Releasetermin: 18.08.2017

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Adventure, Third Person Shooter
Entwickler: Volition
Herausgeber: Deep Silver

 

Bestellen bei Amazon.de

 

Die Entwickler von Volition entwerfen schon seit dutzenden Jahren Open World-Spiele. Während die Saints Row-Reihe in ihren Anfängen noch als direkte GTA-Konkurrenz angesehen werden konnte, hat man sich bei Volition in den letzten Jahren ein anderes Konzept ausgedacht. Es gilt, ein möglichst bescheuertes und chaotisches Spiel zu entwerfen, was Titel wie Saints Row 4 sowie der Ableger Gat Out Of Hell sicherlich geschafft haben. Nun wendet das Studio sein Chaos-Konzept auf eine neue Vorlage an. Agents of Mayhem verspricht ähnlich bekloppte Action wie Saints Row, allerdings dreht sich dieses Mal alles um Superhelden, die als “Agenten” präsentiert werden. Geht das Vorhaben auf, den aktuellen Helden-Trend mit dem bekloppten Humor und der Over-the-Top-Action zu vereinen? Finden wir es heraus!

Mayhem gegen Legion

Agents of Mayhem ist in einer Art Paralleluniversum zur Saints Row-Reihe aufgebaut. In dieser Welt herrscht die Organisation “Legion” (League of Evil Gentlemen Intent on Obliterating Nations), die aus unberechenbaren Schurken besteht. Die schöne Persephone Brimstone hingegen versucht, Legion zu stürzen und ruft “Mayhem” (Multinational AgencY Hunting Evil Masterminds) ins Leben. Mayhem besteht aus einer Reihe von herrlich bekloppten “Agenten”, die es allen voran mit Legion-Schurke Dr. Babylon aufnehmen sollen. Das Abenteuer führt den Spieler nach Südkorea. Seoul wird zum Schauplatz, denn hier ist Dr. Babylon auf eine große Menge an Dunkler Materie gestoßen, die er und Legion-Anführer “Morningstar” für einen teuflischen Plan benötigen. So liegt es an den Agents of Mayhem, die Machenschaften der wahnsinnigen Bösewichten zu verhindern und Legion ein für alle Mal zu erledigen.

Auf dem Papier klingt das nicht gerade nach einer spektakulären Prämisse. Solche Gut-gegen-Böse-Geschichten kennt man zu genüge. Dennoch ist die Handlung hier charmant und teilweise sogar recht spannend inszeniert. Während die Story ein wenig braucht, um in Gang zu kommen und so gerade der Beginn etwas zäh ausfällt, kann allen voran der Humor punkten. Nach einigen Stunden bekommen Spieler immer lustigere Figuren vorgestellt, was sowohl auf die Helden als auch die Schurken zutrifft. Man hat sich die besten Charaktere wahrlich für die zweite Hälfte des Spiels aufgehoben. Wer der ulkigen Handlung also ein wenig Zeit gibt, wird mit vielen witzigen Momenten belohnt. Der Humor fällt dabei in klassischer Saints Row-Manier recht bizarr aus. Das muss nicht jedem gefallen – ich zumindest musste während meines Durchgangs hin und wieder lachen. Die Trailer zum Titel geben einen guten Vorgeschmack darauf, was Spieler in Sachen Humor erwarten können.

Unterm Strich bleibt eine solide Story, die mit ihrer unterhaltsamen Art gut verschleiern kann, dass sie letzten Endes nicht allzu viel Substanz hat. Mehr gestört hat mich da das offene Ende. In den meisten Fällen bin ich kein Fan von Cliffhangern, was sich mir hier einmal mehr bestätigt hat. Die hauptsächliche Handlung wird größtenteils aufgelöst, doch bleibt das Schicksal vieler Figuren recht offen, was mich eher gestört als auf einen Nachfolger heiß gemacht hat.

