Releasetermin: 27.09.2019

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Sport, Simulation
Entwickler: Electronic Arts
Herausgeber: Electronic Arts

Bei Amazon.de bestellen

 

 

Die FIFA-Serie gehört zum erfolgreichsten, was die Videospielwelt zu bieten hat. Zum Stand September 2018 wurden mehr als 260 Millionen Exemplare der Reihe verkauft – und diese Zahl dürfte seither stark angestiegen sein, da zwischenzeitlich FIFA 19 und das aktuelle FIFA 20 erschienen sind. Während ich früher fast jeden Teil spielte, ließ mein Interesse für die Fußballreihe in den letzten Jahren etwas nach. Aus diesem Grund werde ich euch keinen direkten Vergleich zwischen FIFA 20 und dem Vorgänger liefern können. Nachdem ich nun viele Stunden mit der Fußballsimulation verbracht habe, möchte ich euch trotzdem meinen Eindruck mitteilen und euch verraten, ob sich der neueste Teil lohnt.

Großer Umfang mit vielen Spielvarianten

Startet man FIFA 20 erstmals, wird man von vielen altbekannten Modi begrüßt. Neben dem Schnellspiel, Online-Modi, der Kampagne und FIFA Ultimate Team stechen zwei Optionen jedoch besonders raus. EA hat mittlerweile seit FIFA 19 die Lizenz an der UEFA Champions League und auch Europa League erlangt, nachdem diese jahrelang von Konkurrent Konami in den PES-Spielen genutzt wurde. Daher lassen sich über das Menü in Windeseile Champions League-Turniere veranstalten, die eine nette Inszenierung mit offizieller Hymne, entsprechender Kommentatorenbemerkungen und letztlich einer spektakulären Siegerehrung bieten. Auch in der Karriere ist die Champions bzw. Europa League implementiert, sofern sich das gespielte Team für den Wettbewerb qualifiziert hat. Für jährliche Spieler ist dies nichts neues, da diese Änderung wie gesagt erstmals im letztjährigen Spiel eingeführt wurde.

VOLTA-Fußball als nette Alternative mit mehreren Spielvarianten

Was hingegen eine richtige Neuerung und das große Aushängeschild von FIFA 20 darstellt, ist der brandneue VOLTA-Modus. Fans der FIFA Street-Reihe haben sich Jahr für Jahr ein Straßen- bzw. Hallen-Modus gewünscht, der diesmal endlich umgesetzt wurde. VOLTA FOOTBALL wird groß aufgezogen, da es sich hierbei um eine Spielvariante mit eigener Story und Karriere handelt. Spieler können eine individuelle Figur erstellen, die fortan alles daran legt, zur großen VOLTA-Legende aufzusteigen. Der Charakter lässt sich mit freigeschalteter Ausstattung der offiziellen Sponsoren einkleiden, sodass ihr dem Spieler eine eigene Personalität geben könnt.

Der VOLTA-Storymodus führt fort, was EA in den Vorjahren mit “The Journey” im Karrieremodus ausprobiert hat. Der Spieler erlebt eine Geschichte um die selbst erstellte Figur, die immer wieder mit Rückschlägen auf dem Weg zum Profi zu kämpfen hat. Weiterhin gibt es den Tour-Modus, in dem gegen KI-gesteuerte Teams gespielt wird, die jedoch von anderen Spielern zusammengestellt wurden. VOLTA League stellt hingegen eine Liga dar, in der ihr tatsächlich gegen andere Online-Spieler antretet. Innerhalb all dieser Modi finden sich diverse Spielregeln und Varianten von VOLTA wieder. Es gibt die Möglichkeit 3v3, 4v4 und 5v5 Matches auszutragen, die jeweils eine andere Spieldynamik bieten. Auch werden unterschiedlich große Tore genutzt, sodass mal ein fester Torwart und mal eine dynamische Torwartführung nötig ist.

