Releasetermin: 10.11.2017

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Arcade-Rennspiel
Entwickler: Ghost Games
Herausgeber: Electronic Arts

 

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Die Need For Speed-Reihe war einst der König der Arcade-Racer. Heutzutage erscheinen immer weniger Spiele in diesem Genre. Auch EA gehen allmählich scheinbar die Ideen aus. Während einige der letzten Teile durchaus spaßiges Fahrgeschehen boten, fehlte stets das gewisse Etwas, um die Arcade-Fans so richtig begeistern zu können. Mit Need For Speed Payback wagen EA und Entwickler Ghost Games einen neuen Versuch. Mit einer Story, die im Stile von Fast & Furious gehalten ist und mit mehr Action im Gepäck als mancher Michael Bay-Film will der Racer nicht nur durch seine Rennen den Adrenalinpegel hochhalten. Doch kommt das bei den Fans auch an? Nachdem ich den Titel auf der Gamescom vor einigen Monaten angespielt hatte, war ich noch skeptisch. Daher war ich nun gespannt, wie sich das fertige Spiel letztendlich schlägt.

Netter Schauplatz, durchwachsene Story und belanglose Figuren

Fortune Valley erinnert optisch an Las Vegas und stellt den Schauplatz für Payback dar. Wie der Untertitel des Spiels es schon vermuten lässt, dreht sich beim neuesten Need For Speed alles um Rache. Wir lernen die Crew um Tyler, Mac und Jess kennen, die sich mit Straßenrennen ihr Geld verdient. Blöd nur, dass in Fortune Valley die Organisation “The House” die Straßen beherrscht und als Mafia-Abklatsch fett von manipulierten Rennen profitiert. Dass die Crew sich in einem falschen Gebiet niedergelassen hat, merkt sie nicht zuletzt, als Tyler der Polizei ausgeliefert wird und in den Knast muss. Nach seinem Aufenthalt im Gefängnis sehnt er sich nach Vergeltung und versucht, mit seiner alten Crew das Machtgebilde von The House zu zerlegen.

Stellenweise hat mich diese Handlung gut unterhalten, auch wenn sie unterm Strich nicht sonderlich toll inszeniert ist. Die Figuren werden allesamt als vermeintlich “coole” Racer dargestellt, die einer unlustigen Bemerkung sofort die nächste folgen lassen und mich daher völlig kalt ließen. Narrative Tiefe sucht man bei diesen Charakteren natürlich vergeblich. Dennoch hatte ich mit der dargebotenen Action immer wieder meinen Spaß. Manch bekloppte Handlung schaffte es dann doch hin und wieder, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Außerdem hat mir gefallen, dass die drei Protagonisten drei unterschiedliche Fahrstile verkörpern. Tyler ist der klassische Streetracer, während Mac sich auf Drifts und Offroad-Events spezialisiert hat. Jess hingegen präsentiert sich als Expertin für Fluchtmanöver und Verfolgungsjagden. Spieler können zwischen den Figuren wechseln und erhalten dabei unterschiedliche Veranstaltungen zur Auswahl. Obwohl das Konzept um die Crew storytechnisch also nicht ganz aufgeht, sorgt es im Gameplay für eine nette Komponente.

Herrlich unrealistisch und verdammt schnell

Das Arcade-Spielgeschehen ist die größte Stärke des Spiels. Mit 200 Sachen in die Kurve, einmal kurz die Handbremse abtippen, einen perfekten Drift hinlegen und dank Nitroschub nur wenige Sekunden später wieder die Ausgangsgeschwindigkeit drauf haben? Ja, das klingt nach Need For Speed! Der Titel zelebriert sein Arcade-Fahrgefühl noch mehr als die letzten Teile und geht damit durchaus zu “alten” Stärken aus der PS2-Ära zurück. Die rasanten Rennen haben ein tolles Geschwindigkeitsgefühl zum Resultat. Es ist immer wieder unterhaltsam, aus einem Vollspeed-Sprint heraus eine perfekte Kurve zu nehmen und dabei dem Gegenverkehr auszuweichen. Realismus sucht man hier vergebens, daher präsentiert sich Need For Speed Payback als pfeilschnelle Alternative zu Simulationen ala Gran Turismo Sport und Project Cars 2.

