Redout (PC, mit optionalem VR-Support) im Test

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Releasetermin: 02.09.2016

Medientyp: Download
Genre: Rennspiel
Entwickler: 34BigThings srl
Herausgeber: 34BigThings srl

 

Auf Steam kaufen – 31,99€

 

Wenn Sony und Nintendo halt nicht wollen, müssen es eben die Indie-Entwickler richten! Futuristische Racer ala WipEout und F-Zero hatten früher viele Fans, doch sucht man auf Konsolen heutzutage vergeblich nach diesem Genre. Auf dem PC haben wir mehr Glück: Verschiedene Entwickler versuchen sich am beliebten Konzept. Das italienische Studio 34BigThings hat mit dem Rennspiel Redout genau das vor. Die Lücke zu schließen, die durch das Fehlen neuer WipEout- und F-Zero-Teile entstanden ist. Anders als manche Indie-Spiele wurde Redout dabei nicht als Early Access Titel veröffentlicht, sondern als vollwertige Racer-Erfahrung heraus gebracht. Selbst VR Support ist gegeben! Geht der Plan auf?

Das Konzept ist simpel: Unglaublich rasante, schwebende Luftschiffe fahren auf engen, waghalsigen Strecken um die Wette. Egal ob solo im Rennen gegen die Zeit, gegen bis zu 11 verschiedene KI-Gegner oder Online-Opponenten – das Geschwindigkeitsgefühl steht hier immer im Vordergrund. Die futuristischen Boliden erreichen gerne einmal 1000 km/h, was für einen besonderes Spielgefühl sorgt – und für jede Menge Adrenalinausschuss.

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Die erste Sache, die mir erfreulich ins Auge gesprungen ist, ist der sehenswerte Umfang. Neben einer Karriere stehen diverse Schnellspielmöglichkeiten zur Verfügung. Einfache Zeitrennen – mit oder ohne Turbo-Felder, gewöhnliche Wettstreite gegen andere Fahrer – mit oder ohne Power-Ups. Runde für Runde um den letztplatzierten schwindende “Last Man Standing”-Events, Überlebensrennen mit abnehmender Schiffszustands-Leiste. Gewöhnliche Turniere, Arena-Events mit Ausscheidung bei Zerstörung. “Score”-Rennen, bei denen Spieler für besonders erfolgreiche Fahrweise belohnt werden. Und gar ein Boss-Modus, bei dem mehrere Strecken zu einem langen Event aneinandergekettet werden, ist vorhanden.

An Spielvarianten ist sicherlich alles gegeben, was man sich von einem Racer dieser Art wünschen würde. Das Geschehen variiert von Modus zu Modus. Legt das Zeitfahren beispielsweise großen Wert auf eine präzise Fahrweise, spielen sich Wettstreite gegen andere Fahrer mit Power-Ups extrem dynamisch und unvorhersehbar. Reguläre Rennen geben uns über einen längeren Zeitraum die Möglichkeit zum Aufholen, während bei Last Man Standing jede Runde die letzte sein könnte. Allein aufgrund seiner Länge sorgt der Boss-Modus für einen besonders großen Nervenkitzel, denn kann es ganz schön anstrengend sein, bis zu fünf Strecken in einem Rutsch durchzuspielen.

In der Karriere werden verschiedene Arten dieser Events nacheinander präsentiert. Wir haben stets eine Handvoll Veranstaltungen zur Auswahl, in denen wir je nach Leistung mit Bronze-, Silber- oder Gold-Medaillen belohnt werden. Ebenfalls erhalten wir Geld, das die Karriere um einen spaßigen Faktor erweitert. Nachdem wir ein Startschiff gewählt haben, können wir im Verlauf der Rennen auch die anderen fünf Exemplare kaufen. Dazu bietet jede Schiffsart drei verbesserte Versionen an, die zunächst freigespielt und anschließend für viel virtuelles Geld erlangt werden können – und auch müssen. Viele Events haben nämlich einen bestimmten Klassenrang als Bedingung, der sicherstellt, dass wir nach und nach mit immer schneller fahrenden Boliden unterwegs sind. Weiterhin lassen sich die einzelnen Luft-Vehikel in vier verschiedenen Kategorien aufstufen. Auch wenn dieses Aufstufungssystem nicht sonderlich tiefgehend ausfällt, sorgt es für Motivation.

