Releasetermin: 29.06.2018

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Arcade-Rennspiel
Entwickler: Ivory Tower
Herausgeber: Ubisoft

 

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Mit The Crew versuchten Ubisoft und Entwickler Ivory Tower ein innovatives Konzept zu etablieren. Ein Rennspiel mit gigantischer Spielfläche, dessen offene Welt an die Straßen und Umgebungen der USA angelehnt ist. Der ganz große Erfolg blieb vermeintlich aus, auch weil der Arcade-Racer die ein oder andere spielerische Schwäche hatte. Ubisoft gibt sich aber nicht geschlagen und versucht es mit The Crew 2 vier Jahre später erneut – diesmal finden die Rennen sogar an Land, zu Wasser und in der Luft statt. Kann die Idee der gemischten Vehikel überzeugen oder scheitert es wieder an der Umsetzung?

An die Spitze – und das gleich viermal

Anders als sein Vorgänger kommt The Crew 2 ohne klassische Story daher. Drehte sich zuvor noch alles darum, an der 5-10 Bande Rache zu nehmen, lautet das Ziel nun, alle vier “Listen” der amerikanischen Rennsportwelt anzuführen. Wir müssen uns in den Kategorien “Street Racing”, “Offroad”, “Freestyle” und “Pro Racing” beweisen, bevor wir nach dutzenden Rennen die bisherigen Listenanführer herausfordern dürfen. Eine Handvoll Zwischensequenzen gibt es durchaus. Diese drehen sich um die wichtigsten Regeln des Rennsports, etwa “auf der Strecke sind wir alle Feinde, doch steckt jemand in Gefahr, eilen wir zur Hilfe”. Diese Comic-Filmchen und das ständige Gebrabbel unserer Unterstützer machen einen lockeren Ton aus, der schnell klar macht, dass es hier allen voran um Spaß gehen soll. Man hat also gelernt, den Fehler der aufgezwungen gewirkten Rachegeschichte von Teil 1 nicht zu wiederholen.

Abwechslung durch viele Fahrzeugarten

Stattdessen möchte man nun in einer anderen Disziplin punkten. The Crew 2 macht es sich zur Aufgabe, möglichst viel Abwechslung zu bieten. Das möchte das Spiel erreichen, indem neben Autos und Motorrädern noch weitere Vehikel verfügbar sind. Powerboote, Jetsprint-Modelle, Kunstflieger, Buggies, Monster Trucks oder auch Grand Prix-Wagen wollen ausprobiert und gemeistert werden. Dabei arbeitet das Spiel mit seinen vier Kategorien, die ich eingangs erwähnt habe. Jede Kategorie bietet Events unterschiedlicher Fahrzeugklassen. Beim Street Racing sind Drift- und Drag-Wagen untergebracht, außerdem Hypercars in besonders langen und strapaziösen Rennen. Offroad bietet Rallye-Wagen und Motocross-Wettstreite. Freestyle umfasst die Kunst des Fliegens, schnelle Jetsprint-Action und fette Monster Truck-Events. Bei Pro Racing gibt es nicht nur Powerboote, sondern mit den Grand Prix-Wagen und Touring Cars auch die schnellsten Boliden des Spiels.

Für jeden Eventtypen gibt es klassische Veranstaltungen wie Rennen gegen KI-Fahrer, gegen die Zeit oder eine Punkte-Jagd (z. B. beim Freestyle-Flieger). Darüber hinaus enthält die Spielwelt eine Reihe von zusätzlichen Tätigkeiten wie Flucht- und Slalomrennen, Radarfallen, Sprungmöglichkeiten und Bojenzerstörungsstellen, die man teils gar im Vorbeifahren absolvieren kann.

Die Krönung stellt die so genannte Live Xtrem Series dar, die aus insgesamt sechs Episoden besteht. In jeder Episode fahren Spieler je drei Fahrzeuge, die auf der Strecke an passenden Stellen gewechselt werden. Da hier auch mit unterschiedlichem Terrain gespielt wird, hatte ich hier besonders viel Spaß mit diesen adrenalingeladenen Episoden. Schade, dass es insgesamt nur sechs dieser Rennen gibt! Durch die verschiedenen Eventtypen ergibt sich in der Tat eine gelungene Abwechslung. Der Umfang fällt dabei auch solide aus und sollte euch mindestens 30 Stunden lang beschäftigen. Der erste Teil hatte quantitativ zwar mehr zu bieten, doch kann man davon ausgehen, dass Ubisoft per Patches in den kommenden Wochen ebenfalls neuen Inhalt beisteuern wird.

