Releasetermin: 15.03.2019

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Third-Person-Shooter
Entwickler: Ubisoft Massive
Herausgeber: Ubisoft

 

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Nachdem Biowares Anthem bei Spielern und Fans nicht sonderlich gut weg kam, waren alle Augen auf Tom Clancy’s The Division 2 gerichtet. Schließlich reiht sich der onlinebasierte Loot-Shooter ins selbe Genre ein, das auch Anthem für sich gewinnen wollte. Anders als EAs Spiel kann The Division 2 dabei allerdings auf eine Basis bauen, die schon vor einigen Jahren sehr viel richtig gemacht hat. Der erste Teil von The Division war aber nicht frei von Fehlern – merzt sein Nachfolger diese aus und stürmt an den Thron des Genres?

Washington, D.C. als neuer Brennpunkt der Dollar-Grippe

The Division 2 setzt seine Geschichte rund sieben Monate nach den Ereignissen vom ersten Teil an, der eine Reihe von Agenten im verschneiten Manhattan, New York City, bei der Bekämpfung einer Epidemie begleitet hat. Die Mitglieder der Spezialeinheit vertreibt es nun in die Hauptstadt der USA, Washington, D.C., wo wir die Macht des SHD-Netzwerkes ausbauen sollen. Die Stadt steht nämlich am Rande des Zusammenbruchs, weil hier mehrere kriminelle und terroristischen Fraktionen in Folge der Krise ihr Unwesen treiben. Als auch noch Gerüchte aufkommen, dass es in der Stadt ein Gegengift gegen das grüne Gift gebe, überschlagen sich die Ereignisse.

Die Geschichte von The Division 2 ist zweifelsohne gut gemacht. Die Details zum Ausbruch des „Dollar“-Grippevirus und den SHD-Agenten sind interessant und auch die Zwischensequenzen sind hübsch anzusehen. Es macht Spaß, den Ereignissen zu folgen. Unterm Strich aber bleibt die Story etwas blass und bleibt somit eher im Hintergrund. Wer sich eine bahnbrechende Geschichte als Dreh- und Angelpunkt der Spielerfahrung gewünscht hat, wird hier leider enttäuscht werden. Im Endeffekt hat es mich persönlich aber nicht allzu sehr gestört, dass die Handlung nicht ganz groß aufgefahren wird. Ausreichend Hintergrundinformationen werden dennoch mitgeteilt, um ein ernsthaftes Interesse an der Spielwelt aufzubauen. Wer mag, kann zudem optionale Funksprüche einsammeln, die zusätzliche Infos zum Division-Universum liefern.

Gameplay-Veränderungen in den Details

Am Spielgeschehen hat sich auf den ersten Blick nicht viel getan. The Division 2 ist ein Third-Person-Shooter, der in seinen Gefechten großen Wert auf sein Deckungssystem legt. Jeder Pfahler, jede Kante kann als Deckung taktisch ausgenutzt werden. Der Wechsel von Deckung zu Deckung fällt denkbar leicht aus. Neben dutzenden Schusswaffen stehen Spielern im Kampf Granaten sowie Fähigkeiten zur Verfügung. Diese sind technische Gadgets, die sich nach einer Abklingzeit erneut verwenden lassen. Die Fähigkeiten können offensiv ausfallen oder den Spieler in anderer Weise unterstützen. Von Drohnen über Geschütze bis hin zu Schilden sind mehrere Geräte verfügbar, die zudem in unterschiedlichen Ausführungen vorliegen. Die Drohne kann z.B. unter anderem als „Stürmer“ oder als „Wiederhersteller“ eingesetzt werden. Wir können mehrere Gadgets freischalten, allerdings nur zwei gleichzeitig ausrüsten. Hier lohnt es sich, mit den Möglichkeiten zu experimentieren und diese mit seinen Kampfpartnern abzustimmen. Die Fähigkeiten tragen dazu bei, dass sich die Gefechte sehr spaßig spielen.

Nach wie vor mit Bullet Sponge-Gegnern, dazu mit KI-Inkonsistenzen

Das Waffengefühl ist grundsätzlich gut gelungen, sodass das Ballern seinen Reiz nicht verliert. Es muss aber auch noch erwähnt werden, dass Feinde nach wie vor “Bullet Sponges” sind. Manche Spieler haben im ersten Teil bemängelt, dass Gegner so viele Kugeln schlucken können. Daran hat sich im zweiten Spiel nicht viel geändert. Sollte man also ein Problem damit haben, ist The Division 2 vielleicht nicht das richtige Spiel für euch. Ich finde allerdings, dass die verfügbaren Möglichkeiten stets fair sind und Gefechte durch die großen Gesundheitsleisten nicht unnötig in die Länge gezogen werden.

