Releasetermin: 31.07.2018

Medientyp: Download
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Ninja Theory
Herausgeber: Ninja Theory

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Das ehemalige Indie-Studio Ninja Theory, das Microsoft mittlerweile unter seine Fittiche genommen hat, veröffentlichte im letzten Jahr Hellblade: Senua’s Sacrifice. Der Titel kam nicht nur in unserem Test gut weg. Sowohl der hohe Feinschliff als auch auch die Prämisse der posttraumatisierten Protagonistin machte Hellblade zum besonderen Erlebnis. Dieses wird für manche Spieler nun noch imposanter: Ninja Theory hat für HTC Vive und Oculus Rift eine VR-Version des Titels veröffentlicht. Wer das Spiel auf Steam oder GOG besitzt, erhält die VR-Fassung sogar ganz ohne Aufpreis dazu. Ich habe den Test gewagt und berichte euch, wie das virtuelle Abenteuer an der Seite von Senua ausfällt.

Toller VR-Port einer besonderen Reise

Bei der VR-Edition handelt es sich nicht um ein völlig neues Spiel. Inhaltlich gibt es genau das zu erleben, was man bereits seit August 2017 auf normalen Bildschirmen erleben kann. Die Darstellung ist allerdings eine andere, schließlich lässt sich Hellblade nun in VR bestaunen. Ninja Theory hat allerdings keine “klassische” VR-Darstellung in First-Person-Sicht mit Bewegungssteuerung gewählt. Stattdessen nimmt der Spieler quasi die Rolle eines Beobachters ein, der stets hinter der Protagonistin platziert ist und ihr über die Schultern guckt, während er sie steuert. Das mag zunächst unspektakulär klingen, doch so manches VR-Spiel hat bereits bewiesen, dass auch dieses Konzept seinen Reiz hat. Denn auch wenn wir nicht die Ego-Perspektive der Kriegerin einnehmen, befinden wir uns dennoch in einer 360°-Umsetzung der düsteren Spielwelt und können uns nach freien Belieben umschauen.

Folgendes 360°-Video auf Youtube gibt einen groben Eindruck, wie man sich die Ansicht vorstellen kann:

Ungewöhnliche Perspektive sorgt für ein erstaunlich denkwürdiges Erlebnis

Viele einprägsamen Momente der Reise werden in VR intensiver vermittelt. Während das Erlebnis am traditionellen Bildschirm schon viele schaurigen Situationen bietet, wird der Trip in VR fast schon zum Horrorerlebnis. Auch wenn wir das Geschehen nicht aus den Augen von Senua erleben, macht es viel aus, quasi mit ihr gemeinsam in dieser düsteren Welt zu stecken. Gerne schaute ich mich um und nahm Details des sonderbaren Schauplatzes war. Ich sah bei genauerem Betrachten manche Animation der Protagonistin, die mir beim normalen Durchgang nicht aufgefallen sind.

Ich war zunächst skeptisch, kann nun aber bestätigen, dass auch die Perspektive aus dritter Person einen großen Mehrwert am virtuellen Abenteuer darstellt. Ja, es ist definitiv eine andere Erfahrung, als in Ego-Sicht mit erfasster Armbewegung die Ereignisse selbst zu durchleben. Trotzdem bietet diese Art der VR-Umsetzung ebenfalls einen besonderen Charme und ich hoffe, dass auch andere Entwickler darüber nachdenken werden, ihren Third-Person-Spielen einen ähnlichen VR-Port zu verpassen.

Ich bin zwar nach wie vor kein Fan des hölzernen Kampfsystems. Und auch die Umgebungsrätsel haben mir nur bedingt Spaß bereitet. Dadurch, dass ich mich in VR selbst umsehen konnte, verstand ich den Aufbau der Umgebungen aber durchaus besser und konnte die Puzzle leichter lösen. Es bleibt aber auch in der VR-Edition dabei, dass Hellblade nur selten Spaß im klassischen Videospielsinne macht. Vielmehr steht die grandios umgesetzte, emotionale Story im Vordergrund. Diese führt vor allem in Kombination mit einer binauralen Soundumsetzung mit Stimmen-im-Kopf-Effekt zu einem einzigartigen Erlebnis, das auch ohne wirklich positiv herausstechendes Spielgeschehen sehr unterhaltsam ist.

