Releasetermin: 11.01.2019

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Rollenspiel
Entwickler: Namco Tales Studio, Bandai Namco Studios
Herausgeber: Bandai Namco

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Die Tales of-Reihe genießt in Japan größte Beliebtheit. Allmählich werden die Spiele auch im Westen beliebter. Dem war aber nicht immer so, weshalb manche Ableger in der Vergangenheit nie außerhalb Japans erschienen sind. Tales of Vesperia war dafür immer ein gutes Beispiel. Die Basisfassung auf Xbox 360 kam zwar im Westen heraus. Doch die PS3-Fassung mit erweitertem Inhalt, auf die sich viele Serienfans gefreut hatten, blieb den Japanern exklusiv vorbehalten. Mit einigen Jahren Verspätung dürfen wir nun aber endlich auch hierzulande eine lokalisierte Version des Titels erleben. Tales of Vesperia: Definitive Edition ist ein Remaster, das auf allen aktuellen Konsolen und dem PC erschienen ist. Hat sich das Warten für JRPG-Fans gelohnt? Ich verrate es euch!

Liebenswürdige Figuren sorgen für Unterhaltung

Tales of Vesperia dreht sich um Yuri Lowell, einen ehemaligen Kaiserlichen Ritter. Der Planet Terca Lumireis dient als Schauplatz. Die Bewohner machen sich hier die antike Technik Technik “Blastia” zunutze, die in verschiedenen Ausführungen immens wichtige Funktionen für die Bewohner zu bieten hat. Als der Aque-Blastia-Kern der Unterstadt in der kaiserlichen Hauptstadt Zaphias gestohlen und somit die Wasserversorgung unterbrochen wird, macht sich Yuri auf die Suche nach dem Dieb. Die Ereignisse überschlagen sich und führen dazu, dass Yuri schnell mit ganz anderen Probleme zu kämpfen hat. Mit einer schillernden Truppe, zu der regelmäßig neue Figuren dazustoßen, bereist er fortan ganz Terca Lumireis und muss die Zerstörung des Planeten verhindern.

Die Prämisse klingt ähnlich? Kein Wunder, denn viele JRPGs haben ein ähnliches Setting um das nahende Ende der Welt. Was mir gut gefallen hat, sind die Charaktere, die im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchmachen. Dies trifft insbesondere auf Protagonist Yuri zu, der einen erstaunlichen Wandel an den Tag legt. Fast jede Figur, die wir näher kennenlernen, hat interessante Eigenschaften und auch die Interaktionen der Charaktere sind unterhaltsam. Natürlich sind auch einige klischeehaften Stereotypen dabei, die man in einem Anime-Spiel genauso erwartet. Nichtsdestotrotz sind die Figuren toll in die Handlung eingebettet und machen das Geschehen unterm Strich zum unterhaltsamen Abenteuer.

Gelungenes Kampfsystem und jede Menge zu tun

Als JRPG bietet Tales of Vesperia jede Menge Inhalt. Spieler gehen in der umfangreichen Story vielen Quests nach, haben aber auch viele Nebenaufgaben zur Auswahl. Auch “Geheimmissionen” und Minispiele hält der Titel bereit. Mit der Waffen-Synthese kann man ebenfalls viel Zeit verbringen. Was für mich beim Spielen den größten Reiz ausgemacht hat, war das gelungene Echtzeit-Kampfsystem. Anfangs wirkte dieses recht simpel auf mich. Durch abwechslungsreiche Charaktere und freischaltbare Fähigkeiten gewinnen die Kämpfe im Laufe des Spiels allerdings noch deutlich an Komplexität. Da sie manchmal angenehm fordernd sind, wird ein strategisches Vorgehen immer wichtiger.

Leider kann der Schwierigkeitsgrad nicht auf voller Linie überzeugen. Die Gefahr der Gegner schwankt extrem und so ist es mir häufiger passiert, dass ich plötzlich große Schwierigkeiten durch den ruckartigen Anstieg der Gegnerstärke hatte. Das kann ein wenig frustrierend sein, da lästiges Farmen von Erfahrungspunkten die Folge ist, bevor man mit der Story fortfahren kann. Auch ist mir negativ aufgefallen, dass auf die KI-Partner im Kampf nur selten Verlass ist. Immer wieder erfüllen sie ihre zugewiesene Rolle kaum. Es erhöht schlicht den Frustfaktor, wenn die designierte Heilerin lieber geradewegs in den Tod läuft, anstatt sich um die Aufstockung der Gesundheitsleisten zu kümmern. Trotz kleiner Schwächen hatte ich viel Spaß mit dem Kampfsystem von Tales of Vesperia, was vor allem daran liegt, dass es durch die vielen Fähigkeiten der Figuren lange Zeit dynamisch bleibt und nicht langweilig wird.

