Releasetermin: 31.08.2018

Medientyp: Modul, Download
Genre:  Taktik-RPG
Entwickler: Kadokawa Games
Herausgeber: NIS America

 

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God Wars: Future Past erschien erstmals im letzten Jahr auf PS4 und PS Vita. NIS America schickt das Strategiespiel nun aber auf der Switch erneut in den Ring und sorgt nebenbei für eine verbesserte Fassung. God Wars: The Complete Legend bringt nicht nur neuen Inhalt daher, sondern wurde in einigen Aspekten auch überarbeitet. Reicht das aus, um dem Titel einen festen Platz im Genre zu verschaffen? Oder kann auch diese Version, wie schon Future Past, nur bedingt überzeugen? Das verrate ich euch in meinem Test.

Japanisches Folklore-Setting, das nicht sein vollständiges Potential entfaltet

God Wars erzählt die Geschichte von Kaguya, die als Prinzessin von Fuji alles, nur kein normales Leben geführt hat. Im Kindesalter musste sie erleben, wie ihre Schwester sich den wütenden Göttern geopfert hat. Kurz darauf verschwand ihre Mutter. Zudem wurde Kaguya selbst gefangen genommen und erklärte sich bereit, als Ersatzopfer zu fungieren, falls der Zorn der Götter wieder zur Bedrohung würde. Mehr als 13 Jahre ist die Prinzessin eingesperrt, bis ihr Jugendfreund Kintaro sie rettet. Kaguya zögert zunächst, sie wollte sich eigentlich ihrem Schicksal beugen. Doch dann entschließt sie sich, Kintaro zu begleiten und sich auf die Suche nach ihrer verschwundenen Mutter zu begeben. Kaguya hofft, dass ihre Mutter Antworten zu ihrer Bestimmung hat und möchte erfahren, warum ihre Mutter damals verschwunden ist.

Dass die Suche sich nicht so einfach gestaltet und die Truppe immer wieder auf Intrigen und Listen stößt, dürfte leider keine Überraschung sein. Schnell geraten weitere Figuren an die Truppe, die einen großen Reiz der Handlung ausmachen. Weitestgehend bekommen Spieler hier klassische JRPG-Kost geboten – die typische Heldengeschichte, vollgespickt mit jeder Menge Klischees des Genres. Hin und wieder taucht dann aber doch eine Figur auf, die frischen Wind ins Geschehen bringt. Über weite Strecken konnte mich die Handlung nicht so richtig überzeugen, da sie nicht wirklich in Gang kommt. Das Setting um mystische, japanische Götter hat für mich persönlich dann aber doch einiges an Unterhaltung herausgeholt.

Solides Strategie-RPG mit netten Ideen

Das Spiel präsentiert sich als Strategietitel mit RPG-Elementen. Im Laufe der Story stoßen immer wieder Figuren zu unseren Hauptcharakteren dazu. Wir ziehen mit ihnen in Gefechte, verwalten ihren Wachstum, ihre Fähigkeiten und ihre Ausrüstung. Die Kämpfe finden rundenbasiert auf überschaubar großen Spielfeldern statt, die sich durch Raster auf dem Boden zur Fortbewegung auszeichnen. Sie schicken eine Handvoll unserer Kämpfer in die Schlacht gegen eine variierende Anzahl an Gegnern. Die Figuren haben allesamt unterschiedliche Attribute und können so in jeder Runde einige Schritte auf dem Raster laufen. Es stehen Angriffe mit den ausgerüsteten Waffen zur Verfügung, ebenso gibt es Magie-Manöver, hilfreiche Gegenstände und die Möglichkeit, eine defensive Haltung einzunehmen. Die Reichweite der Angriffe entscheidet, wie weit wir von einem Gegner entfernt sein müssen, um eine Attacke zu starten. In seinen Grundzügen hat mich God Wars an Fire Emblem- oder Disgaea-Spiele erinnert. Die Spielaspekte sind grundsolide umgesetzt und machen spannende Spielzüge möglich.

Eine Besonderheit im Gameplay stellt die Bedeutung der höhenbedingten Stellung auf dem Schlachtfeld dar. Die Level verfügen über drei Ebenen, die durch Steigungen zustande kommen, wenn man sich beispielsweise auf einem Berg befindet. Das Spiel unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen drei verschiedenen Situationen. Steht man bei einem Angriff unter einem Feind, fügt man diesem nur wenig Schaden zu. Befindet man sich auf derselben Ebene, wird “normaler” Schaden ausgeteilt. Ist man hingegen auf einer Erhöhung direkt neben einem tiefer gelegenen Gegner positioniert, wird der Schaden erhöht. Mit diesem Element muss man seine Positionierung stets im Auge behalten, da dieses Prinzip auch auf gegnerischen Schaden zutrifft.

Mangelnde Abwechslung und behäbiger Spielfluss als Schwächen

Während mir diese Eigenheit gefallen hat, störten mich andere Aspekte des Kampfgeschehens. Zum einen schreiten wir nur langsam auf dem Spielfeld voran. Selbst vermeintlich flinke Figuren haben in jeder Runde nur eine sehr begrenzte Schrittanzahl zur Verfügung. Dadurch spielt sich God Wars phasenweise schleppend, da man in vielen Runden zunächst überhaupt an den Gegner herankommen muss, bevor wir erste Aktionen ausführen können. Zum anderen kann die beste Taktik manchmal lauten, die KI-Gegner zu sich kommen zu lassen. Ich war am erfolgreichsten, wenn ich mir eine gute Positionierung auf dem Feld ausgesucht habe und mich dort zunächst quasi verschanzt und auf den Gegner gewartet habe. Das trägt aber ebenfalls dazu bei, dass in vielen Gefechten oftmals kein richtiger Spielfluss zustande kommen möchte.

