The Assembly: Unsere Gamescom-Vorschau zum VR-Spiel

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The Assembly entsteht derzeit beim talentierten Team von nDreams. Das britische Studio hatte in der Vergangenheit an Inhalten für Playstation Home gearbeitet, ist mittlerweile aber bekannt dafür, Sympathisant von Virtual Reality Technologie zu sein. So ist es kein Wunder, dass The Assembly von Grund auf mit Blick auf VR-Systeme entwickelt wurde. Ich hatte auf der Gamescom die Chance, das Spiel von George Kelion, Communications Manager, und Jackie Tetley, Senior Designer, vorgeführt zu bekommen.

Doch fangen wir von vorne an: Worum geht es bei dem Titel? The Assembly beschäftigt sich mit Themen, die allgemein als Tabu gelten. Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist die namensgebende Gruppe Assembly, ein Zusammenschluss aus hoch begabten Wissenschaftlern, Akademikern und Ingenieuren. Diese Truppe ist schlichtweg der Meinung, dass die menschliche Moral den Fortschritt der Wissenschaft aufhält. Der Assembly geht es vorrangig darum, neue Erkenntnisse zu erlangen und den Stand der Wissenschaft voran zu bringen. Fernab sämtlicher Zivilisation, außerhalb der staatlichen Kontrolle, führt das Kollektiv in der Wüste Nevadas Experimente durch. Welches Ziel streben die Wissenschaftler an? Wie weit gehen sie, um ihrem Ziel näher zu kommen, und wie weit, um das Vorhaben geheim zu halten? Ebenso als zentraler Aspekt präsentieren sich uns Krankheiten und Seuchen, da eine tödliche Grippe aus den geheimen Laboren auszubrechen droht. The Assembly bietet allerlei Geheimnisse und so gilt es, als Spieler sämtliche Geheimnisse aufzudecken.

Wir lernen die Geschichte aus zwei verschiedenen Perspektiven kennen. Die Protagonisten heißen Cal Pearson und Madeleine Stone, sind beide auf ihre eigene Art in die Assembly-Gruppe involviert. Die beiden kennen sich zu Beginn nicht, doch werden sich die Wege der Beiden des Öfteren kreuzen. Die Entwickler planen 13 Kapitel für das Spiel, wobei sich stets ein Kapitel mit Cal in der Hauptrolle mit einem Kapitel mit Madeleine als Spielfigur abwechseln wird. Cal ist bereits seit längerem Teil der mysteriösen Truppe, doch er beginnt allmählich, die Machenschaften seiner Kollegen zu verachten. Auch er bemühte sich stets um den Fortschritt der Wissenschaft, teilte durchaus einige Ansichten der Visionäre, weshalb er letztendlich auch Teil des Ganzen wurde. Je größer die Differenzen sich jedoch erwiesen, desto fester entschloss Cal sich, The Assembly wieder zu verlassen. Blöd nur, dass es sich noch schwerer als der Beitritt gestaltet, das Geheimprojekt wieder zu verlassen. Schließlich tut The Assembly alles dafür, unter dem Radar der Öffentlichkeit und Regierung zu agieren. Die Forschungsanlage befindet sich nicht umsonst unterirdisch in der Wüste, weit weg von jeglicher Zivilisation…

Madeleine hingegen ist zu Beginn noch nicht Teil von The Assembly. Auch sie ist allerdings eine begabte Wissenschaftlerin, die in das Schema der Akademikergruppe passt. So ist es kein Wunder, dass The Assembly Madeleine zum Mitglied rekrutieren will. George Kelion versprach mir, dass die beiden Figuren des Spiels keineswegs eindimensional präsentiert werden. Zunächst lernen wir die Charaktere ohne wirkliche Hintergrundinformationen kennen, doch der Communcations Manager sagte mir, dass wir im Laufe der Geschichte erfahren werden, dass auch Cal und Madeleine ihre dunklen Geheimnisse haben.

