Releasetermin: 28.08.2018

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Third-Person-Shooter
Entwickler: Rebellion
Herausgeber: Sold Out

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Strange Brigade heißt der neue Titel von Rebellion, der Spieler gegen übernatürliche Wesen antreten lässt. Als Third-Person-Shooter legt das Spiel dabei eine große Betonung auf Koop-Geschehen, da man sämtliche Aspekte auch gemeinsam spielen kann. Taugt das Spiel etwas als Koop-Shooter? Und was hat der Titel für Solospieler zu bieten? Ich habe es für euch herausgefunden.

Kampagne mit nettem Old-School-Flair

Strange Brigade bietet drei verschiedene Spielmodi, die entweder alleine oder mit bis zu drei Online-Mitspielern angegangen werden können. Das Spiel stellt eine Kampagne vor, von der man aber keinesfalls eine tiefgehende Story erwarten sollte. Es gibt zwar durchaus einige Zwischensequenzen, die schön trashig ausgefallen sind. Immerhin ist sich der Titel seiner Wirkung bewusst und lebt diese Trash-Art völlig aus. Doch mehr als eine Ansammlung an Missionen mit einigen kurzen Clips zwischendrin ist die Kampagne im Grunde genommen nicht. Es gibt insgesamt neun Missionen, die jeweils etwa Inhalt für eine halbe bis eine Stunde bieten.

Die Levels fallen weitgehend linear aus, präsentieren aber immer wieder auch offene Areale und viele alternative Wege, auf denen Schätze lauern können. Ich wurde gut dazu bewogen, die Umgebung zu erkunden und möglichst viele der versteckten Relikte, Katzengötzen, Krüge, Schriftstücke und Edelsteine zu finden. Auch seichte Rätselelemente wurden eingebracht, die bei der Öffnung von Schatzkammern zum Tragen kommen. Die Missionen fangen zumeist simpel an und schicken uns in den Kampf gegen einfache Feinde wie langsame Mumien. Mit steigender Spielzeit aber wird jedes Level schwerer und hält zudem zum Schluss einen Bosskampf parat. Mit cleverem Leveldesign erreichten die Entwickler, dass sich die Gefechte recht spaßig spielen. Abwechslung darf man leider nicht wirklich erwarten, weshalb ich nicht eine Mission nach der nächsten gespielt habe, sondern täglich eine, maximal zwei Aufgaben angegangen bin.

Punktejagd und Hordenmodus sorgen für den langfristigen Spaß

Flotter und kurzweiliger geht es im Spielmodus Punktespiel zu. Hierfür schaltet man Level erst frei, nachdem man sie in der Kampagne beendet hat. Im Punktespiel erlebt man bestimmte Abschnitte der Kampagnenlevel und muss diese möglichst schnell absolvieren. Dabei gilt es, durch Gegnerkills einen Multiplikator in die Höhe zu treiben. Erledigt man für einige Sekunden keinen Feind, sinkt der Multiplikator allmählich. Das Konzept hat mir prinzipiell gut gefallen, allerdings ging es mir persönlich ein wenig zu hektisch zu. Ich hatte mehr Spaß mit der Kampagne und dem dritten Modus, den Strange Brigade für seine Spieler parat hält.

Neben der Kampagne und dem Punktespiel hat Strange Brigade einen Hordenmodus auf Lager, bei dem Spieler insgesamt 30 Wellen der übernatürlichen Gegner überstehen müssen. Gespielt wird auf einer von vier Karten. Jedes Areal ist zu Beginn begrenzt verfügbar, öffnet sich mit steigendem Wellenfortschritt jedoch immer mehr. In den späteren Wellen müssen Spieler nämlich nicht nur gegen riesige Mengen an Feinden ran, sondern auch gegen stärkere und schnellere Wesen, bei denen wir jeden Platz zum Ausweichen und Verschanzen gebrauchen können. Die Fallen, auf die ich gleich noch im nächsten Punkt zu sprechen komme, stehen im Hordenmodus nur je einmal pro Runde bereit, sodass man diese besonders taktisch einsetzen muss. Für jeden Kill gibt es Gold, das für stärkere und spezielle Waffen ausgegeben werden kann. Munition ist limitiert, zum Glück gibt es aber Munitionskisten. Diese brauchen sich allerdings schnell auf und müssen anschließend gegen Gold wieder aufgefüllt werden.

Hier dreht sich also alles darum, möglichst viele Gegner auszuschalten und somit viel Gold einzustreichen, was man strategisch ausgeben kann. Wer lange überleben will, sollte den Hordenmodus lieber nicht alleine angehen. Nach einigen Runden wird das Geschehen nämlich knackig schwer. Im Team hat man bessere Karten, da man sich gegenseitig wiederbeleben kann. Der Hordenmodus ist fantastisch und bietet zumindest mit anderen Online-Spielern dann doch etwas Langspielmotivation, da sich die Versuche mit variierender Gruppendynamik auch etwas unterschiedlich spielen.

