Sword Art Online: Hollow Realization im Test

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hollow-realizationReleasetermin: 08.11.2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Rollenspiel
Entwickler: Aquria
Herausgeber: Bandai Namco Entertainment

 

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Als Sword Art Online 2012 mit seinen ersten Folgen an den Start ging, waren Animefans auf der ganzen Welt begeistert. Die Geschichte rund um das gleichnamige Virtual Reality MMORPG, das für alle Spieler zum größten Albtraum wurde, überzeugte nicht nur durch ihre Charaktere, sondern auch durch packende Kämpfe und emotionale Momente. Die SAO-Spieler waren nämlich in der Online-Welt gefangen und mussten mit ihrem Tod bezahlen, wenn sie im Spiel besiegt wurden. Seit dem großen Erfolg wurden schon mehrere Videospiele zu Sword Art Online entwickelt, das neuste in der Reihe ist das Rollenspiel Sword Art Online: Hollow Realization, welches die Schwachstellen des Vorgängers Lost Song ausbessern möchte. Ob es sich bei Hollow Realization nur um eine schwache Lizenzversoftung handelt oder ob es ganz oben im JRPG-Genre mitspielen kann, erfahrt ihr im folgenden Test.

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Willkommen in Ainground!

Im Anime spielte sich das Geschehen noch in Aincrad ab, Hollow Realization ist hingegen in Ainground angesiedelt. Trotz der schlimmen Erfahrungen, die Kirito und seine Freunde damals in Sword Art Online machen mussten, trauen sie sich an den spirituellen Nachfolger des MMOs. Sword Art Origin soll zwar äußerlich und spielmechanisch Elemente aus dem tödlichen Spiel übernehmen, Risiken für das echte Leben sollen unsere Charaktere aber nicht mehr fürchten müssen. Zunächst dürft ihr euch euren persönlichen Kirito aus 31 Frisuren, 20 Augenpaaren und umfangreichen Möglichkeiten zu Mund, Körperbau, Stimme und Haarfarbe zusammenstellen. Natürlich ist es euch auch möglich, auf das originale Design von Kirito zurückzugreifen, was besonders große Fans des Animes freuen dürfte. Zum Schluss müsst ihr euch noch für eine Waffe entscheiden, die aber lediglich eine grobe Klassenzuweisung bedeutet. Im Laufe des Spiels könnt ihr nach Belieben zwischen Schwertern, Katanas, Äxten und weiteren Nahkampfwaffen herumwechseln.

Weiterer Fanservice erwartet uns direkt zu Anfang unseres Abenteuers. Da sich nicht nur Kirito, sondern auch weitere Figuren aus der Serie für den Beta-Test von Sword Art Origin angemeldet haben, dürft ihr zu Beginn nicht nur viele altbekannte Gesichter wiedersehen, sondern auch zahlreichen Anekdoten zu Ereignissen des Animes lauschen. Aber keine Sorge: auch wenn sich Fans der Serie hier sofort wohl fühlen und die Hintergrundgeschichten mit eigenen Erinnerungen verbinden, aufgeschmissen seid ihr ohne Vorkenntnisse keinesfalls. Alle Charaktere werden euch ausreichend vorgestellt und auch innerhalb von Hollow Realization machen sie gewisse Charakterentwicklungen durch. Anfangs kann es aber trotzdem sein, dass man sich von der großen Zahl an Figuren erschlagen fühlt, da ihr aber viele Stunden in Ainground verbringen werdet, ist das halb so schlimm und ihr lernt nach und nach ihre verschiedenen Persönlichkeiten kennen.

Das Spiel im Spiel

Nur um Missverständnisse vorzubeugen: Ihr selbst befindet euch in Sword Art Online: Hollow Realization in einem japanischen Rollenspiel, innerhalb des Spiels befinden sich Kirito und seine Freunde hingegen in einem MMO. Die Thematik klingt nicht nur ein bisschen nach Inception oder Matrix, sie hat auch diverse Brüche der vierten Wand zur Folge. Die Charaktere sprechen über Entwicklungsprozesse sowie Spielfehler und werden schnell dem Spiel gegenüber misstrauisch, als sie einen NPC ohne zugeteilte Rolle finden. Die Geschichte plätschert zunächst nur ein wenig vor sich hin, viel wichtiger sind aber ab der ersten Sekunde auch die Charaktere und ihre durchaus interessanten Beziehungen zueinander. Außerdem begeistert das Szenario nicht nur im Anime, sondern auch in Form eines Videospiels.