Vielfältige Agenten als größte Stärke des Spiels

Als Third-Person-Shooter präsentiert, hat Agents of Mayhem eine weitere Gemeinsamkeit mit Saints Row. In der Tat fühlen sich die Schussgefechte ähnlich an wie noch in Saints Row 4 oder Gat Out Of Hell. Agents of Mayhem hat zwar quasi auch eine vertikale Komponente im Spielgeschehen – mit bis zu drei Luftsprüngen und je nach Charakter auch einem Dash spielen sich die Figuren sehr akrobatisch. Das grundlegende Waffen-Handling erinnert aber sehr stark an die Volition-Spiele der letzten Jahre. Anders als bei Saints Row sind das Highlight im Spielgeschehen jedoch nicht die möglichst verrückten Waffen. Vielmehr präsentiert der Titel 12 spielbare Figuren, die mit jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet für Abwechslung sorgen. Es gibt Charaktere, die besonders starken Schaden anrichten und genauso gibt es Figuren, die besonders viel Schaden einstecken können. Manche Agenten brechen insbesondere gut durch Schutzschilde durch, andere wiederum machen die Gegner mit Betäubungen kurzzeitig kampfunfähig.

Wir sind stets in einem Dreier-Team unterwegs. Zwischen den drei Figuren lässt sich jederzeit hin und her wechseln. Dadurch ergibt sich eine angenehme Abwechslung im Spielgeschehen, da jeder Charakter seine ganz eigenen Kniffe hat und mit variierenden Waffen ausgestattet ist. Ebenso legen aber auch die Feinde ihre Besonderheiten an den Tag. Vor jedem Missionsstart sollte man daher abwägen, mit welchen drei Charakteren wir in den Kampf ziehen, um die unterschiedlichen Stärken möglichst gut auszunutzen. Da jeder Held bei Benutzung Erfahrungspunkte sammelt und auf Stufe 10 eine weitere Spezialfähigkeit erlernt, hatte ich Spaß daran, die Agenten immer wieder zu wechseln und möglichst viele Fertigkeiten freizuschalten. Schade nur, dass die Abänderung des Dreier-Teams ein wenig umständlich gelöst ist. Dazu müssen Spieler jedes Mal in die “Ark” zurückkehren, die als Basis fungiert. Da hierbei einiges an Ladezeit anfällt, wurde ich anfangs nicht gerade dazu motiviert, mit den verfügbaren Figuren zu experimentieren. Mit mehr und mehr freigeschalteten Agenten aber wechselte ich die Charaktere auch öfters durch. Der Frust über die nervigen Ladezeiten hielt allerdings an.

Solide Story-Missionen, doch im Großen und Ganzen repetitive Open World-Standardkost

So weit, so gut. Eine solide Handlung mit nettem Humor, dazu eine Riege an abwechslungsreichen Figuren mit variierenden Fähigkeiten. Leider aber leidet Agents of Mayhem unter der klassischen Open World-Krankheit. Während viele Story-Missionen recht spaßig inszeniert sind und den Klamauk der Geschichte und Figuren aufrecht erhalten, lud mich die Spielwelt außerhalb der Kampagne nicht sonderlich zum Spielen ein. Agents of Mayhem bietet weitere Tätigkeiten an, so zum Beispiel die Räumung von Legion-Verstecken. In diesen Untergrund-Aufgaben kämpfen wir uns durch Horden an Bösewichten der Organisation. Da die Verstecke grundsätzlich immer gleich aufgebaut sind, ist aber wahnsinnig schnell die Luft raus. Auch die Legion-Posten konnten mich nicht begeistern. Hier müssen Spieler Basen auf der ganzen Karte, die unter Legion Gewalt stehen, zurückerobern – klassische Open World-Kost eben. Während die Saints Row-Reihe stets noch einige besonders kreativen Modi in petto hat, wählt Agents of Mayhem die einfache Route und geht kaum über den Genre-Standard hinaus. Auch die “VR-Lounge” hilft dabei kaum. Hier werden wir in einem optisch ansprechenden Raum auf Gegnerwellen losgelassen. Das kann einerseits helfen, die verschiedenen Feindestypen besser kennenzulernen, doch andererseits artet es schnell in repetitivem Geballer aus. Jedoch positiv anzumerken: Agents of Mayhem bietet sage und schreibe 16 Schwierigkeitsgrade, die vor jedem Missionsantritt geändert werden, für eine zusätzliche Herausforderung sorgen und zu größerem Erfahrungspunkte- und Geldverdienst führen können.

