Releasetermin: 29.08.2017

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Kampfspiel
Entwickler: Sega
Herausgeber: Deep Silver

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Die Yakuza-Reihe erlangt in westlichen Gefilden zwar eine steigende, aber nach wie vor verhältnismäßig geringe Aufmerksamkeit. Ich konnte mit Yakuza Zero in den Anfangsmonaten des Jahres meinen ersten Ausflug in das Franchise starten und war überrascht: das charaktervolle Kampfspiel überzeugte mich mit seiner interessanten Mafia-Thematik und einem immens großen Umfang. Zudem eignete es sich perfekt für den Einstieg: als Prequel wurden keine Kenntnisse aus früheren Ablegern vorausgesetzt. Nur wenige Monate später liegt mit Yakuza Kiwami bereits der nächste Ableger in meiner Playstation 4. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein komplett neues Spiel, sondern um ein Remake des ersten Yakuza-Spiels, das vor zwölf Jahren erstmals für die Playstation 2 erschien. Für mich also der nahtlose Übergang in die nächsten Geschichten des Yakuza-Universums – doch lohnt es sich auch?

Das kommt mir doch bekannt vor!

Auf den ersten Blick wirkt erst einmal alles sehr vertraut. Erneut in der Haut von Kazuma Kiryu wirft euch das Spiel in spannende Mafiageschichten rund um Intrigen und Verrat. Während Kiryu um einen Freund zu decken zehn Jahre im Gefängnis verbrachte, haben sich einige Verhältnisse seines Yakuza-Clans geändert. Hochrangige Positionen sind neu besetzt, Personen ermordet oder vermisst und obendrein fehlt auch noch eine ganze Menge Geld. Die Entwickler nehmen sich bei der Erzählung der wirklich spannenden Storyline erneut viel Zeit – wer gerne hektisch von Level zu Level rennt ist hier definitiv fehl am Platz. Das kann schon am Anfang abschrecken: in den ersten eineinhalb bis zwei Stunden verbringt ihr tatsächlich nur wenige Minuten mit Kämpfen oder sonstigen spielerischen Aktionen, den Rest der Zeit klickt ihr euch durch Dialoge oder begutachtet eine der vielen Zwischensequenzen.

Apropos Zwischensequenzen: diese wurden für das Remake komplett aufpoliert und überzeugen mit zeitgemäßer Technik. Wie schon in Yakuza Zero gefällt mir auch in Yakuza Kiwami die hervorragende Regiearbeit der Entwickler. Diese wird in den detaillierten Gestiken und Mimiken der Figuren in den vielen Zwischensequenzen deutlich. Spannende Auseinandersetzungen zwischen furchteinflößenden Yakuzas werden sehr gut in Szene gesetzt, pointiert mit Musik unterstützt und besitzen zudem gut geschriebene Dialoge – wenn auch mit deutlicher japanischer Handschrift. Vom langsamen Tempo profitiert zudem die Charakterentwicklung und das Verständnis der Geschichte. Zwar kommt man bei den zahlreichen Namen von Familien, Clans und Personen nach wie vor etwas durcheinander, generell kann sich die Erzählung aber sehr gut entfalten. Dass man sich in Yakuza Kiwami anders als in Zero auf nur auf einen Protagonisten beschränkt, bremst die Story übrigens in keinster Weise aus.

Viel zu tun – auch abseits der Hauptstory

Auch beim Gameplay ändert sich gegenüber Yakuza Zero nicht viel. Noch immer lässt Kiryu die Fäuste gegen Yakuzas, Straßenbanden und sonstige Personengruppen fliegen und löst so nicht wenige seiner Probleme in Yakuza Kiwami. Der Einstieg in die Kämpfe – Schläge, Feinde greifen, werfen und simple Kombos – gelingt einfach, doch das Kampfsystem beherbergt genügend Tiefgang, um auch langfristig zu unterhalten. Erneut könnt ihr zwischen verschiedenen Kampfstilen wechseln, die ganz unterschiedliche Angriffsarten und Geschwindigkeiten ermöglichen. Außerdem könnt ihr Mülleimer, Golfschläger, Straßenschilder, Kisten oder ähnliches aus der Umgebung nutzen und sie kurzerhand zur Waffe umfunktionieren. Mit Talentbäumen könnt ihr weitere Möglichkeiten für den Kampf erwerben und euch zudem diverse Werte-Boosts und sonstige Verbesserungen aneignen. Gut gefallen mir auch nach wie vor die teils drastisch dargestellt Finishing Moves von Kiryu.

Zwischen den Missionen dürft ihr euch in der offenen Welt von Kamurocho, einem fiktiven Stadtteil Tokios, frei bewegen. Hier gibt es etliche Nebenmissionen, die euch mit kleinen Geschichten von teils wirklich abstrusen Figuren in Berührung bringen. Hier scheint die verrückte Ader, die Yakuza Kiwami innewohnt, deutlich durch. Selbst simple Such-Quests werden hier in ein amüsantes Gewand gebracht, dass euch von der meist recht ernsten Hauptgeschichte etwas abschalten lässt. Darüber hinaus könnt ihr euch in diversen Läden mit Items ausstatten sowie in örtlichen Restaurants speisen und so eure Lebensleiste wieder auffüllen. Nicht zu vergessen sind auch die diversen Minispiele, die es in Kamurocho zu spielen gibt. Neben Versionen von Darts oder Bowling, Mahjong oder einem Karaoke-Minispiel ist unter anderem auch das umfangreiche Pocket Circuit Racing wieder mit dabei. Zwar gibt es auch hier nicht viel Neues im Gegensatz zu Yakuza Zero, für genügend Abwechslung ist aber definitiv gesorgt!

Zündet die Formel auch heute?

Die verbesserten Zwischensequenzen hatte ich bereits erwähnt, aber auch ansonsten funktioniert das aufgehübschte Spielerlebnis auch heute noch ohne großartige Abstriche. Nur selten begegneten mir wirklich matschige Texturen oder Mechaniken, die ich für veraltet erachten würde. Besonders das detailreiche Design der Stadt, die besonders nachts dank Neonfarben und aktivem Nachtleben zu einem richtig spannenden Schauplatz wird, ist zweifellos nach wie vor grandios. Szenerien – seien es dunkle Gassen, Nachtclubs oder klassische Bars werden sehr authentisch dargestellt, wozu auch der Soundtrack eine Hilfe ist. Yakuza Kiwami funktioniert auch 2017.

Wertung im Einzelnen
Story
9
Gameplay
7.5
Grafik
7
Musik
8
Multiplayer
6.5
Umfang/Abwechslung
9
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