Auf in die großen Weiten von Ainground macht ihr euch ausgehend von einer zentralen Stadt, über die ihr Zugang zu den verschiedenen Gebieten des Spiels erlangt. In dieser ansehnlich gestalteten Zone mit Gebäuden, einem Park und einem Flusslauf befinden sich auch die Händler für Waffen, Ausrüstung und Gegenstände sowie zahlreiche weitere Spieler des MMOs. Über das Teleporttor in der Mitte der Stadt gelangt ihr in die weiten Ebenen von Rustoria. Zu Anfang könnt ihr euch hier an genau einen Punkt teleportieren lassen um das Abenteuer endgültig zu starten. Von dort aus ist jedoch alles wie in einer großen offenen Welt verbunden, schreitet ihr weiter voran könnt ihr weitere Teleportsteine aktivieren um anschließend sofort wieder an diesen einsteigen zu können. Bemerkenswert finde ich hier, wie es Hollow Realization nicht nur gelingt, die Gebiete wie eine zusammenhängende Welt zu präsentieren, sondern auch zwischen großen Flächen und eher linearen Pfaden wechselt.

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Altbackene Präsentation und monotone Umgebungen

Leider ist Sword Art Online: Hollow Realization aber kein durchweg hübsches Spiel. Die grundsätzliche Grafikqualität lässt mich eher vermuten, dass ich es mit einem Playstation-3-Spiel zutun habe und nicht mit einem Spiel der aktuellen Konsolengeneration. Während der Missionen und innerhalb der Dungeons dominieren verwaschene Texturen mit wenigen Details und auch wenn die Wettereffekte zwar nett gemeint sind, in der Realität wird hier lediglich ein undynamischer Filter über das Bild gelegt. Auch die Charaktermodelle machen keine gute Figur, unterscheiden sich aber optisch zumindest genügend voneinander um im Gedächtnis zu bleiben. Besser gefielen mir hier die bunten bewegten Anime-Bilder, in denen zwischendurch die Dialoge der Charaktere dargestellt werden. Zwar bemühten sich die Entwickler mit einer abwechslungsreichen Vegetation und gewissenhaft platzierten Objekten der Umgebung Leben einzuhauchen, da die Weiten von Rustoria in ihrer Gesamtheit aber sehr monoton wirken, ließen mich die ersten zehn Spielstunden auf nur wenige grafische Highlights zurückblicken. Erst im Anschluss an diese Zeit öffnete sich mir das erste völlig neue Gebiet, welches wieder frischen Wind in die Optik des Spiels brachte. Am besten sieht Sword Art Online mit Abstand dann aus, wenn es viel Licht gibt und mir farbenfrohe, weitläufige Umgebungen vorgesetzt werden. Desweiteren punktet das JRPG im Gegnerdesign, hier bekommen wir von tierinspirierten Feinden, lebendigen Pflanzen und anderen Kreaturen wie untoten Monstern die gesamte kreative Bandbreite.

Auf der Jagd nach Monstern

Beim Kampfsystem entschied sich Aquria für hohe Geschwindigkeit und Elemente des Hack-and-Slay-Genres. Unterwegs in einem Team aus bis zu vier frei auswählbaren Leuten steuert ihr Kirito, der mit seiner ausgerüsteten Waffe auf Knopfdruck angreift und durch wiederholte Angriffe Combos ausführt. Wesentlich stärkere Attacken sind die Skillangriffe, welche eure AP-Leiste leeren, dafür aber signifikant mehr Schaden anrichten. Greift ihr Gegner häufig ohne zu lange Unterbrechung hintereinander an, erhöht sich ein Combo-Faktor. Dieser stellt den Multiplikator dar, mit dem der Schaden der gesamten Gruppe verrechnet wird, wenn diese Angriffe gegen den Feind einsetzen. Interessant ist hier, dass ihr eure Freunde zwar nicht direkt steuern könnt, ihnen aber über diverse Anweisungen Aufgaben zuteilt. Das kann wichtig zum Ausweichen oder Heilen sein, genauso könnt ihr aber auch einen gemeinsamen Angriff auf einen Gegner starten, wodurch bei richtigem Einsatz noch höherer Schaden verteilt werden kann. Neben euch sind in den Dungeons wie in einem klassischen MMORPG auch weitere Charaktere unterwegs und kämpfen ebenso wie ihr gegen die verschiedenen Monster.