Auch gefallen hat mir die Gremlin- und Legion-Technologie als weiteres Spielelement, die den Fund von entsprechenden Bauteilen in den verwinkelten Ecken von Seoul belohnt. Die Technikerin Gremlin kreiert mit ihrer R&D-Abteilung nützliche Gegenstände, die einmalig einsetzbar sind und nur temporär wirken, aber im Kampf durchaus den Unterschied machen können. Ich habe Seoul daher gerne erkundet und habe stets meine Augen nach Schatztruhen mit den wertvollen Bauteilen offen gehalten.

Motivierendes Fortschritt- und Aufrüstungskonzept

Weiterhin bietet das Spiel ein nettes Aufstufungssystem. Sowohl abgeschlossene Missionen als auch das Aufsteigen im Level können für Gagdets als Belohnung sorgen. Diese Gagdets beeinflussen die Fähigkeiten der Figuren und erlauben dem Spieler eine geringfügige Anpassung der Möglichkeiten im Kampf. Auch Verbesserungspunkte werden bei Levelaufstieg verteilt. In einem vereinfachten Skillbaum können hier Werte wie beispielsweise die Abklingzeit der Mayhem-Fertigkeit verbessert werden. Jede Figur kommt mit anderen Verbesserungsmöglichkeiten daher. Neben einer Reihe von individuellen Stärkungen haben Spieler auch die Chance, die Punkte in eine Sparte zu investieren, von der die Werte des gesamten Dreier-Teams profitieren.

Die Kernverbesserungen stellen eine weitere Variante dar, um die Agenten aufzurüsten. Diese Kerne werden beim Fund von 10 Kristallsplittern in der Umgebung vergeben. Da die Kerne nicht für alle Figuren parallel verdient, sondern stets nur einzeln gewährt werden, sollten Spieler sich gut überlegen, für welchen Helden und für welche Fähigkeit sie einen Kern ausgeben. Jeder Agent bietet drei mögliche Aufstufungen in dieser Hinsicht und so hat jede Verbesserung einen spürbaren Effekt inne. Das gesamte System um die Figurenentwicklung ist gelungen gestaltet und macht das Aufstufen und Verbessern zum zentralen Aspekt des Spiels. Es mag anfangs überwältigend sein, da es nun einmal mehrere Systeme gibt, die parallel betreut werden wollen. Nach wenigen Stunden aber hat man sich an alle Aufstufungsmöglichkeiten gewöhnt.

Zu Fuß, in der Luft oder doch lieber auf vier Rädern?

Fortbewegen können wir uns in der Stadt zu Fuß, durch die mehrfachen Luftsprünge der Figuren oder mit Vehikeln. Die Straßen von Seoul sind voll von Autofahrern, die sich gerne ihr Gefährt abnehmen lassen. Auch bietet das Spiel die Funktion, auf den Straßen jederzeit einen Boliden von Mayhem herbeirufen zu können. Das arcadige Fahrsystem ist gelungen und so hatte ich wie in fast jedem Open World-Spiel meinen Spaß daran, mit den schnellen Kisten durch die Gegend zu brettern. Agents of Mayhem hat zudem eine Reihe von Zeitrennen auf Lager, die einen guten Umgang mit der Drift-Funktion und dem Nitro erfordern. Diese Rennspiel-Elemente zählten zu meinen Lieblingstätigkeiten des Spiels, auch wenn es leider nicht allzu viele Rennevents gibt. Immerhin finden Spieler also doch einige Aufgaben im Spiel vor, die das sonst etwas monotone Geballer ein wenig auffrischen können.

