Releasetermin: 21.09.2018

Medientyp: Modul, Download
Genre: Adventure, Point & Click
Entwickler: Revolution Software
Herausgeber: Ravenscourt

 

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Wenn man an Point & Click Adventurespiele denkt, fallen einem zuerst Klassiker von LucasArts wie beispielsweise Maniac Mansion oder The Secret of Monkey Island ein. Ich finde, dass aber auch die Baphomets Fluch Reihe von Charles Cecil in diesem Atemzug genannt werden kann. Die Titel konnten über die letzten Jahrzehnte auf einer breiten Riege an Plattformen überzeugen. Das fünfte Spiel wurde 2012 auf Kickstarter vorgestellt und mit Erfolg finanziert. Im Dezember 2013 und April 2014 erschien der Titel erstmals auf dem PC in zwei Episoden. Nun erkundet das neueste Spiel der Reihe eine weitere Plattform. Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall ist nun für Nintendo Switch veröffentlicht worden. Ist der Port gelungen? Und werden auch diejenigen, die noch nie ein Spiel der Serie erlebt haben, ihren Spaß haben?

Fünfter Teil, Neulinge dennoch willkommen

Wer noch nie einen Baphomets Fluch-Titel gespielt hat, kann dennoch ein Auge auf das Spiel werfen. Grundsätzlich erzählt jedes Spiel eine eigenständige Geschichte, die die Protagonisten George und Nico erleben. Wer frühere Teile kennt, wird viele Anspielungen und Referenzen verstehen. Wenn man auf Personen trifft, heißt es oftmals “wir hatten bereits in der Vergangenheit miteinander zu tun”. Während Serienkenner hier genau wissen werden, was es mit diesen Figuren aus vergangenen Spielen auf sich hat, bleiben Neulinge oftmals im Dunkeln. Da es sich aber nie um für das Verständnis des aktuellen Falles relevante Informationen handelt, ist dies nur halb so schlimm. Vielmehr sollten diese kurzen Momente des Erinnerns an Geschehnisse und Figuren eine Art Belohnung für wiederkehrende Spieler sein, die der Reihe schon seit längerem treu sind.

Ein kaltblütiger Raubmord und viele ungeklärte Fragen

Baphomets Fluch 5 dreht sich um den Mord des Besitzers einer Galerie, der sich während eines Raubüberfalls abgespielt hat. Das Gemälde „Le Maledicció“ wird dabei gestohlen, der Mörder und Dieb, der sich mit einem Motorradhelm vermummt hat, kann entkommen. Der Amerikaner George Stobbart ist als Versicherer der Galerie Le Lêzard Blue während des Vorfalls vor Ort. Da sein Chef die Versicherungssumme des gestohlenen Gemäldes nicht zahlen möchte, soll George das Kunstwerk wieder beschaffen. Unterstützung erhält er dabei von seiner langjährigen französischen Bekannten und Reporterin Nico Collard, die sich ebenfalls in der Galerie befand. Gemeinsam untersuchen die beiden den Tatort und gehen jeder Spur nach, die Hinweise auf den Mörder geben könnte. Schnell merken sie allerdings, dass es mit La Maledicció mehr auf sich hat, als zunächst angenommen. Was als Raubmord beginnt, nimmt schnell weit größere Züge an und so ziehen George und Nico in ein Abenteuer rund um die Welt.

Das Spiel erzählt die Krimi-Geschichte gelungen und hält immer wieder neue spannende Infos parat. Die meisten Figuren sind interessant dargestellt und gestalten die Handlung auch in eher ruhigen Momenten unterhaltsam. Manche Story-Wendungen wirken arg konstruiert, außerdem gibt es in der Geschichte hin und wieder Situationen, wo das Geschehen etwas vor sich hinplätschert. Insgesamt aber hat mir die Story gut gefallen, was allen voran an den sehr sympathischen Charakteren liegt.

Traditionelles Adventure mit netten Rätseln

In klassischer Point & Click-Manier ist jeder Schauplatz interaktiv. Als Spieler streift man per linken Stick mit einem Fadenkreuz über den Bildschirm und wählt interessante Stellen in den Locations aus oder berührt Figuren, mit denen man sprechen möchte. Mal müssen wir zum Fortschritt eine bestimmte Information von einem der verfügbaren Charaktere erhalten, mal ist ein wichtiges Detail in der Umgebung entscheidend. Wie gesprächsfreudig die Figuren sind, hängt zumeist von unserem Wissensstand ab. Ein Dialog mit einer anderen Person oder die Entdeckung eines Hinweises in der Umgebung kann den Ausschlag geben, dass wir allmählich mehr von den Charakteren erfahren. Immer wieder gibt es darüber hinaus Rätsel zu lösen, die oftmals eng mit Objekten verknüpft ist, die man während des Abenteuers findet. Relevante Objekte stecken George und Nico automatisch ein und sind anschließend im Inventar verfügbar.

Viele Male gilt es, die richtigen Gegenstände an der richtigen Stelle einzusetzen. Das Spiel signalisiert in den meisten Fällen gut, wann tatsächlich ein Objekt zum weiteren Fortschritt in der Szene zum Einsatz kommen soll. Die Gegenstände müssen häufig auch mit anderen Objekten oder Elementen in der Umgebung kombiniert werden, bevor man sie nutzen kann. Auch wenn ich gelegentlich dann doch sehr lange nachdenken musste und manche dieser Gegenstands-Rätsel zu konstruiert fand, hat mir die Umsetzung grundsätzlich gut gefallen. Es war stets ein Erfolgserlebnis, wenn ich die richtigen Mittel kombiniert oder nach bestimmter Interaktion die entscheidende Info von einer Figur erfahren habe. Das Geschehen ist recht traditionell inszeniert und erlaubt sich in seinen Mechaniken keine wirklichen Neuerungen. Heutzutage gibt es bereits einige Titel, die das Genre erfolgreich moderner angehen. Dies darf man hier nicht erwarten.