Eure monströsen Widersacher wandern stets unbeschwert durch die Gegend und haben ihr Kraftlevel neben ihrem Namen über sich angezeigt. Zwar greifen euch Feinde bei Annäherung gerne einmal an, grundsätzlich ist es aber möglich, Gegner die ihr nicht bekämpfen wollt problemlos zu umgehen. Und da Hollow Realization ähnlich wie ein MMO aufgebaut ist, werdet ihr nicht selten in zufälligen Events auch Gegnern begegnen, die hoffnungslos über eurer Stufe sind. Tendenziell sind aber auch reguläre Gegner gerne mal etwas anspruchsvoller und von Zeit zu Zeit bekommt ihr es außerdem mit kleineren Bossen zu tun. Hier wird es wichtig auf die Angriffe der Gegner zu achten, rechtzeitig auszuweichen und Schwachpunkte zu suchen. Greift ihr im rechten Moment an, ist es euch zudem möglich die Deckung von Monstern zu durchbrechen. Das Kampfsystem von Sword Art Online ist schnell, hektisch und zu Beginn unübersichtlich, es macht aber viel Spaß mit anzusehen, wie die zahlreichen Schadenspunkte über euren Feinden erscheinen und ihr in Zusammenarbeit mit euren Teammitgliedern die Gegner niederstreckt. Schön ist es, dass die AP sich schnell regenerieren und so die starken Skills zentraler Bestandteil der Kämpfe werden. Weniger gut gefällt es mir aber, dass man oft nicht ganz abschätzen kann, wie viel Zeit ein Angriff in Anspruch nimmt. Dadurch lassen sich einige Manöver und Ausweichversuche nicht so kontrolliert einsetzen, wie man es gerne hätte.

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Tolle Bosskämpfe, langweilige Nebenbeschäftigungen

So viel die Taktik im Kampf auch entscheiden kann, wenn ihr nicht ewig an großen Gegnern hängen wollt, ist Grinding auch in Sword Art Online: Hollow Realization unumgänglich. Ihr werdet zwar über die Hauptmissionen und diverse Nebenaufgaben durch die Story geleitet, abseits gibt es aber noch einiges mehr zu entdecken. Ihr könnt unter anderem zusätzliche Quests annehmen mit denen ihr Items und Ingame-Währung erhalten könnt. Leider beschränken sich diese Aufgaben meistens auf das Ausschalten von Monstern oder das Finden von diversen Gegenständen, wodurch ich die Quests zwar für zusätzliche Verdienste während meiner Hauptmissionen alle angenommen habe, sie jedoch nur selten aktiv bewältig habe. Überall in den Gebieten sind desweiteren wahllos verstreute Objekte auffindbar, einige davon lediglich versteckt in Kisten. Diese Truhen sind gerne mal von starken Gegnern bewacht, beherbergen aber auch sehr nützliche Ausrüstungsgegenstände. Das Spiel versucht es, dem Spieler die Welt von Ainground abseits der Story interessant zu machen, da die normalen Gegenstände aber eine zu hohe Quantität aufweisen, die Quests nach dem immergleichen Schema ablaufen und die Spielwelt nur selten sehenswerte Schauplätze bietet, gelingt dies nur bedingt. Gelungen waren aber die finalen Bosskämpfe am Ende eines Gebietes. Kleine Einbrüche in der Framerate nahm ich gerne in Kauf, da die Schlachten mit mehreren weiteren Teams gegen einen riesigen Gegner beeindruckend aussahen und nach nervenaufreibenden Kämpfen mit großer Befriedigung endeten.

