Star Wars Battlefront im Test

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Releasetermin: 19.11.2015

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: First- / Third-Person-Shooter
Entwickler: Digital Illusions CE
Herausgeber: Electronic Arts

 

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In der Vergangenheit haben viele tolle Videospiele mit Star Wars-Lizenz das Licht der Welt erblickt. Knights of the Old Republic, TIE Fighter oder auch Jedi Knight sind für viele Fans selbst heute noch einen Abstecher wert. Mit der Aussicht auf einen neuen Star Wars-Film ist die Zeit für ein neues Spiel im Universum gekommen, das EA und Dice in Form von Star Wars Battlefront präsentieren. Der Titel ist kein direkter Nachfolger der beliebten Battlefront-Reihe, sondern geht einen eigenen Weg, der in den letzten Wochen nicht nur Lob geerntet hat. Lohnt sich das Spiel, oder hat Dice an den falschen Ecken gespart? Wir finden es in unserem Test heraus.

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Photogrammetrie sei Dank

Kommen wir zu aller erst zur größten Stärke des Titels: Battlefront trieft vor gelungener Star Wars-Atmosphäre. Seien es actiongeladene Gefechte auf dem Eis-Planeten Hoth oder spannende Auseinandersetzungen in den dichten Wäldern von Endor – das Spiel strahlt durchwegs eine Atmosphäre aus, die der Filmvorlage absolut gerecht wird. Dies liegt allen voran an der fantastischen Optik und der beeindruckenden Sound-Kulisse. Die Entwickler von Dice arbeiteten mit Disney und LucasFilm zusammen und hatten Zugriff auf Film-Requisiten und Zugang zu den Original-Drehorten. Mit Hilfe der Technik der Photogrammetrie wurden die Kulissen ins Digitale geholt, was ein tolles Resultat zum Vorschein bringt. Die Frostbite-Engine von Dice harmoniert hinsichtlich Beleuchtung, Effekte und Texturarbeit wunderbar mit den Photogrammetrie-Ergebnissen. Man merkt sofort, dass die Macher in dieses Gebiet besonders viel Arbeit investiert haben. Die Grafik gibt auf der PS4 eine unglaublich gute Figur ab. Der Titel ist auf den Konsolen sehr gut optimiert und läuft mit einer konstanten Framerate von 60 FPS, die selbst durch toll inszenierte Explosionen kaum in die Knie zu zwingen ist. Die Umgebungen präsentieren knackig scharfe Texturen, die sich auch auf den Spielfiguren wiederfinden. Die Möglichkeiten der Engine kommen in der Beleuchtung und den realistischen Reflexionen gut zum Ausdruck. Schusseffekte, die Laserschwert-Inszenierung und Explosionen bleiben dem Star Wars-Universum treu und sind in eindrucksvoller Präsentation eine Augenweide. Die bombastische Optik kommt allerdings mit einem Haken daher: Das Spiel läuft nur in 900p und wird auf Full HD-Auflösung hochgerechnet. Im Vergleich zu nativen 1080p ergibt sich dadurch ein leicht verschwommenes Bild, was aber den wenigsten beim regulären Spielen auffallen dürfte. Wer leicht verbesserte Texturen, erweiterte Anti-Aliasing-Optionen und die freie Wahl über die Auflösung haben will, greift zur ebenfalls fantastisch optimierten PC-Fassung. Ich neige dazu, Star Wars Battlefront als hübschestes Spiel der PS4 zu küren – der Titel sieht, 900p hin oder her, einfach außergewöhnlich gut aus und lässt erahnen, dass nicht mehr viel zum Photorealismus fehlt. Weiterhin eindrucksvoll ertönt die Sound-Kulisse, die Dice wie schon in der Battlefield-Reihe nicht zu kurz kommen lässt. Musikalische Untermalung, direkt aus dem Star Wars-Soundtrack entnommen, stimmt die Spieler in die richtige Stimmung ein und lässt Fans der Filme in Nostalgie schwelgen. Detonierende Granaten, Blaster-Schüsse – Pew Pew – und Lichtschwert-Geräusche überzeugen ebenso visuell wie akustisch – ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein anderer Shooter ein befriedigenderen Klang als den wuchtigen Thermal Imploder bietet. Dice beweist einmal mehr, dass es sich lohnt, dem Sound-Aspekt ausreichend Beachtung zu schenken. Insbesondere Besitzer von Heimkino-Soundanlagen haben einen Genuss für die Ohren vor sich.

