Releasetermin: 24.07.2018

 

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Horror, Stealth, Roguelike
Entwickler: Firespite
Herausgeber: Firespite

 

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Auch wenn es nicht jeden Monat einen richtigen Kracher für Playstation VR zu vermelden gibt, kommen regelmäßig gute Spiele für die Plattform raus. Die Entwickler von Firespite möchten mit ihrem Spiel The Persistence, das sich als Sci-Fi Horror-Adventure entpuppt, dazu beitragen. Dass Horror in der virtuellen Realität besonders effektiv funktioniert, hat nicht zuletzt Resident Evil 7 bewiesen. Kann The Persistence, von einem wesentlich kleineren Team entwickelt, an diese Erfolgsgeschichte anknüpfen? Oder reiht es sich ein in die Riege von mittelmäßigen PSVR-Titeln, die nach einer Stunde ihren Reiz verlieren?

Gestorben? Fang von vorne an!

The Persistence spielt sich wie ein Roguelike-Titel. Sobald man während eines Leveldurchgangs stirbt, fängt man wieder von vorne an. Dieses Konzept ist gar durch die seichte Story erklärt. Als einziger Überlebender finden wir uns an Bord einer Raumstation vor, die von verrückt gewordenen Klonen befallen wurde. Wir müssen uns der Masse stellen – und in Kauf nehmen, dass wir dabei ins Gras beißen. Das ist aber gar nicht so schlimm. In Zusammenarbeit mit dem Bordcomputer werden wir erneut zum Leben erweckt, indem unser Bewusstsein einfach in einen neuen Körper gesteckt wird.

Klassisch für das Genre ist die Möglichkeit, sich auch über den Tod hinaus langfristig verbessern zu können. Das funktioniert hier mit Hilfe von DNA-Proben, die sich einsammeln lassen. Diese Stammzellen können in permanente Werte und Fähigkeiten investiert werden, um zum Beispiel die Gesundheit dauerhaft zu erhöhen. Auch lassen sich Erebus-Marken finden, mit denen Waffen-Upgrades freigeschaltet werden. Sämtliche gefundenen Waffen verliert man zwar nach dem Tod, die Upgrades bleiben aber erhalten. Sogenannte Fabchips stellen eine weitere Währung dar, mit der Waffen und Ausrüstungsstücke für den aktuellen Durchgang gekauft werden können.

Die Levels der Raumstation sind prozedural generiert, damit der Spieler nach einem Tod nicht immer dieselben Areale durchstreifen muss. Es gibt fünf Decks, die sich optisch allesamt ein wenig unterscheiden. Einige Umgebungsabschnitte wiederholen sich, doch insgesamt funktioniert das Konzept recht gut. Um es den Spielern zumindest etwas leichter zu machen, schaltet man eine Teleportfunktion frei, sobald man ein neues Deck erreicht. Um diesen Teleporter aber nutzen zu können, muss man zunächst eine Deckkarte des jeweiligen Decks finden. Auf diese Weise werden Spieler zur Erkundung aufgefordert und es wird verhindert, dass sich Tode zu frustrierend anfühlen.

Keine Bewegungssteuerung? Kein Problem!

Als ich hörte, dass The Perception ohne Unterstützung für Bewegungscontroller auskommt, war ich zunächst enttäuscht. Denn oftmals steckt für mich in den Motion Controls ein großes Stück der Magie der virtuellen Erfahrung. Es gibt nur wenige gute Beispiele, die komplett ohne Support für Playstation Move auskommen und trotzdem auf ganzer Linie überzeugen wie zum Beispiel Resident Evil 7. Ich kann glücklicherweise nun aber sagen, dass auch The Persistence zu diesen positiven Beispielen zählt.

Es hat mich gefreut, dass der Titel verschiedene Fortbewegungskonzepte anbietet. Die klassische Steuerung per linkem Stick ist möglich und kann angepasst werden. Wer dieses Kontrollschema nicht verträgt, kann sich auch durch kleine Teleportationsschritte fortbewegen. Eine Reihe von weiteren Komfortoptionen wie die Begrenzung des Sichtfeldes und die Drehung per Einrastrotation sind ebenfalls gegeben. Auch gut gefallen hat mir, wie man das Interface umgesetzt hat. Da es keine Bewegungssteuerung gibt, kann man Waffen, Währung etc. nicht intuitiv aufheben. Stattdessen starrt man Objekte für kurze Zeit an und interagiert so mit ihnen, was erstaunlich gut funktioniert.

Kreative Waffen, hilfreiche Fähigkeiten

The Persistence präsentiert sich in First-Person-Sicht als Shooter. Im Kampf gegen die bedrohlichen Zombie-ähnlichen Wesen kann der Spieler auf eine Vielzahl von Waffen zurückgreifen. Diese reichen von regulären Pistolen bis hin zu kreativen Gravitations-Zukunftswummen. Klassisch für das Genre besteht jederzeit eine Munitionsknappheit, sodass man einerseits sehr gezielte Schüsse abgeben muss und andererseits einen guten Grund hat, stets Ausschau nach Munition und neuen Waffen zu halten.

