Releasetermin: 21.09.2018

Medientyp: Blu-ray (PS4), Modul (Switch), Download
Genre: Dungeon Crawler, RPG
Entwickler: Nippon Ichi Software
Herausgeber: NIS America

 

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Die Entwickler von Nippon Ichi Software gönnen sich eine Pause von der Disgaea-Reihe und wenden sich anderen Projekten zu. Eins davon war Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk, das sich als indirekter Nachfolger von The Witch and the Hundred Knight sieht. Das Spiel präsentiert sich als Dungeon Crawler, der in seinem Kampfsystem einige interessanten Mechaniken enthält. Welche das sind, erfahrt ihr in meinem Review zum Spiel.

Ein gefährliches Labyrinth, ein lebendiges Buch und ganz viel Humor

Der Titel ist in der Stadt Refrain angesiedelt. Spieler erleben die Ankunft der Hexe Dronya, die mit ihrer Helferin Luca aus einem ganz bestimmten Grund nach Refrain gekommen ist. Sie möchte ein mysteriöses Labyrinth erkunden, das in Refrain vorzufinden ist und sagenumwobene Schätze hüten soll. Über einen Brunnen gelingt der Zugang in die Tiefe. Da sich im Labyrinth Unmengen des giftigen Stoffs “Miasma” sowie feindselige Wesen verbergen, kann die Hexe aber nicht selbst den komplizierten Schauplatz betreten. Es trifft sich daher gut, dass sie das magische Buch “Tractatus de Monstrum” mitgebracht hat, in dem eine Seele schlummert – diese Rolle nimmt der Spieler ein. Ja, richtig gelesen, hier ist der vom Spieler gesteuerte Hauptcharakter tatsächlich ein Buch. Dieses mystische Schriftstück hat allerdings besondere Fähigkeiten. Es kann so genannte Puppets, also Marionetten, beschwören, die im Kampf gegen gefährliche Wesen an der Seite des Buches stehen.

Die Hexe Dronya wirft also regelmäßig “Tractie” in den Brunnen, woraufhin sich das Buch im Labyrinth von Refrain vorfindet, seine Puppets beschwört und das von Monstern übersäte Untergrundlabyrinth erkundet. Klingt wahnsinnig schräg, was es zweifelsohne auch ist. Ich fand die Prämisse und die Umsetzung, die so einige Überraschungen parat hat, aber sehr charmant gelöst. Auch wenn die schroffe Hexe manchmal arg unsympathisch rüberkommt, sind die Konversationen mit viel Humor versehen, was zu einer entspannten und unterhaltsamen Atmosphäre führt. Abgesehen von einigen Szenen, die mir zu sehr in Richtung Fanservice gingen, hat mich jede Begegnung mit anderen Figuren gut unterhalten. Überrascht hat mich, dass Labyrinth of Refrain gelegentlich auch recht düstere Themen einbringt, durch die das Spiel in puncto Story auch frische Impulse einbringt.

Klassischer Dungeon Crawler mit Story, RPG-Elementen und nettem Kampfsystem

Das Spielgeschehen setzt sich grob aus drei Komponenten zusammen. Die erste ist die Visual Novel-Ebene, die mit Konversationen zwischen Dronya, Luca und Bewohnern von Refrain die Geschichte voran treibt. Immer wieder gibt es Abschnitte, in denen Spieler zum Fortschritt Interaktionen der Hauptfigur anschauen. Die zweite Ebene stellt den RPG/Management-Aspekt im “Caravan” dar. Im Wohnwagen erstellt man unter anderem neue Marionetten, ordnet diese in einer Formation an und trifft generell Vorbereitungen für den dritten Aspekt des Gameplays. Dieser nimmt zeitlich wohl den größten Anteil ein. Hauptsächlich sind Spieler nämlich im Labyrinth unterwegs und erleben den Titel als Dungeon Crawler mit rundenbasierten Kämpfen. Auch im Dungeon können unterwegs noch viele strategische Aspekte geändert werden.

Labyrinth of Refrain hat diverse Spielmechaniken, die miteinander verzahnt sind und das recht unspektakuläre Dungeon Crawling-Geschehen erfolgreich aufpeppen. Das fängt an beim innovativen Puppet-System. Wir müssen Marionetten-Teile und Seelen finden, um einen Puppet-Soldaten nach Belieben zu erstellen. Eine Handvoll optischer Vorlagen sowie Klassen stehen bereit, zudem legt man Eigenschaften der Figur fest. Es empfiehlt sich, mit seinen Marionetten ein großes Spektrum an Stärken abzudecken. Man beginnt mit drei Puppets, die ich als Tank, Healer und Allrounder gestaltet habe, um von Beginn an vielseitig zu kämpfen. Schnell kann man weitere Puppets kreieren, mit denen die Möglichkeiten im Kampf erhöht werden. Allen voran gefallen hat mir, dass man festlegen kann, wie die Entwicklung der Figuren verlaufen soll. Während der Erstellung wählt man einen Wachstumsstil, der bestimmt, welche Werte besonders schnell leveln sollen. So ist es im Endeffekt möglich, einen starken Allrounder zu kreieren, oder aber eine extrem mächtige, aber stark spezialisierte Marionette.

