Releasetermin: 22.09.2017

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Adventure
Entwickler: TT Games
Herausgeber: Warner Bros. Interactive Entertainment

 

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Mein zuletzt gespielter Lego-Titel liegt mit Lego Marvel Avengers rund eineinhalb Jahre zurück. Daher freute ich mich durchaus darüber, The Lego Ninjago Movie Videogame testen zu dürfen. Und das, obwohl ich im Voraus gar nichts über die Lego Ninjago-Marke wusste und auch den Begleitfilm nicht kannte. Ob ich dennoch meinen Spaß hatte? Findet es in meinem Test heraus.

Angriff auf Ninjago

Dass die Lego Ninjago-Produkte beliebt sind, zeigen nicht nur die Spiele für DS, 3DS und Vita, die es zu der Marke bereits gibt. Die Popularität geht sogar so weit, dass Warner einen Kinofilm um die jungen Ninjas produziert hat. The Lego Ninjago Movie Videogame stellt das dazugehörige Spiel dar, das auf die selbe Prämisse wie der Film aufbaut. Die Insel von Ninjago wird vom machtbesessenen Bösewichten Garmadon und seiner Armee an Lego-Kriegern in Hai-Kostümen angegriffen.

Dieser Vorfall verlangt nach den aufstrebenden Ninjas unter der Leitung von Meister Wu, die sich im Kampf gegen Garmadon immer wieder neu beweisen müssen. Durch viele Story-Schnipsel direkt aus dem Film wird eine charmante Handlung erzählt, die für junge Lego-Fans ansehnliche Action in petto hat. Die Helden-Geschichte macht zwar nicht viel neues. Auch ist mir aufgefallen, dass Ausschnitte sehr sprunghaft gezeigt werden und manche Kinder dank der Lücken Probleme haben könnten, der Handlung zu folgen. Mit einigen gerenderten Szenen als Ergänzung zu den Filmausschnitten wird dem aber teilweise entgegengewirkt.

Auch der Klamauk-Humor kann typisch für die Lego-Filme und -Spiele punkten. Die deutschen Sprecher der Figuren sind hochqualitativ besetzt und so musste ich besonders über die Sprüche von Garmadon häufig schmunzeln. Die Sound-Abmischung ist aber nicht ideal gelungen. Die Stimmen in den Film-Szenen sind leiser als die in den gerenderten Sequenzen. Insgesamt hat mir die Umsetzung der Geschichte aber überraschend gut gefallen. Wer den Lego-Klamauk mag, wird mit oder ohne Kindern eine gute Zeit haben. An dieser Stelle möchte ich aber eine Spoiler-Warnung aussprechen. Das Spiel behandelt die vollständige Geschichte des Films. Wer sich den Streifen im Kino ansehen möchte, sollte dies womöglich vor dem Spielen tun. Es gibt zwar so einige Lücken, die im Film sicherlich ausführlicher behandelt werden. Die wichtigsten Story-Punkte nimmt das Spiel dennoch vorweg.

Im Kern mit typischem Lego-Gameplay

Beim Gameplay habe ich das klassische Lego-Spielgeschehen erwartet, das ich in der PS4-Generation nun schon häufiger erlebt habe. Größtenteils ist das Geschehen in der Tat unverändert, doch The Lego Ninjago Movie Videogame bringt auch neue Impulse mit ein. Das Grundkonzept bleibt gleich: Wir zerstören Lego-Konstruktionen, sammeln jede Menge Lego-Steinchen ein, verprügeln virtuelle Lego-Figuren, lösen seichte Umgebungsrätsel mit Hilfe von gebauten Hilfsmitteln aus Lego und führen Platforming-Elemente aus.

Spieler haben auf der Insel mehrere abgetrennte Gebiete zur Verfügung, die wiederum in offene Areale und schlauchige Abschnitte eingeteilt sind. Im Laufe der rund 8- bis 10-stündigen Geschichte streifen wir einmal durch alle Gebiete, doch nach Vollendung eines Story-Kapitels steht das durchforstete Gebiet auch zum “freien Spiel” bereit. Ich kann mich noch an die zentralen Hub-Level einiger Vorgänger erinnern, was hier aber in dieser Form nicht vorliegt. Stattdessen können wir nach dem Freischalten der Gebiete frei von einem zum anderen springen, was allerdings mit einem grauenvoll langen Ladebildschirm verbunden ist, der tatsächlich immer rund eine Minute andauert.

