dragon-quest-buildersReleasetermin: 14. Oktober 2016

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Rollenspiel
Entwickler: Square Enix
Herausgeber: Square Enix

 

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Als Minecraft vor mehreren Jahren anfing durch die Decke zu gehen, gab es einige Entwickler, die ihr Stück vom Kuchen abhaben wollten. Während dabei vor allem auf Mobilgeräten und dem PC etliche halbgare Klone entstanden, gab es tatsächlich einige Titel, welche das Minecraft-Grundgerüst um sinnvolle Ideen ergänzten. Mich hat zum Beispiel Terraria überrascht, da es in den 2D-Welten besonders mit seinem Kampfsystem und dem Drang nach Erkundung begeisterte. Square Enix hingegen probiert sich nun in einem Genre-Mix aus Minecraft und japanischen Rollenspielen. Ob Dragon Quest Builders gut geht?

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Protagonist als der Auserwählte

Kennt ihr das, wenn ihr zwar der Auserwählte seid, euer vorbestimmtes Schicksal aber mit einer Menge Arbeit verbunden ist? So ähnlich erging es auch dem Protagonisten in Dragon Quest Builders. Das Land Alefgard wurde vor langer Zeit durch den Drachenfürsten in Dunkelheit gehüllt. Folglich trieben sich nicht nur zahlreiche böse Monster in der Welt herum, nein, die Menschen verloren obendrein noch ihre gesamte Kreativität. Seit jeher gehen sich die Menschen aus dem Weg und sind wegen mangelnder Kreativität nicht in der Lage Städte oder überhaupt Gebäude zu errichten. Gut, dass eine Göttin euch mit der Macht der Kreation gesegnet entsendet, um Alefgard wieder zu alter Stärke zu führen!

Doch das ist leichter gesagt als getan. Im Anschluss an einen Charaktereditor nach dem Minimalprinzip (Geschlecht, Augenfarbe, Haarfarbe, Hautfarbe) finden wir uns zunächst ziemlich verloren in einer Klötzchenwelt im Stile von Minecraft und Konsorten wieder. Geleitet von der Stimme der Göttin finden wir eine alte Stadtruine, an der wir unser Lager aufschlagen können. Bei der grundsätzlichen Baumechanik sind die Inspirationen nicht abzustreiten: mit der Hand oder einem Werkzeug werden Blöcke der Welt abgebaut, im Inventar gelagert und an anderer Stelle auf Knopfdruck wieder platziert. Für einen ersten Schutz ergänzen wir noch vorhandene Raumstrukturen mit Erdeblöcken, sodass ein geschlossener Raum entsteht. Da unsere „Vormieter“ noch einen Steinmetztisch hinterlassen haben, können wir auch schon erste Versuche im Crafting-System wagen. Gesammelte Stöcke werden zusammen mit Pflanzen zu einer improvisierten Matratze, genauso können wir aus den Ästen erste Waffen anfertigen.

Bewältigung von Aufgaben für Fortschritt im Spiel

Inzwischen ist auch schon Pili eingetroffen, ein junges Mädchen, das begeistert von unserer Idee des Stadtaufbaus ist. Pili gibt uns Aufgaben und erklärt uns, was wir doch alles bräuchten, damit aus dem heruntergekommenen Ort wieder eine schöne Siedlung wird. Um ihre Aufgaben zu erfüllen müssen wir in erster Linie Ressourcen sammeln, die sich meist im nahen Umfeld der Siedlung befinden. Neben dem Abbau von Erde und Pflanzen sind auch die verschiedenen Gegner, die zu großen Teilen bereits aus der Dragon-Quest-Serie bekannt sind, Quellen für neue Materialien. Der ikonische blaue Schleim liefert zum Beispiel ein Material, das essenziell für die Herstellung von Fackeln oder anderen Lichtquellen ist. Eine Art fliegende Monster hingegen bietet euch Federn, die ihr so verarbeiten könnt, dass sie euch bei Verwendung zurück zu eurer Siedlung befördern und auch abseits davon sind die Rohstoffe der Gegner essenziell.

So weit, so Minecraft. Schon schnell wird aber klar, dass Square Enix ganz andere Schwerpunkte in der Sandbox-Welt gesetzt hat. Erfüllt ihr Aufgaben von Pili, bedeutet das für euch Fortschritt in der Geschichte, was dazu führt dass nach und nach weitere Charaktere den Weg in euer Dorf finden. Ihr erhaltet Aufträge, weitere Räume zu errichten, Sachen zu craften, die Siedlung gegen angreifende Monster zu verteidigen oder an weit entfernte Orte zu reisen, um beispielsweise weitere Personen anzutreffen oder neue Crafting-Anleitungen zu erhalten. Ihr werdet sehr an die Hand genommen und habt auch bei euren Reisen stets eine Markierung auf dem Bildschirm, in welcher Richtung sich das aktuelle Missionsziel befindet. Auch wenn ihr euer Tempo selbst bestimmen könnt und euch auch einfach von Anfang an dem Bauen verschreiben könnt, kratzt ihr so natürlich nur an der Oberfläche. Gerade durch das Beenden von Aufgaben ist Fortschritt bemerkbar. Später sind eure Wände nicht mehr nur aus Dreck gebaut, stattdessen kommen Stroh oder Stein zum Einsatz. Dafür braucht ihr aber erst neue Werkzeuge, da zum Abbauen von Steinmaterialien ein Hammer benötigt wird, zur Verarbeitung von Edelmetallen braucht ihr außerdem einen Ofen. Parallel tut sich auch einiges an der Inneneinrichtung der Räume: Kisten, Schränke, Stühle, Tische, Kronleuchter – mit der Zeit nimmt unser kleines Dorf wirklich Gestalt an!