Wer Spaß daran hat, seine Karre regelmäßig in einem neuen Licht erstrahlt zu sehen, wird sich über Skins freuen. In vielen Missionen lassen sich Blaupausen für die Freischaltung neuer Vehikel finden. Auch neue Figuren- und Waffenskins können gefunden werden, wodurch die Erkundung von Seoul auch über die R&D-Bauteile hinaus zum Spaß wird.

Coop-Chance vertan

Mit seinen Coop-Möglichkeiten konnten die letzten Saints Row-Ableger stets bei mir punkten. Daher war ich enttäuscht, dass Agents of Mayhem keinerlei Multiplayer-Komponente hat. Ich finde, dass sich das Geschehen mit den Dreier-Teams eigentlich vorzüglich für kooperative Action – entweder lokal oder online – eignen würde. Ein Coop-Modus würde die repetitiven Missionen zumindest teilweise aufwerten. Eine Mehrspieler-Komponente wäre daher mein größter Wunsch für einen Nachfolger.

Hübsche Effekte, leuchtende Farben

Das Spiel von Volition hat schon in seinen Trailern gezeigt, dass es einen Cartoon-Look anstrebt, der ganz im Stile der 80er-Jahre steht. Dieser Stil wurde in der Tat gut umgesetzt und zieht sich durch das ganze Spiel. Die gezeichneten Zwischensequenzen sind gelungen, die Gestaltungen der Figuren überzeugen. Ich habe auf der PS4 Pro gespielt, auf der der Titel in 1080p bei bis zu 60 FPS läuft. Eine variable Framerate hat auch ihre Nachteile, doch fühlt sich Agents of Mayhem zumindest auf der Pro über weite Strecken sehr flüssig an. Neben der angehobenen Bildrate sind zudem unter anderem höher aufgelöste Schatten, eine bessere anisotrope Filterung und mehr Passanten auf den Straßen Seouls das Resultat der zusätzlichen Hardware-Power. Die reguläre PS4-Version habe ich nicht gesehen, doch verspricht diese ebenfalls eine Auflösung von 1080p und eine angestrebte Framerate von 30 Bildern pro Sekunde.

Auf einem 4K-TV ist Agents of Mayhem der Auflösung geschuldet bei genauerem Hinsehen etwas unscharf. Dennoch gibt das Spiel eine gute Figur ab. Das liegt vor allem an den brachialen Effekten, die in den chaotischen Schlachten zum Tragen kommen. Wir sehen beeindruckende Partikeleffekte, jede Menge Explosionen. Dabei präsentiert sich die Action sehr farbenfroh, was mitunter an den Neonlichtern innerhalb der Stadt als auch an den Waffen und Fähigkeiten liegt, die mit ihren Effekten grelles Licht ausstrahlen. Aus diesem Grund freut es mich sehr, dass Agents of Mayhem High Dynamic Range unterstützt und so bei entsprechendem TV regelmäßig ein richtiges Farbspektakel abfeuert. Schnell fällt auf, dass ein lilaner Farbton überwiegt und beispielsweise sämtliche Ladescreens und HUD-Elemente dominiert, doch hat mich das nicht gestört. Manch matschige Umgebungstextur, leichtes Pop-In bei der schnellen Fortbewegung in der Stadt und den einen oder anderen kurzen Ruckler kreide ich dem Titel ebenfalls nicht allzu sehr an – er zeigt insgesamt eine sehr schicke Optik.

Auch die Audio-Umsetzung hat mir gefallen. Es gibt einen Soundtrack, der den Charme der Agenten-Thematik unterstreicht und zum Comic-Look passt, ohne zu aufdringlich zu sein. Die Soundeffekte überzeugen mit wuchtigen Klängen im Gefecht. Die englischen Sprecher der nicht ganz ernstzunehmenden Figuren sind gut gewählt und bringen die Story und Dialoge gut herüber. Zwar gibt es keine deutsche Synchronisation, doch sorgen deutsche Texte und Untertitel für zusätzliches Verständnis.

Wertung im Einzelnen
Story
7.5
Gameplay
7
Inhalt und Umfang
7
Grafik und Sound
8
QuellePressemitteilung
Teilen