Dennoch finde ich das Konzept der eher großflächigen Areale gelungen. Es entsteht zwar nicht das Gefühl, eine offene Welt zu bespielen, da die voneinander abgetrennten Gebiete den Spielfluss teilweise etwas stören und weil es auch jede Menge linearer Abschnitte gibt. Dennoch bin ich auch nach Abschluss der Story-Sequenzen gerne in die Bereiche zurückgekehrt. Eine Handvoll Nebenmissionen, verschiedene “Kampf-Dojos”, Zeitrennen sowie die klassischen Sammelobjekte wie die goldenen Lego-Blöcke, Schriftrollen zum Freischalten von Cheats oder neue Figurenpäckchen machen den Ausflug in bereits bekannte Areale lohnenswert.

Jede Menge Sammelobjekte und spielbare Figuren

Apropos Figurenpäckchen – es gibt wieder dutzende neue Charaktere freizuschalten. Insgesamt 101 Figuren wollen gefunden werden. Zudem können Spieler in einem Charaktereditor ihre liebsten Figurenteile zu einem eigenen Charakter zusammenführen. Mit unterschiedlichen Waffen und Fähigkeiten erhalten wir durchaus einen Anreiz, viele der Figuren auszuprobieren.

Einen weiteren Anreiz stellt die altbekannte Betonung auf Backtracking dar. In der Story kommen wir an vielen Stellen vorbei, die wir mit den mitgeführten Figuren nicht freilegen oder erreichen können. Spieler müssen also im freien Spiel mit den Charakteren zurückkehren, die die geforderte Fähigkeit besitzen, um das versperrte Sammelobjekt freizuschalten. Diese Backtracking-Mechanik kann man mögen oder nicht, Sammelfans werden um den erneuten Besuch aller Gebiete aber nicht herum kommen. Hier kommt das Prinzip des „freien Spiels“ sehr gut zum Einsatz, da wir völlig frei die Areale zur Erkundung betreten können und nicht wie in der Vergangenheit gezwungen sind, die Story-Kapitel erneut zu spielen, um die versteckten Abschnitte freizulegen.

Die Figuren haben verschiedene Elementar-Fähigkeiten, sogenannte Spinjitzus, die allerdings erst in der zweiten Hälfte des Spiels zur Verfügung stehen. Die Einführung dieser Kampfkünste haben für mich aber auch das Pacing verschlechtert. Wir müssen die Spinjitzu-Fertigkeiten immer häufiger einsetzen, was mir gegen Ende des Spiels schlichtweg zuviel wurde. Die anderen Spielelemente geraten immer mehr in den Hintergrund.

In der ersten Hälfte haben wir in kurzen Segmenten beispielsweise ab und zu die Gelegenheit, unsere Ninjas in verschiedene Mechs schlüpfen zu lassen. Diese erfrischenden Momente wurden zunehmend seltener, sodass sich das Geschehen im letzten Drittel etwas zog. Es hilft auch nicht, dass wir mit bis zu fünf Figuren unterwegs sind und diese aufgrund der Fähigkeiten ständig wechseln müssen. Der automatische Wechsel gab mir zu häufig die falsche Figur, man muss also ständig die Charakterscheibe öffnen und manuell wechseln. Noch dazu sehen sich zwei Figuren sehr ähnlich, was dazu führte, dass ich das häufige Wechseln irgendwann leid war.

Innovation im Kampfgeschehen

Während das Konzept also grundsätzlich in klassischer Lego-Manier präsentiert wird, kommt das Kampfsystem mit neuen Ideen daher. Spieler haben mit der Kombination von Angriffs- und Sprungtaste eine Reihe von Kombos zur Verfügung, die definitiv über die Möglichkeiten früherer Teile hinausgehen. Da alle Manöver über den Angriffsknopf laufen, ist das Geschehen nach wie vor recht simpel inszeniert und somit auch für jüngere Spieler geeignet. Mit diversen Variationen (beispielsweise gleichzeitig den linken Stick zum Gegner ziehen, Angriff aus dem Sprung, Angriff aus dem Doppelsprung) wird allerdings Würze in das Kampfsystem gebracht. Auch die Spinjitzu-Künste können im Kampf eingesetzt werden, doch ist mir persönlich die Ausführung zu umständlich, um sie regelmäßig in den schnellen Gefechten zu nutzen. Eine Art Spezialangriff rundet das Geschehen ab.

