The Brookhaven Experiment für PSVR und HTC Vive im Test

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First-Person-Shooter mit Horden-Konzept passen für Virtual Reality-Spiele mit Bewegungscontrollern wie die Faust aufs Auge. Solange die Fortbewegungsfrage nicht geklärt ist, legen viele Entwickler lieber auf eine stationäre Position und lassen virtuelle Feinde auf den Spieler zu stürmen als anders herum. Dieses Prinzip verfolgt auch The Brookhaven Experiment vom Studio Phosphor Games. Dieser Zombie-Shooter ist für Playstation VR, HTC Vive und Oculus Rift verfügbar. Lohnt sich der gruselige Überlebenstrip? Ich habe das Spiel auf PSVR und HTC Vive ausprobiert.

Das Geschehen ist schnell erklärt. Spieler stehen inmitten eines düsteren Schauplatzes, ausgerüstet mit zwei Motion Controllern. In einer Hand wird eine Waffe gehalten, die andere hält eine Taschenlampe oder alternativ ein Messer zum Nahkampf fest. Sind wir so weit, geht die Action los: Zombies stürmen aus allen Richtungen auf uns zu und warten darauf, mit möglichst präzisen Treffern erledigt zu werden. Was stets als einfache Angelegenheit beginnt, wird nach einigen Wellen zur Herausforderung. Denn erscheinen nicht nur immer mehr virtuelle Feinde im Sichtfeld über das Headset – teilweise sogar von oben, sondern werden die Exemplare auch stärker und fieser.

Von untoten Wesen, die noch ansatzweise etwas Menschliches an sich haben, über gigantische Zombie-Kolosse bis hin zu krabbelnden Ekel-Insekten hat The Brookhaven Experiment so einige schaurige Feinde im Aufgebot. Das Survival-Spiel hat wahrlich seine Schock-Momente, denn möchte man nicht auf Tuchfühlung mit den Kreaturen gehen. Drehe ich mich um und erblicke solch ein widerliches Vieh unmittelbar vor den Augen, schrecke ich jedes Mal aufs Neue ruckartig zusammen – auch nach mehreren Stunden Spielzeit. Der Gruselfaktor lässt in VR schlichtweg nicht nach und ist wunderbar umgesetzt. Selbst in den vermeintlich einfachen Phasen eines Ballerdurchgangs überzeugt der Titel mit einer dichten Atmosphäre, die mich jederzeit das Schlimmste befürchten ließ.

Es gilt also, die hässlichen Fratzen auf Distanz zu halten. Dabei hilft dem Spieler natürlich die Waffe, je nach Einstellung in der linken bzw. rechten Hand. Ebenfalls in den Optionen findet sich die Möglichkeit, den Waffenwinkel zu ändern. Denn kann es anfangs gewöhnungsbefürtig sein, mit der Waffe präzise zu schießen. Keinerlei Zielhilfe ist aktiv, sodass Spieler sich auf ihre Augen und ihre ruhige Hand verlassen müssen. Auch wenn ich mich schnell an die Waffenpositionierung gewöhnt habe, freut es mich, dass der Waffenwinkel angepasst werden kann. Erst einmal an die Eigenheiten der virtuellen Knarre gewöhnt, ist ein Kopfschuss nach dem nächsten gefragt. Munition ist limitiert – und übrigens auch die Batterie der gehaltenen Taschenlampe, weshalb Spieler mit ihren Ressourcen geschickt umgehen müssen. Das alles setzt sich zu einem spaßigen Survival-Erlebnis zusammen, das gelungen für Angst und Schrecken sorgt.

The Brookhaven Experiment kommt mit zwei Modi daher. Zum einen bietet das Spiel eine Kampagne, in der gar eine Story erzählt wird. Diese fällt aber recht oberflächlich aus und geht nicht über kurze Funkmonologe hinaus. Das ändert aber nichts daran, dass die Kampagne grundsätzlich gut umgesetzt ist. Es gibt mehr als 10 Umgebungen zu bewältigen, die mit jeweils einer Handvoll Gegner-Wellen auf seine Spieler warten. Da die Schwierigkeit in den späteren Levels durchaus ansteigt und ich mich selbst auf dem Schwierigkeitsgrad “Normal” das ein oder andere Mal festgebissen habe, können Spieler mit etwa 3-5 Stunden Spielzeit für die Kampagne rechnen.