Etwas zwiegespalten bin ich jedoch bezüglich der Gegner-KI. Das Flankieren haben die Feinde sicherlich drauf, doch gelegentlich ist das Verhalten der Gegner dermaßen unberechenbar, dass es zum Teil gar etwas unfair sein kann. Auch die Spawn-Punkte sind teils unfair gewählt, sodass Feinde plötzlich aus allen Richtungen auftauchen und uns das Leben schwer machen. Ich war gelegentlich auch der Meinung, dass die Gegner zu schnell auf meine Handlungen reagiert haben. Wenn ich inmitten einer nichts ahnenden Gegnergruppe eine Granate werfe und die Feinde bereits in derselben Sekunde ausweichend wegspringen, hat das nichts mit Reaktionsschnelligkeit der Gegner, sondern mit einer zu raschen, da unrealistischen KI-Reaktion zu tun. Trotzdem hat mir die KI immer wieder tolle Fights geliefert, bei denen ich im Anschluss sehr froh war, noch am Leben zu sein.

Geniales Leveldesign sorgt für spaßige Missionen

Die hervorragend gestalteten Level tragen dazu bei, dass die Schussgefechte sehr unterhaltsam ausfallen. Das Design der Missionsareale ist durch die Bank weg sehr gut. Stellen, um in Deckung zu gehen, sind zu nahezu jeder Zeit gegeben. Die Level bieten durch eine weitläufige Aufmachung zumeist Flankieroptionen, die das Spielerteam, aber auch die Gegner, taktisch ausnutzen können. Ebenfalls gelungen ist, dass die Missionsumgebungen häufig vollgepackt mit explosiven und entzündlichen Gegenständen sind. Dass an jeder Ecke Ölkanister und -fässer stehen, ist zwar nicht realistisch, trägt aber ungemein zum Spielspaß bei.

Dazu kommt, dass die Level auch optisch imponieren. Die Entwickler haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und sehr spannende Umgebungen gewählt. Egal ob wir uns in einem Planetarium, einem Filmstudio mit Urwald-Kulisse, im National Archives Building oder einer Flugzeug-Lagerhalle vorfinden – die Kampfarenen von The Division 2 sind super aufgemacht und machen Nutzung der Wahrzeichen der Stadt. Das trifft aber nicht nur auf die Areale zu, die wir im Zuge von Missionen betreten. Die Spielwelt von Washington, D.C. bietet erstaunlich viele Details in jedem Winkel, sodass sich eine Erkundung immer lohnt. Die Entwickler von Ubisoft sind Meister darin, offene Welten interessant zu gestalten, was sie mit diesem Titel einmal wieder unter Beweis gestellt haben.

Langfristige Motivation durch tolle RPG-Elemente

Um gegen die knackig schweren Gegnergruppen zu bestehen, haben wir nicht nur freischaltbare Fähigkeiten zur Verfügung. Auch sogenannte Vorteile lassen sich verdienen. SHD-Technologie-Punkte können gefunden bzw. als Missionsbelohnung erlangt und bei einem Quartiermeister gegen Vorteile eingetauscht werden. Hier lassen sich beispielsweise der Inventarplatz ausbauen, XP-Boosts für Kopfschüsse aktivieren und die maximale Anzahl von mitgeführten Heilpaketen erhöhen. Auch das Waffen- und Ausrüstungssystem sorgt für langfristige Motivation. Die Spielwelt ist voll von Loot unterschiedlichen Seltenheitsgrades und so findet man regelmäßig neue Gegenstände, die man im Ausrüstungsmenü verwaltet. Dieses ist simpel gestaltet und gibt uns alle relevanten Daten auf einen Blick.

