Releasetermin: 07.03.2017

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Ubisoft
Herausgeber: Ubisoft

 

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Fast zwei Jahre sind inzwischen seit der erstmaligen Ankündigung von Tom Clancy’s Ghost Recon: Wildlands vergangen, insgesamt fünf Jahre stecken in der Entwicklung des Open-World-Actionspiels. Laut des französischen Entwicklerstudios bekommen die Spieler es übrigens mit der bislang größten Welt eines Ubisoft-Titels zu tun – ein mutiges Vorhaben. Ob es den kreativen Köpfen gelungen ist mit Ghost Recon: Wildlands eine glaubwürdige Spielwiese inmitten des Drogenstaats Bolivien zu inszenieren, gilt es im Test zu klären.

Zahlen lügen nicht?

Auf dem Papier weiß die riesige Spielwelt zumindest zunächst zu begeistern. 21 Regionen, 800 Kilometer Straßen, 60 Dörfer, mehr als 150 Orte und Sehenswürdigkeiten – gemessen an den Zahlen hat Ubisoft den Mund wirklich nicht zu voll genommen. Und auch mein erster Eindruck Boliviens war sehr positiv: die gebirgigen Landschaften des südamerikanischen Staats wissen dank detailreicher Gestaltung ebenso zu begeistern wie die generelle grafische Performance des Titels. Gegenüber aktuellen Grafik-Flagschiffen wie Horizon Zero Dawn oder Battlefield 1 stinkt Ghost Recon zwar eindeutig ab, gemessen an der großflächigen Spielwelt ist das aber absolut verschmerzbar. Wesentlich störender sind da schon die vielen technischen Kleinigkeiten, die das Spielgefühl von Ghost Recon: Wildlands leider unnötig ausbremsen. Einbrüche der Bildrate, fehlerhafte Physik, schwebende Charaktere, spät geladene Texturen oder Objekte – nie wird das Spiel von Ubisoft unspielbar, einwandfreie Performance ist aber etwas anderes.

Doch eine hübsche große Spielwelt ist nichts ohne Inhalt. Als Mitglied einer CIA-Spezialeinheit gilt es in Ghost Recon: Wildlands, die korrupten Aktivitäten der bolivianischen Regierung und ihre Zusammenarbeit mit dem Santa-Blanca-Drogenkartell zu stoppen und Bolivien somit zu einem gewaltfreien und gerechteren Staat zu machen. Um das Santa-Blanca-Drogenkartell zu stürzen, gilt es bis zum Anführer El Sueño vorzustoßen, was durch viele Unterbosse und Handlanger kein einfacher Plan ist. Nach und nach ist es also Aufgabe des Spielers, die vier Teilbereiche Produktion, Schmuggel, Sicherheit und Beeinflussung des Drogenkartells zu schwächen und über Schlüsselfiguren der Organisation nach und nach bis zu El Sueño vorzudringen. Auch wenn die eigentliche Geschichte des Spiels gewiss keinen Innovationspreis erhält, so schaffen es insbesondere die stark charakterisierten Antagonisten mich zu fesseln. Ubisoft gelingt es gut, im Spieler den Willen nach dem Stürzen des Kartellanführers zu wecken und dies mit der schrittweisen Destabilisierung der Organisation spannend und belohnend zu gestalten. Eine authentische Inszenierung der Spielwelt schafft Ubisoft jedoch nur bedingt: auch wenn die Welt einige interessante Schauplätze besitzt, so ist sie doch über weite Teile sehr leer und austauschbar – da helfen auch Radiosender und kleinere Zufallsevents nicht viel. Direkte Open-World-Konkurrenz wie das ähnliche Just Cause 3, Mafia 3 oder auch Genre-Primus Grand Theft Auto V haben in der Umsetzung des Settings dann doch noch deutlich die Nase vorne.

