Tethered (PSVR) im Test

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Releasetermin: 25.10.2016

Medientyp: Download
Genre: Strategie
Entwickler: Secret Sorcery
Herausgeber: Secret Sorcery

 

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Das Strategie-Genre präsentiert so manche Spiele aus der “Gott”-Ansicht. Spieler nehmen eine Art Gott-gleiche Rolle ein und steuern verschiedenste Aspekte aus einer übergeordneten Ansicht, um alle Elemente im Blick zu haben. Das Konzept klingt passend für ein VR-Erlebnis und so habe ich mich gefreut, mit Tethered bereits so kurz nach Release von Playstation VR ein Spiel zu sehen, dass sich dem “God Game”-Prinzip annimmt. Hier übernehmen Spieler als übermächtiger “Geister-Wächter” die Aufgabe, die treuen Diener, genannt Peeps, zu befehligen. Geht die Idee in VR auf? Wir haben es herausgefunden.

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Wir blicken herab auf kleine Platformen, die in der Luft schweben und zum Schauplatz für die Peeps werden. Mit Hilfe der knuffigen Wesen hauchen wir einer Reihe dieser Schwebe-Inseln wieder Leben ein. Die Peeps sind fleißige Arbeiter und geben alles, um aus den vertrockneten Arealen wieder ein hübsches Dorf zu machen. Doch können sie dies nicht ohne unsere Hilfe. Wir befehligen die Peeps und geben ihnen unterschiedliche Aufgaben. Wie das funktioniert, gibt der Titel des Spiels preis. “Tethered” bedeutet “angekettet” und “angebunden” und deutet auf die Tätigkeit hin, die wir in der übergeordneten Rolle ausüben.

Die Steuerung ist vollständig auf die VR-Erfahrung ausgelegt. Unsere Kopfbewegung mimt einen Cursor, mit dem wir auf Objekte schauen. Der X-Knopf auf dem Controller ist die einzige Taste, die wir neben unserer Kopfbewegung zum Spielen benötigen. Schauen wir auf ein interaktives Element und halten die X-Taste, erscheint eine Art Kabel, das am Objekt befestigt ist. Schauen wir mit gedrückt gehaltenem Knopf nun auf einen Peep, werden Element und Kreatur quasi aneinander gebunden. Das Kabel wird optisch angedeutet und so ist unser Peep folglich an eine bestimmte Aktion um das angewählte Objekt gebunden, bis die Tätigkeit ausgeführt wurde oder bis wir den Peep neu verkabeln. Das “Tethern” wird zum zentralen Aspekt, mit dem wir den Peeps Aufgaben verteilen.

Über Wolken am Himmel können wir indes unsere Perspektive ändern, um alle Peeps im Auge zu behalten: Blick auf eine Wolke, X zum Bestätigen. Die VR-Umsetzung ist gut gelungen, denn es funktioniert extrem präzise, den Cursor per Blickrichtung zu steuern.

Jedes Level beginnt mit einem Ei, in dem unser erster Peep schlummert. Schauen wir uns mit dem Headset auf dem Kopf im Himmel um, sehen wir eine Sonnen-Wolke. Der erste Schritt lautet stets, die Sonne mit dem Ei zu verbinden. Durch die Wärme schlüpft der Peep, sodass weitere Interaktionen bereitstehen. Das Wetter kommt aber nicht nur beim Schlüpfenlassen zum Einsatz. So kann eine Eis-Wolke beispielsweise dazu genutzt werden, einen Fluss einzufrieren und ihn so begehbar zu machen. Auf das erste Ei folgen kurz darauf weitere, sodass wir schnell eine kleine Peep-Armee zusammengetrommelt haben. Primär zielen wir mit den Peeps darauf ab, Ressourcen aus unterschiedlichen Arealen der schwebenden Schauplätze abzubauen. So gibt es Holz, Stein, Erz und auch Essen. Die Mittel werden anschließend genutzt, um schrittweise eine Siedlung zu errichten. Die Peeps nutzen die Ressourcen, um unterschiedliche Einrichtungen zu erbauen.

