Releasetermin: 19.11.2019

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Adventure, Abenteuer
Entwickler: Ys Net, Neilo, YSNET inc.
Herausgeber: Deep Silver, Kochmedia

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Mit Shenmue 3 kommt nach 18 Jahren endlich die Fortsetzung auf den großen Cliffhanger, den es am Ende des zweiten Teils gegeben hat. Fans werden nun noch tiefer in die Rachegeschichte rund um Ryo Hazuki blicken können und endlich erfahren, was es mit der mysteriösen Höhle aus Teil 2 auf sich hat. Das neuste Spiel der Serie erwachte über eine der erfolgreichsten Kickstarter Kampagnen in der Videospielgeschichte zum Leben. Knapp 70000 Menschen trugen über die Laufzeit des Kickstarter-Projekts insgesamt 6.333.295 Millionen Dollar bei. Schon nach wenigen Stunden war der Gesamtbetrag von 2 Millionen US-Dollar bereits finanziert. Doch was kam nun bei dieser Summe herum? Kann Teil 3 der Shenmue Saga auch nach so vielen Jahren noch überzeugen und können vor allem auch Neulinge Freude an dem Spiel haben? Findet es im Test heraus. 

Eine japanische Story über Rache 

Beginnen wir mit der Story von Shenmue 3. Kern dieser ist noch immer der angehende Racheakt an Lan Di, dem Mörder von Ryos Vater. Die Handlung des neusten Titels setzt somit direkt ans Ende des Vorgängers an und führt diese fort. Protagonist Ryo findet sich somit im kleinen Dorf Bailu mit der frisch kennengelernten Shenhua wieder und stellt fest, dass es von Schlägern angegriffen wurde. Diese haben scheinbar ein genaues Ziel: Die Steinmetze finden, die in Zusammenhang mit den beiden Spiegeln, die man schon aus den ersten beiden Teilen kennt, stehen. Shenhuas Vater ist zufälligerweise einer dieser Steinmetze und wird seitdem vermisst. Zu Beginn dreht sich also erstmal alles darum, die Schläger ausfindig zu machen und Shenhuas Vater wiederzufinden.  

Falls ihr diese Zeilen gerade als Neuling und potentieller Interessent des Titels lest, werdet ihr schnell bemerken, dass es ohne Wissen der vorherigen Titel schnell etwas bizarr wird. Gewisse Grundkenntnisse sind also vorausgesetzt. Diverse Recap Videos auf Youtube und Co sollten hier aber etwas aushelfen. Das Spiel selbst bringt zwar ein kurzes Zusammenfassungsvideo der vorherigen Games mit sich, geht aber nur sehr rudimentär auf die Handlung der alten Teile ein. Meines Erachtens reicht dies nicht aus, um die kommenden Ereignisse nachvollziehen zu können, sondern soll eher das eingestaubte Gedächtnis der Fans auffrischen. 

Die Story dreht sich dieses Mal hauptsächlich um diese beiden Gesellen.

An sich ist die gesamte Story um Rache ein spannendes Unterfangen. Die Handlung im dritten Teil an sich streckt sich aber leider mit der Zeit sehr, da man hier immer wieder mit kleinen Lauf- und Suchaufgaben konfrontiert wird. Die erste Hälfte des Spiels beschäftigt sich beispielsweise nur damit, die Schläger zu vertreiben und mehr über die Vergangenheit des Dorfes herauszufinden. Dazu müssen ebenfalls sehr viele Dialoge mit NPCs geführt werden. Das Storytelling schreitet somit nur sehr langsam voran und das allgemeine Spielprinzip der Vorgänger bleibt bestehen. Zudem wird die Geschichte auch in dem neusten Ableger nicht komplett beendet. Das Spiel beglückt seine Fans erneut mit einem offenen Ende und dem Schriftzug “Die Geschichte geht weiter …. Ob diese in einem potentiellen vierten Teil weitererzählt wird, bleibt also abzuwarten. Was aber durchaus gut gelungen ist, ist die tolle Atmosphäre, die das Spiel durchgehend begleitet. 

Wunderschöne Atmosphäre im asiatischen Stil 

Wir haben es in Shenmue 3 nicht mit einer riesigen Open World zutun, können aber zwei größere Bereiche erkunden. Darunter fallen das anfangs erwähnte Dorf und ein etwas größer belebtes Gebiet in der zweiten Hälfte. Unter anderem genießt dieses Design den Vorteil, dass man Begrenzungen im Charakter- und NPC Gestaltung schaffen kann. Dies ist auch im neusten Spiel der Fall. Alle NPCs, die man trifft verfügen aus diesem Grund über einen eigenen persönlichen Charakter und Voicelines, die die Welt belebter machen. Mit jedem Tag, der vergeht, kann man den Einwohnern bei ihren Aufgaben zusehen und findet sie immer wieder an anderen Orten in der Welt wieder. Kommt ihr mal nicht weiter, wird ein kurzes Gespräch mit den sympathischen Figuren äußerst hilfreich sein. Wichtige Information notiert sich Ryo in sein Notizbuch, das jederzeit geöffnet werden kann. Egal ob es diese Eigenschaften der Figuren sind oder eine liebevolle Shenhua sich jeden Abend mit euch unterhält bzw. jeden Morgen einen schönen Tag wünscht – Klar ist aber, dass das komplette Setting des Spiels an jeder Stelle lebendig und ansprechend wirkt.  

