Releasetermim: 04.10.2018

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Jump’n’Run
Entwickler: SIE Japan Studio, Team Asobi
Herausgeber: Sony Interactive Entertainment

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Wenn sich in meinem Bekanntenkreis jemand ein Playstation VR Headset zugelegt hat, habe ich stets das Spiel The Playroom VR empfohlen. Zum einen ist der Titel kostenfrei verfügbar, zum anderen zeigt er eindrucksvoll, wie innovativ sich Jump’n’Run-Spiele in der virtuellen Realität erleben lassen. Das Abenteuer mit dem putzigen Roboter fiel recht kurz aus, gehörte aber lange zu meinen Favoriten auf PSVR. Sony erkannte das Potenzial der kreativen Erfahrung und stellte Team Asobi von SIE Japan Studio kurzerhand ein Budget zur Verfügung, um ein vollständiges Spiel aus dieser überschaubaren Erfahrung zu entwerfen. Astro Bot: Rescue Mission ist nun erhältlich, doch hat es das Team geschafft, die Magie des kurzen Erlebnisses erfolgreich auf ein ganzes Spiel zu übertragen? Oder gingen dem Studio die Ideen aus, sodass die Qualität von The Playroom VR nicht aufrecht erhalten werden konnte? Finden wir es heraus.

Ganz viel Charme und ein knuffiger Protagonist

Die Ausgangslage ist simpel. Spieler finden sich im Weltall vor, wo ein Roboterschiff von vielen kleinen Bots gesteuert wird. Wir müssen miterleben, wie eine außerirdische Lebensform das Schiff angreift, es in Einzelteile zerlegt und die zahlreichen Bots auf viele kleine Planeten zerstreut. Ein tapferer Bot lässt sich jedoch nicht abwimmeln und nachdem das Alien verschwindet, bittet uns dieser Protagonist, ihn auf seine Reise zu den diversen Planeten zu begleiten, um die Schar an Bots wieder zu versammeln. Spieler bereisen also verschiedene Level auf insgesamt fünf Planeten, um die im Weltall verteilten Bots und Schiffsteile zu suchen.

Der knuffige Bot stellt die Hauptfigur dar, die Spieler mit dem Controller steuern. Der Spieler ist allerdings ebenfalls direkt am Geschehen beteiligt und greift regelmäßig ein. Damit möchte ich von Beginn an klar machen, dass Astro Bot kein gewöhnlicher Plattformer ist, der eine Art VR-Kamera spendiert bekommen hat und theoretisch auch ohne VR spielbar wäre. Nein, unsere Interaktion ist integraler Bestandteil des Abenteuers, weshalb das Spiel sich nur auf diese Weise erleben lässt. Die relativ linearen Level sind darauf ausgelegt, dass der Spieler jeden noch so kleinen Winkel der Areale in 360°-Perspektive mit seinem Blick erkundet. Die Bots können sich unter, über und neben den offensichtlichen Areale befinden, weshalb es sich lohnt, auch immer wieder einmal in einen Abgrund und an die Decke zu schauen.

Das Leveldesign fällt erstklassig aus und schafft es, viele der Bots clever zu verstecken. Manche Wege sind nur aus bestimmten Perspektiven sichtbar, sodass man jederzeit die Augen offen halten und sich mit der Brille auf den Kopf in alle Richtungen renken muss. Das mag vielleicht recht unspektakulär klingen – man schaut in der Gegend herum und sucht Stellen, an denen ein kleiner Bot versteckt ist und findet anschließend einen Weg zu dieser Stelle. Da die Level aber sehr viel Sehenswertes zu bieten haben, ist es extrem spaßig, die Umgebungen zu erforschen. Man fühlt sich toll in die Areale transportiert, ist dank VR mitten im Geschehen. Viele Elemente in den Areale sind so charmant inszeniert, dass man allein vom ständigen Erkunden ein Lächeln ins Gesicht gezaubert bekommt. Dieser Aspekt ist wirklich schwer zu beschreiben – man muss den Titel in VR einfach erleben, um dies wert schätzen zu können.

Solide Jump’n’Run-Spielmechaniken für Klein und Groß

Der zweite große Bestandteil des Gameplays ist die Steuerung des Protagonisten. Jedes Level hat eine gehörige Portion an Plattforming-Elementen, die der Bot meistern muss. Er kann springen und dank eines Jetpacks kurzzeitig in der Luft schweben. Diese Mechaniken werden häufig ausgenutzt und spielen sich solide. Die Elemente sind fast nie sonderlich fordernd oder komplex, haben mich allerdings ausreichend über den Verlauf des Spiels unterhalten. Astro Bot hat zudem neben einem einfachen Schlag auch den so genannten Tornado-Schlag in petto, mit dem er größere Mengen an Feinden angreifen kann. In den Levels lauern immer wieder ulkig gestaltete Gegner, die abermals keine große Herausforderung darstellen, aber etwas Abwechslung ins Geschehen bringen. Stirbt man durch einen Sturz oder einen Feind, wird man an den zuletzt aktivierten Checkpoint versetzt. Diese sind sehr fair verteilt, außerdem gibt es keine Lebensbegrenzung. Daher spielt sich Astro Bot weitestgehend locker, da es eben auch für Kinder ausgelegt ist.