 

Interessantes Konzept um Anime-Marionetten als Kämpfer

Man weist die hilfreichen Wesen so genannten “Covens” – Hexenzirkel – zu, die quasi Einheiten darstellen, die unterschiedliche Eigenschaften haben. Wir dürfen fünf Einheiten in die Gefechte mitnehmen. Bestimmte “Hexenzirkel” können bis zu acht Marionetten-Soldaten halten, sodass man im späteren Verlauf des Spiels tatsächlich bis zu 40 Puppets gleichzeitig aktiv in den Kampf schicken kann. Außerdem lassen sich verschiedene Formationen anlegen, die sich in den Dungeons per Knopfdruck wechseln lassen. Somit ist man unglaublich flexibel und kann die Strategie ändern, wenn es mal nicht gut läuft. Läuft es richtig schlecht, geht es den Puppets an den Kragen. Im Kampf können diese Körperteile verlieren, die sie für zukünftige Gefechte schwächen. Kehrt man aus dem Labyrinth in den Wohnwagen zurück, lassen sich die Wesen allerdings auch wieder gegen etwas Silber reparieren.

Im riesigen Labyrinth laufen wir in Egoansicht durch die Dungeons, die aus mehreren Etagen und vielen verwirrenden Wegen bestehen. Auch Fallen sind überall verteilt – Vorsicht ist geboten! Eine Leiste in der Bildschirmmitte zeigt die Gegneraktivität an. Zudem sehen wir die Feinde dank einer Fähigkeit von Tractie als wandelnde Schattenkugel, sodass wir sie mit etwas Geschick überraschen oder auch umgehen können, wenn wir gerade nicht auf einen Kampf aus sind. Die Gefechte finden auf klassischer Rundenbasis statt. Wir wählen für jede unserer Figuren eine Aktion aus, woraufhin diese im Wechsel mit den Feinden ausgeführt werden. Wir können mit der ausgerüsteten Waffe angreifen, aber auch Magie nutzen, was “Donum” verbraucht. Eine entsprechende Leiste findet sich unter der HP-Leiste jedes Puppets wieder. Welche Donum-Kräfte für die jeweiligen Marionetten bereit stehen, hängt mit den Covens zusammen, die unterwegs in Form von Items gefunden und den Charakteren zugewiesen werden.

Die Kämpfe basieren im Grunde genommen auf dem Schere-Stein-Papier-Prinzip. Figuren haben Schwächen und Stärken bei Elementarkräften und Waffenarten. Spielen wir strategisch und clever, sind Kettenboni die Folge, durch die größerer Schaden angerichtet wird. Zudem gibt es ein System, das die Waffenangriffe schwächen oder stärken kann. Wir entscheiden, welche Haltung die Figuren einnehmen. Die Optionen lauten Vanguard und Rearguard. Die beiden Haltungen begünstigen unterschiedliche Waffenarten, sodass man stets darauf achten sollte, dass man eine der ausgestatteten Waffe angemessene Haltung wählt. Nutzt man die falsche Haltung, richten Attacken nur wenig Schaden an. So entsteht unterm Strich ein Kampfgeschehen, das sich aus vielen interessanten Komponenten zusammensetzt. Anfangs mögen die diversen Mechaniken etwas überrumpeln, doch bald gewöhnt man sich an das Zusammenspiel der Aspekte. Im Endeffekt hätte ich mir noch ein wenig mehr Tiefe und Abwechslung vom Gameplay gewünscht, doch insgesamt konnte mich das Geschehen dennoch viele Stunden lang gut unterhalten.

Tolle Optik, die auf dem Bildschirm der Nintendo Switch besonders gut aussieht

Labyrinth of Refrain hat einen wunderschönen Grafikstil. Die Figuren sind detailliert gezeichnet und insbesondere die bunten Farben haben mich überzeugt. In den Dungeons fällt auf, dass die Darstellung technisch insgesamt nicht sonderlich aufwendig ausfällt. Spärliche Animationen und 2D-Charaktersprites zeigen, dass das Budget wohl nicht ganz so hoch war. Dadurch hat die Nintendo Switch, auf der ich das Spiel getestet habe, auch absolut keine Probleme mit der Performance. Ganz im Gegenteil: Auch im Handheld-Modus gibt die Optik eine sehr gute Figur ab, da die gezeichneten Umgebungen und Charaktere sehr schön auf dem Bildschirm der Switch rüberkommen. Der Dungeon Crawler zeigt, dass auch eine eher minimalistische Inszenierung gelungen sein kann, solange fähige Künstler am Werk sind.

Verträumter Soundtrack und gelungene Sprachausgabe

Dronya, Luca und alle anderen menschlichen Figuren wurden vertont. Spieler können zwischen der englischen und japanischen Sprachausgabe wählen. Mir haben beide gut gefallen, ich habe mich für die englische Variante entschieden, damit ich nicht während jeder Konversation lesen muss. Wer die Disgaea-Spiele kennt, ist an einen tollen Soundtrack gewöhnt. Diese Tradition wird mit Labyrinth of Refrain fortgesetzt. Die verträumten Klänge unterstützen die ulkige Atmosphäre und gehen gut ins Ohr. Man merkt, dass sowohl sämtliche beteiligten Zeichner/Designer als auch Komponisten schon viel Erfahrung gesammelt haben und nun eine toll abgestimmte Umsetzung liefern können.

 

Wertung im Einzelnen
Story
7.5
Gameplay
8
Einsteigerfreundlichkeit
8.5
Inhalt und Umfang
7.5
Grafik
8.5
Sound
9
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