Gelungene Arcade-Action, manchmal aber nach wie vor mit zu schwammiger Steuerung

Während mir die Fahrphysik besser gefällt als im ersten The Crew, störe ich mich dennoch teilweise an der Umsetzung. Das liegt daran, dass sich manche Wagen spaßiger fahren als andere. Insbesondere Offroad-Trucks fühlen sich gelungen an, wirken beim Fahren über staubige Hügel wuchtig und kraftvoll. Auch die Grand Prix-Wagen haben mir mit ihrer gewaltigen Beschleunigung und trotzdem präzisen Steuerung gefallen. Und auch muss ich loben, dass mit den Stuntflugzeugen und den Booten zwei völlig neue Arten der Fortbewegung eingebracht wurden. So wirklich ausgenutzt wird dieses Konzept nur in wenigen Rennen, doch sorgt es immer wieder für eine willkommene Abwechslung. Gerade die Rennen mit den Power- und Jetsprintbooten habe ich gerne gespielt und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass The Crew 2 der beste Bootracer der aktuellen Generation ist – aus Mangel an Konkurrenz.

Trotzdem bleiben einige Wagen, die sich unabhängig vom Terrain sehr schwammig fahren. Regelmäßig fuhr ich in Gegenverkehr, obwohl ich diesem eigentlich ausgewichen sein müsste. Auch die Kollisionsabfrage wirkt manchmal fragwürdig und führt zu Crashes, die fast schon aus dem Nichts kommen. Ein kleines Steinchen scheint manchmal schon auszuzeichnen, um einen Überschlag zu verursachen. Das ist in einem Arcade-Rennspiel meiner Meinung nach viel zu penibel ausgelegt. Und wird man nach einem Crash einmal auf die Strecke zurückgesetzt, ärgert man sich noch mehr. Die Checkpoints sind teils sehr frustrierend und setzen den Spieler hunderte Meter hinter den eigentlichen Unfallort, wodurch man gerne einmal vom ersten Platz auf den letzten abrutscht. Grundsätzlich aber hatte ich mit dem Fahrgeschehen meinen Spaß.

Mit den frustrierenden Momenten arrangierte ich mich, da The Crew 2 für Fans von Arcade-Racing auch jede Menge aufregende und unterhaltsame Momente bereit hält. Wenn ich während eines anstrengenden Rennens die Führung verliere, nur um sie auf der Zielgeraden wieder zu erlangen, vermittelt das Spiel ein unglaublich befriedigendes Erfolgsgefühl.

Performance-Teile und Follower als Spielmotivation

Eine Art RPG-Aspekt stößt in Form von Upgrades zu dem Spiel. Nach jedem Rennen wartet Beute verschiedener Seltenheit als Belohnung auf die Spieler. In einem recht simplen System gilt es, die Autoteile nach und nach mit höherwertigen Exemplaren zu ersetzen. Für die Spielmotivation funktioniert diese Idee gut. Ich freute mich über jede Belohnung und somit über jede geringfügige Verbesserung meiner Boliden. Leider aber bleibt durch dieses Konzept die Personalisierung auf der Strecke. Man guckt lediglich auf die Werte und nimmt jeweils das Teil, das die größte Verbesserung mit sich bringt. Höchstens spielen diverse Bonus-Effekte wie höhere Beutewahrscheinlichkeit oder schnellere Nitro-Regeneration eine Rolle bei der Wahl über die einzubauenden Teile. Als Fan von Tuning-Elementen in Rennspielen hat mich diese oberflächliche Umsetzung daher ein wenig enttäuscht.

Immerhin kann man seine Wagen optisch dennoch individualisieren, da The Crew 2 einen Editor für Aufkleber bietet. Man schaltet zudem regelmäßig neue Spoiler und Felgen frei. Wer sich wirklich damit beschäftigen mag, kann in Profi-Einstellungen auch an der Performance der Wagen schrauben und mit Reglern das Verhalten des Vehikels auf der Straße verändern. Da es aber für den Erfolg nicht nötig ist, werden Spieler dazu leider nicht ermutigt.

The Crew 2 bietet ein Rangsystem, das den Aufstieg des Spielers zum “Kultfahrer” widerspiegelt. Statt Erfahrung sammeln Spieler mit allen Aktionen Follower, die den Kultrang von “Populär” über “Berühmt” bis hin zu “Star” und “Kult” steigen lassen. Sobald man den Rang “Kult” erreicht hat, startet eine zusätzliche Rangbewertung, die bis Kultlevel 9999 andauert. Diese Ränge schalten zudem Kultpunkte frei, mit denen in drei Kategorien passive Fertigkeiten freigeschaltet und Fahrwerte aufgebessert werden. An für sich hat mir das Levelsystem gut gefallen. Fragwürdig finde ich allerdings, dass man erst nach mehreren Stunden den Punkt erreicht, an dem man Kultpunkte verdienen kann. Diese Möglichkeit hätte ich mir von Beginn an gewünscht.