Die Auswahl umfasst zum Beispiel eine Kaserne, eine Werkstatt, ein Feld oder einen Tempel. Jede Anlage kommt mit variierenden Vorteilen daher. In einer Kneipe können sich die Peeps beispielsweise ausruhen. Auch ist es möglich, jede errichtete Station zu weiteren Stufen auszurüsten – für den Fall, dass ausreichend Ressourcen bereit stehen. Die Einrichtungen haben zum Resultat, dass wir den Peeps einen Beruf zuordnen können. Beispiel gefällig? Mit jeder gebauten Kaserne können wir zwei unserer Wesen zu Helden machen. Durch die Berufe erlangen die Peeps abermals weitere Vorteile und können unter Anderem gewisse Materialien schneller abbauen. Das führt unterm Strich zu einem tollen Strategie-Konzept. Je nach geplanter Vorgehensweise können wir bestimmte Anlagen bauen, die unsere Pläne mit freigeschalteten Möglichkeiten weiter unterstützen. Im Hintergrund dürfen wir nie vergessen, beständig Ressourcen abzubauen und die richtigen Peeps an die vorgesehenen Quellen zu schicken, um von elementaren Vorteilen zu profitieren.

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Das Ziel lautet jedoch aber nicht, möglichst viele Einrichtungen aufzubauen und aufzurüsten. Die Bauten sind mit ihren geschaffenen Vorzügen dabei nur Mittel zum Zweck. Denn vorrangig geht es uns um das Sammeln von “spiritueller Energie”. Jedes Level präsentiert ein Totem auf einer der Platformen, das mit solcher Energie gefüllt werden will. Ist die Füllung des Totems gelungen, gilt das Level als beendet – unabhängig von sonstigen Faktoren wie dem Bauen von Anlagen. Die spirituellen Punkte sind auf verschiedene Weise zu erlangen. Hauptsächlich erhalten wir die Energie aus Kristallen, die in der Umgebung auftauchen und abgebaut werden. Schalten manche Kristalle Konstruktionspläne für neue Einrichtungen frei, geben die meisten Kristalle besagte Belohnung ab. Mit dem Viereck-Knopf saugen wir die Energie-Partikel ein, was einen witzigen Effekt in VR zur Folge haben. Es fühlt sich schlicht sonderbar an, wenn die virtuellen Lichtpunkte geradewegs auf uns zufliegen.

Ressourcen abbauen, hilfreiche Konstruktionen errichten, spirituelle Energie beschaffen, Peeps am Leben erhalten – denn lassen wir sie verhungern oder weisen keine Tätigkeit zu, stürzen sie sich nach einer Weile grausamerweise von der Klippe. Kein Problem, oder etwa doch?

Mit seinem Tag-und-Nacht-Wechsel macht es uns Tethered nicht immer ganz leicht. Denn während wir tagsüber fleißig unser Dorf aufhübschen und alle Ziele leicht im Blick haben, wartet in der Nacht eine Gefahr in Form von Schnecken-ähnlichen Kreaturen auf die Peeps. Die bösen Wesen der Dunkelheit knabbern nicht nur an unseren Ressourcen und Kristallen, sondern verspeisen auch Peeps besonders gerne. Es gilt also, nicht all seine Mühe dem Bauen zuzuwenden, sondern sich auch auf die lauernde Gefahr der Nacht vorzubereiten. Hier haben allen voran die erwähnten Helden-Peeps mit ihren verstärkten Waffen einen Vorteil. So gibt es unter anderem auch die “Pyromant”-Berufung, durch die Peeps mit feurigen Fernprojektilen werfen. Die Einteilung in vielseitige Professionen zahlt sich wahrlich aus.