Straßen- und Hallenfußball, der nicht ganz an FIFA Street herankommt

Doch wie spielt sich das VOLTA-Geschehen denn nun? Es fühlt sich deutlich anders an als eine reguläre Partie auf dem Rasen. Fernschüsse sind grundsätzlich tabu, dafür wird eine große Betonung auf zielgenaue Pässe und überraschende Manöver gelegt. Gut getimte Trickaktionen können zum Erfolg führen. Dafür hat EA eine “Autoskill”-Funktion bei Drücken der beiden Trigger-Tasten implementiert, mit der auch Anfänger ansehnliche Tricks ausführen können. Wer bestimmte Skill-Moves lernt und diese in den richtigen Momenten anzuwenden weiß, hat aber trotzdem einen Vorteil. Mit stylischen, gefilmten Handy-Wiederholungen im fake-Instagram-Stil fällt die Inszenierung hip aus. In der Tat fühlt man sich besonders cool, wenn man es schafft, seinen Gegner trickreich auszuspielen und dann auch noch ansehnlich abzuschließen.

Trotzdem kommt nie ganz das Over-the-top-Skill-Gefühl auf, das die beiden FIFA Street-Teile damals etablierten. VOLTA ist deutlich realistischer, näher dran an einer natürlichen Futsal-Umsetzung. Dies hat meiner Meinung aber auch das Resultat, dass es sich schlicht langweiliger als FIFA Street spielt. Ich vermisse die übertriebenen Skill-Manöver mit dutzenden Fallrückzieher-Pässen und Spezialschüssen. Ich habe wohl einfach zu sehr erwartet, dass VOLTA der Versuch ist, das alte Street-Gameplay zu replizieren. Sofern man nicht ständig den Vergleich zieht, kann man dennoch eine Menge Spaß mit VOLTA haben. Es kommt mit einer ganz anderen Spieldynamik als der reguläre Rasenfußball daher und stellt somit einen soliden Alternativmodus dar.

Karrieremodus mit Problemen, die einen Patch erfordert haben

Kommen wir zu den restlichen Modi. Nicht fehlen darf der Karrieremodus, der gleich zu Beginn bereits eine Änderung präsentiert. Erstmals kann eine Trainerin für das Amt des Vereinsführers gewählt werden. Zudem lässt sich das Aussehen des Managers so umfangreich wie noch nie bestimmen. Am reinen Spielgeschehen hat sich quasi nichts geändert. Abseits des Rasens getroffene Entscheidungen sollen einen größeren Einfluss auf die Teammoral und Leistung einzelner Spieler haben. Dies macht sich aber nur dezent bemerkbar. Stattdessen hatte ich manchmal groteske Momente bei meiner Interaktion mit Spielern. Ich spielte mit meinem Lieblingsverein Liverpool, als Jordan Henderson sich mehr Spielzeit wünschte, da ich ihn als Auswechselspieler nutzte. Daraufhin stellte ich ihn in die Startelf für das nächste Spiel, in dem er sich verletzte. Anschließend bekam ich eine pampige Nachricht von Henderson, in der er mir vorwarf, ich hätte seinen Wunsch, NICHT zu spielen, ignoriert und wäre schuld an seiner Verletzung – großartig!

Weiterhin haben sich einige Bugs eingeschlichen. So kam habe ich erlebt, dass sich die Teams mit den besten Kadern in der Premier League nach einigen Spieltagen auf Abstiegsplätzen befanden. Wenn das Spiel simuliert, dass der Kader vom aktuellen Meister Manchester City auf dem letzten Platz steht, läuft etwas schief. Auch werden sowohl auf Pressekonferenzen als auch während des Spiels durch Kommentatoren falsche Fakten genannt, z. B. falsche Torschützen, falscher Torzeitpunkt (erste statt zweite Häfte etc.). Das Spielgeschehen und die Verwaltung der Mannschaft macht in diesem Modus nach wie vor Spaß. Allerdings bin ich enttäuscht von den vielen Bugs und Fehlern, die in vergangenen Spielen gefühlt nicht so häufig auftraten. EA hat mit einem Patch bereits einige dieser Probleme ausgebessert. Leider müsst ihr einen neuen Spielstand starten, damit wirklich alle Änderungen wirksam sind. Das ist wahrlich nicht die beste Lösung und führt dazu, dass ich den Modus quasi nicht mehr spiele.

Pro Clubs Modus mit VirtualPro-Spieler

Der FIFA Pro Clubs Modus ist erneut am Start, in dem ihr einen Charakter erstellt, der anschließend mit zehn Online-Spielern gegen elf andere antritt. Durch eine gute Spielwertung steigen die Werte des virtuellen Profis. Zudem kann das Team bei entsprechender Leistung in Divisionen aufsteigen. Wer kein ganzes Team zusammenkriegt, kann in “Spontanspiel”-Matches in einer zufälligen Onlinepartie einen Platz einnehmen. Neben kleineren Anpassungen wie der Änderung der Kameraansicht nach einem Tor hat EA die Möglichkeit hinzugefügt, Trainingsmatches zu absolvieren. Individuell oder als geschlossenes Online-Team kann man gegen KI-Gegner unterschiedlicher Schwierigkeitsstufe antreten. Auch wenn ich in keinem festen Team gespielt habe, hat mir der Modus trotzdem sehr gut gefallen, sodass ich hin und wieder per Spontanspiel einige Matches spielte.