Schade nur, dass dieses grundsätzlich spaßige Fahrgeschehen nicht vollends ausgenutzt wird. Das liegt zum einen an den Events der Kampagne. Payback bietet unterschiedliche Veranstaltungen an. Dennoch wirkte die Auswahl im Spiel nicht komplett ausgewogen auf mich. Während ich durchaus Spaß mit diversen Modi hatte, haben mir andere weniger gut gefallen. Mit den Drift-Events konnte ich mich zum Beispiel nur bedingt anfreunden. In den Rennen habe ich Spaß am gelegentlichen Driften. Doch bei Events, die voll und ganz auf das Punktesammeln durchs Schlittern ausgelegt sind, hatte ich teilweise Probleme, einen wirklichen Spielfluss aufzubauen. Die Punktevorgabe erreichte ich dennoch meistens im ersten Anlauf. Jedoch fühlte sich mein Versuch zumeist nicht so geschmeidig aus wie ich es mit gewünscht hätte. Die Polizei-Verfolgungen haben mich hingegen richtig gut unterhalten – nur leider waren sie für meinen Geschmack ein wenig zu rar gesät.

Gelungener Inhalt und Abwechslung, leider aber mit lästiger Gummiband-KI

Nun, mehrere Wochen nach Release, kann ich diesen Umstand aber kaum noch als Kritikpunkt auslegen. Per Gratis-Update hat NFS Payback nämlich so einige neue Events und gar einen weiteren Spielmodus spendiert bekommen. Hier werden wahrlich alle Fans von Arcade-Racern spaßige Spielmöglichkeiten finden und auch die Abwechslung ist definitiv besser gelungen als in den letzten Teilen.

Zum anderen aber hat die starke Gummiband-KI dafür gesorgt, dass mein Spaß mit dem Spiel hin und wieder gebremst wurde. Die Fahrzeuge der Gegner stellen am Anfang noch keine große Herausforderung dar. Schnell aber nimmt der Schwierigkeitsgrad zu, was aber nicht auf eine besonders raffinierte Fahrweise der Gegner zurückzuführen ist. Vielmehr hilft das Spiel künstlich nach, unsere Gegner stets in unmittelbarer Reichweite zu halten. Egal wie gut wir fahren – sie kleben uns immer im Nacken. Diese Problematik ist altbekannt im Rennspielgenre und ist auch hier nicht unbedingt gelungen umgesetzt. Wirklich spannende Rennen, die unsere Mitstreiter auf faire Weise zur Herausforderung gemacht haben, waren in meiner Erfahrung zu selten gegeben.

Diesmal ohne Online-Zwang, dafür mit spaßigem Online-Modus und nettem Open World-Zeitvertreib

Need For Speed Payback bietet aber noch mehr als nur klassische Offline-Events. So gibt es auch Online-Rennen in Casual- und Ranglisten-Ausführung. An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass Payback ohne Online-Zwang auskommt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – aber nachdem der letzte Teil seinen Spielern genau solch eine Anforderung aufdrückte, ist das Fehlen eines “Always-Online”-Systems positiv hervorzuheben. Da wir eine offene Spielwelt befahren, gibt es auch bekannte Elemente wie Geschwindigkeitsfallen, Sprungschanzen und Driftzonen, die uns beim Befahren der Welt weitere Tätigkeiten bieten. Auch stillgelegte Wagen und separate Autoteile können in Fortune Valley gefunden werden. Hier kommt ein Aspekt zum Einsatz, der vielen Fans in den letzten Ablegern zu kurz kam: Tuning ist wieder mit von der Partie. Die Tuning-Möglichkeiten begrenzen sich nicht nur auf optische Veränderungen. Auch Modifikationen an der Leistung der Wagen können vorgenommen werden.

Tuning mit guten Ideen, aber problematischem Speed-Karten-Konzept

Beim Leistungs-Tuning kommt ein System zum Einsatz, das in den letzten Wochen für große Furore gesorgt hat. Payback nutzt “Speed-Karten”, mit denen Vehikel ausgestattet und schneller gemacht werden können. Jeder Wagen hat sechs freie Plätze für diese Karten. Die Autos sind in unterschiedliche Geschwindigkeitsklassen eingeteilt und haben abweichende Maximal-Leistungsstufen, die es per Speed-Karten zu erreichen gilt. Denn jedes Rennen präsentiert uns eine empfohlene Stufe, die wir für die Teilnahme haben sollten. Mit nur wenigen Punkten unter diesem angegebenen Level haben Spieler schlichtweg keine Chance, weshalb die Upgrades per Speed-Karten ein essentieller Bestandteil des Spiels sind. An für sich finde ich das System auch recht interessant, wenn es nicht einige schwerwiegenden Fehler hätte.

