Releasetermin: 29.01.2019

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Action-Adventure, Rollenspiel
Entwickler: Square Enix
Herausgeber: Square Enix

 

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Im Laufe der letzten Jahre habe ich diverse Teile der Kingdom Hearts-Reihe nachgeholt. Mit Kingdom Hearts HD 1.5 + 2.5 Remix und Kingdom Hearts HD 2.8 Final Chapter Prologue stehen insgesamt zwei Remaster-Collections bereit, die die komplette Serie auf die PS4 geholt haben. Nun steht mit Kingdom Hearts III auch endlich der krönende Abschluss der Reihe in den Läden. Und obwohl ich viele der Teile erst in den letzten Jahren und Monaten gespielt habe – einen wirklichen Überblick hatte ich nicht über die komplexe, vielschichtige Story. Einige YouTube-Zusammenfassungen später fühlte ich mich jedoch bereit für das epische Finale und stürzte mich gespannt in das neue Abenteuer von Tetsuya Nomura und seinem Team.

Keine Ahnung von der Vorgeschichte? Keine Chance hier durchzublicken

Zunächst noch einmal einige Wörter zur Vorgeschichte: Idealerweise habt ihr einen Großteil der vorherigen Titel gespielt und die Ereignisse noch frisch im Kopf. Allerdings hat Kingdom Hearts III auch einen optionalen Zusammenschnitt der wichtigsten Punkte in petto. In fünf Episoden wird euch die gesamte bisherige Geschichte in rund 20 Minuten noch einmal nahe gebracht. Dafür bin ich sehr dankbar, auch wenn die Videos nicht alle Geschehnisse abdecken. Das ist in der kurzen Zeit eben kaum möglich, weshalb ich euch dennoch empfehle, zusätzlich bei YouTube reinzuschauen, wo viele Fans ausführliche Zusammenfassungen anbieten.

Sobald ihr das Gefühl habt, dass ihr die bisherige Story halbwegs überblickt, kann es losgehen. Wie die meisten Kingdom Hearts-Spiele startet auch Teil 3 mit einem toll inszenierten Intro mit coolem Soundtrack, das sofort Lust auf mehr macht und die perfekte Stimmung schafft.

Krönender Abschluss des Kampfes von Licht gegen Dunkelheit

Kingdom Hearts III knüpft direkt an die Ereignisse von Dream Drop Distance an. Protagonist Sora wurde seiner Kräfte beraubt, muss dennoch alles daran setzen, die Machenschaften der Organisation XIII zu verhindern. Damit Sora für den Kampf gegen die Niemande mit den schwarzen Kapuzen gewappnet ist, muss er zunächst die Kraft des Erwachens erlangen. Wie er und seine Begleiter Donald, Goofy und Co. feststellen, ist dies keine einfache Angelegenheit. Sie vermuten, dass Aqua und Roxas die Schlüssel zur Rückkehr Soras Kräfte sein könnten und machen sich fortan auf die Suche nach den Figuren. Im Laufe der Handlung stoßen Spieler auf alle möglichen Charaktere, die in der Vergangenheit eine Rolle in der Handlung spielten. Durch konfuse Namen, Doppelgänger und Parallelwelten kam ich dabei nicht selten durcheinander, ließ mich dennoch in den Bann ziehen. Auch ohne jedes Detail der Reihe zu kennen, hatte Kingdom Hearts III eine spannende Geschichte für mich auf Lager.

Diverse Disney-Pixar-Helden sind gekonnt eingebunden, allerdings wirkten die Handlungen in den Disney-Welten zum Teil etwas losgelöst von der übergreifenden Story. Ebenfalls leichte Kritik möchte ich daran äußern, dass vor lauter Zwischensequenzen besonders in der zweiten Hälfte des Spiels kein guter Spielfluss mehr zustande kommt. Erst gegen Ende kommt das Kingdom Hearts-Finale erst so richtig in Fahrt, wodurch das Story-Pacing etwas fragwürdig wirkt.