Umgebungsfallen, individuelle Spezialfähigkeiten und ein gutes Waffenhandling

In seinen Grundzügen ist Strange Brigade ein gewöhnlicher Third-Person-Shooter, der ein gutes Waffenhandling hat. Die Waffen fühlen sich wuchtig an und es macht Spaß, die Mumien mit Kopfschüssen zu erledigen. Dies lässt sie nämlich explodieren, wodurch die Wesen in unmittelbarer Nähe ebenfalls Schaden nehmen. Neben diversen Standard-Schusswaffen gibt es auch eine Reihe spezieller Modelle, die in den Levels gefunden werden müssen und nur mit begrenzter Munition zur Verfügung stehen. Sprengstoff, der unbegrenzt, aber nach Verbrauch mit einem Timer bis zur Wiederverfügbarkeit versehen ist, ist ebenfalls in unterschiedlicher Ausführung vorhanden. Spieler werden ermutigt, die Umgebung abzugrasen, da sich Waffenupgrades in Form von Edelsteinen finden lassen. Durch erfolgreiche Spielweise und Einsammlung hinterlassener Seelen füllt sich das so genannte Amulett auf, das bei jeder der vier verfügbaren Spielfiguren eine individuelle Spezialattacke ermöglicht.

Diese Eigenheiten sind nett, aber machen Strange Brigade nicht wirklich zu etwas besonderem. Eher schon sorgt eine weitere Mechanik dafür, dass sich der Titel von der Masse abhebt. Sowohl in den Levels der Kampagne als auch in den Arenen des Hordenmodus und in den Punktespiel-Abschnitten sind überall Fallen platziert, die wir taktisch auslösen können. Die Betätigung funktioniert per Schuss auf ein Aktivierungsfeld und sorgt dafür, dass Gegner beispielsweise aufgespießt, erschlagen, zerhackt oder verbrannt werden. Durch diese Fallen in der Umgebung kann man mit etwas Geschick große Mengen an Gegnern vernichten. Das führt tatsächlich dazu, dass sich Strange Brigade nicht wie ein stinknormaler Shooter anfühlt. Trotz netter Gegnergestaltungen und durchdachtem Leveldesign hat das Spiel jedoch insbesondere in puncto Abwechslung nicht allzu viel zu bieten. Es ist unterhaltsam, seine Waffen aufzurüsten, doch prinzipiell nutzt sich das Spielgeschehen recht schnell ab.

Im Online-Koop ein großer Spaß – allen voran beim Überleben der Hordewellen!

Gut, dass Strange Brigade so eine große Betonung auf Koop-Action legt! In Zusammenarbeit mit Freunden spielt es sich spaßiger und lässt das repetitive Spielgefühl erst später aufkommen. Gemeinsam mit bis zu drei weiteren Spielern alle Fronten abdecken zu können, ist durchaus eine nette Aussicht. Selbst beim Spielen mit Fremden wird die Action gesteigert. Am meisten Spaß macht es aber, wenn man zusammen mit Freunden auf Mumienjagd geht und sich dabei auch noch unterhält. Da sämtliche Aspekte des Spiels auf Koop ausgelegt sind, können auch wirklich alle Missionen und Spielvarianten gemeinsam angegangen werden. Ich hatte auch als Solospieler meinen Spaß, doch der wahre Unterhaltungsgrad entfaltet sich erst, wenn man mit Bekannten zu zweit, zu dritt oder gar zu viert für das ultimative Chaos unterwegs ist.

Eine Kritik habe ich an der Umsetzung trotzdem. Während der Hordenmodus im Koop fantastisch ausfällt, hat das Spielen der Kampagne im Koop einen faden Beigeschmack. Gefundene Relikte und Katzenstatuen werden für alle Spieler registriert. Kleinere Schätze hingegen stehen nur je einmal zur Verfügung und gehen an denjenigen, der die Truhe als erstes geöffnet hat. Da ich online also nicht sämtlichen Loot einstreichen kann, habe ich die Kampagnenlevel lieber alleine gespielt. Denn gerade im Kampf gemeinsam mit Fremden, wo es in den meisten Fällen nur wenig Absprache gibt, hat es mich immer wieder geärgert, dass nicht alle Spieler von den Funden profitieren können.

Scharfe Texturen und prächtig umgesetzte Schauplätze

Visuell macht Strange Brigade einen soliden Eindruck. Die bunte Farbgebung gefällt mir, außerdem bieten sich uns beim Spielen immer wieder tolle Ausblicke. Die Schauplätze sind hervorragend gewählt. Mit seinen Tempeln und Grabkammern hat das Spiel durchaus seine beeindruckenden Momente. Diese werden ein wenig im Stich gelassen vom recht starken Aliasing, das eine klare Bilddarstellung häufig verhindert. Selbst auf der PS4 Pro, mit deren Hilfe es in 1440p eine höhere Auflösung zu bestaunen gibt, ist das Kantenflimmern an vielen Objekten noch sichtbar. Trotzdem hat der Titel nette visuelle Impulse in petto. Das Gegnerdesign, allen voran die Gestaltung der Bosse, ist sehr gut gelungen. Die kurzen Zwischensequenzen erinnern mich mit ihren schrägen Figuren und schlechten Wortwitzen an alte B-Movies, was eine Menge Charme hat.

Ebenfalls recht nett finde ich die Idee, dass ein Kommentator das Geschehen regelmäßig mit seinen Bemerkungen versieht. Den einen oder anderen mag dieser Aspekt nach einer Weile stören. Ich fand jedoch, dass dieses Element dem Trash-Charme gut in die Karten spielt, der stets für eine unbekümmerte und spaßige Atmosphäre sorgt. Mit wuchtigen Waffensounds und orientalischen Klängen, die zum ägyptischen Schauplatz passen, fällt die akustische Umsetzung insgesamt überzeugend aus.

Wertung im Einzelnen
Gameplay
7.5
Inhalt und Umfang
7.5
Langzeitspaß
7
Online-Koop
9
Grafik und Sound
8.5
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