Releasetermin: 17.05.2018

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Sport, Simulation
Entwickler: Big Ant Studios
Herausgeber: Astragon

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Auf der PS3, der PS Vita und auch der PSP habe ich virtuell sehr gerne Tennis gespielt. Mit Virtua Tennis und Top Spin waren vor einigen Jahren noch tolle Spiele dieser Sportart erhältlich, was man von der PS4-Generation bisher aber nicht behaupten kann. Daher habe ich mich im Vorfeld umso mehr darüber gefreut, dass für Mai gleich zwei Tennis-Spiele für die PS4 auf dem Plan standen. Während wir euch in Kürze auch über Tennis World Tour berichten werden, möchte ich euch heute AO International Tennis vorstellen. Kann der Titel von Entwickler Big Ant Studios, der sich zuletzt mit Rugby- und Cricket-Videospielen sein Geld verdient hat, an die glorreichen Zeiten des virtuellen Tennis anknüpfen? Finden wir es heraus.

Mit überschaubaren Lizenzen, dafür mit fantastischen Spieler- und Platzeditoren

Bei einem Sporttitel stets von großer Bedeutung sind die Lizenzen, die das Spiel vorzuweisen hat. Der große Star im Aufgebot ist hier das titelgebenden Australian Open-Turnier (daher das “AO”), das als einzige Veranstaltung mit Original-Vorbild daherkommt. Die Simulation hat mehrere bekannte Tennisplätze im Gepäck. Zudem bietet uns AO International Tennis insgesamt 18 lizenzierte und über 200 fiktive Spieler. Auf dem Cover des Titels sehen wir Rafael Nadal und Angelique Kerber, die namhafte Spielfiguren sind. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich darüber hinaus keinen der weiteren 16 Sportler kannte. Allzu vertraut bin ich mit der Tennis-Szene zwar nicht, hätte mir dann aber doch den ein oder anderen allseits bekannten Spieler mehr gewünscht. In Sachen Lizenzen kann der Titel also nicht gerade glänzen.

Das ist vor allem in puncto Spielerlizenzen aber kein großes Problem. AO International Tennis verfügt nämlich über einen äußerst fähigen Charaktereditor und über die Möglichkeit, seine Kreationen online mit der Welt zu teilen. Auf diese Weise können viele weitere Stars ins Spieleraufgebot gebracht werden, da Tennis-Fans auf der ganzen Welt bereits dutzende Nachbildungen der Top-Spieler bereitgestellt haben, die sich allesamt wirklich sehen lassen. Wer zudem Spaß daran hat, personalisierte Figuren zu erstellen, wird viel Spaß mit dem Editor haben. Die Werkzeuge sind sehr mächtig und machen möglich, dass man fast jedes Detail des Gesichts abändern kann. Diese Möglichkeit habe ich sehr geschätzt und sie verhindert, dass die überschaubaren Lizenzen zum Problem werden. Auch ein umfangreicher Tennisplatz-Editor ist enthalten, sodass auch für grafische Abwechslung durch zahlreiche Spielfelder gesorgt ist.

Solider Spielumfang, leider aber mit weniger berauschender Karriere

So weit, so gut. Doch was hat AO International Tennis inhaltlich noch zu bieten? Die Möglichkeit zum freien Spiel mit eigenen Regeln im Einzel oder Doppel ist gegeben. Hier bietet sich auch die Chance, mit- oder gegeneinander im lokalen Multiplayer zu spielen. Ebenso können neben den Australian Open auch selbst kreierte Turniere absolviert werden. Online-Multiplayer ist ebenfalls Bestandteil des Spiels. Die Runden, die ich online erlebt habe, verliefen weitestgehend einwandfrei, allerdings hatte ich hin und wieder Probleme, andere Online-Spieler zu finden.

Die wohl wichtigste Spielvariante stellt ein Karrieremodus dar, der mit einem erstellten Charakter oder einem Star-Spieler bestritten werden kann. Dieser Modus fällt allerdings recht unspektakulär aus. Wir können zwar Erfahrung sammeln und Skillpunkte verteilen. An dieser Stelle hört es mit den Eigenheiten dieses Modus aber auch schon auf. Auf dem Plan steht die Teilnahme an Turnieren und Einzelspielen, doch wird nichts für die Abwechslung getan. Karrieremodi haben in den letzten Jahren in anderen Sportarten große Veränderungen etabliert, teilweise sogar Story-Elemente erhalten, weshalb mich diese Minimal-Umsetzung leider etwas enttäuscht hat.

Gameplay mit nettem Grundgerüst, aber schwerem Timing und mangelnden Strategie-Nuancen

Kommen wir nun zum wichtigsten Aspekt: Dem Gameplay. Direkt positiv aufgefallen ist mir, dass AO International Tennis viele verschiedene Schlagtechniken möglich macht. Top-Spins und Lobs stehen selbstverständlich zur Verfügung, ebenso Drive- und Slice-Schläge. Auch Schmetterbälle dürfen nicht fehlen und auch Stoppbälle haben es ins Spiel geschafft. Die vier Facebuttons auf dem Controller bestimmen die Schlagart, während man durch Drücken der R2-Taste Stoppball-Variationen durchführen kann. Der Titel bietet für jedes Element ein Tutorial an, sodass man lernt, mit den Schlagarten umzugehen. In der “Ausbildung” können wir zudem an den Techniken feilen, indem wir immer schwierigere Übungen absolvieren.