Viele Modi, wenig Tiefgang

Leider trifft der gewaltige Aufwand hinsichtlich der Präsentation nicht auf alle Aspekte des Spiels zu. So gibt es beispielsweise keine klassische Kampagne, die mit einer Handlung hätte versehen werden können – hätte. Stattdessen stehen eine handvoll Missionen bereit, die allein oder im Koop bestritten werden, allerdings primär das Spielgeschehen erklären. Mehr gibt da eine Art Hordenmodus her, der ebenfalls solo und im kooperativen Mehrspieler erlebt wird. Welle für Welle behaupten wir uns gegen Feinde, was durchaus spaßige Momente bereit hält. Weiterhin sind kompetitive Schlachten gegen Bots und Online-Freunde möglich. Allzu viel Tiefgang ist hier allerdings nicht zu erwarten, zudem ist hier mit Solo-Inhalt Schluss. Dreh- und Angelpunkt von Battlefront stellen die Mehrspieler-Schlachten dar. Das Spiel hält klassische Modi ala Team-Deathmatch und eine Art Eroberungs-Spielvariante parat. Noch dazu werden Modi geboten, die sich der verwendeten Lizenz anpassen und sich ein Stück weit vom Genre-Standard abgrenzen. In Fighter Squadron begeben sich Spieler beispielsweise in den Luftkampf, der durch zusätzliche Bots aufgepeppt wird. Droid Run erinnert an Eroberung und bietet drei Droide als Ziel, die allerdings auf der Map umherwandern. Der Modus Drop Zone erfordert das Einnehmen von Kapseln, die aus der Luft geschossen kommen. Cargo erinnert an Capture The Flag, allerdings geht die Jagd hier nicht auf eine Flagge, sondern auf das gegnerische Frachtgut. Zudem gibt es mehrere Modi, die sich die beliebten Helden und Bösewichte des Universums zum Fokus machen. Großen Spaß hatte ich beispielsweise in „Hero Hunt“. Hier schlüpft ein Spieler in die Rolle einer ikonischen Figur und kann mit Hilfe mächtiger Fähigkeiten möglichst viele Fußsoldaten auslöschen – hier behauptet sich einer gegen alle. Wird der Held oder Schurke hingegen getötet, übernimmt der erfolgreiche Schütze fortan die Rolle und versucht, mehr Kills über einen bestimmten Zeitraum einzufahren. Weiterhin haben die Charaktere in Heroes vs. Villains einen großen Auftritt. Zwei Sechser-Teams treten gegeneinander an, jedes Team steuert drei Helden bzw. Schurken. Die Truppe, die als erstes die gegnerischen drei Ikonen ausschaltet, entscheidet die Runde für sich. Nach jeder Runde wird die Kontrolle über die Figuren neu vergeben, sodass Spieler hier am einfachsten Zeit mit dem virtuellen Luke Skywalker, Darth Vader und Co. verbringen können. Auch in anderen Modi tauchen die Heroes in spielbarer Form auf, sind aber eher selten anzutreffen. Ich hatte in meiner Zeit mit dem Spiel große Freude an den unkonventionellen Spielmodi, doch leiden diese leider unter mangelndem Tiefgang. Durch das zumeist eindimensionale Spielziel sind die Modi durchaus für eine gelegentliche Runde gut – die Highlights stellen allerdings „Walker Assault“ und „Surpremacy“ dar. In ersterem geht es um den Angriff bzw. Verteidung von AT-ATs, in letzterem stehen Kontrollpunkte zur Eroberung bereit, was an Rush aus Battlefield erinnert. Diese beiden Modi haben nicht nur größere Maps und höhere Spielerzahlen spendiert bekommen, sondern bieten auch Luftschiffe wie TIE Fighter und beispielsweise die Kontrolle über AT-STs. Weil sich diese Spielvarianten am dynamischsten spielen, tummeln sich hier auch die meisten Spieler. Auf der PS4 fand ich zwar in jedem Modus recht flott ein Spiel, doch kann es auf dem PC bereits einen Monat nach Release abseits der beliebten Modi zu langen Matchmaking-Zeiten, weil wenige Spieler, kommen. Auch wenn die Modi-Auswahl auf dem ersten Blick also umfangs- und abwechslungsreich wirkt, gibt sie im Endeffekt doch keine allzu große Bandbreite her. Bei den Maps ergibt sich der gegenteilige Ersteindruck, der Enttäuschung verspricht: Das Spiel wurde mit vier Karten ausgeliefert. Richtig gelesen: 4 Maps. Natürlich stehen in den verschiedenen Modi unterschiedliche Abschnitte der Karten parat, sodass sich die Umgebungen zunächst noch vielfältig spielen. Hat man sich jedoch nach einiger Zeit auf einen Lieblingsmodus eingependelt, wird die Karten-Auswahl schnell öde. EA hat mittlerweile allerdings mit „Battle of Jakku“ für kostenlose Inhaltsaufstockung gesorgt. Der DLC liefert nicht nur eine neue Umgebung mit Kartenvariationen, sondern auch einen neuen Modus. Für die Zukunft ist weiterhin kostenloser Zusatz-Inhalt angekündigt, doch ebenso steht ein Season Pass zum Kauf bereit. Zum Preis von 50€ lässt sich schon seit Release neuer Umfang sichern, der in den kommenden Monaten veröffentlicht wird. Da das Basisspiel mit nur einem durchwachsenem Umfang ausgestattet ist, hinterlässt solch ein Season Pass natürlich einen faden Beigeschmack. Es gibt zahlreiche Modi, die auch alle Spaß machen – allerdings ist bei vielen schnell die Luft raus. Die verfügbaren Maps sind fantastisch gestaltet – nur eben mit fünf Arealen in verschiedenen Ausführungen dünn gesät. Schnell sieht man sich satt, weshalb Star Wars Battlefront in puncto Umfang nicht mit den etablierten Genre-Kollegen mithalten kann.