Erst einmal in der Karriere freigeschaltet, führen Power-Ups zu einem großen Spaß. In diversen Modi können wir Gegner auf verschiedene Art abschießen, uns mit einem Schild schützen oder einen Boost erhalten – ja nachdem, was das Power-Up uns bereitstellt. Unterschieden wird zwischen passiven und aktiven Fähigkeiten. Sorgen manche Power-Ups durchgehend und automatisch für eine Verbesserung, müssen andere wiederum beim Fahren aktiviert werden, um beispielsweise die Opponenten zu stören. Wir haben pro Vehikel zwei Power-Up-Slots zur Verfügung, die sich mit Geld freischalten und auch aufstufen lassen. Hier gibt es einen deutlichen Unterschied zu den altbekannten Power-Up-Feldern, die ein zufälliges Item bereitstellen. Stattdessen findet die Planung von Power-Ups vor dem Rennen statt, was Redout ein Stück weit von Genre-Kollegen abhebt.

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Redout kann recht fordernd sein, denn schöpfen die KI-Gegner sehr gut ihre Chancen aus. Ein Boost-Feld verpasst? Dann stehen uns die nächsten Gegner schlagartig gleich viel näher im Nacken. Dazu kommt, dass die Beherrschung des eigenen Luftschiffes nicht gerade leicht ist. Allzu oft knallen wir zunächst an die Banden der engen Strecken und bremsen uns dadurch ab, schädigen unser Schiff außerdem. Zudem gilt es hier nicht einfach nur, stur Gas zu geben und zu lenken. Die manuelle Bremse kann bei der Streckenkontrolle helfen, doch ist zu starkes Abbremsen ebenso schädlich.

Noch dazu etabliert Redout auf dem rechten Stick die Steuerung des “Fluglagenwinkels”. Wir können uns beispielsweise zusätzlich zum Lenken per „Strafen“ in die Kurve lehnen, um besser durch diese zu kommen. In Loopings hingegen sollten wir die Front des Schiffes leicht anheben, da sie sonst in Kontakt mit der Strecke kommt, wir am Boden schleifen und abermals langsamer werden. Die Kontrolle der Fahrzeuge ist schwer und so dauert es Stunden, bis wir das grundlegende Konzept richtig verinnerlicht haben. Noch länger dauert es, ein Fahrzeug auch wirklich zu meistern und konsistent mit seinen Gegnern mithalten zu können. Redout ist mit seinen schwer zu beherrschenden Vehikeln und knackiger KI also durchaus an Hardcore-Fans des Genres gerichtet.

Doch auch an Neulinge wurde gedacht. Die angesprochenen Upgrade-Möglichkeiten bringen schnell Besserung. Noch besser sind die teuren, aber überaus hilfreichen verbesserten Schiffsklassen, mit denen auch ich mich nicht mehr allzu schlecht schlug. Redout verteilt großzügig Geld, sodass Spieler recht schnell für leichtere Verhältnisse sorgen können. In der Karriere werden selbst für Niederlagen einige Münzen als Belohnung ausgegeben. Wer durchgehend keinerlei Medaillen abstaubt, muss sich für wirklich lohnenswerte Käufe zwar länger etwas zusammensparen. Doch wird trotz herausfordernder und teils grindlastiger Art versucht, den Spielern entgegen zu kommen und Frust zu vermeiden. Übung macht den Meister, so dass wir mit steigenden Spielstunden nicht nur mehr Geld zur Verfügung haben, sondern auch die Beherrschung der Schiffe erlernen.

Dass die Karriere Dreh- und Angelpunkt ist, zeigt, dass sämtliche Strecken, Boliden und gar Power-Ups für die Benutzung im Schnellspiel erst freigeschaltet werden müssen. Dadurch besteht durchaus Motivation, die Karriere immer weiter zu spielen. Mit 20 Strecken in vier verschiedenen Umgebungen und sechs Luftschiffen samt Upgrades und jeweils vier Klassenaufstufungen sowie dutzenden Power-Ups ist für jede Menge Freischaltungsinhalt gesorgt, was der Spielzeit und dem Langzeitspaß gut tut.

Wird uns durch den gebotenen, umfangreichen Inhalt dann doch einmal langweilig, sorgt der Online-Multiplayer für Abwechslung. Hier können wir leider nicht sämtliche Modi aus dem Schnellspiel einstellen. Doch auch die verfügbaren Varianten des klassischen Rennens – mit oder ohne Power-Ups – führten in meinen Testrunden immer zu großen Spaß. Schade nur, dass ich Probleme hatte, Mitspieler zu finden. Auf den Servern tummeln sich scheinbar noch nicht viele Spieler, was sich hoffentlich in den nächsten Wochen ändern wird. Eine Möglichkeit zum lokalen Splitscreen-Multiplayer ist leider nicht gegeben, was bei solchen Racern besonders schade ist. Das Genre eignet sich nämlich eigentlich sehr gut für Offline-Mehrspielerspaß.

