Releasetermin: 09.06.2018

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Platformer, Rätsel
Entwickler: ColdWood Interactive
Herausgeber: EA

Im Playstation Store kaufen

 

EAs “Originals” Programm zeigt erste Erfolge. Unter diesem veröffentlichte man 2015 den Indietitel Unravel, der mit seinem knuffigen Aussehen viele Spieler begeistern konnte. Weitere Spiele folgten in diesem Jahr mit Fe und A Way Out. Nun hat EA den Entwicklern von ColdWood Interactive erneut unter die Arme gegriffen und mit Unravel Two den Nachfolger des Garn-Abenteuers veröffentlicht, das den Startschuss für EAs Indie-Initiative gegeben hat. Wurde der Titel durch sein sofortiges Erscheinen zum Überraschungshit der E3 oder ist der Charme, der den ersten Teil ausgemacht hat, verflogen? Finden wir es heraus.

Ein kooperatives Garn-Abenteuer

Der große Clou des Spiels steckt bereits im Titel. Denn es heißt nicht wie eine klassische Fortsetzung “Unravel 2”, sondern stattdessen “Unravel Two”. Das soll eine Anspielung auf die kooperative Spielbarkeit sein. Während Yarny im ersten Teil nämlich noch alleine unterwegs war, hat er in der Fortsetzung einen gehäkelten Freund zur Unterstützung. Unravel Two lässt sich sowohl solo mit einem Controller als auch im lokalen Multiplayer mit zwei Controllern erleben – und hat mir deutlich besser als Koop-Erfahrung gefallen.

Das liegt daran, dass viele Stellen in den Levels auf die Zusammenarbeit der beiden Garnwesen zugeschnitten sind. Spielt man alleine, steuert man die beiden Protagonisten abwechselnd und hat außerdem die Möglichkeit, die beiden miteinander zu verstricken, um in Laufpassagen nur eine Figur steuern zu müssen. Spielt man hingegen zu zweit vor einer Konsole, ist kein Trennen und separates Kontrollieren der Charaktere nötig. Stattdessen übernehmen beide Spieler je eine Figur, was einen flüssigeren Durchgang möglich macht. Das Spiel kann technisch durchaus vollständig solo absolviert werden, doch empfand ich das ständige Wechseln nach einiger Zeit etwas lästig. Zu zweit spielen sich die Levels schlicht natürlicher und durch die Interaktion miteinander auch spaßiger, es kommt ein besserer Spielfluss auf.

Clevere Rätsel, die zu zweit mehr Spaß machen als solo

Unravel Two versteht sich als Plattformer, dessen Spielgeschehen sich nicht nur durch Sprünge aller Art auszeichnet, sondern auch jede Menge Rätsel bereit hält. Spieler müssen zumeist mit Objekten in der Umgebung interagieren, damit sie im Level voranschreiten können. Alle Rätsel sind physikbasiert, zumeist spielen also Kräfte, Geschwindigkeit und Gravitation eine Rolle. Yarny und sein Garn-Kumpel können dabei nicht nur das Gewicht ihrer Körper aus Stoff nutzen, sondern auch Garn spinnen und beispielsweise dadurch an Stangen schwingen, Objekte zu sich ziehen oder gar eine Art Trampolin mit einem straff gezogenen Garnstrang erschaffen.

Die meisten Rätsel legen Wert darauf, dass beide Figuren ihren Anteil am Weiterkommen haben. So muss sich gelegentlich ein Protagonist auf eine Plattform stellen und mit seinem Gewicht diese herunterdrücken, damit der andere über diese voranschreiten kann. Auch nutzt das Spiel häufig aus, dass die beiden Figuren per Garn miteinander verbunden sind. Dadurch wird möglich, dass sich ein Charakter an einen Abhang stellt und der andere sich vorsichtig abseilen oder in der Luft Schwung aufnehmen kann. Gerade wenn man zu zweit spielt, machen diese kooperativen Mechaniken einen großen Spaß.

Weitestgehend simpel gestaltet, hin und wieder auch erstaunlich komplex

Da die Rätsel grundsätzlich nach einem logischen Muster ablaufen, sind sie weitestgehend einfach zu lösen. Ich kam zumeist auf die Lösung, indem ich mir eine Minute zum Nachdenken gegönnt habe oder ein wenig mit den Hindernissen und den Spielmechaniken experimentierte. Ich muss aber auch sagen, dass ich bei einer Handvoll Stellen dann doch minutenlang nicht weiter wusste. Das ein oder andere Rätsel kann durchaus recht knifflig sein, weshalb ich zwei kleinen Kindern nicht unbedingt zutraue, Unravel Two selbstständig abzuschließen.