Die wohl spaßigste Spielmechanik ist hier die Aufrüstung nach jeder Welle. Nach jedem überlebten Angriff wählen Spieler einen Bonus aus – beispielsweise einen Gesundheitsboost, Laserpointer-Aufsatz oder Munitions- bzw. Batterienachschub. Zudem können sich Spieler mit neuen Waffen sowie Aufsätzen, Spezialmunition oder Granaten ausstatten. In der Kampagne gibt es hier aber einen Clou: Erst müssen die Upgrades in den Arealen gefunden werden, bevor sie zum Einsatz kommen können. In den Gebieten sind hin und wieder Munitionskisten verborgen, die bei Abschuss solch ein Upgrade enthüllen. Vor der nächsten Gegnerwelle können wir dieses gewonnene Equipment dann anlegen. Es gibt stärkere Kanonen, ein Maschinengewehr oder auch eine Schrotflinte. Zudem liegen unter Anderem explosive Munition, ein Glücksbringer mit größerer Chance auf kritische Treffer und verschiedene Granatenarten vor. Es macht besonders viel Spaß, in den Arealen nach neuen Upgrades Ausschau zu halten und diese schon in der nächsten Runde ausprobieren zu können.

Zum anderen hat der Titel einen Überlebensmodus in petto. Doch gleich zu Beginn ein großer Dämpfer: Während die Umgebungen der Kampagne in den zweistelligen Bereich gehen, stehen hier lediglich 3 Karten zur Verfügung. Da ich in diesem Modus fast schon mehr Spaß hatte, hat mich diese Tatsache sehr enttäuscht. Dennoch konnte mich das Überlebensgeschehen lange fesseln und ich bin mir sicher, dass ich mich auch weiterhin auf den leider wenigen Karten austoben werde. In der Kampagne wird nach einigen Wellen die Umgebung gewechselt. In Überleben hingegen bleiben wir im immer gleichen Gebiet – solange wir überleben können.

Auch hier geht es einfach los, doch steigt die Schwierigkeit mit zunehmender Gegnervariation und -anzahl langsam aber effektiv. Um mit den Gegnern mithalten zu können, ist das Ausrüstungsprinzip hier anders ausgefallen. Wir müssen die Upgrades nicht in der Umgebung suchen, sondern sie per virtuellem Geld freischalten. Nach jeder Runde werden z.B. die Zielgenauigkeit oder die Anzahl an Enthauptungen mit Geld und ein wenig Gesundheit belohnt. Sämtliches Equipment steht von Anfang an bereit, wenn wir entsprechendes Geld zum Kauf besitzen.

Ich hatte besonders viel Spaß mit der Schrotflinte, die ich mir nach und nach mit einem größeren Magazin und einer montierten Taschenlampe ausgestattet habe. Auch ist das Granatenaufgebot gelungen. Neben einfachen Granaten, die sofort explodieren, sind auch Exemplare gegeben, die ihre Wirkung über mehrere Wellen ziehen. So gibt es eine Leuchtrakete, die die Umgebung für einige Zeit erhellt. Doch auch die Chemie-Granate ist sehr hilfreich, die eine Giftlache erzeugt und durchlaufende Feinde schädigt.

Allerdings benutzte ich bei meiner Spielweise weder die Granaten noch das bereitgestellte Messer häufig – ich habe vielmehr auf Kopfschüsse vertraut. Je nach Vorliebe können diese Elemente aber auch sehr gut im Kampf gegen die Zombies genutzt werden. Abgerundet wird der Überlebensmodus durch die Möglichkeit, das Geld auch für Gesundheit, Munition und Batterieleistung ausgeben zu können. Wir müssen uns also entscheiden: Teure neue Wumme, oder doch auf Nummer sicher gehen und zunächst Gesundheit und Munition füllen? Das Konzept des Überlebensmodus ist simpel, doch hat es mich am längsten gefesselt.

