Releasetermin: 28.05.2020

Medientyp: Blu-ray Disc, Download
Genre: Horror, Rätsel
Entwickler: Camel 101
Herausgeber: Wired Productions, WhisperGames

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Mit Those Who Remain wird es gruselig, mysteriös und auch rätselhaft. Das Horrorspiel von Camel 101 und Publisher Wired Productions greift auf einen mysteriösen Mordfall zurück, der für seltsame Geschehnisse in der Stadt Dormont sorgen soll. Mit vielen Mechaniken und Rätsel rund um eine andere Welt möchten die Macher für frischen Wind in das Genre bringen. Wie es um Those Who Remain steht und ob das Spiel in Story und Atmosphäre überzeugt, findet ihr im Test heraus.

Ein rätselhaftes Unterfangen

In Those Who Remain verschlägt es euch in die verlassene Kleinstadt Dormont. Dort angekommen wird euch schnell bewusst, dass der Ort gar nicht so verlassen ist, wie es zu Beginn den Anschein macht. Im Dunkeln lauern Schattenwesen auf euch, die euch mit ihren blauen Augen in ihren Bann ziehen. Direkt zu Beginn lernen wir also: Im Licht bleiben ist der Schlüssel zum Erfolg, denn nähert ihr euch den Wesen, landet schnell ihre Axt in eurem Körper und schickt euch über den Jordan.

Dementsprechend gibt es viele Rätsel, die es zu bewältigen gilt. Diese sind häufig mit dem Licht und der Dunkelheit verbunden. So müsst ihr oft überlegen, wie ihr eine dunkle Stelle erleuchten könnt, um euch einen sicheren Weg zu bahnen. Beispielsweise finden wir uns zu Beginn an einer leblosen Tankstelle wieder. Dort steht ein Auto vor einem Zaun, das sich aber nicht öffnen lässt, da „etwas“ Unsichtbares die Tür versperrt. Beim Umsehen fällt auf, dass sich eine Tür öffnet, die uns in die Anderwelt bringt. Dort sehen wir, dass das Auto von Efeu umgeben ist, welches wir mit einer Herbizid-Pumpe entfernen können. Zurück in der „normalen“ Welt kann nun das Fahrzeug geöffnet und der Scheinwerfer betätigt werden. Leider liegt noch ein Holzbrett im Weg, wodurch das Licht nicht zur Tür reicht. Zum Bewegen ist es aber zu schwer. Nun müssen wir es aus der Anderswelt wegräumen, um uns in der richtigen Welt an die Tür zu begeben. Die Aktionen aus beiden Welten wirken sich demnach gegenseitig aus, was ein paar nette Puzzle ermöglicht. Diese Ideen wurden im gesamten Spiel noch weiter ausgebaut und überzeugen mal mehr aber auch mal weniger. Oft wird der eigentliche Stil der Rätsel gebrochen, was dann in Plattformpuzzle oder Sammel-Denkspiele endet, die so nur noch wenig mit der Anderwelt oder dem Licht zu tun haben. Die Ideen der Rätsel reichen hierbei von fesselnd und interessant bis langweilig und unfair. In Dormont erwarten euch aber auch jede Menge weitere Gefahren.

Die Stadt setzt euch jede Menge Rätsel mit Lichtern vor, weicht aber hinterher auf andere Arten aus. Hier müssen die Bilder in korrekter Reihenfolge ausgewählt werden.

Zwei Welten, doppelter Horror?

In der normalen Welt werdet ihr von unheimlichen Silhouetten verfolgt, die euch mit ihren blauen Augen aus der Dunkelheit heraus anstarren. Was zu Beginn noch ein wenig suspekt wirkt, wird relativ schnell aber wieder außen vorgelassen, da ihr früh bemerkt, dass euch die Wesen nur an den Kragen gehen, wenn ihr ihnen zu nah kommt. Davon abgesehen stellen die Figuren kaum eine Gefahr da und dienen eher der Atmosphäre, sind Mittel zum Lösen einiger Rätsel und dafür da euch den Weg abzuschneiden.

Die glühenden Augen hinter dem Auto schneiden euch den Weg ab. Kommt ihnen nicht zu Nahe.

Richtig gruselig wird es dafür in der anderen Welt. Dort angekommen lauern bösartige Monster, die euch bei Sichtkontakt hinterherjagen. Wehren könnt ihr euch nicht und das Licht hält die Geister ebenfalls nicht fern. Einziger Ausweg: Füße in die Hand nehmen und draufloslaufen. Gelegentlich müssen weitere Puzzle unter Stress gelöst werden, während ihr mit dem Monster im selben Raum seid. Seine Glanzmomente hat Those Who Remain in seinen Ideen, während ihr in der Anderwelt unterwegs seid. Zimmer sind auf den Kopf gedreht, endlose Gänge zerren euch in die Dunkelheit oder Gegenstände bewegen sich unkontrolliert durch die Luft. All das trägt zur grotesken Atmosphäre des Spiels bei.