 VR-Support

Redout verfügt über einen optionalen VR-Support, durch den HTC Vive- und Oculus Rift-Besitzer eine besondere Racingerfahrung erleben können. Ich habe den Titel auf meiner Vive ausprobiert – und bin zwiegespaltener Meinung. Denn einerseits ist die rasante Action mit dem Virtual Reality-Headset intensiver. Wir sind nun einmal mittendrin im Geschehen und können uns mit den eigenen Kopfbewegungen umschauen. Mit ein wenig Übung habe ich auf der Vive gar besser gespielt als auf dem regulären Monitor. Schließlich haben wir in der dreidimensionalen Ansicht ein besseres Verständnis von Abständen und können Kurven besser einschätzen.

Andererseits ist das Geschwindigkeitsgefühl nicht so aufregend, wie ich es erwartet habe. Wie erwähnt sind 1000 km/h keine Seltenheit, doch bringt das Spiel in VR diese Tatsache nicht so gut herüber. Das mag daran liegen, dass mir keine Kameraansicht so wirklich gefallen hat. Neben der Bumper-Cam und der First-Person-Ansicht gibt es eine Perspektive leicht hinter dem Vehikel. All diese Ansichten machen das Geschehen in VR zwar intensiver, doch spielt sich Redout hier nicht so rasant wie sonst. Dennoch sind die Rennen wild genug, um eventuell für Motion Sickness bei so manchem Spieler zu sorgen. Ich bin dem flauen Gefühl weitestgehend immun und hatte in dieser Hinsicht auch keine Probleme. Doch sollten Leute, die schnell an Motion Sickness leiden, mit Vorsicht an Redout herangehen. Allen voran die Kamera hinter dem Schiff dürfte für ein mulmiges Gefühl bei Betroffenen sorgen.

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Die Menüführung ist in VR gelungen. Haben manche Spiele hier mit unübersichtlichem Interface und zu kleiner Schrift zu kämpfen, ist die Umsetzung der Menüs gut leserlich. Insgesamt ergibt sich in VR also eine Erfahrung, die sowohl gelungene Elemente vorzuweisen hat, aber auch noch deutliche Schwächen bietet. Da wir mitten im Geschehen sind, können wir die Umstände auf der Strecke besser einschätzen. Gleichzeitig geht aber auch die wohl größte Stärke von Redout verloren. Das Geschwindigkeitsgefühl kommt auf regulären Monitoren schlichtweg besser herüber. Weiterhin besteht die Gefahr der Motion Sickness. Ich hoffe, dass die Kameraperspektiven aus diesen beiden Gründen überarbeitet werden. Dann könnte das Spiel ein regelrechter VR-Geheimtipp werden, denn glänzt es mit spaßigem Gameplay und Umfang.

Grafisch kommt Redout mit einem interessanten Look daher. Die Luftschiffe und Strecken sind futuristisch gestaltet und überzeugen mit ihrem Design. Auch wenn es nur vier Umgebungen gibt, sorgen unterschiedlich aufgemachte Streckenführungen für spielerische und optische Abwechslung. Die Vehikel werden mit einem starken Motion-Blur-Effekt in Szene gesetzt, was durch eine Grafikeinstellung reguliert, nicht aber ganz abgeschaltet werden kann. Da ich kein großer Fan dieser Bewegungsunschärfe bin, hat mich dieser Aspekt ein wenig geärgert. Redout macht außerdem mit Partikeleffekten auf sich aufmerksam, die bei Boost-Feldern gelungen zu anzusehen sind. Mit meinem i5 6600k, R9 390, 16GB Ram System kann ich das Spiel in 1440p mit den höchsten Einstellungen weitestgehend bei 60 FPS spielen – tolle Optimierung! Auf Ultra-Details sehen die Schiffe, Umgebungstexturen und die Beleuchtung nämlich auch wirklich schick aus. In Kombination mit der futuristischen Aufmachung und den bunten Partikeleffekten ergibt sich uns ein wirklich schönes Bild.

Durch die Post-Processing- und Motion-Blur-Effekte ist es quasi unmöglich, Screenshots zu machen, die nicht verwackelt sind. Schaut euch also am besten folgendes Gameplay-Video an, um euch einen Eindruck über die Grafik zu verschaffen:

Auch in VR sieht Redout passabel aus. Natürlich reicht die Bildqualität nicht heran und so präsentiert sich unabhängig der Einstellung jede Menge Aliasing, was die Augen durchaus anstrengen kann. Hinsichtlich Detailgrad und Texturschärfe müssen wir natürlich auch mit Einbußen rechnen. Insgesamt sieht Redout in VR gut aus – und das hat seinen Preis. Das Spiel verlangt der Hardware in VR einiges ab. Mit meinem System, das eigentlich die Mindestanforderungen für VR erfüllt, erlebe ich selbst auf niedrigsten Einstellungen hin und wieder Framerate-Einbrüche. Das geschieht besonders gern, wenn grafisch aufwendige Effekte durch beispielsweise Power-Ups zum Einsatz kommen. Ich kann zwar einige Optionen hoch drehen und in ruhigen Phasen eine flüssige Framerate genießen. Doch sobald wieder mehr Action zu sehen ist, geht die Performance in die Brüche.

