Releasetermin: 27.03.2017

Medientyp: Modul (Nintendo Switch), Bluray-Disc (PS4), Download (beide Plattformen)
Genre: JRPG
Entwickler: Gust
Herausgeber: Koei Tecmo

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Die Entwickler von GUST entwerfen für Koei Tecmo nicht nur die Atelier-Serie, die bisher mein einziger Berührungspunkt mit dem japanischen Studio war. Mit dem Nachfolger von Nights of Azure sollte sich dies nun ändern. Nights of Azure 2: Bride of the New Moon ist ein waschechtes JRPG, das Ende letzten Monats für Playstation 4 und Nintendo Switch erschienen ist. Da ich den Vorgänger nicht gespielt habe, war ich gespannt, was vor mir lag. In meinem Test erfahrt ihr aus Sicht eines Neulings, was Nights of Azure 2 zu bieten hat.

Ich habe mich schlau gemacht und erfahren, dass der zweite Teil geschichtlich quasi für sich alleine steht. Spieler des Vorgängers werden zwar die Hauptfigur des ersten Nights of Azure wiedererkennen und sich über einige Anspielungen auf vergangene Ereignisse freuen können. Es ist aber keinesfalls so, dass Neueinsteiger Probleme mit dem Verständnis haben werden. Da das Spiel hauptsächlich mit brandneuen Figuren und einer neuen Ausgangslage daherkommt, gelingt der Einstieg jedem gut. Wer Interesse hat, kann den Vorgänger natürlich nachholen, doch ist dies keinesfalls erfordert.

Nette Prämisse, interessante Romanzen

Bride of the New Moon bringt seine Spieler in eine fiktionale Stadt im Westen Europas, die von Dämonen befallen präsentiert wird. Die offizielle Kurzeschreibung der Story lautet wie folgt:

Nights of Azure 2: Bride of the New Moon entführt Spieler in eine fiktive von Dämonen heimgesuchte westeuropäische Stadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Geschichte dreht sich um die Schutzritterin Aluche und ihre beiden Freunde – Liliana, eine gutherzige Priesterin und Ruhenheid, ein heiliger Ritter des Lourdes Ordens. Nachdem Aluche zum Schutz Lilianas entsendet wird, gerät sie in einen tödlichen Hinterhalt: Sie erwacht als Halbdämon und in den Händen der sinisteren religiösen Organistation – der Neuen Kurie. In der Gesellschaft merkwürdiger Begleiter, alle mit eigenen Geschichten und Absichten, ist Aluche nur von dem Wunsch getrieben, Liliana zu beschützen. Aus diesem Antrieb zieht sie ihre Kraft, die sich braucht, um Licht in die Dunkelheit zu bringen und das Geheimnis der mysteriösen Königin des Mondes zu lüften.

Die Fantasy-Prämisse ist recht solide ausgearbeitet und wird gelungen vorangetrieben. Die Story wird zwar keine Auszeichnungen gewinnen, doch habe ich sie als interessante Komponente des Spiels wahrgenommen. Häufig tragen JRPGs viel mehr Kitsch auf und präsentieren sich in einem durchgehend heiteren Ton. Nights of Azure 2 hat tatsächlich eine recht düstere Stimmung, was sich als angenehme Abwechslung herausstellte. An dieser Stelle möchte ich auch noch die Beziehungen erwähnen, die sich im Laufe der Geschichte entfalten. Dass es zwischen den Mädels knistert, ist schon nach wenigen Minuten ersichtlich. Und auch wenn die Romanzen in Kombination mit der freizügigen Kleidung der Protagonistinnen wahrlich nicht allzu taktvoll inszeniert werden, sorgen ein regelrechtes Liebesdreieck und Unstimmigkeiten über das weitere Vorgehen dafür, dass dieser Aspekt erstaunlich spannend ausfällt.