Definitive Edition mit einigen Neuerungen und Verbesserungen

Das Remaster kommt wie eingangs erwähnt mit zusätzlichem Inhalt daher, der es bisher nicht in den Westen geschafft hat. Mit der Definitive Edition schaffen es einige zusätzlichen und abgeänderten Abschnitte ins Spiel. Flynn erhält einige Szenen, in denen er spielbar wird, ebenso stößt Neuling Patty zum Figurenaufgebot dazu. Im Laufe der Geschichte werden die beiden zu permanenten Mitgliedern unserer Party, was eine wirklich nette Ergänzung darstellt. Ebenso gibt es eine Handvoll neuer Areale, Dungeons, Feinde und Songs. Gameplay-Veränderungen lassen sich ebenfalls finden, die das Spiel subtil verbessern.

Durch die neuen Inhalte wird der ohnehin schon große Umfang noch ein wenig aufgestockt. Tales of Vesperia: Definitive Edition bietet eine Spielzeit von rund 50 bis 100 Stunden. Die Spielzeit hängt stark davon ab, wie vielen Nebenmissionen ihr nachgeht, wie viele der optionalen Dungeons und Bosse ihr euch vorknüpft und wie sehr ihr euch mit der Erkundung beschäftigt. Wer ein umfangreiches JRPG sucht, ist hier definitiv an der richtigen Stelle.

Toller Grafikstil, optisch dennoch etwas angestaubt

Für meinen Test wurde mir die PS4-Fassung zur Verfügung gestellt. Gespielt habe ich primär aber auf meiner privaten Nintendo Switch-Version, da ich recht viel unterwegs bin und so auch auf Reisen an meinem Fortschritt arbeiten kann. Grundsätzlich sind beide Fassungen hübsch anzusehen. Die PS4-Variante hat jedoch eine höhere Auflösung am TV und läuft auch außerhalb der Kämpfe mit einer stabilen Bildrate von 60 FPS. Switch-Spieler müssen sich abseits der Kämpfe mit 30 FPS zufrieden geben. Leider bleibt die Framerate trotzdem nicht immer stabil, gerade im Handheld-Modus kann man hier und da Ruckler erleben. Die PS4 bietet technisch die deutlich bessere Option, lässt sich aber nun einmal nicht ohne weiteres portabel wie auf der Switch spielen. Wer beide Konsolen hat, steht also vor der Qual der Wahl.

Das Remaster hat den Titel visuell auf eine Ebene mit vielen aktuellen Anime-Titeln gehoben. Die Figuren sind nett gestaltet, der Grafikstil ist auch heute noch ansehnlich und Effekte im Kampf lassen sich sehen. Das ganz große Grafikfeuerwerk wird hier nicht geboten, was aber sicherlich auch kaum einer erwartet hat. Bei einem Remaster ist eben kaum zu verschleiern, dass der Titel einige Jahre auf dem Buckel hat, da sämtliche Assets kaum von Grund auf neu angefertigt wurden. Durch die gelungene Präsentation lenkt Tales of Vesperia allerdings geschickt weitestgehend von dieser Tatsache ab.

Nun mit Vertonung aller Konversationen – teilweise aber durch unterschiedliche Sprecher

Die Definitive Edition kommt noch mit einer weiteren Änderung daher. Die Version, die 2009 auf Xbox 360 im Westen erschien, wurde in Zwischensequenzen von englischen Sprechern vertont. Außerhalb dieser Szenen blieben die Charaktere jedoch stumm. Dies ändert sich nun, da Bandai Namco die übrigen Konversationen für die Definitive Edition synchronisiert hat. Leider wurden allerdings nicht alle ursprünglichen Sprecher engagiert. Insbesondere bei Hauptcharakter Yuri Lowell fällt es auf, dass er in Zwischensequenzen und sonstigen Szenen zwei verschiedene Sprecher hat. Der Übergang der Abschnitte kann etwas seltsam wirken und so ist es jedenfalls schade, dass nicht alle Originalsprecher ihre Rollen einnehmen konnten. Trotzdem sind die Stimmen grundsätzlich gut gewählt. Die englische Synchronisation hat einen gehörigen Anteil daran, dass mir viele Figuren schnell sympathisch waren. Wer mag, kann zudem in den Optionen die englischen mit den japanischen Sprechern austauschen. Auch der verspielte Soundtrack ist gelungen und passt toll zu dem Abenteuer.

Wertung im Einzelnen
Story und Charaktere
8
Gameplay
8
Inhalt und Umfang
9
Grafik
7
Sound
8
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