Da die Feinde auch mit Schilden ausgerüstet sind, müssen Spieler ihre Kampftechniken variieren. Wer immer mit der selben Attacke angreift, wird auf undurchdringliche Blocks stoßen. Wer hingegen erfolgreich hohe Kombos ausführt, erhält dank eines Kombo-Features zunehmend mehr Lego-Steinchen als Belohnung. Wir können die verschiedenen Kampftechniken verbessern, doch habe ich ehrlich gesagt beim Spielen kaum bemerkt, dass meine Figuren in der Theorie fortan stärker sein sollten. Diese seichte RPG-Mechanik im Gewand eines überschaubaren Skill-Baums trägt leider also nicht viel zum Geschehen bei. Das überarbeitete Kampfsystem gefällt mir dennoch gut. Es hat natürlich nicht die Tiefe eines Bayonettas, es muss schließlich nach wie vor zugänglich für Kinder sein. Dennoch spielen sich die Gefechte nun dynamischer und vielfältiger, was der Abwechslung insgesamt gut tut.

Erneut mit Koop und erstmals mit kompetitiven Modi

Die Möglichkeit zum Zwei-Spieler-Koop ist einmal mehr gegeben. Das gesamte Abenteuer sowie das freie Spiel lassen sich im lokalen Koop gemeinsam erleben, was für Familien stets ein wichtiger Punkt in der Lego-Reihe ist. Erstmals bringen die Entwickler aber auch eine kompetitive Komponente mit ein. In der „Kampfarena“ gibt es insgesamt vier verschiedene Modi, die an typische Spielvarianten unter anderem aus Shootern erinnern. Hier gibt es beispielsweise eine Capture the Flag-Variation. Diese Modi lassen sich alleine gegen drei KI-Figuren oder gegen bis zu drei lokale Mitspieler erleben. Eine Reihe von verstreuten Items verleihen den kompetitiven Modi einen Hauch von Partyspaß ala Mario Kart.

Zwar fühlen sich hier noch nicht alle Elemente perfekt ausbalanciert an. Ich empfand manche Arenen beispielsweise als zu groß und manche Items als zu mächtig, andere als zu schwach. Dennoch gefällt mir die Idee sehr gut. Wer alleine spielt, langweilt sich gegen die viel zu leichten Bots schnell und ist besser bedient mit den Kampf-Dojos. Aber gerade mit mehreren Freunden hat dieser kompetitive Zusatz durchaus Potential. Ich hoffe, dass wir auch im nächsten Lego-Titel solch eine Umsetzung sehen – dann gerne auch noch ein wenig ausgefeilter und mit Online-Option.

Probleme mit der Kamera und unsauberer Performance, aber auch mit hübsch inszenierten Momenten

Leider zieht sich durch alle Bereiche des Spiels ein Problem mit der Kamera. In vielen Segmenten ist die Kameraperspektive mit dem rechten Stick frei steuerbar, doch an einigen Stellen wird uns die Kamerakontrolle wieder geraubt. Das kann dazu führen, dass die Ansicht hin und wieder auf ganz seltsame Winkel springt und dem Spieler die Übersicht nimmt. Im folgenden Video könnt ihr ein Beispiel dafür sehen, das leider keine Seltenheit darstellt. Ich habe häufig mit der Kamera gekämpft und gelegentlich sogar virtuelle Tode als Resultat erlebt. Da die Steuerung der Figuren etwas schwammig ausfällt, reicht ein unerwarteter Kameraschwenk, um sich aus Versehen in eine Schlucht zu stürzen. Ich habe mich nach einer Weile an die Eigenheiten der Kamera gewöhnt. Verflucht habe ich sie dennoch immer wieder.

Dieses technische Problem ist nicht das einzige, denn da wären noch die bereits erwähnten Ladezeiten, die uns beim Gebietswechsel wirklich einiges an Geduld abverlangen. Auch die Performance ist nicht optimal. In hitzigen Gefechten kommt es durchaus einmal zu Einbrüchen der Bildrate. Screen Tearing ist ebenfalls zu beobachten. Ich spielte auf der PS4 Pro, die scheinbar keinerlei Verbesserungen im Grafik-Segment erhalten hat. Optisch ist der Titel dennoch nett und kann mit einigen hübschen Effekten rund um die Lego-Steinchen überzeugen. Die Gebiete und Feinde werden abwechslungsreich und farbenfroh präsentiert. Auch das Kampfsystem kann in dieser Hinsicht punkten, da manche actionreiche Manöver wirklich ansehnlich inszeniert sind und Kindern ein Strahlen ins Gesicht zaubern werden.

Wertung im Einzelnen
Story
7
Gameplay
7
Inhalt und Umfang
7
Multiplayer
8.5
Grafik & Performance
7
Sound
8
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Hey Leute, ich bin der Dominik, Redakteur, und stürze mich für euch gerne in die aktuellsten News und Reviews der PS4 :)