Nachdem wir über die Prämisse und die Grundlagen des Spiels aufgeklärt wurden, durfte ich auch schon in Abschnitte der ersten drei Kapitel hineinschnuppern. So zeigte man mir den Beginn des Spiels, den wir in der Rolle der Madeleine erleben. Sie wacht mitten in der Wüste auf, ist an eine Art Transportliege fest gekettet. Sie kann sich nicht fortbewegen – aber in der Umgebung umschauen. Wir durften den Titel auf Project Morpheus anspielen, sodass das Umschauen in der virtuellen Wüste der erste Kontakt ist, den Spieler mit The Assembly haben. Kurz darauf wird die Protagonistin weiter geschoben, auf eine futuristische Anlage hinzu, gebaut in einer riesigen Felswand. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir uns als Spieler in dieser Szene nicht selbst bewegen können. Der gesamte Auftakt findet „on-rails“ statt, was einen bestimmten Grund hat. George erklärt mir, dass The Assembly für viele der Einstieg in die virtuelle Welt sein wird. Das Spiel ist als Launchtitel für HTC Vive, Oculus Rift und Project Morpheus gedacht und so hofft George, dass The Assembly für viele Leute die aller erste Erfahrung mit Virtual Reality darstellen wird. Daher nehme es das Team wichtig, den Auftakt so angenehm wie möglich für VR-Neulinge zu gestalten. Das Konzept erfüllt durchaus seinen Sinn – es wäre wohl wirklich nicht das Beste, Spielern gleich volle Freiheit zu geben und insbesondere Erstnutzer völlig zu überfordern. Die ersten Minuten beschäftigen sich also damit, was an den VR-Systemen wohl am innovativsten ist: Die Möglichkeit, sich in einer virtuellen Welt mit den eigenen Kopfbewegungen umzuschauen. Und tatsächlich: Der sanfte Einstieg in das Spiel gestaltet das Kennenlernen mit einer ungewohnten Immersion sehr gut. Wir werden in die Anlage geschoben, dort in einen Aufzug gefahren. Wir sehen durch ein Fenster im Aufzug, was in den verschiedenen, unterirdischen Stockwerken vor sich geht. Allen voran erinnere ich mich an einem Mann in Kittel, an dem augenscheinlich experimentiert wird. Die Szenen machen schon nach den wenigen Minuten deutlich, wie effektiv solch eine Brille vor den Augen sich gestaltet. Hier erleben wir einen Schnitt und springen in das nächste Kapitel herein, schließlich wollen sich die Entwickler von nDreams insbesondere Story-relevante Momente für die Vollversion aufheben. Die angesprochenen Szenen des ersten Kapitels sowie weiteres Spielmaterial könnt ihr in folgendem Video sehen:

Ich wurde anschließend in die Rolle des Cal gesteckt, auf dem das zweite Kapitel basiert. Er ist in einem Labor unterwegs – hier wird mir erstmals die Steuerung präsentiert. Primär ist die Kontrolle über den Charakter auf einen gewöhnlichen Dualshock 4-Controller ausgelegt. Ob der Titel auch Playstation Move-Controller unterstützen wird, lässt man bei nDreams noch offen. Da jeder PS4-Besitzer natürlich auch automatisch über einen Dualshock 4 verfügt, haben sich die Entwickler vorerst auf die Steuerung über diesen konzentriert. Mit dem linken Stick bewegt Cal sich im Raum. Mit X interagieren wir mit der Umgebung, um uns diverse Objekte genauer anzusehen oder bestimmte Sachen zu aktivieren. Ich konnte beispielsweise in eine Art Mikroskop schauen, das mir einen Virus detailliert darstellte. Wie bereits erwähnt stellen Krankheiten und Seuchen eine zentrale Thematik dar, wodurch wir auch in der freien Erkundung der Spielwelt des Öfteren mit solchen Elementen in Kontakt kommen werden. Auch erinnere ich mich nur zu gut an einen Kühlschrank, in dem mehrere Behälter verfrachtet waren. In normaler Position sah ich die Behälter nur von außen, doch dann sagte George zu mir, ich solle doch einfach einmal aufstehen. Zunächst runzelte ich perplex die Stirn, doch schnell verstand ich, was er meinte: Die Kamera der PS4 kann natürlich registrieren, wenn sich der Träger von Project Morpheus bewegt oder eben aufsteht. Kaum stand ich also auf meinen Beinen, streckte sich auch der Spielcharakter in die Höhe, sodass ich nun in die Behälter von oben hineinschauen konnte. Virtual Reality macht es möglich, die Spielwelt genauer zu erforschen. Im Vorfeld sprach ich mit George über die Länge des Spiels und hier ging er auf eben diese erweiterte Erkundungsmöglichkeiten ein. Wenn man es denn darauf anlegt, wird The Assembly kein allzu langes Spiel sein. Eine genaue Stundenzahl wollte man mir nicht verraten, doch wer sich stets nur um die hauptsächliche Aufgabe kümmern, wird nicht nur schneller am Ende sein, sondern auch viel verpassen. Der Titel ist durch und durch ein Adventure, das von der optionalen Erkundung lebt. Die Umgebungen werden stets viel bieten, was es zu erforschen gilt. So ist im Labor unter Anderem eine Tafel angebracht, die voll mit Text und Zeichnungen war. Natürlich können Spieler diese vollkommen außen vor lassen und ihr keinen Blick widmen. Andererseits kann das Geschriebene Hinweise auf die Hintergründe der Assembly-Truppe oder die Vogel-Krankheit geben. Bereits in diesem einen Labor habe ich einen guten Ausblick darauf bekommen, in welche Richtung das Spiel geht. Hier dürfen Spieler nicht eine Action-Sequenz nach der anderen erwarten. Vielmehr werden Spieler belohnt, die auf eine ruhige Spielweise pochen und die Detailfülle der Umgebungen schätzen. Mit Project Morpheus wird eine völlig neue Ebene der virtuellen Erforschung möglich, sodass das Konzept von The Assembly toll mit der Hardware zu harmonieren scheint. Grafisch konnte mich der Titel durchaus überzeugen. Da das Bild zweifach, einmal pro Auge, bei einer hohen Framerate gerendert werden muss, ist auch eine entsprechende Leistung nötig. Oftmals wird das Bedenken geäußert, die PS4 sei zu schwach, um grafisch ansprechende Titel in Virtual Reality zu bieten. George und Jackie verneinten diese Befürchtung vehement und meinten, die PS4 habe mehr als genug Leistung unter der Haube. Und auch ich muss zustimmen: The Assembly macht optisch auf der PS4 eine wirklich gute Figur!