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Vereinfachtes Spielgeschehen schadet Langzeitspaß

Wenn der Umfang schwächelt, wie sieht es dann mit dem Gameplay aus? Da wir nach wie vor vom schwedischen Entwickler Dice reden, sollte klar sein, dass Star Wars Battlefront sich durchaus spaßig spielt. Die Macher der Battlefield-Reihe haben schließlich jede Menge Erfahrung mit dem Genre. Die Battlefield-DNA ist im Spielgeschehen auch unverkennbar festzustellen. Da in Battlefront lediglich futuristische Blaster verwendet werden, ist aber auch ein gewisser Unterschied zu bemerken. So bringt ein genutztes Visier beispielsweise nicht erhöhte Präzision ein, sondern dient nur als Sehhilfe. Dennoch hat Dice dem Spiel ein befriedigendes Gefechtssystem spendiert, das sich durch ein tolles Waffengefühl auszeichnet. Kommen wir allerdings schon zur ersten Schwäche, die das Team in unzähligen Battlefield-Spielen in dieser Form noch nie hatte: Battlefront bietet mit 11 Exemplaren nicht gerade viele Waffen. War es in der Vergangenheit oft noch eine Langzeitmotivation, auf eine gewünschte Waffe hinzuspielen, kommt diese Komponente hier kaum zum Vorschein, da die Waffen schnell zur Verfügung stehen. Weil lediglich Laser-Blaster im Aufgebot Platz finden, fühlen sich die Exemplare noch dazu größtenteils recht ähnlich an. Weiterhin fällt der Aspekt der Waffenkonfiguration komplett weg. Die Schusswaffen können nicht nach Belieben mit Aufsätzen personalisiert werden, sondern liegen nur in Standard-Fassung vor. Das mindert nicht nur wie erwähnt die Langzeitmotivation, sondern nimmt dem Waffenspiel auch einiges an Abwechslung und Experimentierfreudigkeit weg. Und es wird nicht besser. Das gesamte Fortschrittssystem präsentiert sich recht oberflächlich. Mit jedem Abschuss und jedem abgeschlossenen Ziel verdienen Spieler Punkte, die am Rundenende zu Geld umgewandelt werden. Mit diesem Geld lassen sich die angesprochenen Waffen kaufen, die nach und nach frei werden. Zudem lassen sich neue Spielermodelle kaufen, was abermals verschenktes Potential ist. Anders als die Battlefield-Reihe bietet Battlefront neben der Ego-Sicht auch die Möglichkeit zur Third-Person-Perspektive. Manche Spieler präferieren dies sicherlich und so ist diese Einbindung grundsätzlich zu loben. Ich hatte mich im Vorfeld gefreut, meinen Charakter optisch verändern zu können. Wenn man seine Figur schon auf dem Bildschirm sieht, wird man sie sicherlich auch personalisieren können… oder? Falsch gedacht. Wie erwähnt lassen sich vorgefertigte Charaktere kaufen, doch lassen diese sich nicht weiter verändern. Lediglich verschiedene Posen und Gesten stehen zum Kauf bereit, mit denen man seine Mitspieler im Gefecht grüßen, loben oder demütigen kann. Eine weitere Möglichkeit zur Geldausgabe steht noch auf dem Plan: Star Wars Battlefront kommt mit einem Kartensystem daher, das gewohnte Gadgets und Hilfsmittel neu interpretiert. Zwei Hilfskarten sowie eine mit passivem Effekt lassen sich ausrüsten. Durch diese können beispielsweise Granaten, Ein-Schuss-Gewehre oder auch ein Jetpack eingesetzt werden. Die Gadgets müssen sich nach Benutzung abkühlen, stehen aber nach mehreren Sekunden wieder bereit. Mit einem Upgrade der Karte lässt sich außerdem die Effektivität verbessern und bzw. oder die Cooldown-Zeit verringern. Die Auswahl an Karten ist also überschaubar und ich hatte bereits nach rund 15 Leveln Aufstieg meine „Traumausstattung“ freigeschaltet. Dies muss natürlich nicht auf alle Spieler zutreffen, doch sind innerhalb der ersten Hilfsmittel bereits enorm mächtige Waffen und Ausrüstungsgegenstände versteckt. Das gesamte Konzept um das Kartensystem, die wenigen Waffen und die fehlenden Personalisierungsmöglichkeiten erwecken den Eindruck, dass es Battlefront nicht auf Langatmigkeit ausgelegt hat. Denn hatte ich beispielsweise in Battlefield 4 auch nach dutzenden Stunden noch Freischaltungsziele vor Augen, fehlte mir sämtlicher Anreiz hier bereits nach rund 10 Stunden. Das Spielgeschehen ist durchaus spaßig, woran auch die im Schlachtfeld versteckten Objekte beteiligt sind. Je nach Map und Modus lassen sich Flugobjekte, AT-STs, Waffen, explosive Gadgets oder ein Held / Bösewicht durch den Fund von blauen Münzen kurzfristig nutzen bzw. steuern. Dies erweitert das Spielgeschehen clever, löst aber nicht das Problem des mangelnden Inhalts. Battlefront kann regelmäßig für atemberaubende Momente sorgen, die das Spektakel der Filme mit Leichtigkeit einfangen. Doch fehlende Langzeitmotivation und ein unausgereiftes Fortschrittssystem treibt Hardcore-Fans des Genres leider auf kurz oder lang gesehen wieder zur Konkurrenz, die in dieser Hinsicht einfach deutlich mehr zu bieten hat.

