Digimon Story: Cyber Sleuth im Test

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Releasetermin: 05.02.2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: JRPG
Entwickler: Media.Vision
Herausgeber: Bandai Namco

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Auch wenn ich mich nicht als Digimon-Fan bezeichnen würde, ist das Franchise doch Teil meiner Kindheit. Es gehört zum Block von Animes, die RTL2 vor mehreren Jahren noch am Nachmittag ausstrahlte. Während ich vor allem mit der ursprünglichen Anime-Serie in Kontakt kam, ist das Digimon-Universum mittlerweile gigantisch. Insgesamt sechs Anime-Serien, elf Anime-Filme, verschiedene Videospiele, etliche Mangas und sogar ein Sammelkartenspiel wurden um das Universum von Bandai kreiert. Auch wenn ich also absolut nicht auf dem neusten Stand bin, habe ich mich gefreut, dass es ein neues Digimon-Videospiel auch im Westen auf die PS4 geschafft hat. Digimon Story: Cyber Sleuth heißt das Werk, das ich mir für euch genauer angesehen habe.

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Von Digimon, Hackern und Detektiven

Erst einmal eine gute Nachricht für mich: Cyber Sleuth erfordert quasi keine Vorkenntnisse. Obwohl Fans der Vorlage natürlich gleich ihre Lieblings-Digimon erkennen werden, erzählt das Spiel eine eigenständige Geschichte, die nicht direkt mit einer Anime-Serie oder einem -Film verknüpft ist. Wir erleben, wie unser Hauptcharakter erstmals die digitale Welt von Eden betritt, die zum Schauplatz wird. Diese virtuelle Welt wurde einst entworfen, um Menschen sozial miteinander kommunizieren und interagieren zu lassen – das Facebook der Zukunft quasi. Blöd nur, dass die Datenmenge eine große Schwäche hat. Eine mysteriöse Hacker-Gruppe hat es sich zum Ziel gemacht, die wertvollen Daten der Menschen im großen Stil zu klauen. Nachdem auch der Spieler der Attacke eines abtrünnigen Programms ausgesetzt wird, aber entkommen kann, erlangt er ein Stück Technik, das ihn zwischen der echten Welt und der digitalen Welt von Eden problemlos umschalten lässt. Mit dem mächtigen Hilfsobjekt ausgerüstet schließen wir uns einem Detektiv-Kollektiv an, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Hintergründe und Geheimnisse sowohl in Eden als auch in der echten Welt aufzudecken.

Auch wenn die Handlung von Digimon Story: Cyber Sleuth sicherlich keine Auszeichnungen gewinnen wird, hat mich die unterhaltsame Geschichte positiv überrascht. Sie wartet mit vielen Überraschungen und Geheimnissen auf den Spieler und stellt einen gelungenen Ausflug in die Welt der Digimon dar.

Tolle RPG-Spielmechaniken

Neben der interessanten Story hat das Spiel zudem ein gutes RPG-Gameplay vorzuweisen. Cyber Sleuth bedient sich hier an etablierten Aspekten: Wir erkunden diverse Areale und bekämpfen mehrere Gegner auf dem Weg. Erfahrungspunkte sorgen dafür, dass der Spieler seine Digimon nach und nach formen kann. Verschiedene Items sind implementiert, die nach dem Erlangen allen voran im Kampf aushelfen können. Abseits der Hauptmissionen sind allerlei optionale Nebenaufgaben zu finden, die nicht nur zur Abwechslung und Spieldauer beitragen, sondern mit jeder Menge Erfahrungspunkten für Fortschritt sorgen sollen. Auf dem Papier klingt das toll, doch konnten mich allen voran die Detektiv-Aufträge nicht sonderlich begeistern. Die Fälle sind einfach zu lösen, was trotz angemessener Belohnung nicht gerade für Motivation sorgt.

Der Titel bietet eine Art Monster- Erziehungssystem, was sich nicht erst durch Pokemon als tolles Konzept entpuppt hat. Spieler können fast 250 Digimon erlangen und aufziehen. In einem rundenbasierten Kampfsystem kommt eine Art Schere-Stein-Papier-Prinzip zur Geltung. Die verschiedenen Digimon-Arten haben untereinander Stärken und Schwächen, was den Fokus auf ein möglichst vielfältiges Team legt. Abseits des Kampfes haben Spieler zudem weitere Möglichkeiten, die eigenen Digimon zu stärken. Es gibt eine Art Digi-Farm, die bei verschiedenen Intensitätsstarken dabei hilft, die Digimon aufzuleveln. Dies eliminiert weitestgehend frustrierendes Grinding. Ebenfalls einen großen Aspekt des Spiels nimmt das Digivolving ein. Diese Art von Weiterentwicklung verändert nicht nur das Aussehen eines Digimon, sondern erhöht auch die Level-Grenze und hebt Fertigkeitsstatistiken an. Nettes Feature: Digivolving kann auch rückgängig gemacht werden. Wer beispielsweise den Look seines frisch entwickelten Digimons nicht mag, kann den Prozess zurückkehren. Doch Achtung: Sowohl bei Digivolving als auch beim De-Digivolving wird das Level des Monsters auf 1 zurückgesetzt. Ganz ohne Bedacht sollte dieses Feature also nicht genutzt werden.