Ein Problem, vor dem Entwickler von VR-Software stehen, ist die reibungslose Einbindung der Fortbewegung. Während die grundsätzliche Bewegung per linkem Stick gewohnt gut von der Hand geht, stellt die Kontrolle der Kamera ein Problem dar. Mit dem Kopf wird die Sicht gesteuert. Schauen wir also nach rechts und bewegen den linken Stick nach vorne, laufen wir nach rechts. In der Theorie klingt das logisch, doch funktioniert dies in der Realität nicht so recht. Das haben wir auf der Gamescom bei anderen VR-Spielen beobachtet und auch nDreams ist sich des Problems bewusst. Wir können uns in der virtuellen Welt schlichtweg nicht schnell genug drehen. Vom regulären Spielen sind wir gewöhnt, schnell und spontan in eine bestimmte Richtung einzulenken. Drücken wir in normalen Spielen den rechten Stick zur Kamerasteuerung ganz durch, ist ein Richtungswechsel überhaupt kein Problem. Bedient die Kopfbewegung jedoch die Kamerasteuerung, kann von einem flinken Richtungswechsel nicht die Rede sein. nDreams hat sich deshalb Alternativen in der Steuerung ausgedacht. Wollen wir nur geringfügige Änderungen der Perspektive vornehmen, ist die simple Kopfbewegung weiterhin eine gute Lösung. Bei einem drastischen Richtungswechsel des Sichtfeldes kommt das Antippen des rechten Sticks zur Hilfe. In die Richtung, in die wir kurz den Stick antippen, richtet sich anschließend der Blick aus. Für einen kurzen Moment wird der Bildschirm schwarz, um Übelkeit und Motion Sickness durch eine zu schnelle Bewegung auszuschließen. Wir sehen eine bestimmte Perspektive, tippen den Stick an, es wird kurz schwarz, wir sehen die neue Perspektive. Diese Variante funktioniert erstaunlich gut und nimmt auch nichts von der Immersion weg. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit konnte ich mich im Labor genauso gut fortbewegen wie ich es durch eine gewöhnliche Kamerasteuerung per rechten Stick könnte.