Mit dem Tether-Prinzip weisen wir den einzelnen Peeps einen Feind zu, auf den sie eindreschen sollen. Da allen voran gewöhnliche Peeps nicht viele Angriffe der “Kriecher” aushalten, ist es durchaus gar nicht so leicht, möglichst viele der knuffigen Arbeiter am Leben zu erhalten. Mehr hat mich aber gestört, dass die Steuerung in der Nacht durchaus etwas lästig wird. Nach jedem besiegten Feind müssen wir unseren Peeps eine neue Aufgabe zuweisen. Unsere Diener gehen nicht von alleine wieder an die Arbeit und greifen Monster auch nur selbstständig an, wenn sie besonders nahe sind. Bei späteren Levels wird dies durchaus zum Problem und führt zu unnötig hektischen Sequenzen. Da die Nacht aber recht schnell vorbeigeht, wird zum Glück kein allzu großer Fokus auf die nächtlichen Schlachten gelegt.

Tethered enthält insgesamt 13 Levels, wobei das erste als Tutorial fungiert. Jeder Stufendurchgang dauert insgesamt etwa eine halbe Stunde. Ich finde es schade, dass das Geschehen auf den Inseln vorbei ist, sobald wir das Totem vollgefüllt haben. Es gibt keine Möglichkeit, auch darüber hinaus zu spielen und das Dorf vollständig auszubauen. Ich hätte mich sehr über solch einen Endlos-Modus gefreut. In der aktuellen Ausführung müssen wir nach jedem beendeten Level von vorn beginnen, was auf mich schnell ermüdend wirkte.

 
Ich kam gerne immer wieder zum Spiel zurück, um ein Level zu spielen. Jedoch ist mir das Geschehen zu repetitiv und monoton, um eine Insel nach der anderen am Stück abzuschließen. In dieser Hinsicht lässt Tethered Potential liegen. Denn auch wenn die Mechaniken sehr gut funktionieren und toll unterhalten, kann mich der Titel langfristig kaum binden. Es gibt Ranglisten, in denen beispielsweise die benötigte Zeit für ein Level oder die Zufriedenheit der Peeps in einem Durchgang bewertet werden. Das konnte bei mir aber nur bedingt für einen Wiederspielwert sorgen.

Das Spiel wird unglaublich charmant präsentiert und es ist ein tolles Gefühl, sich mit dem Headset auch ganz nah an die Inseln zu begeben. Die Peeps sind süß gestaltet, doch wirklich überzeugt von der Optik wurde ich erst durch die bezaubernd entworfenen Inseln. Die schwebenden Platformen sind sehr hübsch inszeniert und bieten Wasserfälle, Pflanzen und detaillierte Hütten und Einrichtungen. Der Himmel-Hintergrund kann mit jeder Menge Blau und Weiß und nur wenigen Blickpunkten gelegentlich etwas karg und langweilig wirken, doch sind unsere Augen glücklicherweise zumeist auf das Geschehen auf den Inseln gerichtet. Tethered hat auf der PS4 Pro einen Patch erhalten, der den Titel noch etwas schärfer über das PSVR-Headset bringt! Der Soundtrack reiht sich nahtlos in die charmante Präsentation ein und lässt passende Klänge während der entspannenden Steuerung der Peeps ertönen.

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Fazit

Tethered nutzt die Eigenheiten von Virtual Reality clever aus und bietet daher eins der faszinierendsten Erlebnisse bisher für Playstation VR! Die Strategie-Aspekte überzeugen und es macht einfach großen Spaß, die knuffigen Peeps ihr Dorf errichten und verteidigen zu lassen. Schade nur, dass Tethered keine Art Endlos-Modus mit Betonung auf das Perfektionieren der Konstruktionen enthält. In der aktuellen Umsetzung spielen sich die Levels nach immer gleichem Prinzip nämlich nach einer Weile monoton. Zum Preis von 29,99€ (für Plus-Abonnenten 26,99€) spreche ich für den Titel dennoch eine Empfehlung aus. Die kleinen Peeps sind schließlich wahnsinnig charmant und zeigen eindrucksvoll, wie das God-Game-Genre von VR profitiert.

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