Grandiose VR-Einbindung sorgt für ein magisches Erlebnis

Weiterhin helfen wir dem Bot nicht nur durch unsere Sicht, sondern bekommen auch immer wieder Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Der Titel spielt sich per Dualshock 4, der dank Tracking auch im Spiel zu sehen ist. Regelmäßig verwandelt sich unser Controller im Zuge der Levels in Gadgets, die Astro Bot zum Fortschritt verhelfen. Da wäre beispielsweise eine Art Enterhaken, den wir verschießen und auf dem der Bot balancieren kann. Auch nett ist eine Wasserpistole, die wir auf Blumen zielen, die anschließend wachsen und das Level verändern. Am besten gefallen haben mir die Wurfsterne, die man per Touchpad verschießt. Anschließend kann der Bot auf die in der Wand feststeckenden Shuriken springen und so voranschreiten.

Doch nicht nur der Controller hilft aus. Auch nehmen wir per Kopfbewegung Teil am Geschehen. Wir zerstören per Kopfnuss bestimmte Gegner oder Wände. Auch macht das Spiel Nutzung des Mikrofons und lässt uns eine Pusteblume realistisch frei pusten. Astro Bot nutzt die vielen kleinen Anwendungsmöglichkeiten eines VR-Headsets voll aus und integriert uns so wunderbar in das Geschehen. Im Gesamtbild hat dies auf mich nie kitschig oder aufgezwungen gewirkt, sondern das Erlebnis deutlich bereichert. Es sind diese interaktiven Momente, in denen man aus dem Grinsen gar nicht mehr herauskommt. Hier kommt auch das geniale Leveldesign wieder zum Tragen, das ein rundum toll abgestimmtes Erlebnis zur Folge hat. Die Level sind abwechslungsreich gestaltet und ich hatte das Gefühl, dass jede Mission mindestens ein einzigartiges Element bot. Dadurch spielt sich das Geschehen stets frisch und kommt mit immer neuen Ideen daher. Auch die Bosskämpfe, die am Ende eines Planeten anstehen, sind klasse aufgemacht.

Überschaubarer Umfang, immerhin aber mit tollen zusätzlichen Herausforderungen

Insgesamt habe ich für alle Levels rund vier Stunden gebraucht. Das mag nicht allzu viel sein, jedoch bietet der Titel in jeder Sekunde der Spielzeit eine hohe Qualität. Das ist für ein VR Spiel keinesfalls selbstverständlich, weshalb ich mit der Spielzeit zufrieden bin. Astro Bot bietet zudem eine gelungene Wiederspielbarkeit. Man kann sich zum Ziel machen, jeden einzelnen Bot zu finden, wodurch man diverse Level noch einmal besuchen muss. In den Areale verdient man sich Münzen, die gegen Sammelgegenstände in einem kreativen Hub getauscht werden können. Weiterhin ist in jedem Level ein Chamäleon versteckt, das wir abermals durch unsere Sicht finden müssen.

Sobald man das Chamäleon gefunden hat, wird eine „Herausforderung“ freigeschaltet, die lose auf diesem regulären Level basiert. Diese 26 Missionen stellen die Fähigkeiten des Spielers auf die Probe, da die Mechaniken hier durchaus knifflig ausgelegt sind. Das Timing der Sprünge wird wichtiger, ebenso ist es immens wichtig, dass wir die Reichweite der Sprünge genau einschätzen können. Zudem muss man den Umgang mit den verschiedenen Gadgets meistern. Bis zu zwei weitere Bots pro Bonuslevel lassen sich hier freischalten. Wer wirklich alle Aufgaben mit sämtlichen Errungenschaften abschließen möchte, blickt nochmal einigen Stunden Spielzeit entgegen. Die meisten Herausforderungen dauern effektiv zwar nur etwa eine Minute, doch da diese wirklich knifflig sind, versucht man sich gerne mehrfach an diesen, bis man die Rekordzeit und das vorgegebene Ziel geschlagen hat.

Technisch mit sauberer Umsetzung, dazu mit einem stimmigen Soundtrack

Astro Bot profitiert davon, dass es eine comicartige, farbenfrohe Darstellung nutzt. Diese kommt nämlich sehr gut über Playstation VR herüber. Gefallen haben mir insbesondere die vielen kleinen Effekte, die ein Level so lebendig wirken lassen und nur bei genauerem Hinsehen überhaupt auffallen. Gestört hat mich hingegen, dass ich Astro Bot beim Spielen manchmal aus den Augen verloren habe und der angedachte Indikator, der seine Position aufzeigen soll, nicht immer auftaucht, wenn der Protagonist mal nicht in unserem Sichtfeld ist. Bezaubernd ist hingegen, wie knuffig der Charakter winkt, wenn man ihn für einen Augenblick anstarrt. Generell lohnt es sich, das Geschehen einmal von Nahem zu betrachten, da so die Liebe fürs Detail besonders gut sichtbar ist. Die Bildqualität fällt beim Spielen mit Ausnahme des von Aliasing geplagten virtuellen Controller über eine PS4 Pro sehr gut aus, sodass sich insgesamt eine schöne Grafik ergibt.

Dieser starke Eindruck überträgt sich auch auf den Sound-Aspekt. Der Soundtrack klingt wunderbar verspielt und versetzt den Spieler bei jedem Level in die passende Stimmung. Sämtliche Soundeffekte, z. B. bei der Zerstörung von Objekten, tragen dank 3D-Audio auch gelungen zum Geschehen bei, ebenfalls hilft der dreidimensionale Sound bei der Ortung der versteckten Bots. Die kleinen Roboter sprechen zwar nicht verständlich mit uns, machen aber mit niedlichen Geräuschen auf sich aufmerksam.

Wertung im Einzelnen
Gameplay
8.5
Inhalt und Umfang
8
Innovation
10
Präsentation, Grafik und Sound
9.5
VR-Umsetzung
10
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