Beliebter FUT-Modus erneut Spaßgarant

Womit ich die meiste Zeit verbracht habe, ist der FIFA Ultimate Team Modus. Hier stellen sich Spieler mit virtuellen Sammelkarten Mannschaften zusammen und spielen entweder in “Squad Battles” gegen KI-gesteuerte Teams anderer Spieler oder in der Online-Liga direkt gegen Online-Kontrahenten. Darüber hinaus gibt es die sogenannten FUT-Drafts, in denen on- und offline ein Team aus zufällig bereitgestellten Karten geformt wird. Anschließend gilt es, bis zu vier Spiele zu bestreiten, jedoch ist der Versuch vorbei, sobald man ein Spiel verliert. Neu dabei sind eine Reihe von Spaßmodi, in denen ihr online oder offline mit Freunden auf kreative Weise gegeneinander antreten könnt. In einer Variante bieten sich z. B. auf dem Spielfeld Zonen, in denen ein Multiplikator erhöht werden kann, was zu mehreren Toren pro Treffer führen würde. Diese Gameplayabwandlungen sorgen für Abwechslung und sind durchaus unterhaltsam im Multiplayer.

Ich habe generell viel Spaß mit dem FUT-Modus – auch ohne Echtgeld für Packs auszugeben. EA bietet durchgehend diverse Ziele an, um spezielle Spieler und Packs zu verdienen. Zusätzlich gibt es regelmäßige “Squad Building Challenges”, um ebenfalls Spieler und Packs unterschiedlichen Wertes freizuschalten. In einer Companion-App auf Android- und iOS-Geräte sowie einer Web App können Spieler auch fernab von der Konsole Teams verwalten, SBCs absolvieren und auf dem Transfermarkt mit Karten handeln. Mit investierter Zeit für die Absolvierung von Zielen, einem feinen Gespür für die Marktentwicklung der Spieler und einer Prise Glück lassen sich auch auf diesem Wege viele Coins verdienen und tolle Mannschaften zusammenstellen.

Gameplay mit Fokus auf tempostarke Spieler und neuer Freistoßmechanik

Die meiste Zeit auf dem Rasen habe ich innerhalb des FUT-Modus verbracht. Dabei sind mir einige Sachen positiv, andere negativ aufgefallen. Zunächst möchte ich hervorheben, dass mir die Spielgeschwindigkeit genau richtig gefällt. Mit schnellen Spielern lassen sich schöne Sprints starten, ebenso kommen Pässe bei Spielern mit entsprechend hohem Passwert sicher und genauso schnell beim Mitspieler an, wie man es erwartet. Das Gameplay legt dieses Jahr eine hohe Betonung auf den Tempowert, der entscheiden kann, ob ein Spieler frei durch ist oder von einem daher eilenden Abwehrspieler noch abgefangen wird. Da ich gerne schnelle Spieler kontrolliere und bei meiner Teamzusammenstellung ohnehin auf schnelle Außenverteidiger und Flügelspieler setze, kommt mir dieser Umstand gelegen. Allerdings muss ich nach über 100 Ligaspielen in FIFA Ultimate Team auch anmerken, dass es fast schon langweilig ist, dass nahezu alle Teams auf Tempo ausgelegt sind und man so eine Reihe von Spielern in jedem zweiten Kader sieht.

