Releasetermin: 09.02.2018

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Beat’em Up
Entwickler: French Bread
Herausgeber: Arc System Works

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Wer das Jahr 2018 mit einem spaßigen Prügelspiel beginnen möchte, hat sicher schon seit Monaten Dragon Ball FighterZ ins Auge gefasst. Das vielversprechende Fighting-Game stach dank hoher Präsenz in den Videospielmedien, einer etablierten Marke und namhafter Entwicklern hervor. Drei Punkte, die auf Under Night In-Birth Exe:Late[st] keinesfalls zutreffen. Bevor ich das Spiel das erste Mal startete, hatte ich tatsächlich noch nie etwas von diesem Beat’em Up gehört. Hinter dem Namen, der weniger prägnant kaum sein könnte, verbirgt sich eine erweiterte Neuauflage eines PS3-Prüglers aus dem Jahre 2015. Ob sich der Sprung ins Unbekannte lohnt oder ob man doch lieber bei der Konkurrenz bleiben sollte, erfahrt ihr im Test!

Stylishe Anime-Präsentation

Das ansehnliche Anime-Intro beim Spielstart steht direkt stellvertretend für die durchgängige Präsentation des Spiels: Under Night In-Birth besticht durch einen stylishen Anime-Look, wie man ihn im Genre unter anderem bei BlazBlue zu sehen bekommt. Spieler, die von Japano-Stilen schnell abgeschreckt sind, sollten aber nicht zu vorschnell entscheiden: die Darstellung von Under Night In-Birth ist fernab von Kitsch, kunterbunten Effekten oder überbetonten weiblichen Reizen einzuordnen. Im Gegenteil: der Titel präsentiert sich sogar verhältnismäßig düster. Die knapp 20 spielbaren Stages sind atmosphärisch gestaltet und laden unter anderem in verschneite Szenerien, nächtliche Straßen, Cafeterien oder japanische Shopping-Zentren ein. Dass hinter diesem Spiel vermutlich nicht das weltgrößte Budget steckt, zeigt sich jedoch vor allem im Detail: die Hintergründe einzelner Kampfschauplätze sind teilweise etwas karg gestaltet und zeigen nur wenig Bewegung.

Doch genug der Oberflächlichkeiten – was steckt unter der Fassade? Als Neuling geht der erste Blick in Richtung des Tutorials. Und dieses ist wirklich umfangreich: fast 150 Einzelanleitungen führen sowohl absolute Neulinge als auch fortgeschrittene Spieler ins Spiel. Während die Anfänger-Tutorials teilweise unnötig kleinschrittig ausfallen – die simple Fortbewegung des Charakters wird auf mehrere Anleitungen aufgeteilt – werden euch später hilfreiche Hinweise für Kombos und Taktiken offenbart. Und der Eindruck des Tutorials festigt sich im Verlauf des Spiels: das Kampfsystem des 2D-Beat’em-Ups ist sehr einsteigerfreundlich für Anfänger und Casual-Spieler, bietet aber hinten raus viele Facetten, die sich erst nach einigen Spielstunden offenbaren.

Konventionelles, aber gelungenes Kampfsystem

Vielleicht ist Under Night In-Birth aber auch deshalb so eingängig, weil die Mechaniken des Spiels weitestgehend auf Tugenden der Spielesparte beruhen. In einem zeitlich begrenzten Kampf zweier Kämpfer könnt ihr auf ein Repertoire verschiedenster Angriffe zurückgreifen, die in Kombination mit Sprüngen oder passenden Bewegungen des linken Sticks die richtige Vorgehensweise für jede Kampfsituation bieten. Grundlegend gibt es A-, B- und C-Moves: während Erstere sehr schnell und auf kurzer Distanz wirken, könnt ihr mit C-Angriffen auch über größere Reichweiten und mit sehr viel Wucht attackieren. B-Moves siedeln sich irgendwo dazwischen ein, sodass ihr je nach eurer Position zum Feind abwägen solltet, zu welcher Attacke ihr greift. Der Kämpfer, der die Lebensleiste des Gegners innerhalb des Zeitlimits auf null bringt, kann die Runde für sich entscheiden – nach zwei gewonnen Runden winkt dann der Gesamtsieg.

Für etwas mehr Tiefe sorgen die EXS- und GRD-Leisten. Beide dieser Energie-Anzeigen füllen sich im Laufe des Kampfes auf, etwa durch das Austeilen oder Einstecken von Schaden. Das bietet euch im Falle der EXS-Leiste die Möglichkeit, besonders nützliche Angriffe auszuführen bzw. dank GRD-Energie einen Angriffs-Boost zu erhalten. Das System ist oberflächlich simpel, wird aber besonders durch die Charakterauswahl bestärkt. Das Prinzip einiger Kombinationstechniken lässt sich zwar von einem auf den anderen Kämpfer übertragen, dennoch beinhalten die Movesets der 20 Kämpfer ausreichend Alleinstellungsmerkmale. Auch das Balancing scheint zu stimmen: ob das zierliche Mädchen Wagner oder Waldstein, ein gigantisches Muskelpaket mit Klauen an den Fingern – die verschiedenen Charakteristika wirken gut aufeinander abgestimmt und laden zu unterschiedlichsten Spielstilen ein. Zusätzlich haben einige der Kämpfer einprägsame, aber nicht zu übertriebene Designs.

Beeindruckender Umfang, wirre Erzählung

Auch auf Seiten der Spiel-Modi kann sich Under Night In-Birth sehen lassen. Der klassische Arcade-Modus lässt euch gegen zehn verschiedene Kämpfer antreten und baut dank kurzer Dialoge auch ein rudimentäres Story-Gerüst auf. Leider fühlte ich mich hier als Neuling etwas von den Vokabeln überrumpelt: Night Blade, In-Births, Hollow Knight, Licht Kreis – dem Ganzen scheint ein wirklich spannendes Universum zugrunde zu liegen, das aber erst im Chronicle-Modus wirklich erklärt wird. In diesem wiederum müsst ihr euch auf ellenlange Dialoge einstellen – die Texte im Spiel sind dabei ausschließlich in englischer Sprache, die Sprachausgabe lediglich japanisch. Was erzählerisch nicht wirklich aufgeht, kann Under Night In-Birth aber zum Beispiel mit Möglichkeiten für Highscore-Jäger ausgleichen. In Score Attack geht ihr auf Punktejagd, bei Time Attack versucht ihr zehn Kämpfe möglichst schnell zu bewältigen und bei Survival gilt es, möglichst lange mit einer einzigen Lebensleiste am Leben zu bleiben.

Doch hier ist noch nicht Schluss: im Training könnt ihr euer Können weiter festigen um im Missions-Modus, in dem ihr bestimmte Kombos in verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausführen müsst, glänzen zu können. Natürlich gibt es auch einen lokalen Versus-Modus (leider ohne Turnierfunktion) und Online-Kämpfe. Zusätzlich gibt es diverse Extra-Features. In einer Gallerie könnt ihr Illustrationen oder Artworks freischalten und unter einem anderen Menüpunkt lassen sich gespeicherte Replays ansehen. Besonders umfangreich wurden auch die Anpassungs-Möglichkeiten des Spiels gestaltet. Icons, Rahmen oder Titel für eure Anzeige in Online-Matches sowie haufenweise Kostüme für sämtliche Charaktere – mit IP, die ihr für alle möglichen Tätigkeiten im Prügler erhaltet, lassen sich ansprechende Extras freischalten.

Wertung im Einzelnen
Grafik
7.5
Sound
8
Gameplay
8
Story
7
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