Ausgesprochen originell wird es, wenn beide Welten kurzzeitig ineinander verschmelzen. Dabei wechselt ihr innerhalb weniger Sekunden immer mal wieder zwischen beiden Welten hin und her, um euch euren Weg nach vorne zu bahnen. Wo es in der realen Welt nicht weitergeht, da vielleicht kein Licht verfügbar ist, bildet sich in der anderen Welt ein Weg. Innerhalb kürzester Zeit müsst ihr diesen Weg nehmen, bevor es wieder zurück in die echte Welt geht. Those Who Remain mag sich vielleicht stellenweise etwas in die Länge ziehen und mit seinem Stil brechen, bringt aber durchweg neue Ideen auf den Tisch, die euch bei Laune halten. Obiges Beispiel bildet sich beispielsweise wie folgt ab:

Ein grausames Drama

Doch warum sind die Dinge so wie sie sind in Dormont? Das ist zu Beginn nicht ganz klar, wird aber zum Ende hin aufgeklärt. Was aber schnell bedeutend wird sind die Ereignisse um eine kleine Familie, die in der Stadt vorgefallen sind. Ein Mädchen und ihre Mutter sind neu in der Stadt, kommen den Bewohnern aber etwas merkwürdig vor. Das merken auch die Mitschüler des Mädchens, was in Mobbing resultiert. Was genau der Familie widerfahren ist finden Spieler im Verlauf der Story immer mehr raus und kommen hinter den Grund der seltsamen Ereignisse der Stadt.

Die Geschichte ist durch vorhersehbare Plot Twists leider nicht die Spannendste, liefert aber immerhin eine Erklärung und ist in sich geschlossen. Wie der Ausgang des Protagonisten am Ende des Spiels ausschaut, hängt aber einzig und allein von euren Entscheidungen im Spiel ab.

Vergeben oder Verdammen?

Those Who Remain liefert euch unterschiedliche Enden, die darauf hinauslaufen, welche Entscheidungen ihr während des Spieldurchgangs trifft. Ihr bewegt euch zwischen diversen Orten umher und sammelt Informationen zu Personen, die eine gewisse Mitschuld an der momentanen Situation in Dormont tragen. Sobald ihr alles zusammengetragen habt, fasst eine geheimnisvolle Person am Ende nochmal die positiven und negativen Eigenschaften des Schuldigen zusammen und überlässt euch die Wahl, ob ihr ihn verdammen oder vergeben möchtet. Ihr seid somit Richter über das Leben des Beteiligten und entscheidet selbstständig über dessen Schicksal.

Verdammen oder vergeben? Wie ihr euch entscheidet, hat Auswirkungen aufs Ende.

Je nach Entscheidung wirkt sich das auf das Ende des Spiels aus. Besonders an diesen Stellen regt euch der Titel zum Denken an und verlangt moralische Entscheidungen von euch. Leider entfaltet dieses System nicht seine ganze Pracht, da die Taten der betroffenen Personen sich meist mit der gleichen, über die ihr vorher geurteilt habt. Die Argumente und Taten der Personen ändern sich bis auf Kleinigkeiten kaum und haben alle den gleichen Kerngedanken. Daraus resultiert dann, dass man häufig dieselbe Entscheidung wie vorher trifft und nicht mehr richtig über die Gründe nachdenkt.

Gute Atmosphäre und Synchro, jedoch Schwächen in der Technik

Alles in einem kann sich die Atmosphäre des Spiels durch die oben genannten Punkte sehen lassen. Es kommt durchaus ein unheimliches Feeling zu Stande und es werden nicht durchgehend auf Jumpscares gesetzt. Auch die Synchro kann sich mit blicken lassen. Gerade Sascha Rotermund hat einen tollen Job in der Vertonung des Hauptcharakters geleistet. Neben ihm kommen auch weitere Stimmen wie Emma Herrmann (A Plague Tale: Innocence), Kai Hendrik Möller (Doctor Who) und Nina Witt (Little Witch Academia) vor. Für einen Indie Titel hat man hier schon gute Sprecher engagiert, was ich positiv anmerken möchte.

Leider macht dem Feeling die Technik einen kleinen Strich durch die Rechnung. Man merkt dem Titel sein niedriges Budget an jeder Ecke an. Die Grafik und Schattenqualität kommt in einer niedrigen Auflösung (PS4) daher und die Texte in der deutschen Übersetzung weisen einige Rechtschreibfehler auf. Auch die Steuerung fühlt sich sperrig an. Beim Öffnen der Schubladen oder dem Aufnehmen von Gegenständen muss man besonders präzise agieren und die richtige Stelle erwischen, da man sonst diese Interaktionen übersieht. Manche Schränke lassen sich demnach öffnen, andere (im gleichen Design) aber wieder nicht. Auch ist das Spiel nicht ganz fehlerfrei. Ich selbst hatte bei meinem Spielverlauf beispielsweise eine Fluchtsequenz, bei der der Geist nicht aufgetaucht ist. Generell ist das Spiel oft besonders dunkel, wodurch einige Details verloren gehen.

Besonders auffällig wird es aber in den Animationen. Schaut man sich den Laufstil der Geister an oder achtet auf die Sequenzen, wenn man von den Gespenstern eingeholt wurde, wird es einem bewusst: Die Bewegungen sind nicht das Gelbe vom Ei und wirken besonders klobig, langsam und unrealistisch. An diesen Stellen geht dann leider etwas von der Atmosphäre des Spiels verloren.

Wertung im Einzelnen
Story
6
Inhalt & Umfang
5
Gameplay
6
Technik
5
Sound
8
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Lexrer
Hallo zusammen, mein Name ist Alex, bin derzeit 24 Jahre alt und lebe derzeit im Ruhrgebiet in der schönen Wasserstadt Mülheim an der Ruhr. Zu meinen Hobbys gehören u.a. Sport, Kino, Videobearbeitung und natürlich das Spielen, Informieren und Konsumieren von Videospielen aller Art. Ich freue mich euch jederzeit mit den spannensten Neuigkeiten aus der Gaming Branche zu versorgen. :) Gamer bin ich seit meiner Kindheit und nutze seit jeher hauptsächlich die Playstation als Platform. Falls Fragen bestehen, könnt ihr mich gerne kontaktieren. Genres: Action, Horror, Shooter, Adventure, RPG, Online Gaming, Beat Em Up, MMO, Walking Simulator, ...