Releasetermin: 04.12.2018

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Adventure, Open World, Third-Person-Shooter
Entwickler: Avalanche Studios
Herausgeber: Square Enix

 

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Rico Rodriguez zieht das Chaos förmlich an. Egal wo er hingeht – jede Menge Action und rücksichtslose Söldner folgen ihm auf Schritt und Tritt. Die beliebte Reihe von Square Enix und den Avalanche Studios geht in die vierte Runde. Bereits seit Anfang Dezember ist Just Cause 4 nun erhältlich. Ich habe seither eine Menge Zeit mit dem Titel verbracht und verrate euch, ob mich das Action-Spektakel überzeugen konnte.

Der Start einer Revolution

Serienprotagonist Rico Rodriguez findet sich im fiktionalen Land Solís vor. Rico ist aus einem bestimmten Grund in Südamerika – die Ursprünge der Schwarzen Hand lassen sich nach Solís zurückverfolgen. Die Söldnerfraktion spielte in vergangenen Teilen eine nebensächliche Rolle. Nun ist die Truppe um den Herrscher über Solís, Oscar Espinosa, im Fokus der Handlung. Bereits in der ersten Zwischensequenz erfahren Spieler zudem, dass Ricos Vater eng verstrickt mit der Organisation war. Schnell ist klar, was Rico wieder nach Südamerika getrieben hat: Er will die Bewohner von Solís beim Aufstand gegen die Schwarze Hand unterstützen und nebenbei die Geheimnisse aufdecken, die sein Vater hinterlassen hat. Die Story stellt leicht bekömmliche Action-Kost dar, die insgesamt einen gelungenen Rahmen für den chaotischen Ausflug nach Solís bietet. Spieler dürfen keine sonderlich vielschichtigen Figuren und komplexe Handlungsstränge erwarten. Dennoch hat mich die Geschichte um Ricos Vater gut bei der Stange gehalten und ich wurde solide unterhalten.

Donnerwetter, was für ein Chaos!

Just Cause 4 bietet mit Solís einmal mehr einen gigantischen, virtuellen Spielplatz zum Austoben. Zwar sei die Karte prinzipiell etwas kleiner als Medici im direkten Vorgänger. Da Solís allerdings mehr Landmasse bietet, fühlt sich der neueste Schauplatz auch am größten an. Zudem ist die Spielfläche in vier Zonen unterteilt (Regenwald, Grasland, Alpen & Wüste), die den Spieler in unterschiedliches Terrain schicken. Dadurch machte sich in mir auch das Gefühl breit, dass Just Cause 4 die bisher abwechslungsreichste Umgebung der Reihe enthält. Außerdem frisch mit dabei sind extreme Wetterereignisse, die sich hervorragend in das brachiale Umfeld der Serie einordnen. Insbesondere die gigantischen Tornados haben mir imponiert, die immer wieder zu wahnwitzigen Situationen im Spielgeschehen geführt haben. Sandstürme, Gewitter und Schneestürme lassen sich ebenfalls erleben. Folgendes Video gibt eine Ausschau darauf, was die neue Apex-Engine des Spiels möglich macht:

Enterhaken als Multifunktionstool

Ebenso als Neuheit präsentiert sich die Modifikation des beliebten Enterhakens. Dieser darf wie auch der Wingsuit und Fallschirm natürlich nicht in einem Just Cause-Titel fehlen. Rico stehen drei Enterhaken-Profile zur Verfügung, die man jederzeit wechseln kann. Insgesamt 14 Mods lassen sich freischalten, die wiederum in drei Kategorien unterteilt sind: Luftheber, Zugmotor und Schubrakete. Mit diesen Funktionen kann Rico beispielsweise Feinde und Gegenstände in die Luft befördern, Türen aufziehen und Autos mit Turboraketen versehen. Die Möglichkeiten, die dem Spieler geboten werden, sind vielfältig und so hatte ich viel Spaß damit, mit den Funktionen zu experimentieren und stärkere Mods freizuschalten. Mit Ausnahme von einigen Missionen werden diese vom Spiel leider aber zu wenig ausgenutzt. Es gibt zu wenige Tätigkeiten, die einen eleganten Umgang mit den Besonderheiten des Enterhakens erfordern. Stattdessen müssen sich Spieler selbstständig ermutigen, die Möglichkeiten kreativ im Spielgeschehen zu nutzen.

Frontenkampf und solide, aber monotone Missionen

Solís ist in mehrere Distrikte unterteilt, die anfangs vollständig in der Gewalt der Schwarzen Hand stehen. Mit der Ankunft von Rico soll sich das ändern. In jeder Region muss der Spieler ausreichend Chaos stiften, um die örtlichen Streitkräfte für sich zu gewinnen. Durch das Verschieben der Front können benachbarte Regionen erobert werden. Anfangs hat mich dieses System sehr neugierig gemacht, da ich eine strategische Komponente dahinter vermutet habe. Im Grunde genommen läuft es aber stets darauf hinaus, dass man die jeweilige Regionen-Angriffsmission findet und abschließt. Mit zunehmender Spielzeit verlor dieses Vorgehen schnell seinen Reiz und fühlte sich monoton an.

