Releasetermin: 19.10.2018

Medientyp: Blu-ray Disc, Spielmodul, Download
Genre: Action/Hack’n’Slay
Entwickler: Omega Force
Herausgeber: Koei Tecmo

 

Bestellen bei Amazon.de

 

Die Musou-Reihe Warriors Orochi geht in die vierte Runde. Das wilde Gekloppe verspricht mehr Inhalt, noch brachialere Gefechte und ist nicht nur für PS4, PC und Xbox One veröffentlicht worden, sondern erstmals auch auf der Nintendo Switch. Diese Version habe ich gespielt und hauptsächlich unterwegs das Hack’n’Slay auf Herz und Nieren getestet. Ob mich das Spiel überzeugen konnte, erfahrt ihr in meinem Test.

Zunächst möchte ich darstellen, wie ich zum Musou-Genre stehe. Denn wie gern man das Genre um die actionreichen, aber oft repetitiven Kämpfe hat, spielt bei der Meinungsbildung zumeist die größte Rolle. Wer sich nach einer Stunde mit einem Genre-Vertreter langweilt, wird auch mit Warriors Orochi 4 keinen Spaß haben. Ich bin zwar nicht der größte Musou-Fan, spiele aber einige Male im Jahr doch gerne ein Spiel von Entwickler Omega Force. Da stört mich dann auch weniger, dass sich das Genre generell schnell monoton spielt, weil ich die Titel grundsätzlich in kurzen Runden und nur selten lange am Stück spiele. Machen wir es also kurz: Ja, Warriors Orochi 4 wird ebenso wie seine Vorgänger und Ableger spielerisch recht schnell repetitiv, was man dem Spiel je nach Spielweise und Geschmack unterschiedlich auslegen kann.

Damit ist nun die große “Schwäche” des Genres aus dem Weg geschafft und wir können uns dem widmen, was der Titel zu bieten hat und gegebenenfalls anders macht als ähnliche Spiele.

Gewaltiges Figurenaufgebot und nette Story

Warriors Orochi 4 schickt seine Spieler in Schlachten gegen unzählige Feinde. Das Spiel bietet diverse Modi, doch der Story-Modus stellt deutlich die umfangreichste Spielvariante dar. Die Orochi-Reihe beinhaltet sowohl Charaktere aus den Dynasty Warriors und den Samurai Warriors-Spielen. Die Geschichte beginnt mit einem Figurentrio der beliebtesten Charaktere, die quasi die Protagonisten darstellen. Doch es bleibt keineswegs nur bei diesen Figuren. Insgesamt sind 170 Kämpfer im Spiel implementiert, die im Laufe der Story und durch Nebenmissionen nach und nach zu unserem Trupp dazustoßen.

Die Geschichte handelt davon, dass die Welten der beiden Spiele aufeinander treffen. Niemand geringeres als der oberste Gott der griechischen Mythologie, Zeus, steckt hinter dieser Aktion. Während sich die Figuren der verschiedenen Lager anfangs noch gegenseitig die Köpfe einschlagen, verbünden sie sich allmählich und fordern die Götter heraus. Außerdem begeben sie sich auf die Suche nach insgesamt acht magischen Armbändern, mit deren Hilfe sie wieder in ihre Welten transportiert werden sollen.

Auch wenn die Präsentation nicht immer erstklassig ist, da es nur wenige animierte Szenen gibt und das Geschehen über stile Figurenbilder erzählt wird, hat die Story einen hohen Unterhaltungswert. Die Verschmelzung der beiden Welten bringt interessante Kniffe mit sich und auch das japanische Setting in Kombination mit der griechischen Mythologie hat mir gefallen. Die Erzählung ist erstaunlich gut geschrieben und liest sich fesselnd. Es gibt immer wieder auch Momente, die die Spannung ein wenig rausnehmen. Insgesamt aber finde ich, dass im Vergleich zu anderen Spielen der Reihe qualitativ ein deutlicher Sprung gemacht wurde.