Das hat außerdem zur Folge, dass man besonders zu Beginn sehr häufig seine Nahkampfwaffen nutzt, um sich die Klongegner vom Leib zu halten. Nützlich wird dabei ein künstliches Schild, das bei gutem Timing Angriffe der Bestien abblockt. Ein “Entnahmegerät” macht es zudem möglich, Stammzellen direkt aus den Gegnern zu gewinnen und sie somit zu töten, nachdem man sich an sie herangeschlichen hat. Neben Nahkampf- und Schusswaffen hat der Titel noch andere Möglichkeiten in petto, um dem Spieler höhere Überlebenswahrscheinlichkeiten zu bieten. Da wäre zum Beispiel eine Unsichtbarkeitsfähigkeit oder der Perk, Feinde durch Wände zu sehen.

Spannungsgeladenes Stealth-Abenteuer

Doch nur weil das Spiel diverse Waffen enthält, heißt das nicht, dass es Action bis zum Umfallen bietet. Stattdessen präsentiert sich der Titel als Stealth-Abenteuer, bei dem rohe Waffengewalt nicht immer die beste Lösung ist. Das trägt auch zur Atmosphäre bei. Durch die Phasen der Ruhe baut sich allmählich Spannung auf, was das Spiel vorzüglich umsetzt. Zerstückelte Leichen, die auf dem Boden liegen; flackerndes Licht, das auf Dauer nervös macht; Lüftungsschächte, die ohne Vorwarnung einen ohrenbetäubenden Lärm von sich geben. Stellenweise war ich sehr an das erste Dead Space erinnert, was auch aufgrund des Schauplatzes nicht allzu verwunderlich sein sollte.

The Persistence arbeitet nicht nur mit psychologischem Horror, sondern bedient sich auch an Jumpscares. Diese nutzt man aber nicht allzu sehr aus, was zu einer guten Mischung aus schauriger Stimmung und cleveren Schockmomenten führt. Da das Erlebnis in VR deutlich intensiviert wird, ist der Titel wahrlich nichts für zartbesaitete Spieler. Wenn plötzlich ein Zombie aus dem Nichts im Blickfeld erscheint, war mir häufig einfach nur zum Schreien zumute. Die Fähigkeit, Gegnerumrisse durch Wände sehen zu können, nimmt leider einiges an Spannung raus. Wer sich also noch mehr gruseln möchte, kann versuchen, auf dieses Feature zu verzichten.

Grafik und Sound tragen hervorragend zur Atmosphäre bei

Die tolle Grafik, die ich über eine PS4 Pro erlebt habe, und das unheimliche Sounddesign haben ebenfalls einen großen Anteil am Gruselfaktor. Das Spiel sieht über das Headset zwar etwas grieselig und nicht ganz so scharf aufgelöst aus, doch das schadet der Erfahrung kaum. Mit clever genutzten Lichteffekten, schaurig gestalteten Gegnern und unnatürlichen Lauten, die diese von sich geben, kreiert The Persistence eine erstklassige Atmosphäre.

Koop-Erlebnis durch Smartphone-App

The Persistence hat eine Koop-Funktion, die in Kombination mit einer Smartphone-App (Android, iOS) genutzt wird. Während ein Spieler mit dem Headset auf den Kopf durch die prozeduralen Levels streift, sieht der andere Spieler auf dem Handybildschirm Umrisse der Karte und kann den Kollegen durch die Umgebung führen. Der Partner ohne Headset hat auf dem Handy Zugriff auf das System des Raumschiffes, was ihm ermöglicht, Türen zu öffnen oder Feinde „einzufrieren“. Auch wenn der Unterhaltungswert für den navigierenden Spieler auf Dauer begrenzt ist, hat mir die Idee gut gefallen. Wer das Spiel besitzt, sollte dieses Feature zumindest einmal ausprobieren – und seinen VR-Kumpel mal so richtig eins auswischen. Der Smartphone-Spieler kann seine Macht nämlich nicht nur nutzen, um dem Überlebenden zu helfen, sondern kann ihm ebenfalls das Erlebnis erschweren.

Wer das Roguelike-Konzept nicht mag, sollte fern bleiben

Auch wenn The Persistence eine tolle Umsetzung mit vielen netten Ideen darstellt, hat es auch einige Schwächen. Diese stammen hauptsächlich dem Genre ab. Prozedural generierte Levels haben schließlich ihre Grenzen. So kann es vorkommen, dass sich ein Durchgang wesentlich unterhaltsamer spielt als der nächste. Mal sind die Areale nicht so clever aufgebaut, führen durch ihre Gegnerplatzierung zu unfair schweren Stellen. Dazu kommt, dass sich nach einigen Stunden Monotonie breit macht. Obwohl jedes Level neu generiert wird, sehen sie auch alle sehr ähnlich. Noch dazu fühlen sich die Horrormomente manchmal etwas wahllos an, nutzen sich außerdem nach einiger Zeit ab. Ein von vorne bis hinten durchchoreografiertes Erlebnis bietet schlicht andere Möglichkeiten als ein Abenteuer, das sich bei der Levelgenerierung auf eine Handvoll Algorithmen verlässt. Wer häufiger Roguelikes spielt, wird sich an diesen Punkten gegebenenfalls weniger stören, weil diese Probleme bereits von anderen Genrevertretern bekannt sein dürften.

Wertung im Einzelnen
Gameplay
8
Gruselfaktor und Atmosphäre
9
Inhalt und Umfang
7
VR-Umsetzung
9
Grafik
9
Sound
10
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