FIFA 20 hat eine neue Mechanik für Freistöße und Elfmeter. Obwohl ich diese nach meinen ersten verschossenen Bällen verfluchte, bin ich letztendlich sehr zufrieden mit der Umsetzung. Der Spieler muss den Stick gefühlvoll halten, um einen präzisen Schuss abzuliefern. Nach Drücken der Schusstaste kann zusätzlich Effet hinzugefügt werden. Übung macht den Meister, sodass man dafür belohnt wird, über die sogenannten Skill-Spiele im Hauptmenü Freistöße zu üben. Ebenfalls neu für mich: Kopfbälle sind schwer auszuführen. Selbst mit perfektem Timing ist noch lange nicht jeder Kopfball drin. Das macht auch die Ausführung von Eckstößen kniffliger. Doch tendenziell bin ich froh darüber, dass Kopfbälle schwieriger ausfallen, da sie in früheren Spielen für meinen Geschmack teils zu effektiv waren. Gerade weil temporeiche Spieler in FIFA 20 schnell hinter die Abwehrreihen kommen, bin ich froh, dass nicht jeder Konter in einem sicher verwandelten Kopfball endet.

Bugs und Glitches im Spielgeschehen sorgen regelmäßig für Unmut

Während mir das Gameplay und auch die Neuerung also grundsätzlich sehr gut gefallen, gibt es in FIFA 20 dennoch viele Momente, in denen ich das Spiel verfluche. Es gibt schlicht zu häufig totale Ausfälle der KI-gesteuerten Mitspieler und Torwarte. Teilweise werden sicher drin geglaubte Abschüsse mit Glanzparaden rausgefischt, nur um einen schlecht getroffenen Nachschuss durch die Hände flutschen zu lassen. Extrem frustriert bin ich außerdem regelmäßig davon, dass die Keeper außerhalb des Strafraums für gewöhnlich keine rote Karte erhalten und den Ball hinter der 16-Meter-Linie sogar mit der Hand spielen können, ohne eine Strafe zu erhalten. Die meisten Gegner wissen davon und holen ihren Torwart raus und setzen zum rücksichtslosen, weil unbestraften Tackling an, da dies eine größere Wahrscheinlichkeit hat, kein Gegentor zu kassieren, als ins faire 1v1 zu gehen.

Weiterhin habe ich bereits diverse falsche Abseits- und Torlinienentscheidungen erlebt. Diese Fälle sind zumeist so deutliche Fehlentscheidungen, dass man auch nicht von einer simulierten Fehlertoleranz sprechen kann, sondern einem schlichtweg kaputten System. Und auch von Bugs und Glitches, die mich das Spiel beenden lassen mussten, blieb ich nicht verschont. Wenn bei Ausführung eines Freistoßes der Spieler plötzlich nicht den Ball schießt, sondern wieder und wieder anläuft und daneben trifft, was nur beendet werden kann, wenn man das Spiel abbricht, möchte man am liebsten seinen Controller Richtung Fernseher donnern. Schade, dass EA diese Probleme nicht in den Griff zu bekommen scheint. Trotz alledem bleibt FIFA 20 ein spaßiges Spiel, das mich in diesen Momenten jedoch unnötig frustriert.

Solide Grafik- und Soundumsetzung

Grafisch hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht viel getan. Die Animationen sind größtenteils gelungen und auch viele Spielerdetails sind toll umgesetzt. Das leidige Thema, dass nur die “großen” Mannschaften aufwendig gestaltet wurden, trifft nach wie vor zu. Ein Franck Ribery zum Beispiel, der beim FC Bayern noch eine realistische Nachbildung bekommen hatte, wurde nun mit einem generischen Gesicht ausgestattet, weil er mittlerweile beim AC Florenz spielt. Da es doch bereits ein detailliertes Figurenmodell von Ribery gibt, kann ich nicht verstehen, warum EA diesen Schritt geht.

Abseits davon habe ich nicht viel auszusetzen. Durch eine solide HDR-Umsetzung sieht das Spiel auf TVs mit entsprechender Unterstützung gelegentlich sehr toll aus. Zudem sind die Menüs hübsch und übersichtlich gestaltet, was eine leichte Handhabung ermöglicht. Die Soundkulisse während des Spiels fällt einmal mehr gelungen aus. Die Kommentatoren treffen, wie bereits erwähnt, hin und wieder falsche Aussagen zum Spielverlauf, tragen sonst aber auch zur guten Atmosphäre bei. Ein moderner Soundtrack mit aktuellen Charthits rundet die gute Soundumsetzung ab.

Wertung im Einzelnen
Gameplay
8
VOLTA-Modus
8
Umfang
8.5
Online-Multiplayer
9
Lokaler Multiplayer
9
Technische Umsetzung
6.5
Grafik und Sound
8
Teilen
Dominik
Hey Leute, ich bin der Dominik, Redakteur, und stürze mich für euch gerne in die aktuellsten News und Reviews der PS4 :)