Online-Anbindung, aber (noch) ohne PvP-Möglichkeit

Die Welt von The Crew 2 ist vernetzt. Das heißt, dass während des Fahrens andere Spieler in der virtuellen Nachstellung der USA vorzufinden sind. Auch gibt es ein Social Hub, in dem Zeiten anderer Spieler eingesehen und namensgebende Crews gegründet werden können. Das funktioniert alles ganz gut und so hatte ich Spaß daran, mich mit Freunden und Wildfremden zusammen zu schließen. Es kann sich lohnen, denn sofern ein Crew-Mitglied das gemeinsam befahrene Event gewinnt, wird es für alle Mitglieder als Sieg gewertet. Kooperatives Fahren und Highscores schlagen sind eine gute Basis für eine gelungene Online-Komponente.

Leider aber fehlt ein wichtiger Teil bisher noch. Kompetitive Rennen gegen andere Online-Fahrer sucht man bisher noch vergeblich. Das ist besonders enttäuschend, da der Vorgänger gleich mehrere interessante PvP-Modi bot. Ubisoft wollte diesem Aspekt für den neuen Teil noch mehr Feinschliff verpassen und möchte PvP-Rennen im Dezember nachliefern. Der Onlineaspekt hat daher bisher einige nette Facetten, ist aber schlicht noch eine unfertige Erfahrung.

Grafisch auf hohem Niveau, doch auch mit vielen lieblosen Umgebungsdarstellungen

Ähnlich wie schon beim ersten Spiel konnten mich weite Teile der Spielwelt nur bedingt überzeugen. Das virtuelle Amerika, das in The Crew 2 präsentiert wird, zeigt sich zwar gigantisch, aber etwas öde und langweilig. Es fühlt sich leblos an und so fragte ich mich des Öfteren, ob es dem Spiel nicht besser getan hätte, eine kleinere, aber dafür fokussiertere Spielwelt zu kreieren. Versteht mich nicht falsch – optisch macht The Crew 2 einiges her. Mit einer tollen Beleuchtungstechnik, netten Fahrzeugdetails und generell scharfen Umgebungstexturen hat der Titel grafisch sehr gute Seiten. Auch die Wassereffekte an den Küsten Amerikas sind bemerkenswert gut, ebenso haben mich die dynamischen Wettereffekte mit Regen und Schnee beeindruckt. In der ein oder anderen Stadt trumpft der Racer visuell so richtig auf. Egal ob Miami, New York oder Los Angeles – die Großstädte sind samt ihrer Wahrzeichen toll eingefangen.

Häufig aber wird die technisch solide Umsetzung der Grafik durch eine öde Gestaltung der Areale in den Schatten gestellt. Die Forza Horizon-Reihe zeigt beispielsweise eindrucksvoll, wie nahezu jeder virtuelle Quadratmeter einer Spielwelt mit optisch imponierenden Stellen versehen werden kann. Da die weitestgehend fade gestalteten Umgebungen auch am Spielspaß, weil am Entdeckungsdrang nagen, hätte ich mir eine fokussierteren und überschaubareren Spielplatz gewünscht. Man hat aus dem Konzept der gigantischen offenen Welt schlicht nicht genug herausgeholt.

Sie haben ihr Ziel nicht erreicht

Dazu kommt, dass das GPS-System in der offenen Welt nur mäßig gut funktioniert. Setzt man sich einen Wegmarker und möchte durchs Land per GPS an diesen Ort geführt werden, wird man teils quer durch den Canyon auf unbefahrbare Wege geschickt. Aus diesem Grund nutzte ich zumeist die Blitzreise, die mich direkt vor ein Ereignis meiner Wahl setzt – mit erstaunlich kurzen Ladezeiten. Allen voran mit einem Flieger erkundete ich die Welt dann aber doch ganz gerne und schaute mir das virtuelle Amerika entspannt aus der Luft an.

Dröhnende Auspuffe und fette Beats

Mit realistischen Motorenklängen und einem umfangreichen Soundtrack bekommen Spieler ordentlich etwas auf die Ohren. Es gibt eine Reihe von Radiosendern, die Musikrichtungen von Klassik über Rock, Pop, Hip Hop bis hin zu EDM alles abdecken. Der Umfang des Soundtracks fällt dabei nicht ganz so groß und nicht derart namhaft aus wie es beispielsweise bei einem GTA üblich ist. Ich hätte mich allen voran über weitere Songs gefreut, da man spätestens nach 20 Stunden mit dem Spiel gefühlt jeden Song auswendig kennt. Insgesamt aber hat man den Soundaspekt für ein Rennspiel gut umgesetzt.

Wertung im Einzelnen
Gameplay
7
Inhalt und Umfang
7.5
Online-Multiplayer
6
Grafik
8.5
Sound
8
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