Zum einen sind erspielte Speed-Karten fest an das gefahrene Auto gebunden. Erlangen wir einen neuen Wagen, dürfen wir erneut dutzende Karten von vorne freispielen. Ich hätte mich gefreut, wenn die Karten zumindest für alle Wagen einer Klasse nutzbar wären. Zum anderen kann es recht lange dauern, brauchbare Speed-Karten zu erhalten. Diese warten nach Abschluss vieler Events als Belohnung, ebenso kann man sie im Tuning-Shop mit der InGame-Währung kaufen. Weiterhin werden Teile-Token verteilt, mit drei dieser Token können ebenfalls zufällige Speed-Karten freigeschaltet werden. In Lootboxen aber lauern die vermeintlich besten Karten. Zwar erlangen Spieler diese immer wieder auch im Spielverlauf, doch ist die einfachste Möglichkei an brauchbare Karten zu kommen, das Bezahlen per Echtgeld.

EA rudert zurück – bessere InGame-Belohnungen durch Patch

Während mich dieser Umstand anfangs sehr gestört hatte, ist dieses Thema zum Glück von EA angegangen worden. Microtransactions sind in Form der Lootboxen nach wie vor enthalten, doch per Patch haben die Entwickler die Häufigkeit und den Wert von erspielter Währung und Speed-Karten erhöht. Fühlte es sich zu Release also noch so an, als müsste man bereits erledigte Events wieder und wieder angehen, um wertvolle Speed-Karten zu bekommen und damit in der Leistungsstufe zu steigen, ist nun weitaus weniger “Grind” nötig, um im Spiel voranzukommen. Ich werde leider immer noch nicht dazu ermutigt, mehrere Wagen auszuprobieren, da ich mir für jedes einzelne Auto neue Speed-Karten verdienen müsste. Dennoch kam ich mit einer Handvoll Wagen viel besser voran als noch in den ersten Wochen. Das System um die Speed-Karten stellt also nach wie vor keine ideale Lösung für das Tuning dar, doch immerhin wurde die Microtransactions-Problematik abgeschwächt.

Grafisch nur selten mit schönen Momenten

Schon NFS Rivals und der letzte Need For Speed-Teil ohne Untertitel konnten mit einer durchaus hübschen Grafik überzeugen. Daher hat mich die Optik von Payback ein wenig enttäuscht. Es wurde kaum ein Schritt getan. In seinen besten Momenten sieht das Spiel ähnlich gut aus wie noch Need For Speed 2015. In seinen schlechtesten Momenten aber fallen Texturen-Pop-Ins an den Automodellen, Aliasing und triste Umgebungsdarstellungen auf. Die Farbgebung hat mich ebenfalls irritiert und so wirkt es gelegentlich, als sei der Racer in ein Cartoon-Gewand gehüllt.

Nachts in der Stadt sieht der Titel jedoch hin und wieder auch mal richtig spektakulär aus, wenn sich die Neonlichter diverser Attraktionen in Fortuna Valley hübsch präsentieren. Tagsüber und außerhalb der Stadt fällt der Eindruck aber anders aus, wo langweilig gestaltete Wüstengebiete überwiegen.

Zudem konnte ich keinerlei Verbesserungen auf der PS4 Pro feststellen, obwohl der Titel mit Unterstützung für die Pro angekündigt wurde. Das Spiel läuft augenscheinlich nicht in höherer Auflösung und auch zusätzliche Grafik-Effekte halte ich für unwahrscheinlich, da Payback wie erwähnt kaum besser als Need For Speed 2015 aussieht. Zumindest die Bildrate präsentiert sich recht stabil. Zwar bietet der Titel seinen Spielern lediglich 30 FPS, doch wurde dieses Ziel in meiner Erfahrung immerhin sehr konstant erreicht. Unterm Strich ist Need For Speed Payback keine visuelle Katastrophe, aber es kann absolut nicht mit anderen Racern mithalten, die in den letzten Monaten erschienen sind.

Satte Motorengeräusche!

Akustisch hingegen spielt es auf hohem Niveau mit. Der Sound der verschiedenen Vehikel ist satt umgesetzt, das Röhren der Motoren klingt realistisch. Die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Modellen konnte ich zwar nicht so sehr heraushören wie bei manchem Simulationsrennspiel. Doch insgesamt kann auch die akustische Vielfalt punkten. Ich habe den Titel unter anderem mit dem Sennheiser GSP 303 “Need For Speed Payback Edition” Headset gespielt, auf dem sämtliche Soundeffekte solide herübergebracht werden. Auch der abwechslungsreiche Soundtrack hat mir gefallen. Lediglich die deutschen Sprecher der Charaktere haben mich enttäuscht und tragen mit ihren teils lustlosen Kommentaren dazu bei, dass die Figuren in kaum einer Ebene überzeugen können.

Wertung im Einzelnen
Story
6
Gameplay
8
Inhalt und Umfang
8
Multiplayer
8
Grafik
6.5
Sound
8.5
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