Positiv erwähnen möchte ich auch noch, dass das Tennisspiel eine alternative Steuerungsmethode enthält. Statt mit den Facebuttons Schläge zu absolvieren, gibt es auch die Möglichkeit, den rechten Stick dafür zu nutzen. Obwohl ich diese Art der Steuerung zum Beispiel in der Skate-Reihe sehr gemocht habe, ignorierte ich sie hier, da ich bei schnellen Ballwechseln nicht spontan genug mit dem rechten Stick reagieren konnte. Es freut mich aber dennoch, dass man auch für ein alternatives Kontrollschema gesorgt hat, das dem einen oder anderen vielleicht besser gefallen wird.

In den ersten Stunden hatte ich großen Spaß mit dem Spielgeschehen. Ausdauer spielt eine Rolle, sodass man Bälle schlechter trifft, wenn man schon mehrmals von einer Seite des Feldes zur anderen geschickt wurde. Die Schläge setzen eine große Betonung auf Timing, da zum Schlag eine Taste gedrückt gehalten und möglichst losgelassen wird, wenn das Schlagsymbol grün aufblinkt. Selbst wenn man einen Schlag vermeintlich versemmelt und bei roter Anzeige loslässt, kommen viele Schläge noch im gegnerischen Feld an, nur eben nicht sonderlich platziert.

Während mich dieses System wie gesagt anfangs gut unterhalten hat, störte mich zunehmend, dass das Zeitfenster für grüne, also perfekte Schläge unheimlich klein ist. Selbst nach mehreren Stunden konnte ich keine wirkliche Verbesserung bei meinem Timing wahrnehmen. Ich treffe nur etwa jeden fünften Schlag mit grüner Anzeige. Hat mich das anfangs kaum gestört, machte es mir zunehmend zu schaffen, dass ich nur wenige Bälle wirklich präzise auf der gegnerischen Seite unterbringen konnte. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass ich mehr Punkte durch unerzwungene Fehler des Gegners machte, als dass ich ihn wirklich mit Geschick und Präzision ausspielte.

Außerdem merkte ich bald, dass fast jedes Match nach dem gleichen Schema ablief. Ich entdeckte für mich eine Strategie, die häufig funktionierte. Mit einem Stoppball hole ich den Gegner ans Netz heran und spielte je nach Position des Gegners einen Lob oder einen weiten Drive-Schlag gegen seine Laufrichtung. Egal wie ich an ein Match heranging, im Endeffekt lief es immer auf diese Methode hinaus. Ich hätte mir gewünscht, dass sich das Geschehen etwas dynamischer anfühlt und mehr Raum für strategische Spielweisen bietet. Ich habe grundsätzlich zwar Spaß mit dem Geschehen, langweile mich dann aber doch nach einigen Runden, da sich fast jedes Spiel gleich anfühlt.

KI-Aussetzer und ignorierte Spielerbefehle

Es hilft nicht gerade, dass sich mein Spieler hin und wieder auch weigert, meine Steuerbefehle anzunehmen. Befindet sich der Spieler noch in einer bestimmten Laufanimation, kann er scheinbar nicht sofort eine Schlagbewegung ausführen. Das führte in meinem Fall zu einigen frustrierenden Momenten, in denen ich das Spiel verfluchte. Konnte ich in manchen Situationen noch halbwegs verstehen, warum die Figur trotz Knopfdruck keinen Schlag vollführte, kam es auch immer wieder zu wahllos ignorierten Bällen. Ich stehe gut positioniert, drücke und lasse früh genug los, doch auf dem Feld tut sich nichts, ich verliere den Satz. In diesen Momenten würde ich am liebsten den Controller Richtung TV werfen.

Dies kann ich mir nur durch Bugs erklären, da diese Momente auf der Gegnerseite auch regelmäßig auftreten. Besonders bei Stoppbällen kann es vorkommen, dass es unser KI-Opponent gar nicht erst versucht, zum Ball zu gehen – obwohl er noch genug Zeit haben sollte, rechtzeitig in Position zu laufen. Da es in fast jedem Spiel zu diesen Situationen kommt, zieht diese Problematik durchaus den Spielspaß herunter.

Grafisch und akustisch mit netter Umsetzung

Grafisch ist AO International Tennis solide umgesetzt. Die lizenzierten Spieler sehen detailliert aus, zudem sind auch die Tennisplätze optisch gelungen umgesetzt. Es handelt sich um eine authentische Darstellung. Denn auch die Animationen sehen gut aus. Im Vergleich zu anderen aktuellen Sportspielen zieht das Tennisspiel dennoch den Kürzeren. Denn die Beleuchtung überzeugt beispielsweise nicht so sehr wie in den neuesten FIFA- oder NBA 2K-Titeln. Auch fortgeschrittene Grafikeffekte wie Schweiß oder flatternde Kleidung habe ich vermisst. So bleibt unterm Strich eine gute, aber keineswegs überragende Grafikdarstellung. Der Soundaspekt ist ebenfalls gut umgesetzt. Quietschende Schuhe und Beifall der Zuschauer sind hier positiv hervorzuheben. Auch Kommentatoren und Stadionsprecher sind enthalten, die allerdings nur wenige Worte verlieren. Phasenweise wirkt die Soundumsetzung daher etwas karg, geht insgesamt aber in Ordnung.

Wertung im Einzelnen
Gameplay
6.5
Langzeitspaß
5.5
Inhalt und Umfang
6.5
Grafik & Sound
7
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