmter Weise aufeinander stapeln oder eine Überbrückung improvisieren.

Die Tätigkeit ist unterhaltsam, doch lässt sie als Kernelement etwas zu wünschen übrig. Nach einiger Zeit hatte ich schlicht keine Lust mehr, mich mit dem Rotieren und Herumtragen verschiedener Gegenstände zu beschäftigen. Das Manipulieren und Platzieren fällt nämlich oftmals unnötig pingelig in der Kollisionsabfrage aus, was dann schnell auch einmal frustriert. Doch glücklicherweise hat Robinson noch weitere Aspekte zu bieten. Robin muss oftmals klettern, um den nächsten Zielort zu erreichen. Das gelingt per Blickrichtung und den beiden Triggern zum Steuern beider Hände. Wir schauen auf eine greifbare Pflanze oder einen Felsvorsprung und halten uns per entsprechendem Trigger fest, hangeln uns entlang – spaßige Angelegenheit, aber einmal mehr stellte ich mir die Frage: Warum nicht mit Move-Controllern?

Zudem können wir unserem T-Rex-Begleiter mit Anweisungen grob kontrollieren. Wir können Leika befehlen, uns zu folgen, zu warten, mit etwas Bestimmten zu interagieren oder zu brüllen. Allen voran hilfreich ist das knuffige Wesen, um andere Gefahren von Robin fern zu halten. Leika kommt aber nur in wenigen Momenten zur entscheidenden Hilfe und so bleiben die Anweisungen eher Spielerei als wichtiges Gameplay-Element.

Weiterhin haben wir eine Scan-Funktion in unserem Hilfsmittel in der rechten Hand verbaut. Per Scan können wir Informationen zu den Wesen und interessanten Funden auf dem fremden Planeten in einer Datenbank namens Infotarium festhalten. Dies geschieht über eine Art Minispiel, bei dem wir grüne Punkte auf dem Bildschirm einsammeln müssen, ohne die roten zu erwischen. Je größer oder seltener die Kreatur, desto schwieriger fällt dieses Vorhaben aus, denn sorgt die Platzierung der roten Punkte für eine knifflige Angelegenheit. Auch wenn es sich abermals um eine simple Tätigkeit handelt, hat mir das Scannen gefallen. Denn passt es vorzüglich zum Erkundungsaspekt des Spiels.

Während wir zumeist simpel mit Objekten interagieren müssen, bietet Robinson gelegentlich auch seichte Rätsel-Mechaniken. Beispielsweise übernehmen wir die Kontrolle über HIGS und verlegen logisch eine Stromleitung, um vom einen Generator aus den Strom zu elektrischen Geräten zu leiten. Einmal mehr ein Element, das zwar unterhaltsam ist, aber kaum Substanz bietet.

Insgesamt hat mich das Spielgeschehen leider nicht vom Hocker gerissen. Wir verbringen eine große Zeit damit, in kleinen bis mittelgroßen Arealen umher zu wandern, bis wir das nächste Ereignis betätigen und einmal mehr seichte Interaktionen nötig sind, um fortzuschreiten. Das Gameplay ist dabei deutlich Mittel zum Zweck, denn stehen die Story und die grundsätzliche VR-Erfahrung im Vordergrund. Auch wenn die Geschichte ebenfalls nicht allzu viel zu bieten hat, weiß die Geschichte von Robin, der abgestürzten Esmeralda, den HIGS-Einheiten und der Beziehung zum Dino Leika durchaus zu unterhalten.

So wirklich trumpft Robinson erst mit seinem VR-Effekt auf. Es ist nämlich wirklich atemberaubend, in die Welt von Crytek zu schlüpfen und virtuelle Dinos, Wesen aller Art und wunderschöne Naturansichten sehen zu können. Insbesondere die Größenverhältnisse der Kreaturen sind in VR fantastisch einzuschätzen, wodurch das eigentlich ruhige Abenteuer auch mal eine angespannte Atmosphäre haben kann. Denn steht ein ausgewachsener Fleischfresser vor uns, ist das in VR wahrlich beeindruckend und mitunter gruselig dargestellt. Wer als Kind schon immer von Dinosauriern fasziniert war, erlebt hier denkwürdige Begegnungen mit den legendären Kreaturen.

Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass Robinson einfach fabelhaft aussieht. Grafik ist in VR bisher zumeist ein heikles Thema, doch haben die Entwickler von Crytek eine wirklich beeindruckende Optik geschaffen. Die Dinos sind detailliert gestaltet, was auch auf Flora und Fauna zutrifft. Die HIGS-Einheiten wirken über das Headset unglaublich klar und scharf aufgelöst, was ich auch über das Werkzeug in Robins rechter Hand sagen kann. Sämtliche Gestaltungen sind mit viel Liebe zum Detail entworfen. Robinson bietet zudem die wohl schönsten Weitsichten, die ich in VR bisher gesehen habe. In der Ferne lassen sich atemberaubende Blickpunkte ausmachen, die aus dem Spiel ein optisches Spektakel machen. Allen voran die Beleuchtung zeigt, was die CryEngine auch in VR auf dem Kasten hat. Egal ob am Tageslicht unter freiem Himmel oder in spärlich beleuchteten Höhlen – die Beleuchtung kommt sehr realistisch herüber und trägt sehr gut zur Atmosphäre bei.

Ich habe auf einer PS4 Pro gespielt, auf der jegliches Geschehen erstaunlich scharf und klar dargestellt wird. Mir fällt platformübergreifend keine VR-Erfahrung ein, die mit dieser Fülle an Details und feinster Ausarbeitung mithalten kann. Lediglich einen Kritikpunkt habe ich an der Optik anzumerken. Bei fliegenden Pterosauriern, teilweise auch bei umherschwirrenden Insekten ist mir ein störender Motion Blur-Effekt aufgefallen. Sobald die Kreaturen eine ruckartige Bewegung in der Luft machen, ziehen Pixel sichtbar nach, was für einen unschönen Effekt sorgt. Das ist aber Meckern auf höchstem Niveau, denn gibt es diese Probleme nicht oft zu sehen – und auch nur dann, wenn man ganz genau hinschaut.

Die gute Umsetzung trifft auch auf den Akustik-Aspekt zu. Das Spiel hat eine hochwertige deutsche Sprachausgabe bekommen, die mir gefallen hat. Die Stimme der HIGS-Einheit und auch die Robins ist gelungen. Die Umgebungsgeräusche und Schreie der Tiere sorgen für ein realistisches Klangbild und kommen über Stereo-Kopfhörer gut herüber. Einige Momente werden zudem passend von einem brachialen Soundtrack unterstützt.

Schade nur, dass nach insgesamt 4-5 Stunden tatsächlich schon Schluss ist. Das Füllen der Lebewesen-Datenbank und die Suche nach versteckten Objekten mag diese Zeit ein wenig in die Höhe treiben. Insgesamt aber ist der Umfang enttäuschend – das Spiel kostet schließlich 60-70€ im Laden. Dies wirft die Frage auf, ob es das Spiel wert ist. Der Titel wird als Vollpreisspiel verkauft und muss sich daher mit Spielen wie Rigs, Driveclub VR oder auch Battlezone messen, die zum ähnlichen Preis verkauft werden – und dabei deutlich mehr zu bieten haben. Robinson ist unglaublich beeindruckend, weil es allen voran mit der technischen Umsetzung und der grandiosen VR-Wirkung punkten kann. Durch seine kurze Spielzeit und durchwachsenen Spielmechaniken aber wird der Titel zum verdammt kurzen Spaß.

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Fazit

Robinson: The Journey gehört in vielerlei Hinsicht zum Besten, was VR bisher zu bieten hat. Die Präsentation ist für das Medium einzigartig, die grafische Umsetzung ist fantastisch. Steht erst einmal ein Raptor vor uns oder befinden wir vor einer Klippe und genießen einen atemberaubenden Ausblick, wird Robinson zum VR-Erlebnis par excellence.

Doch leider springt dieser brillante Funke nicht auf das gesamte Spiel über. Als solches, als “Spiel”, lässt es nämlich zu wünschen übrig. Das Abenteuer ist schnell zu Ende, die gebotenen Tätigkeiten bleiben allesamt blass. Die Erkundung macht zwar Spaß, doch kann es unnötig lästig sein, wieder einmal ein Objekt von A nach B zu schaffen. Dazu kommt, dass Robinson mit seiner freien Bewegung trotz Komfortoptionen zu der Sorte von VR-Spielen gehört, die bei nicht wenigen Spielern nach einigen Minuten Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen kann.

Wer händeringend nach neuen VR-Erfahrungen sucht, unabhängig vom Umfang, oder seine Erlebnisse mit der Brille auch gerne mit Freunden und Familie teilt – oder einfach nur riesiger Dino-Fan ist, bekommt mit Robinson eins der spektakulärsten Abenteuer in Virtual Reality geboten.

Wer hingegen auf ein vollwertiges und umfangreiches Spiel gehofft hat, sollte vorerst Abstand nehmen. Spätestens zum Budget-Preis in Sales wird der Titel von Crytek aber zum Pflichtkauf für jeden PSVR-Besitzer.