Glücklicherweise hat Just Cause 4 dutzende Tätigkeiten in petto, die mich besser unterhalten konnten. Viele der Hauptmissionen sind so bombastisch aufgemacht, dass jeder Actionfan Spaß an den Ereignissen haben wird. Wie bereits erwähnt sind die Aufgaben leider nicht so sehr auf die neue Gameplay-Elemente um den Enterhaken zugeschnitten, wie ich mir es gewünscht hätte – unterhaltsam sind sie dennoch. Und auch die Nebenmissionen sind solide umgesetzt, wenn auch nicht wirklich etwas besonderes. Trotzdem hatte ich beispielsweise Spaß mit den Tempo-, Wingsuit- und Fahrzeugstunts oder mit der Zerstörung von Überwachungsluftschiffen. Auch lassen sich Steinstatuen entdecken. Der Umfang des Spiels lässt sich definitiv sehen.

Bestwertevergleich und spektakuläre Waffen

Noch dazu überwacht Just Cause 4 quasi jede Aktion, die wir in Solís tätigen. Wie schon im Vorgänger werden die unterschiedlichsten Statistiken geführt. Die Leistungen, z. B. der längste freie Fall mit dem Wingsuit, wird on-the-fly mit Freunden verglichen. Das Schlagen von Bestwerten ist durchaus eine spaßige Beschäftigung, auch wenn es immer darauf ankommt, wie sehr man sich als Spieler für solch einen Leistungsvergleich begeistern kann.

Das Spiel stellt also viele Tätigkeiten zur Verfügung, jedoch hatte ich vermeintlich den größten Spaß daran, mich selbstständig mit den Gameplay-Mechaniken auszutoben. Das Zusammenspiel aus Enterhaken, Wingsuit und Fallschirm kann jederzeit zu lustigen, aber auch entspannenden Situationen führen. Inmitten der ganzen Action habe ich es jedenfalls auch mal genossen, in Ruhe durch die Luft zu segeln und mir die Umgebung anzuschauen. Auch mit den Vehikeln hatte ich meinen Spaß. Auf den Straßen von Solís fahren unzählige Sportwagen herum, die nur darauf warten, von uns entführt zu werden. Das Fahrsystem ist herrlich arcadelastig, das Geschwindigkeitsgefühl hervorragend. Es ist wahrlich ein Spektakel, mit einem schnellen Wagen geradewegs auf einen Tornado zuzusteuern oder auch die Schubraketen an einem Fahrzeug zu befestigen und diese zu zünden. Auch riesige Flieger und Kampfjets lassen sich steuern.

Weiterhin kann man sich gehörig mit den verfügbaren Waffen austoben. Bei diesen liegt die Betonung zumeist auf dem Zerstörungsaspekt: Granat- und Raketenwerfer, Rail-, Lightning- sowie eine Wind-Gun möchte ich hier nur als Beispiele nennen. Gerade in Kombination mit der Multifunktionalität des Enterhakens können wir schier endloses Chaos anrichten.

Gute Performance, dafür grafisch nicht gerade überzeugend

Just Cause 3 ist auf der PS4 für viele keine schöne Erinnerung. Das liegt daran, dass es sich schlicht um keine gute Konsolenfassung handelte. Die Performance war immer wieder ein Problem, was die Entwickler auch durch Patches nie wirklich in den Griff bekamen. Erst auf der PS4 Pro ließ sich das Spiel dank des “Boost-Modus” weitestgehend ohne Framerateeinbrüche erleben. Diesen Umstand nahm man sich zu Herzen und hat in der Tat einen Nachfolger abgeliefert, der mit einer viel besseren Performance punkten kann. Just Cause 4 hält über weite Strecken sein Ziel von 30 FPS, was angesichts des actionreichen Geschehens durchaus beeindruckend ist. Manch ein aufwendiger Wettereffekt schafft es dann doch, die Bildrate kurzzeitig herunterzuziehen. Insgesamt aber fühlt sich das Spiel auf PS4 und PS4 Pro wesentlich besser an als noch sein Vorgänger.

Das hat aber auch seinen Preis. Auch wenn Teil 4 rund drei Jahre nach dem letzten Titel erschienen ist, sieht es in vielen Aspekten schlechter aus. Die Figurenmodelle sehen insbesondere in den Zwischensequenzen häufig nicht zeitgemäß aus. Das Spiel kämpft, auch auf der PS4 Pro, mit Aliasing-Problemen und starkem Umgebungs-Pop-In. Feuer- und Wettereffekte können sicherlich auch mal hübsch anzusehen sein. Ebenso hat mich regelmäßig der Blick in die Ferne, hoch in der Luft, immer wieder überzeugen können. Schließlich hat Solís viele interessante Stellen zu bieten. Insgesamt hat mich aber enttäuscht, dass der Titel optisch sehr durchwachsen wirkt. Ich muss aber auch sagen, dass mir die Performance unterm Strich dann doch wichtiger ist und ich persönlich mit dieser Umsetzung besser leben kann, als erneut einen Titel mit Performanceproblemen zu spielen.

Wertung im Einzelnen
Story
7
Gameplay
8
Inhalt und Umfang
7.5
Abwechslung
6.5
Grafik & Sound
7
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