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Dragon Quest Builders als Rollenspiel

Mit jedem erstellten Raum füllt sich auch der Levelfortschritt eurer Siedlung, der als Indikator für den Wert eben dieser dient. Unterschiedliche Räume erhöhen eure Punktzahl um verschieden hohe Zahlen, da in einem Ankleidezimmer mehr Aufwand steckt als in einem Schlafraum. Dekorative Einrichtungsgegenstände wie Briefe, Schilder oder Porzellan steigern eure Fortschrittanzeige dabei noch weiter an. Künstlich eingeschränkt wird euer Vorhaben jedoch durch die Baugrenzen der Siedlung. Zwar könnt ihr Blöcke in der Welt platzieren wo ihr wollt, relevant für die Stufe der Siedlung ist jedoch nur ein bestimmtes, recht kleines Areal. Dies stört zwar anfangs nicht wirklich, schränkt einen aber gerade bei größeren Bauvorhaben unnötig ein. Absolut frustfrei ist hingegen das generelle Tempo, das Dragon Quest Builders an den Tag legt. Der Tag-Nacht-Zyklus vergeht zwar teilweise schneller als es einem lieb ist, es lässt sich innerhalb eines Tages aber trotzdem eine Menge schaffen. Obwohl es unzählige verschiedene Rohstoffe und Crafting-Möglichkeiten gibt verbringt ihr nur wenig Zeit mit repetitivem Materialsammeln. Die Rohstoffe sind ergiebig, die Crafting-Rezepte bauen logisch aufeinander auf und meist ist der Weg zur nächsten Quelle auch kein weiter.

Die Qualität der Rohstoffe steigt also, das Level der Siedlung wird erhöht und unser Protagonist? Der bleibt durchweg auf der selben Stufe und kann durch Kämpfe oder Bauvorhaben keine höhere Stufe erreichen. Seine Werte für den Kampf ergeben sich daher ausschließlich aus seiner Waffe und seiner Rüstung. Außerdem verfügt unser Held noch über eine Lebensanzeige, die sich mit bestimmten Items erhöhen lässt. Abschließend spielt auch der Hunger eine Rolle im Überlebenskampf: über eine Anzeige am oberen linken Bildschirmrand wird angezeigt, wann ihr erneut etwas essen müsst. Sowohl herumliegende Früchte als auch Gerichte, die ihr später an einer Koch-Station zubereiten könnt, werden euch helfen den Hunger recht zuverlässig zu bekämpfen. Die Kämpfe gegen Monster hingegen stellen sich gelegentlich als etwas schwieriger heraus. Das Kampfsystem an sich ist sehr simpel gehalten und läuft in Echtzeit ab. Meistens beschränkt es sich auf das stumpfe Abwechseln zwischen Ausweichen und Angreifen, was aber wegen unterschiedlicher Angriffsarten der abwechslungsreichen Monster zeitweise unterhaltsam ist. Insgesamt hätte ich mir hier persönlich aber etwas mehr Tiefgang erhofft, da man so fast ausschließlich auf die Stärke der aktuellen Waffe angewiesen ist. Gut gefallen hat mir allerdings, dass man sich im Laufe des Spiels auch Abwehrmaßnahmen gegen angreifende Monster aufbauen kann, die einem bei Siedlungsverteidigungsmissionen helfen können. Außerdem entsteht durch den Hunger und die Gefahr durch die Monster ein verstärktes Überlebenserlebnis, da man vor dem Verlassen der Siedlung zumindest ausreichende Vorkehrungen treffen sollte.

Hübsch, bunt, kindgerecht

In der Präsentation zeigt sich Dragon Quest Builders von vorne bis hinten sehr kindgerecht. Die Welt ist mit seiner knallbunten Grafik zwar sicherlich nicht jedermanns Fall,  grundsätzlich lässt sich hier in technischer Sicht abgesehen von teilweise verwaschenen Texturen nicht viel aussetzen. Der Artstyle ist konsequent uns macht inbesondere wegen des Spielprinzips Sinn. In kleinen geschlossenen Räumen hatte ich allerdings mehrmals Kameraprobleme, die sicher vermeidbar gewesen wären. Die junge Zielgruppe ist auch dank der Einsteigerfreundlichkeit und der einfach gestrickten Geschichte durchaus gegeben, ältere Spieler sollten dadurch aber keinesfalls abschreckt werden. Mir haben die lockerleichten und humorvollen Dialoge gut gefallen, dazu sah man die Liebe der Entwickler im Detail. Hat man beispielsweise eine Aufgabe erfüllt oder ein neues Zimmer fertig eingerichtet, kommen alle in der Siedlung lebenden Charaktere angelaufen und applaudieren euch. Wenn über ihnen dann auch noch kleine Textblasen mit Ausrufen wie „Toll gemacht“ oder „Super!“ erscheinen, ist das einfach nur niedlich. Dazu kommt auch der sehr leicht begleitende Soundtrack, der zwar keine neuen Maßstäbe für Rollenspiele setzt, die kreativen Arbeiten aber mit typischer Rollenspielmusik untermalt ohne sich dabei großartig in den Vordergrund zu stellen. Einzig das Geräusch bei niedrigen Lebenspunkten empfand ich als sehr nervig.

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Wertung im Einzelnen
Story/Charaktere
8
Grafik/Präsentation
9
Gameplay/Abwechslung
8
Umfang
9
Steuerung
7
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