Steep im Test

Mittwoch, 21. Dezember 2016 - 2:22 Uhr
von Dominik
Wertung
  • Gameplay
  • Inhalt und Umfang
  • Langzeitspaß
  • Multiplayer
  • Grafik
  • Sound

Releasetermin: 02.12.2016

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Sport
Entwickler: Ubisoft Annecy
Herausgeber: Ubisoft

 

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Zur kalten Jahreszeit gibt es nicht selten auch die passenden Spiele. Ob mit Schnee-Level oder komplett mit verschneiten Arealen – ich bin ein Fan davon, wenn in Videospielen weiße Weihnacht gefeiert wird. Auch für Snowboard-Spiele kann ich mich begeistern und so hatte ich Spaß mit etlichen SSX-Ablegern oder auch mit Amped 3 und Stoked auf der Xbox 360. Schade nur, dass das Sportgenre immer weniger Wintersport-Spiele erhält! Deshalb habe ich mich gefreut, als Ubisoft auf der diesjährigen E3 Steep angekündigt hat. Der Titel setzt uns nicht nur auf Snowboards, sondern auch auf Skier – und stattet uns gar mit Wingsuit und Paragliding-Schirm aus, um den Adrenalin-Potential freien Lauf zu lassen. Geht das Konzept auf? Wird das Genre gelungen wiederbelebt und gibt es überhaupt genug Interesse an Extremsport-Umsetzungen wie Steep?

Ein gewaltiges Bergpanorama

Anstatt uns ausschließlich auf vorgegebene Pisten zu verfrachten, bietet Steep eine große Karte, die es zu erkunden gilt. Denn auch wenn zielbasierte Aufgaben natürlich Teil des Spiels sind, wird der Erkundungsaspekt ebenso betont. Fällt die Kartenübersicht zunächst noch karg aus, dauert es nicht lang, bis das “Bergpanorama” mit dutzenden Events und “Drop-Zones” gefüllt ist. Holen wir unterwegs das Fernglas heraus, können wir viele dieser hervorgehobenen Punkte in der Umgebung entdecken, die gar Schnellreisen möglich machen. Mit einer beachtlichen Anzahl an Ausgangspunkten, “Lines” und vielen Missionen, die sich durch Aufsteigen des Levels noch vermehren, hat Steep jedenfalls eine Menge Inhalt zu bieten.

Erweitert wird dieser Aspekt um verschiedene Sportarten, die der Titel möglich macht. Zumeist sind wir klassisch auf dem Snowboard unterwegs, für das auch die meisten Events ausgelegt sind. Doch auch Skier kommen zum Einsatz und bringen Abwechslung ins Spielgeschehen. Richtig auf den Kopf gestellt wird das Vorgehen auf der Piste aber erst durch den Wingsuit und den Gleitschirm, die Spielern auch Events in der Luft ermöglichen. Per Paragliding durch Zielringe fliegen, mit dem Wingsuit ausgestattet waghalsig möglichst nah am Grund gleiten. Mit Skiern und Snowboard an Wettrennen teilnehmen, oder aber in “Freestyler”-Events die Punkterekorde mit atemberaubenden Tricks knacken – die Aufgaben fallen spaßig aus. Im Kern bietet Steep gelungene Aufgaben, die durch die unterschiedlichen Sportarten nicht an Abwechslung mangeln.

Während die Idee also gut ist, schwächelt die Umsetzung. Skier spielen sich beispielsweise nicht so aufregend wie das Snowboard. Während mir die Wingsuit-Steuerung gefallen hat, kam ich mit dem Gleitschirm überhaupt nicht klar. Die absolut träge und schwermütige Kontrolle führte dazu, dass ich mit dem Gleitschirm-Events am wenigsten Spaß hatte. Eine unausgewogene Realisierung hat zum Resultat, dass viele Spieler schnell einen Lieblings-Sport haben, auf den sie sich beim Spielen konzentrieren – worunter die Abwechslung dann doch leiden kann.

Skate auf der Skipiste?

Steep etabliert eine Steuerung, die wage an die Skate-Reihe erinnert. Der linke Stick beschleunigt den Fahrer und bremst ihn ab, während der rechte Stick in der Luft für Tricks verantwortlich ist. Mit gedrückt gehaltener R2-Taste gehen wir in die Hocke, rechtzeitiges Loslassen stößt uns von der Piste und von Rampen ab. Mit dem rechten Analogstick gelingen Spins und Flips, die beiden Trigger modifizieren die Tricks zudem mit Grabs. Ein wertvoller Multiplikator sorgt dafür, dass wir stets bemüht sind, sauber zu landen.