Die Atmosphäre ist wieder spiztenmäßig gelungen und die Umgebungen können sich sehen lassen.

Auch die Musik ist wunderschön und ändert sich je nach Bereich des Spiels. Wer genauer hinsieht wird auch auf die schönen Details der Umgebungen aufmerksam, die die Areale zieren. Es entsteht also im gesamten Verlauf des Abenteuers ein einzigartiges Flair mit toller Musik, die einem so schnell nicht wieder aus dem Kopf geht. Die Vision der Macher ist in diesem Punkt durchaus gelungen. Diese Atmosphäre kommt auch in den Kämpfen zum Einsatz, wird aber durch wenige Probleme gestört. 

Akrobatische Kämpfe mit Problemen 

Gekämpft wird auch ab und an mal im Spiel. Protagonist Ryu Hazuki ist bekannterweise als Material Art Kämpfer seit Teil 1 mit dem Kung Fu vertraut und traut sich auch dieses einzusetzen. Nach Bedarf könnt ihr euch in Dojos mit anderen Kampfkünstlern messen oder aber eure Fähigkeiten trainieren, um bessere Werte zu erzielen. An diversen Holzblöcken übt ihr Schläge oder Haltungen und erhöht so eure Ausdauer oder Schlagfertigkeiten. Auch Sparringkämpfe sind möglich, bei denen ihr spezifische Techniken eintrainiert und verstärkt. 

Die Kämpfe sehen schön aus, fühlen sich aber nicht wuchtig genug an.

Ernst wird es dann aber in den richtigen Kämpfen mit den Fieslingen aus Shenmue 3. Mit allen Tasten (Viereck, X, Kreis oder Dreieck) führt ihr allerlei Schläge und Tritte aus und verkloppt eure Feinde zu Brei. Akrobatische Spezialmanöver können über die Schultertasten ausgeführt werden. Was in erster Linie erstmal spannend klingt, fühlt sich unglücklicherweise aber nicht so toll an. Die Kollisionsabfrage fehlt nahezu komplett, wodurch die gewisse Wucht bei Treffern ausbleibt. Das ganze System kommt daher etwas laff daher und eine hakelige Steuerung erschwert die Kämpfe zusätzlich. Das Spiel verfügt neben den Kämpfen aber dennoch über sehr sehr viele andere Tätigkeiten, die euch unterhalten sollen. 

Viele, aber unzeitgemäße Tätigkeiten 

Über die Anzahl der Tätigkeiten kann man sich definitiv nicht beschweren. An jeder Ecke könnt ihr etwas tun, was für Abwechslung sorgt. Allein in den Glücksspielen kann man jede Menge Zeit versenken. Eimerwerfen, Glückstreffer-Bretter, Würfelspiele, Schildkrötenrennen und mehr wird angeboten. Gewinnen könnt ihr unter anderem Essen oder spezielle Items für Nebenquests. Wem das noch nicht genug ist, darf gerne Angeln gehen oder sich mit Jobs Geld verdienen. Leider ist ein Job nur mit Holzhaken verbunden. Wer Geld braucht, sollte sich also auf langen Grind einstellen. Und hier kommt auch schon das erste Problem: Geld ist nämlich dringend für Essen und Quest Gegenstände notwendig. Später im Spiel muss zum Beispiel eine sehr hohe Summe investiert werden, um in der Hauptstory weiter zu kommen. Da hilft entweder nur 2 Stunden Holzhaken oder im Glückspiel gewinnen. Aufgrund der Zeit, die man hier investiert, fühlt sich das Spiel zu sehr in die Länge gestreckt an. Das tut es auch durch die ständigen Laufwege. Ihr findet euch stets über die gleichen Wege laufend wieder, weil ihr u.a. zum vierten Male Wein und Dampfbrötchen für einen Story NPC beschaffen musstet, um ihm eine Frage zu stellen.  

Bei dieser Tätigkeit werdet ihr euch öfter wiederfinden.