Fazit

Leider war die Macht während der Entstehung nicht mit den Dice-Entwicklern. Auch wenn Star Wars Battlefront auf soliden Gameplay-Mechaniken aufbaut, liefert es an zu vielen Stellen zu wenig ab. Die Map-Auswahl lässt trotz erstem Gratis-DLC zu wünschen übrig. Die Modi sind zwar abwechslungsreich, doch bieten lediglich 2-3 Varianten auch tiefgehende und dynamische Abläufe. Durch ein geringes Waffen-Repertoire, oberflächliches Fortschrittssystem und kaum vorhandene Personalisierungsmöglichkeiten schwächelt die Langzeitmotivation, die Genre-Fans mittlerweile gewohnt sind. Für den klassischen Shooter-Liebhaber sind rund 15-20 Stunden Spielspaß sicherlich zu wenig, bevor die Schwächen von Battlefront zum Ausdruck kommen. Gelegenheitsspieler mit Star Wars-Tick dürften sich jedoch auch am Gebotenen erfreuen. Versteht mich nicht falsch: Battlefront hat mir eine Menge Spaß bereitet und mich super auf den neuen Film eingestimmt – doch es hätte, allen voran mit mehr Inhalt, so viel mehr sein können. Immerhin hat Dice für mich die neue Referenz im Grafik- und Sound-Segment auf der PS4 geschaffen, sodass ich mir einen technisch ähnlich starken, aber sonst rundum überarbeiteten Nachfolger wünsche.

Positiv-Icon Star Wars-Atmosphäre fantastisch aufgefangen

Positiv-Icon Visuell und akustisch ein Traum

Positiv-Icon Nettes Waffengefühl, Gameplay grundsätzlich spaßig

Positiv-Icon Viele abwechslungsreiche Modi und (leider wenige) Solo- und Koop-Möglichkeiten

Negativ-Icon Die wenigen Maps nutzen sich schnell ab

Negativ-Icon Fortschrittssystem zu oberflächlich, zudem nur wenige Waffen zum Freischalten, kaum Personalisierung

 

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