Vogelfrei durch die Lüfte schweifen, den Nervenkitzel im freien Flug spüren – mit Hilfe von Virtual Reality lassen sich solche Erlebnisse heutzutage schon ganz gut nachstellen. Ein neuer Indie-Titel nimmt sich nun ein ähnliches Konzept vor. To The Top lässt seine Spieler durch kreative Parkours klettern, hohe Wände erklimmen und in hohen Geschwindigkeiten von einer Plattform zur nächsten springen. Ich habe das Spiel für HTC Vive ausprobiert.

Das Konzept ist simpel: An unseren virtuellen Händen sind rund 2 Meter lange Linien angebracht, mit denen Spieler sich an blauen Objekten in ihrer Umgebung festkrallen können. Auch wenn die roten Linien nicht gerade optisch ansprechend wirken, helfen sie beim Klettern ungemein. Sie fungieren quasi als Laserpointer, mit denen wir auf das nächste blaue Objekt zeigen, an dem wir uns festhalten möchten. Zeigen wir auf einen der vielen Checkpoints, die in den Areale verteilt sind, werden Spieler an diese Stelle hin teleportiert.

Halten wir uns hingegen mit beiden Händen an einer blauen Fläche zunächst fest und lassen beide anschließend los, schießen wir in die Luft hoch. Die Blickrichtung gibt dabei vor, in welche Richtung der Spieler fliegt. Schaut man beim Absprung nach oben, können erstaunliche Höhen erreicht werden, die für einen Adrenalinschub sorgen. In der Luft können Spieler mit der Blickrichtung ebenfalls geringfügig den Flugverlauf beeinflussen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an dieses System gewöhnt habe. Zunächst wollte ich mit den Controllern quasi immer eine Abstoßbewegung machen, um von einem blauen Objekt hoch zu springen. Das simple Festhalten- und Loslassen-Prinzip ist aber schnell verinnerlicht und gestaltet To The Top vielmehr als kreativen Platformer anstatt als reines Kletterspiel.

Besonders befriedigend ist hierbei auch die Geschwindigkeitszunahme, die wir bei erfolgreichem Klettern und Springen erreichen. Der Titel lässt ein fantastisches Geschwindigkeitsgefühl aufkommen. Je nahtloser ich einen Griff an den nächsten reihte, desto schneller wurde ich. Dadurch entsteht ein unglaublich spaßiger Spielfluß und es dauert keine 15 Minuten, bis man das System verinnerlicht hat und somit die rasanten Manöver genießen kann. Die Steuerung mit den Vive-Controllern fällt dabei sehr intuitiv aus.

Folgender Gameplay-Trailer gibt einen guten Eindruck davon, wie das Geschehen abläuft:

To The Top hat eine Vielzahl an Levels, die mit diversen Zielen vollgespickt sind. Zum einen gilt es, die Areale möglichst schnell zu durchqueren. Für die Zeit, die wir von Start bis Ziel benötigen, werden Medaillen verteilt. Eine Online-Rangliste sorgt ebenfalls für Motivation. Zum anderen bekommen wir die Aufgabe, versteckte Kristalle zu finden. Eine überschaubare Anzahl ist in jedem Level verteilt und so sind manche Exemplare wirklich gut verborgen. Noch besser versteckt sind hingegen die geheimen Objekte, von denen es in jedem Bereich eins gibt. Diese sind meistens schwer zu erreichen, da es nur wenige blaue Flächen zum Klettern gibt und jeder Sprung genaustens passen muss.

Die Medaillen und versteckten Kristalle haben zum Resultat, dass To The Top einen hohen Wiederspielwert hat. Ich erkundete zunächst ein Areal immer in Ruhe, kletterte sämtliche alternative Routen ab. Ich suchte alle Kristalle und probierte auch beim geheimen Objekt mein bestes – auch wenn ich nicht immer zum Erfolg kam. To The Top kann stellenweise nämlich recht knifflig sein. Fühlte ich mich in einem Level allmählich wohl und hatte ich alle Sammelobjekte erlangt, traute ich mich an einen “Speed Run” des Levels heran. Es ist wirklich ein riesiger Spaß, das Hangeln, Klettern und Springen erfolgreich aneinander zu reihen und die Gebiete in Windeseile zu durchstreifen.