Und trotzdem: So verzwickt und komplex die Geschichte auch ist, hat sie mich dennoch gut unterhalten. Das Ende wird sicherlich nicht jeden zufriedenstellen, gerade weil Fans so lange auf Kingdom Hearts III warten mussten und vermeintlich unerfüllbare Erwartungshaltungen hatten. Auch bleiben diverse Fragen unbeantwortet. Mich persönlich hat die Handlung nichtsdestotrotz zufriedengestellt.

Alte Stärken und neue Impulse im Spielgeschehen

Beim Spielgeschehen bleibt vieles beim Alten. Das Team um Tetsuya Nomura weiß, dass die Fans der Reihe das actionbasierte Echtzeit-Kampfsystem lieben und hat so nichts am Kern des Gameplays geändert. Mit wenigen Knopfdrücken lassen sich in den bunten Disney-Pixar-Welten ansehnliche Kombos zusammenschrauben. Es gibt insgesamt neun klassische Welten zu erkunden, die allesamt sehr umfangreich aufgemacht wurden und großflächige Areale bieten. Durch versteckte Schatztruhen und Materialien, aufzuspürende Glückembleme, abwechslungsreiche Minispiele und thematische Missionen hatte ich in jeder Umgebung meinen Spaß. Allen voran die Fluch der Karibik-Welt und die neue Toy Story-Einbindung haben mich wirklich verzaubern können. Auch der Umfang von einer Spielzeit von mindestens 25 Stunden für die Hauptstory geht mehr als in Ordnung.

Die Welten sind miteinander verknüpft, müssen allerdings erstmals von uns entdeckt werden, bevor wir auch von einer Schnellreisefunktion Gebrauch machen können. Die Reise per Luftschiff von Welt zu Welt klingt auf dem Papier interessant, hat mich letzten Endes aber eher gelangweilt als fasziniert. Der Gumi-Jet steuert sich leider nicht sehr präzise und auch von den Raumschiff-Gefechten hatte ich schnell genug. Viel Zeit verbringt man im Jet aber ohnehin nicht, weshalb dies kaum zum Problem für mich wurde. Wer hingegen Spaß an den Flugreisen hat, freut sich über jede Menge optionaler Sammelobjekte, versteckte Baupläne, Konfigurationsmöglichkeiten des Jets und zu fotografierende Stern-Konstellationen in den Galaxien.

Grandios inszenierte Gefechte, die sich manchmal etwas hölzern steuern

Mit Donald Duck, Mickey Mouse, Goofy und Co. ziehen wir in der Rolle von Protagonist Sora in den Kampf gegen Herzlose und Niemande aller Art. Das actionbasierte Echtzeit-Kampfsystem ist in seinen Grundzügen sehr simpel, wird allerdings regelmäßig um neue Funktionen erweitert. Es gibt einen Knopf für physische Angriffe. Durch die Möglichkeit, Gegner anzuvisieren, ergeben sich daraus mit Leichtigkeit ansehnliche Kombos. Weiterhin stehen Magieattacken bereit, die MP aufbrauchen. Jedes Magiemanöver hat eine andere Reichweite und sollte daher strategisch genutzt werden. Darüber hinaus bietet Kingdom Hearts III weitere Kampfmechaniken, die teils aus den Vorgängern bekannt und teils neu sind. Das “Freier Fluss”-System ist erneut mit dabei, durch das Sora ala Parkour seine Umgebung ausnutzt und beispielsweise aus einem Wandsprung direkt in einen Angriff übergeht. Der Protagonist kann Koop-Manöver ausführen und altbekannte Figuren herbeirufen, die ihm fortan temporär zur Seite stehen.

Jedes Schlüsselschwert kann in eine stärkere Variante transformiert werden, die separate Kombos mit sich bringt. Sora kann gar mehrere Schwerter mit sich führen und diese jederzeit wechseln. Ebenfalls gibt es für jedes offensive Magiemanöver eine Hochmagie-Variante. Die Fokusleiste macht Fernangriffe möglich, ferner stehen in zufälligen Abständen Teamattacken und “Attraktionen” zur Verfügung. Sora und Co. steigen beispielsweise in ein großes Piratenschiff und richten verheerenden Schaden mit diesem an. Diese Spezialaktionen sind besonders hübsch inszeniert und machen einen großen Reiz am Kampfgeschehen aus. Leider nutzen sich die Animationen nach einer Weile ab.