Story-Modus mit motivierenden RPG-Elementen

In Warriors Orochi 4 zieht man mit einem Trupp aus drei aktiven Kämpfern ins Gefecht. Zusätzlich wählt man vier Unterstützungscharaktere aus. Die Wahl der Figuren kann bei dem gigantischen Figurenaufgebot gar nicht so leicht sein. Da die Charaktere unterschiedliche Waffen und Spielstile haben, findet man schnell eine Handvoll Figuren, mit denen man besonders gern spielt. Die Charaktere erhalten beim Kämpfen Erfahrungspunkte und steigen im Level auf. Dadurch schalten sich Skill Points frei, mit denen man Fertigkeiten für die Charaktere freischalten kann. Auf den Schlachtfeldern werden aber auch “Growth Points” für eine erfolgreiche Spielweise vergeben, mit denen man gar auch Figuren aufstufen kann, die nicht am Gefecht beteiligt waren. Das führt dazu, dass man schon nach wenigen Stunden ein großes Arsenal an fähigen Kämpfern zur Verfügung hat und ermutigt wird, mehrere Figuren auszuprobieren. Missionen haben eine Levelempfehlung, sodass man durchaus aber Acht geben sollte, welche Figuren man in das Trupp aufnimmt.

Mit welchen Waffen und mit welchem Pferd ziehe ich in die Schlacht?

Neben Erfahrungspunkten und Growth Points verdient man in den Schlachten auch jede Menge Waffen. Sie werden in verschiedene Klassen unterteilt und haben die Möglichkeit, unsere Figuren deutlich zu stärken. Da man aber auch eine Menge nutzloser Exemplare erhält, habe ich mich über die Option gefreut, Waffen für Materialien auseinander nehmen oder für “Gems” verkaufen zu können. Auch ein Upgrade der Ausrüstung ist mit den Ressourcen möglich. Gems werden ebenfalls für die Aufstufung von Waffen genutzt, aber auch für die Weiterentwicklung des Camps. Upgrades des Camps sorgen dafür, dass alle Figuren bestimmte Boni erhalten.

Im Kampf steht ein Pferd für eine schnelle Fortbewegung und alternative Angriffsmanöver zur Verfügung. Die Wahl des Pferdes kann ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, sodass man auch hier Vor- und Nachteile der verfügbaren Tiere abwägen sollte. Ihr merkt schon, dass im Storymodus erstaunlich viel außerhalb der Kämpfe entschieden wird. Es gibt gar die Gelegenheit, “Mock Kämpfe” auszuüben, um neue Waffen und geänderte Figurenkonstellationen testen zu können. Die RPG-Elemente sind solide umgesetzt und sorgen dafür, dass diese Spielvariante aufgrund der stetigen Verbesserung auch langfristig motiviert und Spaß macht.

Bekanntes Missionsdesign

Am Grundgerüst des Kampfgeschehens hat sich nicht allzu viel getan. Wir ziehen mit den drei stets wechselbaren Figuren in den Kampf gegen unzählige Feinde auf schlauchigen, aber recht großen Karten. Hier bekämpfen wir neben gewöhnlichen Soldaten allen voran Offiziere und Basis-Anführer, bis sich uns letztendlich der Boss der Map präsentiert. An diesem Ablauf ändert sich von Mission zu Mission kaum etwas. Allerdings bietet jede Quest auch zusätzliche, optionale Ziele, deren Erfüllung dann doch anderes Vorgehen erfordert. Mal müssen bestimmte Verbündete beschützt werden, mal müssen spezielle Manöver so und so oft eingesetzt werden, mal sollen Bosse in einem vorgegebenen Zeitlimit erledigt werden. Für den eingesteckten Schaden und die benötigte Zeit zum Abschluss der Mission wird ein Rang vergeben. Zusätzliche Growth Points, Gems und Skill Orbs (schalten drei Skill Points frei) gibt es bei Erfüllung besagter Zusatzziele.

Magie-Angriffe bringen Frische ins Geschehen

Die Kampfmechaniken erlauben es, große Mengen an Gegnern gleichzeitig anzugreifen. Einzelne Feinde können anvisiert werden, ebenso gibt es eine Taste zum Blocken. Während eine Angriffstaste großflächige Attacken möglich macht, ist eine andere eher auf 1-gegen-1- und damit auf Boss-Kämpfe ausgelegt. Es gibt eine mächtige “Musou-Attacke” und auch einen “Rage”-Zustand, der uns kurzzeitig stärker macht. Neu ist zudem eine Art Gottheits-Zustand, den ausgewählte Figuren temporär einnehmen. Besonders nett inszeniert sind die “Unity Attacks”. Eine separate Leiste füllt sich beim Spielen auf und ermöglicht einen Angriff, bei dem die drei aktiven Kämpfer und die vier Unterstützungsfiguren gemeinsam ein mächtiges Manöver ausführen.