Viel nackte Haut, doch es artet nicht aus

Die knappen Outfits der Figuren stehen dem ernsten Ton der Geschichte eigentlich im direkten Gegensatz. Und auch wenn mich dieser Umstand dann doch das ein oder andere mal herausgerissen hat, habe ich stets versucht, die freizügige Inszenierung mit Humor zu nehmen. Ich kann mich mit “Fanservice” eigentlich nicht anfreunden. Deshalb war ich persönlich erfreut darüber, dass sich die obszönen Aspekte in Grenzen halten. Schließlich hat das Spiel eine USK-12-Freigabe erhalten. Spieler müssen sich dennoch bewusst sein, dass Nights of Azure 2 nicht davor zurückscheut, die Mädels mit großen Oberweiten im Bikini zu zeigen. Ich nehme meine Switch gerne auf allen möglichen Reisen mit. Bride of the New Moon ist aber nun wirklich kein Spiel, das ich im Bus zur Arbeit, neben einem Fremden sitzend, mit gutem Gewissen spielen könnte.

Zentraler Stützpunkt des Geschehens stellt ein Hotel dar, in dem Aluche nicht nur ihre Begleiter für die anstehende Reise auswählt. Spieler können außerdem diverse Vorbereitungsmöglichkeiten wahrnehmen und beispielsweise Gegenstände kaufen oder in einem Labor an den eigenen Stärken schrauben. Auch kann Aluche sich mit diversen Mädels unterhalten, die im Laufe der Geschichte zu unserem Abenteuer dazustoßen.

Aluche stehen sieben Frauen zur Seite, die mit ihr in den Kampf ziehen und gemeinsame Kombos ausführen können. Bei der Wahl der Begleiterin spielen die verschiedenen Fähigkeiten der Mädels eine Rolle. Je nach Mission lohnt es sich also, die Begleiterin auszutauschen. Während der Missionen steigt das Affinität-Level zum gewählten Charakter, was für Vorzüge im Kampf sorgt. Die computergesteuerte Figur trägt insgesamt aber nicht allzu viel zum Geschehen bei, da die Gefechte generell eher leicht ausfallen.

Dämonische Helfer

Spannender fand ich daher die zweite Form von Begleitung, die uns Nights of Azure 2 bietet. Im Spiel sind viele “Servans” verteilt, die uns nach Rettung als Helfer zur Seite stehen. Bis zu zwei Servans ziehen mit uns in den Kampf und haben abermals verschiedene Fähigkeiten. Manche dieser “Servan Actions” sind auch außerhalb der Gefechte sehr hilfreich, da durch sie neue Wege in den bespielten Dungeons freigelegt werden können.

Weil ich auch einige der Kampffertigkeiten der Servans sehr interessant fand, hat mich ein wenig enttäuscht, dass man immer nur zwei Dämonenhelfer mitführen kann. Ich hatte zumeist lediglich Begleiter mit auf die Reise genommen, die mir in der Umgebung aushelfen konnten, da dies vermeintlich nützlicher ist als die Unterstützung im Kampf. Leider lässt sich das Servans-Aufgebot auch nur im Hotel ändern, weshalb ich eher selten einen Wechsel vollzogen habe. In den Grundzügen ist dieses System sehr interessant, gerade weil die Servans aufleveln und es eine Art Reinkarnationssystem gibt. Jedoch stellt sich das Konzept rund um die Servans gewissermaßen selbst ein Bein. Ich hätte gerne eine größere Party oder eine Wechseloption für unterwegs gesehen.

Repetitive Kämpfe mit Bossbegegnungen als Höhepunkte

Im Kampfsystem zeigen sich leichte Parallelen zu den Musou-Spielen, die Koei Tecmo regelmäßig veröffentlicht. In actionreicher Hack’n’Slay-Manier beweisen wir uns gegen die unterschiedlichsten Gegner, auch wenn nie so viele Feinde auf dem Bildschirm sind wie beim klassischen Musou-Gemetzel. Mit einer Reihe von Angriffsboosts und diversen Fähigkeiten läuft nicht alles auf simples Gekloppe hinaus. Ich muss aber zugeben, dass die Kämpfe dann doch recht schnell repetitiv wurden. Die Team-Angriffe sind schön inszeniert, doch sieht man sich an den immer gleichen Animationen auch irgendwann satt. Es hilft nicht, dass die Schwierigkeit beim Kämpfen nicht sonderlich hoch ausfällt. Es gibt zwar auch eine etwas schwierigere Stufe, doch wird diese erst beim Abschließen des Spiels freigeschaltet.