An dieses Konzept habe ich mich relativ schnell gewöhnt, auch wenn ich nicht immer Meister über meine Aktionen war. Nicht selten springt der Fahrer anders ab, als ich es geplant habe. Ebenfalls kommt er oft ins taumeln, obwohl ich vermeintlich gut gelandet bin. Das Geheimnis besteht darin, mit ausreichend Schwung in die Sprünge zu gehen und zu wissen, wann die Hände von den Sticks und Tasten zu nehmen sind, damit der virtuelle Ski-Fahrer oder Snowboarder sein Fortbewegungsmittel zur Landung vorbereiten kann. Anfangs kann es schwer sein, den Dreh heraus zu bekommen. Und auch wenn ich das Prinzip nach wie vor nicht völlig beherrsche, habe ich mit dem Trick-System den größten Spaß gehabt. Mit einer gesunden Mischung aus Arcade und Simulation fühlt es sich schlicht toll an, einen schwindelerregenden Trick zu landen!

In manchen Momenten hat mich Steep aber gehörig auf die Palme gebracht. Fahren wir uns einmal fest oder biegen falsch ab, können wir entweder von der Drop-Zone aus neu starten oder aber laufen. Da die Abstiegszonen teilweise weit weg von unserem aktuellen Standort sind, ist das Laufen oftmals die bessere Lösung – wenn auch eine anstrengende. Der Fahrer läuft trotz Sprint-Funktion recht langsam und so kann es allen voran dauern, Abfahrten hoch zu laufen. Zwar stapft die Spielfigur mit ihren Stiefeln im Schnee und hinterlässt eine sehenswerte Spur, doch sind diese Laufsequenzen einfach nur öde. Und selbst wenn wir per Snowboard unterwegs sind, neigt das Spiel manchmal fast schon dazu, seine Spieler zu langweilen. Was der Titel als entspannende Erkundung bewirbt, kann auch gerne einmal an der Grenze zur Langeweile sein. Ich habe das Glück, gut von den Spins und Flips sowie den Tätigkeiten unterhalten zu sein. Doch gerade diejenigen, die mit dem Fortbewegungs- und Trick-System nicht so ganz warm werden, könnten wohl gelegentlich einen öden Beigeschmack empfinden. Schließlich sind manche Pistenareale karg gestaltet und kann die Erkundung neuer Events auf Dauer nur bedingt motivieren.

Jede Menge Aufgaben

Dabei bietet Steep umfangreiche Tätigkeiten an, die seine Spieler bei Laune halten sollten. Zum einen wären da die so genannten Berggeschichten, bei denen wir während einer gefährlichen Abfahrt eine mysteriöse Handlung erzählt bekommen – nette Idee. Dazu gesellen sich bei den großen Drop-Zones jeweils eine Riege an Aufgaben, die wir in der Umgebung absolvieren sollen. Zumeist müssen wir Tricks durch Ringe machen oder Orte auffinden, die in der Nähe der Drop-Zone platziert sind. Weiterhin gibt es gewöhnliche Events, die kreuz und quer auf dem ganzen Bergpanorama verteilt sind. Unter anderem gibt es die Rubrik “Freestyler”, die auf Tricks abzielt, während Kontrollpunkt-Rennen mit Adrenalin punkten können. Hinzu kommen Ereignisse, die auf den Wingsuit und den Gleitschirm zugeschnitten sind, bei denen wir abermals durch Ringe fliegen oder dem Boden möglichst nahe kommen. Hier erleben wir leider aber besagtes Problem: Wer verschiedene Sportarten nicht mag, wird auch die passenden Aufgaben zu diesen nicht abschließen und schneller ein eintöniges Spielgefühl erleben.

Die vorliegenden Events werden in drei Schwierigkeitsstufen unterteilt. Während die leichten und mittleren Ereignisse zumeist recht gut zu meistern sind, haben es vor allem die schweren Events mit drei Sternen in sich. Jede Aufgabe hat wiederum drei Ziele – Bronze, Silber und Gold. Auch hier gilt: Gold-Medaillen muss man sich mühselig verdienen. Wer alle Events auf Gold abschließen möchte, muss viel Zeit und Geduld in das Geschehen investieren. Wem die vorgegebenen Ziele nicht ausreichen, hat zudem eine Online-Rangliste zur Verfügung. Hier werden die Zeiten und Punktzahlen aller Spieler verglichen, was für zusätzliche Motivation sorgt. Zudem können wir bei besonders tollen Leistungen “Challenges” aufstellen, die andere Spieler anschließend zu knacken versuchen.