Gemeinsam zum Sieg

Das Missionsdesign kann sich hingegen wirklich sehen lassen: es werden in kleineren Gebieten der Spielwelt Basen infiltriert, Fahrzeuge entwendet, Personen entführt, Computer gehackt, Drogenvorräte zerstört und vieles mehr. Wie ich die spielerisch oft ähnlichen Ziele löse, bleibt mir weitestgehend selbst überlassen. In Begleitung von drei KI-Elitesoldaten ist es wichtig die Umgebung, eure Waffen und diverse Gadgets zu eurem Vorteil zu nutzen. Mit Drohnen lassen sich Gebiete zunächst auskundschaften, schallgedämpfte Waffen sorgen für lautloses Töten aber auch mit einem gepanzerten Fahrzeug einfach in ein Santa-Blanca-Lager zu düsen ist durchaus möglich – wenn auch nicht immer ratsam. Auch eure Kollegen erkennen Gegner und geben euch deren Positionen per Funk durch und lassen sich auch begrenzt von euch lotsen. Schade nur, dass es euren Feinden scheinbar egal ist, wenn einer eurer verbündeten Soldaten durch eine feindliche Basis stolziert – die Immersion eines Undercover-Einsatzes wird dadurch leider oftmals etwas gedämpft. Unterstützung bekommt ihr übrigens auch von den örtlichen Rebellen, die euch beispielsweise mit einem Mörserschlag im Kampf gegen das Santa-Blanca-Kartell helfen.

Motivierend ist das Gameplay insbesondere, weil man immer weitere Fertigkeiten freischaltet und somit auch nach längerer Spielzeit neue taktische Impulse erhält. Der Akku meiner Drohne wird verbessert, ich bekomme neue Interaktionsmöglichkeiten mit meiner Spezialeinheit oder schalte neue Sprengkörper frei und kann damit insbesondere bei schwierigeren Missionen ganz neue Vorgehensweisen ausprobieren. Apropos Schwierigkeitsgrad: auch wenn euch die gegnerische KI gelegentlich ins Schwitzen bringt, ist dieser doch weitestgehend sehr fair gestaltet. Die Reihenfolge, in der ihr die einzelnen Aufträge abschließt, bleibt euch übrigens selbst überlassen. Anspruchsvollere Missionen sind dabei entsprechend markiert, sodass ihr angemessen durch das Spielgeschehen geführt werdet.

Prallgefülltes Bolivien

Das gesamte Spiel lässt sich nebenbei auch im Online-Multiplayer mit bis zu drei weiteren Spielern spielen. Auch wenn die Online-Komponente durchaus zu überzeugen weiß und auch flüssig abläuft, ist Ghost Recon: Wildlands in meinen Augen auch problemlos als Soloerfahrung zu genießen. Verbindet man sich mit zufälligen Spielern auf der Welt ist die taktische Absprache ohnehin wesentlich problematischer als wenn man selbiges mit drei guten Freunden und über Voice-Chat erledigt. Während der Mehrspielermodus mit bekannten Kollegen zur vermutlich besten Variante des Spiels führt, fühlte ich mich trotzdem als Solo-Spieler mit viel Kontrolle und der notwendigen Ruhe für die Stealth-Infiltrierung ausgestattet.

Und was gibt es sonst noch? Vor allem unglaublich viel tun. Beim Anblick der Landkarte tauchen überall Symbole auf, die einem zeigen an welchen Ecken der Spielwelt es noch etwas zu sammeln, erledigen oder sehen gibt. Bis ihr alle Charakteranpassungen, Waffen und Fertigkeiten freigeschaltet habt und nebenbei die beachtliche Zahl der Hauptmissionen abgeschlossen habt, wird demnach einige Zeit vergehen. Kritikpunkt bleibt aber, dass trotz der spaßigen Vielfalt des Spiels nur wenige Spielmomente wirklich in Erinnerung bleiben. Ubisoft schafft es zwar durchgängig ein recht hohes Niveau zu halten, wagt aber nur wenige Experimente und schafft es somit nicht, notwendige Highlights zu setzen. Zusätzlich gefielen mir aber die diversen Randinformationen über die Situation Boliviens und die Hierarchie und Struktur des Snata-Blanca-Kartells sehr gut. Schade ist hingegen, dass die eigene Spielfigur sehr stumm bleibt – auch wenn die Gegenspieler die fehlende Charakterisierung des eigenen Soldaten etwas ausgleicht, so wäre bei einem so großen Spiel genug Zeit und Raum gewesen, auch diesem mehr Gehalt zu verschaffen.

Wertung im Einzelnen
Grafik
8
Story/Charaktere
8
Musik/Sound
7
Gameplay
9
Setting/Spielwelt
7
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