Neben diesen Angriffen mit den Nahkampfwaffen stellt uns Warriors Orochi 4 eine Palette an Magie-Attacken zur Verfügung. In der Story durch magische Waffen namens „Sacred Treasures“ erklärt, dreht sich bei diesen Manövern alles um eine Magieleiste, die sich bei Nutzung von Magie-Angriffen leert. Drei verschiedene Attacken gibt es pro magische Waffe, die einmal mehr auf die Bekämpfung vieler Feinde auf einmal ausgelegt sind. Das neue Magie-System hat mir wirklich Spaß bereitet, da so doch ein wenig Abwechslung ins Geschehen kommt. Letzten Endes bleibt es bei Warriors Orochi 4 aber dabei, dass es sich durch seine überschaubaren Kampfmechaniken und immer gleichen Missionsstrukturen recht monoton spielt.

Mehrspieler-Möglichkeiten mit Online-Kämpfen und lokalen Splitscreen-Koop

Das Spiel bietet nicht nur den angesprochenen Storymodus, sondern auch die Battle Arena.
Hier können Online-Matches mit anderen Spielern in einem 3vs3-Setup gestartet werden. Dieser Modus kommt jedoch mit Problemen daher. Zum einen habe ich nur selten ausreichend Leute beim Matchmaking gefunden. Der Modus ist also entweder nicht sehr beliebt, oder es spielen schlicht zu wenige Leute das Spiel. Zum anderen sind die Stärken der Figuren keineswegs gut ausbalanciert. Da es so viele Charaktere gibt, war dies sicherlich auch nicht gerade leicht zu bewältigen. In der aktuellen Form macht der Modus nicht viel Sinn – und lässt sich aufgrund der geringen Spielerzahl eh nur selten spielen.

Wesentlich besser hat mir da die Möglichkeit gefallen, vor einer Konsole per Splitscreen Koop zu spielen. Dabei zieht man gemeinsam aufs Schlachtfeld und kann die Gegner kooperativ niedermetzeln. Dafür reichen gar zwei Joy Cons aus, auch wenn sich das Geschehen sehr fummelig auf einem einzige Joy Con spielt und daher eher die Nutzung weiterer Controller empfohlen ist. Der lokale Koop ist allen voran im Story-Modus ein fantastisches Feature. Außerdem gibt es hier die Option, Online-Koop auszuüben und anderen Spielern beizutreten.

Auf der Switch portabel spielbar, dafür mit spürbaren Grafik- und Performance-Einbußen

Generell musste das Spiel optisch einige Abstriche hinnehmen, um auf der Switch zu laufen. Viele der Kampfeffekte wirken nicht so ausgearbeitet wie auf der PS4 und auch die Figuren weisen weniger Details auf. Die Umgebungen sehen grundsätzlich recht gut aus, auch wenn man hier ebenfalls keine allzu detaillierte Darstellung erwarten darf. Grafisch ist das Spiel auf der Switch also durchwachsen, was mich persönlich nicht sonderlich gestört hat, da für mich die Portabilität mehr wert ist. Mich hat allerdings enttäuscht, dass Warriors Orochi 4 auf der Switch nicht nur eine abgeschwächte Grafik hat, sondern auch trotzdem mit Framerate-Einbrüchen zu kämpfen hat. Gerade bei effektreichen Angriffen auf eine Vielzahl von Gegnern geht die Bildrate in den Keller. Das passiert häufig genug, dass es mich beim Spielen zunehmend gestört hat. Der Titel wird zu keinem Zeitpunkt unspielbar, doch es hätte technisch schlicht besser ausfallen können.

Für Omega Force-Spiele üblich, gibt es fetzige Rock-Songs und elektronische Klänge auf die Ohren. Das Spiel bedient sich am Soundtrack der Dynasty und Samurai Warriors-Reihen und liefert eine solide Auswahl ab. Englische Sprecher gibt es keine, dafür sind die Figuren gelungen auf Japanisch vertont.

Wertung im Einzelnen
Story
7.5
Gameplay
7.5
Umfang
8
Langzeitspaß
6.5
Multiplayer
7
Grafik und Performance (Switch-Version)
6.5
Musik
8
Teilen