Was so schon lange genug dauert, wird durch den ständigen Hunger des Hauptcharakters noch schlimmer. Man hat sich hier nämlich dazu entschieden, die Ausdauer und Lebensleiste zu kombinieren. Mit der Zeit sinkt diese natürlich durch Bewegung des Protagonisten. Begründet wird dieser Verlust durch Hunger. Ihr müsst also vor jedem Kampf etwas essen, um mit vollen Leben anzutreten. Wer an einem Spieltag viel unterwegs ist, wird seine Lebens- und Ausdauerpunkte ebenfalls immer im unteren Bereich betrachten. Rennen ist also nur noch für 10 Meter angesagt. Danach muss Ryo wieder den Gang einstellen, bis die Ausdauer/Lebenspunkte wieder zu einem Drittel gefüllt sind. Das wiederholt sich dann ständig. Also da man ohnehin schon ständig NPCs befragt und immer wieder von Person A zu B zu C rennen muss, möchte man diese Wege mit der Zeit schneller zurücklegen. Aufgrund des Essenssystems wird dieser Prozess aber eher verlangsamt statt umgekehrt. Bitte bedenkt, dass Essen auch Geld kostet und ihr des Öfteren mal wieder Holzhaken dürft. Um die Laufwege zu verkürzen gibt es aber auch ein Schnellreisesystem. Dieses kann man aber nur dann benutzen, wenn sich ein Tag dem Ende neigt und man zu Shenhuas Unterkunft möchte oder bei Schlüsselsequenzen der Story wie die Strecke zurück zur Halle der Kampfkunst. Im normalen Gameplay bleiben die Laufwege also enthalten. Ich denke das erklärt das Hauptproblem von Shenmue 3. 

Hinzukommen weitere Aufgaben, mit denen man für Abwechslung sorgen wollte, die aber leider keinen Spaß machen. Darunter fällt auch das Suchen in kleineren Räumlichkeiten. In der Ego Perspektive untersucht ihr ganz viele auffällige Gegenstände nach Hinweisen. Die Räumlichkeiten bestehen aber auch aus vielen asiatischen Schränken, die allesamt über 6 oder mehr Schubladen verfügen. Das heißt – jede Schublade einzeln öffnen und schauen, ob sie etwas Wichtiges enthält. Die Geschwindigkeit des Öffnens reizt aber etwas an den Nerven. Jedes Mal muss man einer Sequenz zusehen, wie erstmal an die Schublade rangezoomt wird, dann auf Knopfdruck sich die Hand langsam zum Griff bewegt, die Schublade geöffnet wird, ein weiterer Knopfdruck die Schublade wieder langsam zurückschiebt und dann wieder rausgezoomt wird und das für jede des Schranks. Hier müsst ihr also ganz viel Geduld mitbringen.  

Ganz viele Schubladen, die nur darauf warten erkundet zu werden.

Kurzgesagt: Shenmue 3 liefert jede Menge Aktivitäten, um für Abwechslung zu sorgen, schafft es aber nicht mit diesen ausreichend zu unterhalten. Der Fakt, dass manche dieser Aufgaben Pflicht sind, um in der Story weiter zu kommen, erhöht die Trägheit und Langatmigkeit des Titels noch mehr. Die beschriebenen Beispiele zeigen auf, warum sich die Aktivitäten nicht mehr in der Moderne der Zeit bewegen. 

Nebenquests und Quick-Time 

Wie man es aus den Vorgängern kennt, schaffen es Quick-Time Events auch in den dritten Teil. In coolen Kampfszenen muss in einer kurzen zeitlichen Abfolge eine bestimmte Tastenkombination gedrückt werden, um den Gegnern einen auf den Latz zu hauen. Das System ist in der heutigen Zeit aber auch nicht mehr allzu beliebt und in Shenmue 3 sorgen die unverschämten zeitlichen Abstände, um auf die Eingaben zu reagieren, für viel Frust. Bis man mal realisiert hat, welche Taste man drücken soll, ist es schon zu spät. Das führt dazu, dass man jede Quicktime Sequenz eigentlich nicht beim ersten Mal schaffen kann und öfter wiederholen muss. 

Nebenquests gibt es auch ein paar. Diese sind oft mit gelben Ausrufezeichen markiert. In meinem Spielverlauf habe ich für einen kleinen Jungen zum Beispiel ein Spielzeug gewinnen müssen. Die Nebenquests enden aber häufig in Laufwegen, die nicht sehr motivierend sind.  

Quicktime Events sind wieder mit von der Partie. Das Reaktions-Zeitfenster ist aber etwas zu kurz geraten.
Wertung im Einzelnen
Story
7
Gameplay & Umfang
6
Grafik & Technik
7
Sound
8
Teilen
Lexrer
Hallo zusammen, mein Name ist Alex, bin derzeit 24 Jahre alt und lebe derzeit im Ruhrgebiet in der schönen Wasserstadt Mülheim an der Ruhr. Zu meinen Hobbys gehören u.a. Sport, Kino, Videobearbeitung und natürlich das Spielen, Informieren und Konsumieren von Videospielen aller Art. Ich freue mich euch jederzeit mit den spannensten Neuigkeiten aus der Gaming Branche zu versorgen. :) Gamer bin ich seit meiner Kindheit und nutze seit jeher hauptsächlich die Playstation als Platform. Falls Fragen bestehen, könnt ihr mich gerne kontaktieren. Genres: Action, Horror, Shooter, Adventure, RPG, Online Gaming, Beat Em Up, MMO, Walking Simulator, ...