Das Item Management funktioniert durch eine Funktion, mit der wir unerwünschte Gegenstände als Schrott markieren und gesammelt verkaufen oder zerlegen können, sehr angenehm. Die Unterschiede der verschiedenen Rüstungsstücke werden gut hervorgehoben. Hier spielen aber nicht nur die reinen Werte eine Rolle. Viele Gegenstände kommen mit einer Fraktionsausrichtung daher. Trägt man ein bis drei Stücke einer Fraktion, lassen sich entsprechend ein bis drei Vorteile aktivieren. Es lohnt sich also manchmal, wertemäßig schwächere Handschuhe etc. anzulegen, wenn diese aber einen besseren Fraktionsvorteil bewirken. Dadurch gestaltet sich die Wahl der Ausrüstung durchaus taktisch, was mir im Vergleich zum simplen beste-Stats-Gedanken wirklich gut gefallen hat.

Waffen kann man ferner mit Mods ausstatten, die mitunter das Visier bestimmen und durch einen neuen Griff oder Munitionsgurt diverse Boni bringen. Mods lassen sich finden, primär aber in einem Quartier herstellen. Dafür werden Ressourcen genutzt, die in der Spielwelt verteilt sind. Alternativ lassen sich die Komponenten erlangen, indem man überschüssige Ausrüstung zerlegt. In den Quartieren lassen sich nicht nur Mods, sondern auch Waffen und Rüstungen craften, sofern eine entsprechende Blaupause vorliegt. Das System ist abermals simpel aufgemacht, hat aber alles zu bieten, was ich mir gewünscht hätte. Allen voran im Endgame können hier sehr mächtige Rüstungsteile und Waffen erstellt werden.

Vollgepackt mit tollem Inhalt – und noch mehr steht in den Startlöchern

Spieler starten in einem kleinen Areal und gehen nach und nach auf Erkundungstour durch ganz Washington. Dabei lassen sich allerlei Dinge finden und erledigen. The Division 2 strotzt nur so vor Inhalt, sodass man über unzählige Stunden beschäftigt sein kann. Neben den fantastischen Hauptmissionen gibt es viele Nebenquests, die größtenteils ebenso gut gestaltet sind. Feindliche Kontrollpunkte warten darauf, vom Spieler und optional hinzugerufenen Widerstandskämpfern übernommen zu werden. Entdeckte Siedlungen werden ausgebaut. Projekte können abgeschlossen werden, indem wir bestimmte Objekte und Materialien in Quartieren einreichen. In eroberten Kontrollpunkten patrouillieren Soldaten, die mit gefundener Nahrung und Ressourcen versorgt werden können. Selbiges gilt für Siedlungen. Es gibt regelmäßig dynamische Events wie öffentliche Exekutionen, in die wir eingreifen können. Ebenso stehen täglich individuelle Aufgaben bereit. Auch Minibosse können in Form von Kopfgeld-Zielen angegangen werden. Dazu gesellen sich Sammelobjekte, die in den Umgebungen versteckt sind.

Der Umfang ist schon zu Beginn gewaltig. Förmlich erschlagen hat mich auch, was passiert, sobald man Level 30 erreicht und die Kampagne beendet hat – dutzende weitere Tätigkeiten gesellen sich auf der Karte dazu. Weiterhin wird ein völlig neues Spezialisierungssystem aktiv, das euch mit einer individuellen Waffe und Fähigkeit ausstattet.

PVP-Geschehen für alle, die nicht nur kooperativ spielen wollen

Dabei habe ich noch gar nicht über die kompetitiven Modi gesprochen. Mit Konflikt bietet The Division 2 eine PVP-Spielvariante, die mit den Modi Gefecht und Vorherrschaft dem klassischen Geschehen von kompetitiven Online-Shootern nahe kommt. Und auch die kontaminierte Dark Zone ist erneut mit von der Partie. Es gibt diesmal gar drei verschiedene Dark Zones. Hier gelten andere Regeln, die es schwierig machen, anderen Spielern zu vertrauen. Lohnt es sich, seine Kameraden zu hintergehen? Der kontaminierte Loot wäre es wert, doch möchten wir anschließend wirklich als freie Zielscheibe durch die Gegend laufen? Die Dark Zone ist eine interessante Abwandlung herkömmlicher PvP-Modi und ist allemal ein Blick wert, selbst wenn ihr eigentlich kein Fan von kompetitivem Geschehen seid – schließlich kann man hier auch voll und ganz kooperativ auskommen.