Es ist allerdings das perfekte Spiel für ein Elternteil, um das Abenteuer gemeinsam mit einem Kind zu erleben. Die Steuerung ist grundsätzlich simpel und führt nur in wenigen Passagen zu verzwickten Situationen. Da sich die beiden Garnwesen auch im Koop-Gameplay jederzeit zu einer Figur zusammensetzen können, kann der Erwachsene zur Not einen kniffligen Sprung oder ähnliches selbst lösen, ohne dass jemand den Controller abgeben muss. Wissen beide Spieler einmal nicht weiter, hilft ein Hinweissystem zum Lösen von Rätseln aus. Dadurch wird Unravel Two zum perfekten Familien-Koop-Erlebnis.

Netter Zusatz durch Herausforderungsräume und Personalisierung, insgesamt aber mit überschaubarem Umfang

Ich habe für meinen ersten Durchgang, den ich in einem Mix aus Koop- und Solo-Fortschritt spielte, rund 4 ½ Stunden gebraucht. Das ist selbst angesichts des Budgetpreises von 20€ etwas wenig Spielzeit. Diese Zeit lässt sich durch das Suchen von Sammelobjekten sowie durch Speedrun-Durchgänge und Level-Abschlüsse ohne Tode in die Höhe treiben. Weiterhin gibt es diverse Bonuslevel in Form von Herausforderungsräumen, die besonders knifflige Rätsel bereit halten. Doch gerade wer nur ein Interesse daran hat, die sieben Kapitel der Geschichte einmal durchzuspielen, wird nicht allzu lange mit Unravel Two beschäftigt sein. Familien kommen womöglich besser weg, da hier mehrere Durchgänge mit unterschiedlicher Besatzung gegebenenfalls eingeplant sein dürften. Auch ist nett, dass wir die Yarnys individuell anpassen und die Kopfform, Augen, Körper und Farbe ändern können. Die Qualität des gebotenen Inhalts ist grundsätzlich sehr gut, allerdings fällt der Umfang etwas mager aus.

Gefahr und Schattenwesen als hauptsächliche Storymittel

Während der sieben Story-Kapiteln spielt sich im Hintergrund der Szenerien eine Geschichte ab. Wir begleiten zwei Kinder, die als Schattenwesen dargestellt sind, auf einem Abenteuer. Sie fliehen von ihrem Zuhause, wo sie schlecht behandelt wurden, wie der Beginn des Spiels andeutet. Unterwegs lauern allerdings ebenfalls viele Gefahren, die die Reise gefährden. Hier kommen oftmals die beiden Yarnys ins Spiel, die mit Hilfe eines mysteriösen Lichtes den Schattenkindern helfen.

Doch auch die Figuren aus Wolle sind immer wieder der Gefahr ausgesetzt. Mal fliehen sie aus einem brennenden Haus, mal jagt sie ein wutentbrannter Truthahn. Ebenso müssen sich die Garncharaktere vor Schattengegnern hüten, die in den Arealen herumlungern. Generell ist Gefahr eines der Leitmotive von Unravel Two. Daraus resultiert eine recht bedrückende, manchmal sogar düstere Stimmung. Das Spiel weiß aber auch, regelmäßig Momente der Hoffnung und Freude durch seine Protagonisten zu vermitteln. So vage sich die Handlung auch abspielt, hat mir das Präsentierte dennoch gut gefallen. Es dient als interessanter Rahmen, der durch wenige Mittel trotzdem viele Emotionen erwecken kann.

Besonderer Look mit tollem Soundtrack untermalt

Der zweite Teil von Unravel kommt optisch in einem sehr ähnlichen Gewand daher wie sein Vorgänger. Das meine ich aber keinesfalls negativ. Unravel Two hat nämlich einen bezaubernden Grafikstil. Die Umgebungen wirken sehr realitätsnah gestaltet und auch das Garn sieht sehr plastisch aus. Dazu kommen faszinierende Partikeleffekte und eine tolle Beleuchtung, die trotz der auf den ersten Blick vielleicht unspektakulären Darstellung eine tolle Atmosphäre ausmachen. Selbiges trifft auf den Soundtrack zu. Dieser bleibt dezent im Hintergrund, passt aber stets zur Situation und trägt wunderbar zur teils bedrückenden, teils heiteren Stimmung bei. Der Titel verzichtet auf eine Sprachausgabe, funktioniert aber auch voll und ganz ohne sprechende Protagonisten oder Erzähler.

Wertung im Einzelnen
Story
7.5
Gameplay
8
Inhalt und Umfang
6.5
Solo-Erlebnis
7.5
Koop-Erlebnis
9.5
Grafik und Sound
9
Teilen