Auf den niedrigsten Einstellungen halten sich die Einstürze zum Glück in Grenzen, doch kann ich Redout mit meinem vermeintlich unterstützten Rechner nicht völlig ohne Performance-Probleme spielen. Mit einer GTX 1080 sieht die Sache sicherlich ganz anders aus. Doch hoffe ich, dass die Leistung für Einsteiger-VR-Setups noch verbessert wird.

Nun folgen einige Screenshots vom VR-Geschehen. Die meisten Einstellungen sind auf dem niedrigsten Grad, wenige auf Medium. Dadurch wirken die Umgebungstexturen karg, Reflexionen fallen weg. Bei hoher Auflösung und zweifacher Berechnung des Bildes (für beide Augen je einmal) müssen eben Kompromisse getroffen werden! Anti-Aliasing ist zum Demonstrationszweck auf „Episch“ gestellt – doch ist die Performance dadurch besonders schlecht, während weiterhin Aliasing auf der Strecke zu sehen ist:

Akustisch wählt Redout eine ähnliche Richtung wie Genre-Kollegen. Das rasante Geschehen wird mit elektronischen, bassbetonten Klängen verziert, die gut zum futuristischen Stil passen. Die Songs sind auf die jeweiligen Strecken abgestimmt und tragen so zu einer tollen Atmosphäre beim Fahren bei.

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Fazit

Fans von futuristischen Racern können sich freuen: Redout ist ein richtig guter Genre-Vertreter geworden! Mit einem fantastischen Geschwindigkeitsgefühl, waghalsigem Streckendesign und einer steilen Lernkurve hat das Spiel alles, was sich Hardcore-Fans wünschen dürften. Eine gelungene Karriere führt auch Neulinge an das Geschehen heran und motiviert zum Üben und Besserwerden. Doch richtet sich das Spiel mit seinen herausfordernden Events hauptsächlich an Fans, die mit dem Genre schon viel Erfahrung haben. Wer sich vom rasanten Geschehen nicht packen lässt und keine Geduld mitbringt, unterliegt frustrierend den KI-Opponenten.

Die vielen Spielvarianten sind jedoch atemberaubend und tragen in Kombination mit dem passablen Strecken- und Fahrzeugumfang dazu bei, dass Redout seinen Preis von 31,99€ allemal wert ist. Das Aufstufungs- und Power-Up-System um aktive und passive Fähigkeiten hebt Redout von Genre-Lieblingen wie WipEout ab. Dadurch imitiert der Titel zwar einerseits das Spielgefühl der bekannten Zukunftsracer, hat aber auch seinen eigenen Charme. Mit einer schicken Grafik und einem passenden Soundtrack wird das Gesamtpaket abgerundet, das nahezu alles richtig macht. Gäbe es Online bloß mehr Spieler zu finden und die selben Modi wie gegen Bots zu spielen…

Noch verbesserungsbedürftig ist hingegen die optionale VR-Unterstützung. So löblich das Vorhaben auch ist, macht das Spiel in dieser Hinsicht noch einiges falsch. HTC Vive- und Oculus Rift-Besitzer müssen sich über das Fehlen einer optimalen Kameraansicht ärgern. Denn sorgen die vorhandenen Perspektiven für Abstriche beim Geschwindigkeitsgefühl. Zudem dürfte Motion Sickness für viele Spieler zum Problem werden. Weiterhin kämpft das Spiel in VR mit Performanceproblemen, die sich durch starkes Aliasing und Ruckler in Actionreichen Momenten bemerkbar machen. Das Potential ist da – gelegentlich ergaben sich mir in VR atemberaubend intensive Momente. Allen voran bei großen Sprüngen hielt ich vor Adrenalinschub gerne einmal die Luft an. Dennoch habe ich Redout lieber auf meinem gewöhnlichen Monitor gespielt, was sich durch zukünftige Verbesserungen aber noch ändern könnte.

Redout ist für Anfang 2017 auch für PS4 und Xbox One geplant. Wird die VR-Fassung noch einmal überarbeitet, wäre das rasante Geschehen meiner Meinung nach auch perfekt geeignet für Playstation VR.

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Hey Leute, ich bin der Dominik, Redakteur, und stürze mich für euch gerne in die aktuellsten News und Reviews der PS4 :)