Weiterhin war ich nicht erfreut darüber, dass der Titel in seinem Geschehen nur sehr wenig Abwechslung zu bieten hat. Der Umfang ist gewaltig – gerade durch den zusätzlichen DLC und den New Game+ Modus lässt sich God Wars: The Complete Legend weit über 100 Stunden spielen. Während dieser Zeit erlebt man zumeist aber das immer gleiche Konzept. Es gibt hin und wieder auch alternative Missionen, in denen wir zum Beispiel bestimmte Figuren eskortieren müssen. Am häufigsten läuft es jedoch auf das simple “Besiege alle Feinde”-Prinzip hinaus, was auf Dauer schlicht zu repetitiv ist. So groß der Umfang auch ist – ich habe stets nur zwei bis drei Missionen auf einmal gespielt, anstatt stundenlang von Schlacht zu Schlacht zu ziehen.

Ausführliches Klassensystem mit motivierendem Fortschritt

Was mir allerdings richtig gut gefallen hat, sind die Personalisierungsmöglichkeiten der Charaktere. Die Figuren steigen im Level auf und haben jeweils eine zugewiesene Klasse, die im Spiel “Job” genannt wird. Darüber hinaus können Spieler zwei Nebenklassen frei wählen. Jede Klasse hat ihren eigenen Skillbaum, in dem neue Fähigkeiten freigeschaltet werden. Hier gibt es sowohl aktive als auch passive Fertigkeiten, die unsere Figuren nicht nur generell stärken, sondern auch in bestimmte Rollen drängen. Mit den Unterklassen und den Fähigkeiten können wir stark personalisierte Kämpfer erschaffen, die uns im Kampf Flexibilität und eine dynamische Spielweise ermöglichen sollen. Auch das Ausrüstungssystem kann in dieser Hinsicht überzeugen. Immer wieder verdient man sich neue Waffen und Rüstungsteile, die man außerhalb der Kämpfe angelegen und austauschen kann. Wer sich nicht ausführlich mit dieser Komponente beschäftigen möchte, kann per simplen Knopfdruck auch automatisch die empfohlene Ausrüstung anlegen.

Switch mit Portabilität und zusätzlichem Inhalt – leider ohne Touchscreen-Unterstützung

Die Switch-Version basiert auf der Fassung des Spiels, die bereits auf PS4 und PS Vita erschienen ist. Weiterhin beinhaltet die “Complete Legend”-Edition sämtlichen DLC, der für die ursprüngliche Version veröffentlicht wurde. Durch diesen DLC stoßen fünf neue spielbare Figuren zum Aufgebot dazu. Ebenso gibt es neue Story-Stages und auch zusätzliche Songs. Die Entwickler haben ebenfalls einige Aspekte des Spiels überarbeitet und so neue Features wie New Game+, das Vorspulen von Kämpfen, eine neue Hilfe-Funktion oder auch ein höheres Level-Cap implementiert. Diese Verbesserungen sind auch für die Versionen auf PS4 und Vita in Form von Patches verfügbar.

Wie auch auf der Vita profitiert das Spiel auf der Nintendo Switch von der Portabilität der Konsole. Da die meisten Gefechte nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen, eignet sich das Geschehen perfekt für kurze Runden zwischendurch. Schade finde ich hingegen, dass der Touchscreen der Switch keineswegs ausgenutzt wird – man spielt lediglich mit den Knöpfen. Dennoch gibt der Titel sowohl in Handheld-Konfiguration als auch im Dock am TV eine solide Figur ab.

Grafisch enttäuschend, dafür überzeugt der Soundtrack umso mehr

Visuell zeigt sich God Wars von zwei verschiedenen Seiten. Die Story wird vorangetrieben durch kurze Anime-Zwischensequenzen und Konversationen der Charaktere. Dabei werden die Figuren in ihrer gezeichneten Form als Visual Novel gezeigt. Mir hat die Gestaltung der meisten Charaktere gefallen, sodass ich mir diese Szenen gerne angeschaut habe. Die Spielszenen wechseln zu einer gerenderten Darstellung, die sämtliche Figuren in Miniaturvariante auf den verschiedenen Schlachtfeldern zeigt. Die Ästhetik der Mini-Figuren hat mir nicht sehr zugesagt, zudem konnten mich auch die Inszenierung der Umgebung nur selten überzeugen. Während die Grafik mich also zwiegespalten zurücklässt, hat mir die Umsetzung des Sound-Aspektes besser gefallen. Spieler haben die Wahl zwischen den japanischen Originalsprechern und einer englischen Synchronisation, die wirklich gelungen ist. Dazu kommt ein toller Soundtrack, der das Thema der japanischen Folklore sehr schön unterstützt.

Wertung im Einzelnen
Story
7
Gameplay
7
Inhalt und Umfang
8
Langzeitspaß & Abwechslung
6
Grafik & Sound
7
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