Online-Zwang, doch mit netten Multiplayer-Ideen

Apropos Online: Steep legt eine große Betonung auf den übergangslosen Multiplayer. Wer über ein Playstation Plus Abonnement verfügt, wird schnell anderen Online-Spielern begegnen – ohne dafür in den Menüs den Multiplayer zu starten. Es hat durchaus seinen Charme, dass durchgängig auch andere Fahrer auf den Pisten zu sehen sind. Dies macht die Umgebungen von Steep belebter und heizt außerdem den Konkurrenz-Gedanken an, schließlich lasse ich mich während eines Rennens nur ungern von anderen Spielern überholen, die das selbe Event spielen. Kommen wir in die Nähe eines Spielers, haben wir zudem die Möglichkeit, eine Gruppe mit ihm zu erstellen. Gemeinsam mit bis zu drei Freunden macht es definitiv mehr Spaß, die Berge von Steep zu befahren! Schade nur, dass Ubisoft dem Spiel einen Online-Zwang aufgebunden hat. Um den Titel zu spielen, muss stets eine Verbindung zu den Servern von Ubisoft bestehen. Ich bin generell kein Fan vom Online-Zwang und kann auch hier diese Entscheidung nicht gutheißen – obwohl Steep tatsächlich von seinem übergangslosen Multiplayer profitiert.

Need For Speed kann einpacken

Trotz so einiger Schwächen konnte Steep vor allem mit einem Aspekt bei mir punkten: Das Geschwindigkeitsgefühl ist hin und wieder fantastisch. Besonders bei Kontrollpunkt-Rennen, die steile Abfahrten beinhalten, nehmen wir richtig viel Fahrt auf. Die Geschwindigkeit wird dabei gelungen herüber gebracht und sorgt für einen Adrenalinschub. Fahren wir nämlich dermaßen schnell, könnte ein kleiner Fehler einen fatalen Sturz bedeuten. Ich war jedenfalls jedes Mal aufs Neue darüber erstaunt, wie schnell ich tatsächlich werden kann und wie knapp ich des Öfteren einem gefährlichen Crash entgangen bin.

Ebenfalls erwähnenswert: Neben der normalen Ansicht bietet Steep eine “GoPro”-Perspektive, die das Geschehen aus erster Person zeigt. Da die Übersicht in dieser Kameraoption eingeschränkt ist, habe ich die GoPro-Ansicht nicht allzu häufig genutzt – erst recht nicht bei den rasanten Talfahrten. Mit dem Wingsuit oder dem Paraglider bin ich aber gerne zur GoPro-Cam gewechselt. Die Kamera fasst die Landschaften sehr schön ein und macht die ruhigen Momente, die wir mit geöffneten Fallschirm erleben, zur aufregenden Erfahrung. Auch hat mir gefallen, dass die Geräuschkulisse während dieser Perspektive ebenfalls die GoPro-Aufnahme imitiert. Der Ton klingt dumpf und wir hören es immer wieder knacken und rascheln. Anstatt diese Tatsache störend zu empfinden, fand ich die Umsetzung gelungen. Hier wird toll vorgegaukelt, dass wir das Geschehen aus First-Person-Sicht, mit einer GoPro ausgestattet, erleben.

Der schönste Elch auf der Piste

Mit erfolgreichen Rennen und Trick-Events verdienen sich Spieler nicht nur virtuelles Geld, sondern vorrangig auch Erfahrung. Mit steigendem Level werden immer mehr Aufgaben frei, die weiterhin in ihrer Schwierigkeit ansteigen. Dazu zeigt Steep verschiedene Kategorien an, in denen der Spieler ebenfalls aufsteigt. Freestyle-Können, Entdeckungsdrang, Fahrsicherheit – diverse Kategorien warten darauf, mehrere Stufen durchzulaufen. Effektiv hat der Spieler nichts von einem Aufstieg, doch klingt es nun einmal nicht schlecht, vom Spiel beispielsweise als “Freestyle”-Profi betitelt zu werden!

Für Fans von Personalisierung hat Steep so einiges auf Lager. Verschiedene Hersteller und Vermarktungsunternehmen stellen im Spiel Ausrüstung zur Verfügung. So stand beispielsweise Red Bull nicht nur für gebrandete Events bereit, sondern stellte der Konzern auch Ausrüstungsteile mit dem bekannten Firmenlogo bereit. Vom österreichischen Energy-Drink-Unternehmen und vielen anderen Marken gibt es neue Helme, Oberteile, Handschuhe, Skibrillen, Schale, Hosen oder Schuhe. Doch auch neue Snowboards, Skier, Wingsuits, Gleit- und Fallschirme sowie Rucksäcke lassen sich ausrüsten. Wir verdienen beim Spielen einige Teile direkt als Belohnung, ansonsten hilft eine digitale Währung zum Kauf der bunten Kleidungsstücke aus. Neben gewöhnlichen Ausrüstungsstücken bietet Steep hier auch besonders ausgefallene Objekte an wie unter anderem ein Elchkopf, den ich natürlich prompt ausgerüstet habe. Wer Spaß an solchen Personalisierungsmöglichkeiten hat, wird von Steep nicht enttäuscht werden.