Mit einer Reihe von Boss-Feinden stellt Bride of the New Moon uns trotzdem hin und wieder vor eine leichte Herausforderung. Wenn man seine Partner-Angriffe mit der Begleiterin gut im Griff hat und auch seine Servans gut kommandieren kann, werden aber nur die wenigsten Boss-Begegnungen ein Problem werden. Mich hat allerdings gefreut, dass manche Bosse eine Art Umgebungsrätsel mitbringen, die zumindest etwas Abwechslung ins Geschehen bringen können.

Komm bloß in 10 Minuten wieder zurück!

Ich wusste im Vorfeld nicht, dass das Geschehen von Nights of Azure 2 mit gleich zwei verschiedenen Zeitlimits versehen ist. Die halb-dämonische Protagonistin muss sich in regelmäßigen Abständen ausruhen, kann also nicht unendlich lang auf Missionen gehen. Storybedingt haben wir außerdem nur eine bestimmte Anzahl an verfügbaren Tagen, um die Geschichte zu Ende zu bringen. Während ich anfangs befürchtete, dass die zeitlichen Begrenzungen für Frust sorgen würden, war ich positiv überrascht. Zum einen sind die Limits nicht so streng wie erwartet. Zum anderen gibt es clevere Mechaniken, mit denen man seine verbleibende Zeit für Missionen verlängern kann, zum Beispiel durch Aufleveln und durch Besiegen von Bossen.

Ich habe mich nach einiger Gewöhnungszeit sogar regelrecht über das Zeitlimit gefreut. Da nur begrenzte Tage für die Haupt- und diversen Nebenmissionen bereit stehen, wird das Geschehen gelungen vorangetrieben. Während sich viele Rollenspiele zu viel Zeit lassen, wird man in Nights of Azure 2 zum stetigen Fortschritt gebracht. Lässt man sich erst einmal darauf ein, kann sich diese Komponente durchaus positiv auf die Spielerfahrung auswirken.

Optisch unspektakulär und auf der Switch mit Performance-Problemen

Ich habe das Spiel wie eingangs erwähnt auf der Nintendo Switch gespielt, auf der Nights of Azure 2 einen durchwachsenen Eindruck macht. Die Figuren sind hübsch gestaltet, doch zeigen sich die Umgebungen mit matschigen Texturen. Zudem gibt es fast ausschließlich sehr dunkle Farbtöne in den Arealen zu sehen, die schnell eintönig werden. Immerhin sind viele Effekte im Kampf ansehnlich und farbenfroh inszeniert.

Leider aber kommen dazu noch Performance-Probleme, die ich mit der Switch-Version erlebt habe. Zum einen leidet das Spiel unter starkem Pop-In, sodass viele Gegenstände in der Umgebung zu spät “aufploppen”. Zum anderen geht die Framerate in den Kämpfen häufig in die Knie. So nett die effektreichen Gefechte auch aussehen – sie scheinen der Switch einiges abzuverlangen. Die angepeilte 30-FPS-Marke wird in den Kämpfen regelmäßig unterboten, was besonders im Handheld-Modus der Fall ist. Eingedockt ist die Performance besser, aber auch bei weitem nicht perfekt. Wo wir beim Thema Switch-Version sind: Mich hat es zumindest gefreut, dass neben den Joy-Con auch der Pro Controller unterstützt wird.

Kein denkwürdiger Soundtrack, doch stets musikalisch passend untermalt

Spieler können nur den japanischen Sprecherinnen lauschen. Die deutsche Sprache wird wie gewohnt sowieso nicht unterstützt und die englische Sprache gibt es lediglich in Form von Menütexten und Untertiteln. Eine lokalisierte Tonspur ist nicht vorhanden. Da die Originalsynchronisation aber einen guten Eindruck auf mich machte, finde ich das gar nicht weiter schlimm. Wir bekommen außerdem einen Soundtrack auf die Ohren, der die hektischen Szenen der Gefechte passend untermalen soll. Während die Musikstücke stets gut zum Geschehen passen, fehlen mir persönlich aber Lieder, die auch richtig im Ohr hängen bleiben. Der Soundtrack fällt dementsprechend solide aus – nicht mehr und nicht mehr.

Wertung im Einzelnen
Story
7.5
Gameplay
7
Inhalt und Umfang
7.5
Grafik & Performance (Switch-Version)
6
Sound
7
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