Ein Screenshot der PSVR-Version: Sieht über das Headset verdammt gut aus!

Ich habe das große Glück, sowohl Playstation VR als auch eine HTC Vive zu besitzen. So habe ich das Spiel auf beiden Platformen ausprobiert und auch über beide Brillen ein tolles Erlebnis gehabt. Dennoch muss ich zugeben, dass auf PSVR leichte Abstriche gemacht werden mussten. Die Zombies kommen auch von hinten, sodass Spieler sich öfters umdrehen müssen. Während das Headset durch Leuchten auf der Konstruktion am Hinterkopf erfasst wird, können die Move-Controller nicht getrackt werden, wenn wir mit dem Rücken zur Kamera stehen.

Dafür haben die Entwickler eine Funktion implementiert, mit der die Perspektive um 180 Grad gedreht wird. Spieler müssen sich also nicht umdrehen, sondern das Spielfeld per Knopfdruck drehen. Diese Lösung funktioniert gut, ist natürlich aber ein Kompromiss, den Vive- und Rift-Spieler nicht eingehen müssen. Das Tracking funktioniert zum Zielen passabel, ist einmal mehr aber auf der Vive präziser und zuverlässiger. Ich hatte aber das Gefühl, dass die PSVR-Version eine Zielhilfe aktiv hat. Denn trotz schlechterem Trackings traf ich vermeintlich besser.

Die Grafik ist auf der PS4 Pro gelungen und hinkt meinem PC mit i5 6600k, R9 390 und 16 GB Ram nur wenig hinterher. Etwas mehr Aliasing ist zu sehen. Zwar ist die Auflösung auch geringer, doch war ich zugegebenermaßen überrascht, wie nah das Erlebnis optisch am PC dran ist. Insgesamt ist die PS4-Umsetzung daher sehr gelungen. Ich spielte ich den Titel auf der Vive dank des 1:1 Room-Scale-Trackings häufiger, doch stattete ich den Zombies aufgrund des besseren Komforts des PSVR-Headset auch auf der Konsole gerne einen Besuch ab.

Fazit

The Brookhaven Experiment ist ein feines, kleines VR-Erlebnis für Survival-Horror-Fans. Im Endeffekt versteckt sich hier nicht mehr als ein Horden-Shooter, der nach einiger Zeit repetitiv wird und nicht den größten Tiefgang bietet. Doch ist die Erfahrung in der virtuellen Realität schlicht so spaßig ausgefallen, dass ich leicht über den überschaubaren Inhalt hinwegsehen kann. Besonders gefallen hat mir, dass ich mich zu keinem Zeitpunkt sicher fühlte. Selbst in vermeintlich einfachen Phasen trumpft die Atmosphäre auf und so ist The Brookhaven Experiment immer für einen Schock-Moment gut. Das Upgrade-System überzeugt sowohl in der Kampagne als auch im Überlebensmodus und ist der hauptsächliche Grund dafür, warum ich die Zombie-Welt immer wieder betreten habe.

Die Kampagne ist zwar nach etwa 4 Stunden vorbei und auch in Überleben sprechen lediglich 3 Karten nicht gerade für das Spiel. Dennoch kann ich den Titel zum Preis von 17,99€ bzw. 19,99€ empfehlen. Allen voran, wenn das Spiel einmal zum Schnäppchenpreis angeboten wird, gehört The Brookhaven Experiment in das Spieleaufgebot eines jeden VR-Enthusiasten mit Horror-Interesse. Die PSVR-Version funktioniert gut, doch wer die Möglichkeit hat, sollte aufgrund besseren Trackings eins der gängigen VR-Headset auf dem PC nutzen.

Im Playstation Store kaufen – 17,99€

Auf Steam kaufen – 19,99€