Fre Fre Fre Fre Freestyler!

Optisch macht Steep einiges her – so habe ich es jedenfalls auf der PS4 Pro wahrgenommen. Das Fahrermodell ist detailliert gestaltet und präsentiert hübsch in Szene gesetzte Animationen. Die Schneeeffekte sind gelungen und zeigen Spuren realistisch auf. Auch wenn wir natürlich jede Menge Weiß zu Gesicht bekommen, hat man versucht, mit unterschiedlichen Hindernissen und Hintergründen zumindest für etwas Abwechslung in der Grafik zu sorgen. Das Highlight ist aber deutlich die Beleuchtung. Die Sonne hat einige atemberaubende Ansichten zum Resultat. Verschiedene Wetterbedingungen und Tageszeiten tragen ebenfalls dazu bei, dass mir auch nach Stunden die weißen Berge nicht auf den Senkel gingen. Bei Bäumen in der Ferne ist zwar hin und wieder Aliasing zu entdecken, aber überzeugt die Bildqualität letztendlich. Auf der PS4 Pro gibt es in 1080p eine unbegrenzte Framerate, die zwischen 40-60 FPS schwankt – insgesamt keine technische Meisterleistung, aber unterm Strich gut umgesetzt.

Das Spiel bietet einen vielfältigen Soundtrack mit lizenzierten Songs. So vielfältig, dass ich so einige Lieder als unpassend empfand! Das mag aber nur meine persönliche Wahrnehmung sein, denn ist der Großteil der Songauswahl gelungen. Die Sound-Effekte hingegen haben mich vollends überzeugt. Die Geräuschkulisse untermalt das Gezeigte passend und punktet mit kleinen Details wie z. B. die Sound-Umsetzung bei der GoPro-Ansicht. Tutorials und Berggeschichten werden von einer passenden deutschen Stimme vertont, doch hat mir der Sprecher des eigenen Fahrers so gar nicht gefallen. Auf jeden Sturz folgt ein dummer Kommentar, den ich nach dem zehnten Mal schon nicht mehr hören wollte.

Fazit

Steep macht viele Sachen richtig gut. Das Geschwindigkeitsgefühl kann gelegentlich genial herüberkommen und auch das Trick-System mit gesunder Mischung aus Arcade und Simulation hat mich grundsätzlich überzeugt. Ebenso klingt die Implementierung vier verschiedener Sportarten auf dem Papier nach einer guten Idee. Da sich für mich aber schnell deutliche Präferenzen herauskristallisiert haben, verfehlte das Konzept für mich den Zweck. Die Aufgaben sind im Kern gelungen und es ist für jede Menge Inhalt gesorgt. Doch könnten sich Spieler an der Koppelung an die Sportarten und an der aufkommenden Monotonie stören. Dass die Erkundung nach einer Weile schlicht öde statt entspannend ausfällt, hilft dem Titel ebenfalls nicht. Steep hat wirklich nette Ansätze und eine schicke Grafik, doch kann das Gesamtpaket im Endeffekt nicht vollends überzeugen. Wer durch die Absenz von SSX und Co. händeringend nach einem Wintersport-Spiel für die PS4 sucht, wird Steep aber sicherlich einige schöne Stunden entlocken können.

 

Positiv-Icon Vier Sportarten als nettes Konzept, das für Abwechslung sorgt…

Positiv-Icon Spaßiges Fortbewegungs- und Tricksystem…

Positiv-Icon Geschwindigkeitsgefühl 1A umgesetzt

Positiv-Icon Für jede Menge Aufgaben ist gesorgt

Positiv-Icon Übergangsloser Multiplayer belebt die Spielwelt

Positiv-Icon GoPro-Cam als tolle Idee

Positiv-Icon Hübsche Grafik mit sehr schönen Ansichten

Negativ-Icon …jedoch sind die Sportarten zu unausgewogen umgesetzt – der Paraglider steuert sich schrecklich

Negativ-Icon …das mir aber nur selten den Eindruck vermittelt, die Mechaniken wirklich zu beherrschen

Negativ-Icon Repetition und Langeweile kann bereits nach einigen Stunden eintreten

Negativ-Icon Online-Zwang

 

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