Releasetermin: 16.05.2017

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Rollenspiel
Entwickler: Deck 13
Herausgeber: Focus Home Interactive

 

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Die deutschen Entwickler von Deck 13 haben ein neues Spiel auf dem Markt. The Surge folgt dabei dem Trend von Lords of the Fallen, herausfordernde Action ala Dark Souls abzuliefern. Der neue Titel ist in einem Sci-Fi-Setting angesiedelt und versucht, aus den Fehlern von Lords of the Fallen zu lernen. Ist dieser Versuch geglückt?

Tolle Sci-Fi-Prämisse, doch bleibt Potential auf der Strecke liegen

The Surge präsentiert eine Zukunft, in der die Menschheit sämtliche Ressourcen der Erde aufgebraucht hat. Ein gigantisches Unternehmen bleibt die einzige Hoffnung der Menschen, denn erforscht es andere Planeten auf Lebenschancen und moderne Technik. Protagonist Warren erhält die Möglichkeit, bei eben genau dieser Firma “CREO” zu arbeiten. Dafür erklärt er sich bereit, in ein mechanisches Exoskelett gesteckt zu werden und anschließend harte Arbeit zu verrichten.

Wie es aber immer kommt, geht so einiges schief. Warren erwacht in einer verlassenen Fabrik – in einem Rollstuhl. Die Anpassung des Exosuits läuft fehl und resultiert darin, dass er ohne Beine aufwacht. Als wäre die Erkenntnis des schlimmen Jobs nicht schon grausam genug, trifft Warren bald auf Dronen, die ihn angreifen. Schlimmer aber sind andere Arbeiter, die sich uns mit ihren Exosuits in den Weg stellen. Was ist den Mitarbeitern widerfahren, dass sie Warren so feindlich gesinnt sind? Was ist mit dem Protagonisten passiert und wer hat das alles zu verantworten?

Mir hat der Storyausgang sehr gefallen. Die Sci-Fi-Prämisse wirft genug Fragen auf, um schon in den ersten Minuten und Stunden für Neugierde und Spannung zu sorgen. Völlig überzeugen konnten mich die Geschehnisse über den Beginn hinaus aber nicht. Obwohl interessante Thematiken angesprochen werden, bleibt allen voran Hauptcharakter Warren, abgesehen vom Auftakt, etwas blass. Auch habe ich mich nur selten um die vielen NPCs geschert, die ich in Missionen retten oder aber bekämpfen sollte. Nur wenige Figuren bieten wirkliche Substanz. Dadurch kommt die Geschichte nicht über einen gelungenen Start und ein nettes Setting hinaus.

Actionreich und schön knifflig

Warren erkundet in seinem Exosuit die Umgebung und begegnet etlichen Ex-Kollegen, die vermeintlich den Verstand verloren haben. Auch richten sich sämtliche Roboter gegen uns. Spieler müssen in den Kampf ziehen, um den grausamen Trip zu überleben. Das Kampfsystem sollte vielen Spielern bekannt sein. Leichte und schwere Angriffe sind möglich, ebenso spielen die gegebenen Blockmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Zudem sollte die Ausweichrolle nicht vernachlässigt werden. Nehmen wir zu viel Schaden, lässt sich außerdem jederzeit per Knopfdruck die Gesundheit auffüllen, was Kampfenergie verbraucht. Während sich Lords of the Fallen recht schwerfällig steuerte, fallen die Manöver im Kampf hier ein ganzes Stück flotter aus – und das, obwohl die Cyborgs grundsätzlich ebenfalls behäbig ausfallen. Das resultiert in einem sehr unterhaltsamen Kampfsystem, das das seines Vorgängers in fast jeder Hinsicht übertrifft.

Die Gegner sind einmal mehr bockschwer und der Tod lauert um jeder Ecke. Allen voran gewöhnliche, vermeintlich schwache Gegner sollten nicht unterschätzt werden. Ich bin gestorben – verdammt oft. Das Spiel nutzt ein System mit Medibay-Stationen, die aktiviert werden müssen und anschließend als Ort der Wiederbelebung fungieren. Das Leveldesign erinnert währenddessen an ein Labyrinth und wartet mit vielen freizuschaltenden Abkürzungen auf seine Spieler. Besiegte Feinde lassen Altmetall zurück, das zur Aufstufung des Exosuits genutzt werden.