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Erst zu leicht, dann zu schwer

Digimon Story: Cyber Sleuth bietet ein grundsolides RPG-Geschehen, das sich vom Kampfsystem bis über die verschiedenen Trainings- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten sehen lässt. Allzu kreativ ist das Spiel dabei nicht und so sind weitestgehend etablierte Konzepte implementiert. Ich hatte dennoch viel Spaß mit dem Spielgeschehen und habe mich lediglich an einem Element gestört: Die Schwierigkeit. Auch wenn es verschiedene Stufen in dieser Hinsicht gibt, kann man grundsätzlich sagen, dass weite Streckend des Spiels viel zu einfach sind. Wer sein Team auch mit nur ein wenig Grips zusammengestellt hat und darauf achtet, dass die Digimon halbwegs gleichmäßig aufgestuft werden, sollte in 90% des Spiels keinerlei Probleme haben. Hin und wieder aber steigt der Schwierigkeitsgrad überraschend an. Der ein oder andere Boss haut dermaßen rein, dass man sich an ihm über lange Zeit die Zähne ausbeißt. Ich habe wirklich nichts gegen eine konsistent knifflige Schwierigkeitsstufe, aber in Cyber Sleuth ist das Geschehen in dieser Hinsicht viel zu ungleichmäßig, was gelegentlich den Spaß ein wenig dämmen kann.

Ähnlich geht es mir mit dem Online-Multiplayer, der Spieler gegeneinander antreten lässt. Da der Titel in Japan bereits seit fast einem Jahr erhältlich ist, waren in meinem Test die meisten Gegner hoffnungslos überlegen. Hin und wieder wurde mir ein ebenbürtiger Gegner zugelost, der das Spiel wohl auch erst seit kurzem hat. Spannende Matches waren aber eine Seltenheit, weshalb ich schnell die Motivation für kompetitive Online-Wettkämpfe verloren hab. Auch wenn der Multiplayer eine nette Idee ist, um den Langzeitspaß anzukurbeln, macht er aufgrund der Releasepolitik nur wenig Sinn. Effektiver ist da die Implementierung von New Game Plus. Nach dem Beenden des Spiels kann die Story erneut angegangen werden, wobei die erlangten Digimons und Items übernommen werden.

Cel-Shading trifft auf hässliche Texturen

Cyber Sleuth hat seine Ursprünge auf der Playstation Vita, was sich grafisch auf der PS4 zeigt. Viele Umgebungstexturen sind verschwommen und hässlich. Im Gegensatz dazu erscheinen die Figurenmodelle der Menschen und Digimon stechend scharf und mit vielen Details. In Kombination mit dem bunten Artstil rettet dies die Optik zumindest ein wenig. Auf der Pro-Seite der angestaubten Grafik stehen immerhin rasante Ladezeiten, die mich die unscharfen Areale fast gänzlich vergessen lassen haben. Der Soundtrack trällert akzentlos vor sich hin, hat mich jedoch auch nie wirklich gestört. Die japanischen Sprecher machen hingegen – soweit ich das ohne Verständnis der Sprache beurteilen kann – einen gelungenen Eindruck. Sämtliche Texte liegen in Englisch vor, gewisse Kenntnisse sollten zum Spielen also gegeben sein.

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Fazit

Digimon Story: Cyber Sleuth bietet eine unterhaltsame Story und einen tollen Schauplatz für das gelungene Monster-Erziehungs-System. Auch wenn mich nicht alle Komponenten überzeugen konnten, verbindet Cyber Sleuth spaßige Konzepte zu einem süchtig-machenden Spielgeschehen. Mit dem Ziel vor Augen, das perfekte Team zusammenzustellen, hatte ich eine tolle Zeit mit dem Spiel! Der inkonsistente Schwierigkeitsgrad und die altbackene Grafik stören zwar, doch macht Digimon Story das mit einem charmanten Gesamtpaket wieder wett. RPG-Fans dürfen sich auf den Ausflug nach Eden freuen!

 

Positiv-Icon Nette Aspekte rund um Digimon-Erziehung

Positiv-Icon Simples, aber effektives Schere-Stein-Papier-Kampfsystem

Positiv-Icon Überraschend unterhaltsame Geschichte

Positiv-Icon Viel zu tun, Online Multiplayer und New Game Plus

Negativ-Icon Schwierigkeit unabhängig des gewählten Grades inkonsistent

Negativ-Icon Multiplayer unausgewogen aufgrund viel zu starker Spieler aus Japan

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