Online- & Offline-Freundschaften

Damit ihr erfolgreich seid, reicht jedoch nicht das simple Sammeln von Erfahrungspunkten durch besiegte Gegner. Wichtig neben den Attributen des Protagonisten ist auch seine Ausrüstung, die sich erfreulicherweise auch äußerlich am Charaktermodell bemerkbar macht. Neben der Wahl eurer Waffe, die sich von anderen Exemplaren durch eine unterschiedliche Klasse, Stärke und Nebeneffekte deutlich unterscheidet, gibt es auch noch diverse Ausrüstungsgegenstände wie Torso, Stiefel oder Anhänger. Minimale Verbesserungen in Stärke, Vitalität, Geschwindigkeit, Angriff und Abwehr werden euch zwar nicht direkt im folgenden Kampf deutlich, auf lange Sicht merkt man aber, wie die Spielfigur zunehmend stärker wird. Gelungen ist der Ansatz des Fähigkeitenbaums, in dem ihr gewonnene Punkte einlösen könnt um neue Skillangriffe für die verschiedenen Waffen freizuschalten. Ihr könnt sogar selbst Shortcuts für den Einsatz von beliebigen Fähigkeiten, Items und Teamkommandos zuweisen. Generell wird einem bei der Klassenentfaltung und der Wahl der Waffen so viel Freiheit gelassen, dass sich andere Rollenspiele gerne mal eine Scheibe abschneiden können.

Wie ihr schon gemerkt habt, wird MMO in Sword Art Online groß geschrieben. Während eurer freien Zeit steht es euch daher offen mit den unzähligen Spielern aus Sword Art Origin Gespräche zu führen und Freundschaften zu schließen. Über kleine Minispiele lassen sich die Beziehungen verbessern, was auch spielerische Vorteile bringen kann. Auch wenn dieses Konzept in der Theorie interessant klingt, leidet die Umsetzung leider sehr an der Oberflächlichkeit und dem Kitsch, welcher den Gesprächszeilen der Charaktere innewohnt. Es fühlt sich daher mehr nach Arbeit an, die Beziehungen zu den oft profillosen NPCs zu pflegen. Ich persönlich hätte mir eher einen Ansatz wie bei der Persona-Reihe gewünscht. Man hätte sehr gut auch das Leben außerhalb von Sword Art Origin in das Gameplay integrieren können um sich so Ingame-Vorteile über Interaktion oder Events im realen Leben zu verschaffen. Sinnvoller ist daher der Griff zum Mehrspielermodus des Spiels, den ihr an einem bestimmten Punkt im Spiel freischaltet. Hier könnt ihr die Levels mit drei weiteren Spielern durchstreifen, sowohl Spiele mit Fremden als auch mit Personen aus eurer Freundesliste sind dabei möglich.

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Fazit – Sword Art Online: Hollow Realization

Leider ist Sword Art Online: Hollow Realization nicht der der Rollenspielhit geworden, der es hätte sein können. Zu sehr leidet das interessante Setting unter der mageren Präsentation, die nicht mal vor fünf Jahren zeitgemäß gewesen wäre. Abseits davon bietet Hollow Realization aber absolut solide Züge eines japanischen Rollenspiels, inklusive sympathischer Charaktere, eines gelungenen Kampfsystems und zahlreicher Anpassungsmöglichkeiten. Großer Wert wird hier auch auf das generelle MMO-Gefühl und den Fanservice gelegt: wem der Anime zu Sword Art Online schon gefallen hat, der wird sich bestimmt wie Zuhause fühlen und sich am Wiedersehen mit altbekannten Gesichtern erfreuen. Das Freundschaftssystem hingegen ließ mich absolut kalt, hier hätte man vielleicht mehr auf Qualität als auf Quantität setzen sollen. Nichtsdestotrotz ist Sword Art Online: Hollow Realization die ersten Wahl für rollenspielaffine Sword-Art-Online-Fans, die sich an mittelmäßiger Grafik nicht zu lange stören und gerne auch mal gemeinsam mit Freunden spielen wollen. Für alle anderen lohnt es sich jedoch, die PS4-Bibliothek nach noch besseren Rollenspielen zu durchstöbern.

Positiv-Icon Dynamisches Kampfsystem mit Kommandos für das Team

Positiv-Icon Freie Hand bei Waffen, Ausrüstung und Fähigkeitenbaum

Positiv-Icon Erzählerisch und spielerisch gute Einbindung des MMO-Aspekts

Positiv-Icon Online-Multiplayer mit bis zu vier Spielern

Positiv-Icon Unglaublich viel Fanservice, Einstiegshilfe für Neulinge

Positiv-Icon Hübsche Anime-Zwischensequenzen

Negativ-Icon Unausgereiftes Freundschaftssystem

Negativ-Icon Präsentation erinnert an frühe PS3-Titel

Negativ-Icon Questdesign mitunter sehr durchwachsen

Negativ-Icon Story nimmt nur langsam Fahrt auf