Doch sterben wir, verlieren wir alle aktuell besessenen Schrottteile am Todesort. Wollen wir sie wieder haben, müssen wir an genau diesen Ort zurückkehren und sie einsammeln. Klingt alles bekannt, denn hat The Surge wie auch sein indirekter Vorgänger Lords of the Fallen starke Parallelen mit der Dark Souls-Reihe. Durch die vielen Umsetzungen wie Nioh, aber auch Indietitel wie Salt and Sanctuary ist aus dem Konzept fast schon ein Genre geworden. Ich freue mich auch immer wieder, neue Auffassungen des Prinzips zu spielen. Denn The Surge hat auch eine Menge eigener Ideen, die das Spiel von der Vorlage abheben.

Innovative Gliedmaßenabtrennung

Das beginnt bereits mit der Tatsache, dass verlorenes Altmetall nicht ewig auf uns wartet. Die Wiedererlangung ist an ein 3-Minuten-Zeitlimit gebunden. Das hat mich in der Theorie zunächst etwas abgeschreckt und so hat das Konzept auch seine Nachteile, endet hin und wieder in Frust. Im Endeffekt hat es mir aber dennoch Spaß gemacht, stets meinem Schrott hinterher zu jagen. Da wir das Altmetall sogar lagern können und da manche Feinde gar Schrott-Varianten hinterlassen, die wir nicht verlieren können, wirkt The Surge zu keinem Moment unfair. Der häufige Tod gehört einfach dazu und ermutigt eine bedachte Spielweise und Lernfähigkeit.

Eine originelle Idee ist die Umsetzung der Exo-Körperteile. Wir können nicht einfach Waffen und Rüstung aufheben. Die Teile sind fest verankert in den Exo-Suits unserer Feinde, sodass wir sie erst herausbrechen müssen. Im Kampf greifen wir Gegner nicht einfach nur stupide an, sondern visieren einzelne Körperteile nach Belieben zum Angriff an. Diese Idee wird erweitert mit der bereits angesprochenen Kampfenergieleiste. Ist diese gefüllt, lässt sich entweder Gesundheit regenerieren, oder aber ein verheerender Spezialangriff ausführen, der zumeist ein spezifisches Teil brutal abtrennt. Dieses System ist sehr gut gelöst und macht einfach süchtig. Ich war stets damit beschäftigt, meine Exo-Zusammenstellung mit neuen Teilen zu verbessern. Die Komponenten der Rüstung und Waffen lassen sich außerdem nicht nur austauschen, sondern auch aufrüsten.

Abgerundet werden diese Personalisierungsmöglichkeiten durch Implantate, die weitere Werte passiv und aktiv stärken. Mit diesen lassen sich beispielsweise die Gesundheit, die Ausdauer oder die Energieleiste erhöhen. Da wir Exo-Ausrüstung und Implantate in Balance halten müssen, lassen sich verschiedene Spielstile kreieren. Wer lieber viele Implantate in die Stärkung der Gesundheit investiert, muss mit schwächeren Exo-Teilen auskommen. Wer hingegen die fettesten Waffen anlegt, muss gegebenenfalls auf die hilfreichen Implantate verzichten. Die Konzepte harmonieren stimmig miteinander und tragen dazu bei, dass mir die Abstimmung und Aufstufung meiner Figur so viel Spaß wie schon lange nicht mehr gemacht hat.

Hübsche Grafik – doch nach einer Weile etwas öde

Optisch hat mir The Surge gut gefallen. Besonders zu Beginn wirkt das Sci-Fi-Setting frisch umgesetzt. Die Cyborgs sind interessant gestaltet und auch wissen die Umgebungen mit netten Details zu punkten. Zudem haben es mir die Animationen angetan: Die brutalen Finisher-Moves sind so stark inszeniert, dass die Wucht und Brutalität hinter den Angriffen bei jeder Inszenierung gut herüberkommt. Leider lässt die Abwechslung der Grafik der Areale spätestens in der zweiten Hälfte etwas zu wünschen übrig. Ich habe mich nach einer Weile schlicht satt an der Sci-Fi-Umsetzung und den öden Farbtönen gesehen.

Die tolle PS4 Pro-Implementierung macht das aber wieder wett. The Surge bietet zwei Grafik-Modi, sodass der Titel entweder in nativen 1080p bei 60 Frames pro Sekunde oder in nativen 1620p (dank Checkerboarding auf 4K hochskaliert) bei 30 FPS ausgegeben werden. Besonders der 4K-Modus bietet eine sehr klare Bildqualität, die nur durch eine schwächelnde Anti-Aliasing-Methode getrübt wird. Doch freute ich mich auch über die alternative 60-FPS-Variante. Da nun auch noch HDR-Support per Patch nachgeliefert wurde, bietet The Surge eine der besten PS4 Pro-Umsetzungen überhaupt.

Wertung im Einzelnen
Story
7.5
Gameplay
8.5
Inhalt und Umfang
8
Grafik & Sound
8
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