VR-Neulinge und -Veteranen gerne gesehen

Hellblade VR kommt mit einigen Komfort-Optionen daher. Auch wenn Spieler nicht die First-Person-Sicht einnehmen, besteht trotzdem die Gefahr, Unwohlsein beim Spielen zu verspüren. Aus diesem Grund können Spieler einige Einstellungen vornehmen, so zum Beispiel den Einrastrotations-Winkel zur Drehung der Ansicht verändern. Zudem kann eingestellt werden, dass während des Kampfes eine automatische Kamera-Einrastung vorgenommen wird. Ebenso bietet das Spiel die Option, dass man Senua per Kopfbewegung steuern kann. Dann läuft sie in die Richtung, in die der Spieler gerade geschaut. Ich habe aber die normale Kontrolle der Protagonistin per linkem Stick präferiert.

Weiterhin hat das Spiel zwei experimentelle Perspektiven auf Lager, die Ninja Theory den Spielern zum Ausprobieren zur Verfügung stellt. Da gibt es zum einen eine Art Vogelperspektive, durch die Hellblade zur Tabletop-Erfahrung wird. Zum anderen können Spieler die Umgebung und sämtliche Figuren in riesiger Größe erscheinen lassen, sodass man sich sehr klein fühlt und zur Protagonistin heraufschauen muss. Ich habe beide Optionen jedenfalls sehr gerne ausprobiert und allen voran mit dem Tabletop-Modus des Öfteren auch langfristig gespielt, da man hier eine besonders gute Übersicht hat. Leider kommen die beiden zusätzlichen Perspektiven auf Bildern schlecht zur Geltung. Wer das Spiel in VR besitzt, sollte unbedingt beide Ansichten einmal antesten.

PC mit viel Power unter der Haube für das ideale Erlebnis benötigt

Wer sich den Steam-Eintrag der VR-Version einmal genauer anguckt, wird vermutlich nicht schlecht staunen. Als Minimum-Anforderung wird dort eine Nvidia GTX 1080 Grafikkarte angegeben. Das kommt nicht von ungefähr. Denn mit seiner detailverliebten Grafik verlangte das Spiel PCs schon für die normale Darstellung auf hohen Einstellungen einiges ab. Bei Ninja Theory möchte man keinesfalls, dass Hellblade in VR bei seiner beeindruckenden Optik starke Einbußen hinnehmen muss. Die Mindestanforderungen sind also eher so zu verstehen, dass die Entwickler eine GTX 1080 voraussetzen, um den Titel in seiner vollen Pracht zu genießen.

Spielbar ist es definitiv auch mit schwächeren Grafikkarten, was ich selbst für diesen Test ausprobiert habe. Das merkt man auch daran, dass neben der GTX 1080 eine Radeon RX 580 von AMD empfohlen wird, die schwächer und deutlich günstiger ist. Auch bei insgesamt niedrigen bis mittleren Grafikeinstellungen, dafür aber mit “sehr hoher” Texturenqualität, sieht das Spiel in VR noch überdurchschnittlich gut aus. Ich war mit der Leistung meiner R9 390 zufrieden. Mit Hilfe einer “Resolution Scale” kann man weiterhin die berechnete Auflösung an die Leistung seiner GPU anpassen. Wenn ihr keine GTX 1080 besitzt, sollte euch das keineswegs final abschrecken. Lediglich sollte euch bewusst sein, dass Hellblade VR bei heruntergedrehten Einstellungen nicht mehr ganz so faszinierend gut aussieht.

Wertung im Einzelnen
Story
9
Gameplay
7
VR-Umsetzung
9
Grafik
9
Sound
10
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