The Assembly - GC Screen - 04

Zudem hat das Studio hinter dem Spiel für eine weitere Mechanik gesorgt, die die Fortbewegung erleichtern soll. Drückt man den Kreis-Knopf, erscheint eine kleine Kugel auf dem Boden. Wohin die Kugel platziert wird, ist der Ort, an den sich die Spielfigur per erneutem Kreis-Drücken „teleportiert“. Zudem kann der Spieler festlegen, in welche Richtung er nach dem Transport blicken soll. Auch diese Variante ging nach einigen Versuchen sehr gut von der Hand. Wer schnell von einer Ecke eines Raums in die gegenüberliegende Ecke will, hat mit dieser Mechanik die Möglichkeit dazu. Mir hat die Implementierung der Fortbewegung und Kamerasteuerung sehr gut gefallen. Da der Titel keinerlei schnelle Bewegungen erfordert, können Spieler in ihrem eigenen Tempo voranschreiten. Mit dem Fokus auf Erforschung wird eine ruhige und langsame Spielweise sogar bevorzugt, weshalb ich überzeugt davon bin, dass The Assembly für VR-Einsteiger eine gute Wahl ist. Ich persönlich habe während der Anspielzeit keinerlei Probleme mit Motion Sickness oder Ähnlichem verspürt, bin nach bisheriger Erfahrung allerdings auch recht resistent gegen Übelkeit durch VR-Systeme. Die diversen Steuerungsmöglichkeiten kommen Leuten entgegen, die in dieser Hinsicht mit Problemen zu kämpfen haben.

Das dritte Kapitel erforderte die Lösung eines Rätsels: An einem großen Tisch sitzen mehrere Puppen. Eine Puppe wurde „ermordet“ und wir müssen herausfinden, wer am Tisch der Täter ist. Hinweise darauf sind in der Umgebung versteckt, sodass der Spieler sämtliche Details des Raumes unter die Lupe nehmen muss. Diese Aufgabe gab mir einen guten Einblick darauf, wie der Erforschungsaspekt bei Tätigkeiten und Missionen zum Einsatz kommen kann. Ebenfalls gab das Kapitel einen Ausblick darauf, wie sich die Wege von Cal und Madeleine kreuzen können. Während Madeleine der Lösung der Aufgabe nachgegangen ist, blickte Cal von einer Art Aussichtskabine von oben auf das Geschehen herab, beobachtete sie. Ich bin besonders gespannt, wie die Interaktion der beiden ausfallen wird. Beide haben ihre Geheimnisse, beide verschiedene Ansichten und Ziele. Cal will The Assembly verlassen, Madeleine ist erst neu angekommen. Die Story hat großes Potential und mir gefällt das Setting sehr. Auch reizt es mich enorm, dass die Handlung des Titels verschieden verlaufen kann. Wir werden in der Rolle beider Figuren vor bedeutende Entscheidungen gestellt, sodass unterschiedliche Geschichtsausgänge möglich sind. Dadurch wird auch für Langzeitmotivation gesorgt, denn so haben Spieler den Reiz, den Titel öfters durchzuspielen und andere Entscheidungen zu treffen. Auch wenn Sammelobjekte in unserer Zeit mit dem Spiel noch nicht integriert waren, sind sie für das fertige Spiel geplant. Bei solch einem Erkundungs-lastigen Titel ist das sicherlich eine gute Entscheidung.

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Ich gehe mit einem extrem positiven Fazit zu The Assembly von der Gamescom. Die Prämisse, Themen und Charaktere interessieren mich sehr. Wir wurden über vieles noch im Dunkeln gelassen und ich kann es kaum abwarten, den Geheimnissen des Assembly-Kollektivs sowie denen von Cal und Madeleine auf die Schliche zu kommen. Das Spielgeschehen ist voll und ganz auf die virtuelle Realität ausgelegt und konnte mich mit der immersiven Art überzeugen. Während viele VR-Titel auf mich bisher eher wie eine Tech-Demo wirken, bei denen nach einer halben Stunde die Luft raus ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, The Assembly auch über einen langfristigen Zeitraum zu spielen. Den Entwicklern liegt viel daran, VR-Neulinge sanft in das Spektakel einzuführen. Das Einstiegskapitel läuft „on-rails“ ab, zudem stehen mehrere Varianten zur Fortbewegung und Kamerakontrolle zur Verfügung. Diese Herangehensweise ist löblich, da The Assembly für viele Spieler tatsächlich die erste VR-Erfahrung werden könnte. Der Titel ist für den Start von Project Morpheus in der ersten Hälfte von 2016 geplant. Wer ernsthaft an Virtual Reality-Hardware interessiert ist, sollte dringend die Augen nach dem Spiel von nDreams offen halten!

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