Darüber hinaus ist The Division 2 ein Game-as-a-Service-Titel, der mit der Zeit kostenlose neue Inhalte spendiert bekommt. So steht beispielsweise ein 8-Mann-Raid an, auf den ich sehr gespannt bin. In puncto Inhalt und Umfang hat das Spiel im Vergleich zu seinem Vorgänger stark nachgelegt und zählt zum Besten, was das Genre in dieser Hinsicht zu bieten hat.

Solo spielbar, aber im Team am spaßigsten

The Division 2 ist als Online-Erfahrung aufgemacht, aber auch solo unterhaltsam. Trotzdem versteht sich das Spiel eher als Shooter, der euch sämtliche Tätigkeiten am liebsten im Team absolvieren lässt. Bis zu vier Spieler können sich zu einem Squad zusammenschließen und Aufgaben sowie die freie Erkundung gemeinsam angehen. Das Partysystem funktioniert wie es soll, ich hatte keinerlei Probleme beim Spielbeitritt. In Kontrollpunkten und Siedlungen gibt es die Gelegenheit, eine Spielgemeinschaft zu suchen. Ebenso bietet jede Mission eine separate Spielersuche. Und auch über das Menü kann schnell ein Squad gefunden werden. Ist man kooperativ als Team unterwegs, wird die Feindesstärke an das Durchschnittslevel der Gruppe angepasst. Es hindert euch also nichts daran, euch Freunden anzuschließen, die mehrere Stufen über euch sind – das Spiel bleibt trotzdem fair für alle Beteiligten. Clans sind ebenfalls Teil des Spiels, wodurch man sich als Community zusammenfinden und als geschlossene Gruppe im Konflikt PVP-Modus antreten kann.

Eine Detailverliebtheit, die in nahezu jedem Winkel der Spielwelt zu bewundern ist

Optisch hat mich The Division 2 in den ersten Minuten nicht vom Hocker gehauen. Es sieht dem ersten Teil recht ähnlich, wenn man sich den Schnee aus New York wegdenkt. Doch je mehr ich den Titel spielte, umso mehr lernte ich die Detailverliebtheit zu schätzen, die die Entwickler von Ubisoft Massive an den Tag legten. Washington ist super nachempfunden und läd zum Erkunden ein. In nahezu jedem Winkel des Spiels lassen sich grafisch ansprechende Impulse finden. Effekte im Kampf sehen gut aus, ebenso sind die Animationen ansehnlich. Sehr gefallen hat mir auch das dynamische Wetter- sowie Tag-und-Nacht-System, das dem Geschehen stets eine wandelnde Atmosphäre verpasst.

Ich habe auf der PS4 Pro gespielt, die das Spiel in einer erhöhten Auflösung darstellt. Auf einem 4K-TV wird das Gezeigte sehr schön präsentiert. Sofern euer TV auch noch HDR10 unterstützt, könnt ihr euch auf ein wirklich lebendiges Bild freuen. Schade nur, dass es auch auf der PS4 Pro keinen alternativen Grafikmodus für 60 FPS gibt. Sämtliche Konsolenversionen werkeln am 30-FPS-Limit. Die Bildrate war in meinem Fall sehr stabil. Trotzdem habe ich mir beim Spielen mehrfach gewünscht, das Spiel in butterweichen 60 FPS zu erleben. Das ist mir bei Shootern aller Art schlicht lieber. Wem es genauso geht und wer einen leistungsstarken Rechner hat, sollte zur PC-Version greifen.

„Schei* Agent!“

Die Soundumsetzung von The Division 2 ist ebenfalls gelungen. Die Schusswaffen klingen wuchtig und kommen über ein entsprechendes Soundsystem gewaltig herüber. Auch die Gadgets sind akustisch toll umgesetzt. Die deutsche Sprachausgabe fällt solide aus. Jedenfalls klingen die Storyfiguren gut vertont, es wurden passende Sprecher gefunden. In der Spielwelt können wir regelmäßig Kommentare der verschiedenen Fraktionsmitglieder hören, auf die wir stoßen. Das gestaltet das Geschehen recht dynamisch. Nach einer Weile hat es mich allerdings genervt, dass immer wieder die gleichen Beleidigungen ertönen, wenn man auf Gegner trifft. Trotzdem macht das Spiel in Sachen Sound sehr viel richtig.

Wertung im Einzelnen
Story
7.5
Gameplay
8.5
Inhalt und Umfang
9.5
Langzeitspaß
9
Online-Anbindung
9
Grafik
8.5
Sound
8.5
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