Mit dem Old-School-Gameplay hatte ich kein Problem und auch die teils inkonsistenten Rätsel haben mich nur bedingt gestört. Es ist allerdings auch schade, dass das Spiel etwas braucht, um in Gang zu kommen. Zu Beginn ist man primär damit beschäftigt, viele Informationen in Erfahrung zu bringen, weshalb der Beginn etwas schleppend ausfällt. Im Laufe der nächsten Stunden kommt es zu mehr Abwechslung und auch die Story kommt allmählich in Fahrt. Baphomets Fluch 5 wurde auf dem PC einst in zwei Episoden veröffentlicht, was man dem Spiel teilweise auch anmerkt, da es offensichtliche Brüche in der Handlung und im Spielfluss gibt. Dies nahm ich aber nie wirklich als einen Aspekt wahr, der meinen Spaß am Spiel vermindert hätte. Auch wenn das Pacing des Abenteuers nicht ideal ausfällt, wurde ich über eine Spielzeit von rund 10 Stunden durchweg gut unterhalten.

Tolle Switch-Umsetzung, die mich auf weitere Ports von Point & Click-Spielen hoffen lässt

Der Port für die Switch fällt sehr gut aus. Die Steuerung liegt in zwei verschiedenen Varianten vor. Zum einen kann der Steuerpunkt per linken Stick auf interaktive Stellen navigiert werden. Dies funktioniert zwar keinesfalls so gut wie mit einer Maus und gestaltet sich etwas schwerfällig. Insgesamt ist diese Kontrolle aber passabel umgesetzt. Besser gefallen hat mir jedoch die zweite Variante. Das Interface kann auch mit dem Touchscreen der Switch bedient werden. Um mit einer Person zu sprechen oder ein Objekt zu inspizieren, tippt man einfach auf die entsprechende Stelle.

Teilweise fallen die Icons zur Interaktion etwas klein aus, was die Steuerung per Finger dann doch nicht immer ganz einwandfrei gestaltet. Dennoch kam ich mit dieser Möglichkeit schlichtweg schneller voran. Toll ist, dass die beiden Steuerungsvarianten miteinander harmonieren. Man kann jederzeit den Touchscreen verwenden und nach Belieben den Stick und die Knöpfe zur Hilfe nehmen. Meiner Meinung nach bleibt die Maus das beste Mittel, um das Spiel zu steuern. Die Kombination aus Touchscreen und traditioneller Controller-Point & Click-Steuerung der Switch reiht sich allerdings gleich dahinter ein.

Neben dem vollständigen Spiel, das beide auf dem PC veröffentlichten Episoden umfasst, liegt Bonus-Material auf der Switch vor. Zum einen gibt es eine Charakter-Galerie, in der alle relevanten Figuren eine kurze Zusammenfassung erhalten haben. Das ist allen voran hilfreich für die Figuren, mit denen Nico und George bereits eine Vorgeschichte aus früheren Spielen haben. Zum anderen liegen exklusive Making-of-Videos vor, die im Laufe der Story freigeschaltet werden. Hier sind Charles Cecil und sein Team beim Entwerfen des Spiels zu sehen. Wer Interesse an solchen Filmen hat, die einen Blick hinter die Kulissen gewähren, wird sich über die Implementierung freuen.

Handgezeichnet und farbenfroh

Optisch musste das Spiel quasi keine Einbußen hinnehmen, um mit seinem hübschen Artstil auch auf der Switch zu glänzen. Auf anderen Plattformen mag es höher aufgelöste Figurengrafiken geben, doch auch auf der Switch kommt das Spiel optisch sowohl am TV als auch im Handheld-Modus voll zur Geltung. Die Schauplätze des Spiels sind sehr detailliert ausgearbeitet. Der Titel bietet eine bunte Farbpalette an und hat diverse, abwechslungsreiche Schauplätze in petto. Auch das Design der Figuren hat mir gut gefallen. Die Animationen der Charaktere können nicht ganz mithalten mit der Qualität, die die handgezeichneten Hintergrundgrafiken haben. Insgesamt bot sich mir aber eine gute Grafik dar, die auch mehrere Jahre nach dem ursprünglichen Release noch einen guten Eindruck hinterlässt.

Überspitzt vertonte Figuren, die richtig unterhaltsam sind

Ich musste mich zunächst etwas an die deutsche Synchronisation gewöhnen, finde sie insgesamt aber recht gelungen. Viele der Figuren wurden überspitzt vertont, was vermutlich aber einfach so gedacht war. Außerdem bauen die Sprachfetzen teilweise etwas hölzern aufeinander auf. Die Sprecher gaben sich allerdings deutlich Mühe und so ist eine tolle deutsche Sprachausgabe die Folge. In die englische Variante habe ich ebenfalls reingehört. Diese fällt ähnlich gut aus, allerdings gewöhnte ich mich so schnell an die deutsche, dass ich nach einigen Minuten glatt wieder zurück schaltete. Dazu gibt es einen schönen Soundtrack, der sich elegant an die wechselnden Schauplätze und das leicht bekömmliche Krimi-Feeling anpasst.

Wertung im Einzelnen
Story
8
Spielgeschehen
7
Grafik & Präsentation
8
Soundtrack & Sprachausgabe
8.5
Switch-Umsetzung
9
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