Da die Zeiten für die Medaillen teils sehr herausfordernd sind, probierte ich mich an vielen Arealen mehrmals, bevor ich zum nächsten überging. Mit 30 Levels bietet der Titel einen gelungenen Umfang und es dauert viele Stunden, alle Objekte und Medaillen zu erlangen. Weitere 5 Levels sollen durch Gratis-Patches folgen, zudem ist gar ein Online-Multiplayer geplant – ich freue mich wirklich sehr auf den zusätzlichen Inhalt.

Doch nicht nur der Umfang und das spaßige Spielkonzept sprechen für To The Top. Der Titel punktet mit einer hohen Qualität und einem beeindruckenden Feinschliff. Vielen Indie-VR-Spielen merkt man das niedrige Budget an. To The Top kann dies aber clever kaschieren. Das liegt unter anderem am fantastischen Leveldesign. Die Areale sind sehr unterhaltsam gestaltet, halten eine spaßige Passage nach der anderen für Spieler parat. Auch steigt die Komplexität der Levels langsam an, was einmal mehr den Langzeitspaß und den allgemeinen Spielspaß erhöht. Die “einfachen” Areale zum Einstieg sind schon sehr nett gestaltet, doch zeigen sich die wirklich kreativen Levels erst ab der “Medium”-Stufe. Hier kommen gar neue Spielelemente zur Geltung. So können wir auf grünen Flächen “grinden” oder mit einer Art Jetpack gar frei durch die Lüfte gleiten. Auf diese Weise gestaltet sich die gesamte Kampagne sehr abwechslungsreich und es kommt in keiner Minute Langeweile auf.

Weiterhin hat Entwickler Electric Hat Games einen tollen Soundtrack organisiert. Die Lieder spielen stets beim Klettern und sorgen für eine entspannte Atmosphäre. Das alles sorgt dafür, dass sich To The Top recht hochwertig anfühlt und Spieler für den Preis ein vollwertiges Spiel erhalten.

Das Gefühl, wie ein federleichter Akrobat geschwind durch die Lüfte zu kreisen, ist in der virtuellen Realität toll umgesetzt. Das Spiel arbeitet mit einer Mischung aus Teleportfortbewegung (bei Checkpoints) und Bewegung durch Interaktion mit den blauen Flächen. Ich habe für gewöhnlich keinerlei Schwierigkeiten mit dem Thema Motion Sickness, doch gehe ich davon aus, dass nur die wenigsten auf diese Probleme in To The Top stoßen werden. Die recht simple Optik der Umgebungen hilft dabei, stets den Überblick und eine klare Linie zu behalten, welche Route man nehmen möchte. Trotz der eher einfachen Grafik hat mich das Spiel optisch überzeugt. Sämtliche Objekte werden erstaunlich scharf dargestellt. Auch die Umgebungen überzeugten mich durch vielseitige Szenarien. Dazu habe ich auf meinem PC, der eher Richtung VR-Minimum-Anforderungen geht, keinerlei Performance-Probleme erlebt. To The Top ist sehr gut umgesetzt, was sich in so ziemlich allen Aspekten bemerkbar macht.

Fazit

To The Top ist nicht das erste VR-Spiel, das sich das Konzept des Kletterns vornimmt. Durch die simple Sprung-Mechanik fühlt sich der Titel aber eher wie ein kreatives Platforming-Spiel an – und als solches überzeugt es auf voller Linie! Das Greifen, Hangeln und Springen fühlt sich sehr schnell natürlich an. Es macht einen geschmeidigen Spielfluß möglich, der im spaßigen Geschwindigkeits- und Adrenalinrausch resultiert. Das fantastische Leveldesign, der gelungene Umfang und der tolle Soundtrack haben ebenfalls ihren Anteil daran, dass To The Top einen sehr hochwertigen Eindruck hinterlässt. Zum fairen Preis von 22,99€ (aktuell 17,24€ im Steam Summersale) präsentiert sich eins der derzeit überzeugendsten VR-Erlebnisse, das mich mit einigen wahrlich innovativen Levels völlig in den Bann gezogen hat.

Auf Steam kaufen – 22,99€ (aktuell 17,24€ im Steam Summersale)

Ich habe das Spiel auf der HTC Vive gespielt, zudem lässt es sich auf der Oculus Rift mit Touch-Controllern erleben. Entwickler Electric Hat Games plant außerdem eine Veröffentlichung auf Playstation VR. Wir halten euch diesbezüglich auf dem Laufenden.

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