In der Summe ergibt sich ein simples, durch optionale Mechaniken aber dennoch abwechslungsreiches Kampfgeschehen. Wirklich gestört habe ich mich nur daran, dass sich Sora im Kampf manchmal recht hölzern steuert. Insbesondere bei Bosskämpfen wollte der gespielte Charakter häufig nicht so wie ich das wollte.

RPG-Elemente verschaffen ein gelungenes Fortschrittsgefühl

Kingdom Hearts III versteht sich als RPG und setzt somit großen Wert darauf, dass der Spieler stets Fortschritte macht. Die Figuren steigen im Level auf und erlernen neue Fähigkeiten, die wir ihnen zuweisen. Auch finden wir regelmäßig neue Ausrüstung für Donald, Goofy und Co., weiterhin lassen sich Ausrüstungsstücke schmieden. Auch die Verbesserung von Schlüsselschwertern ist in den Mogry-Läden möglich. Dafür werden diverse Materialien benötigt, die wir auf unserem Abenteuer finden oder im Tausch gegen Taler erwerben können. Die RPG-Mechaniken sind nicht sonderlich komplex, stellen durch die Fähigkeiten und das System um die Ausrüstung aber sicher, dass Spieler auch nach mehreren Stunden jederzeit zum Spielen und Erkunden ermutigt werden.

Tolle Grafik mit Effektefeuerwerk

Bereits Kingdom Hearts 0.2 Birth by Sleep: A Fragmentary Passage gab einen Ausblick darauf, wie gut Teil 3 aussehen wird. Und tatsächlich ist das Abenteuer optisch sehr ansprechend gelungen. Allen voran die verschiedenen Disney-Pixar-Welten sind zauberhaft gestaltet und machen aus dem Titel ein spielbares Märchen. Die Figuren weisen viele Details auf und auch die Grafikeffekte, die Sora und seine Begleiter im Kampf verursachen, lassen sich durch ein Partikelfeuerwerk wahrlich sehen. Leider kommt das Spiel nicht mit einer guten Aliasing-Lösung daher, weshalb manche Kanten etwas flimmern. Trotzdem präsentiert sich Kingdom Hearts III sehr gelungen.

Der Titel hat zwei Grafik-Modi auf Lager. Bei Standardeinstellung peilt das Spiel eine Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde an. Erreicht wird diese Marke aber selten, weshalb die Framerate hin und wieder stark fluktuiert. Wer möchte, kann daher ein 30-FPS-Limit setzen. Ich war auf der PS4 Pro allerdings recht zufrieden mit der freien Bildrate, da sich das Geschehen damit deutlich flüssiger anfühlte. Ferner bietet die PS4 Pro eine erhöhte Auflösung. Wer unabhängig vom TV in den Konsoleneinstellungen 1080p als Bildausgabe einstellt, erhält auf der PS4 Pro als Alternative zur erhöhten Auflösung eine stabilere Bildrate und erlebt das Spiel tatsächlich über weite Strecken mit 60 FPS.

Altbekannte Sprecher und ein passender Soundtrack

Serienfans werden sich freuen, dass Square Enix dieselben englischen Sprecher engagiert hat, die bereits in den vorherigen Teilen aktiv waren. Größtenteils hat mir die Synchronisation wirklich gefallen, auch wenn die Sprecher regelmäßig sehr kitschige Sprüche herüberbringen müssen. Voll und ganz überzeugt bin ich hingegen vom Soundtrack, der das Beste aus der Kingdom Hearts-Welt mit bekannten Disney-Pixar-Liedern verbindet.

Wertung im Einzelnen
Story
8
Gameplay
8
Inhalt und Umfang
8.5
Grafik und Performance
8.5
Sound
9
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